Mannheim
Compact Memory

Der junge Jude · 1928-01-01 · Heft 2 (Januar 1928) · p. Seite 44

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der junge Jude
Volume
1 (1927-1928)
Issue
Heft 2 (Januar 1928)
Date
1928-01-01
Page
Seite 44 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3497353-3497354-3497356--051-3497411
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

aber die Frage der Gewinnung der jüdischen Jugend im Galuth! Diese Frage kann ein Bund besonders schwer beantworten, wenn er mit voller Eindeutigkeit in seinen Zielen festgelegt ist und dann die Fähigkeit verliert, sich Außenstehenden deutlich zu machen. Er entwickelt oft, ohne es zu wissen, seine Geheimsprache, ist in jeder Stunde seiner Entwicklung immer nur von einem Spezialgedanken erfüllt, der gleichzeitig alle beschäftigt. Alle lesen das gleiche Buch oder die gleiche Broschüre, und der Außenstehende trifft auf eine abgestempelte, geschlossene Welt. So erscheint dem LI.W.B. für seine innere Entwicklung der Ausbau seines sozialistischen Charakters wesentlich. Für seine Propaganda ist aber entscheidend die Entwicklung der nationalzionistischen Erkenntnisse. Die Schwierigkeit der Propaganda liegt nicht darin, junge Juden vom Sozialismus zu überzeugen, sondern junge Sozialisten dem nationalen Gedanken zu gewinnen. Bedroht ist heute nur die attraktive Kraft der nationalen Idee, die wir durchzusetzen haben. Wie macht man junge Kommunisten und Sozialisten zu nationalen Juden? Das hat der LI.W.B. zu versuchen, wenn er neue Menschen in seinen Bann ziehen will. Diese propagandistische Aufgabe hat also dieselben Schwierigkeiten zu überwinden, die der gesamten zionistischen Propaganda entgegenstehen. Will der I.I.W.B. wachsen, dann bedarf er schon aus diesem eine Grunde der Eingliederung in die Gesamtarbeit der Zionistischen Organisation. Erkennt der I.I.W.B., daß es nicht genügt, die Gesamtheit seiner Mitglieder zum schnellen Sprung bereit zu machen, so muß er mit einer die bündische Generation überdauernden zionistischen Erziehungsarbeit rechnen. Auch für ihn muß es dann objektive Voraussetzungen zionistischen Lebens im Galuth geben, hebräische Kindergärten und jüdische Schulen, zionistische Propaganda und Politik, auf Kenntnissen beruhende Auseinandersetzung mit Antizionisten und Nichtzionisten. Ist es schließlich notwendig, die jüdische Welt dauernd zu aktivieren, so muß jeder, welch letzte persönliche Konsequenz er als Zionist zieht, diese Welt, mit der er zu rechnen hat, und deren Nutznießer in einem gewissen Sinne wir alle sind, in ihren Lebensäußerungen und Wandlungen verstehen. Diese Analyse der jüdischen Gegenwart, die ein unentbehrliches Mittel ist, um andere und uns selbst zu Selbsterkenntnissen und Entscheidungen zu bringen, kann weder isoliert gelernt noch nutzbringend verwertet werden ohne den engsten organischen und organisatorischen Zusammenhang mit der Gesamtorganisation. Der LLW.B. als Jugendbund kann der Aufgabe, Pioniere zu erziehen, nur gerecht werden, wenn er erkennt, daß heute kein Bund mehr die Möglichkeit hat, sich als die allein legitime Repräsentanz der zionistischen Bewegung zu empfinden, sondern daß er nur leben kann, wenn er — durchaus im Bewußtsein seiner Eigenart — sich seinen Platz im Gesamtorganismus gibt und anweisen läßt. Und so muß auch der Bund der Pioniere die stille Hoffnung haben, daß aus seiner Reihe Menschen hervorgehen, die den Kreis derer vermehren und verbessern, die die Verwirklichung des Zionismus durch zionistisches Wirken in den Ländern des Galuth beschleunigen. 44

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.