Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 6 (1920)
- Issue
- 27 (9.9.1920)
- Date
- 1920-09-09
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 27 Jüdische Korrespondenz Seite 5 gierung, worin der Dank und die Wünsche der Orthodoxie zum Ausdruck gebracht werden. Nach einem Schlußwort des Referenten wurden die Anträge der Kommission angenommen. Die Veröffentlichung des Wortlautes bleibt Vorbehalten. Von Beifall begrüßt, erhob sich alsdann der Vertreter der tschechoslowakischen Regierung, um der Versammlung die Grüße des Ministeriums zu überbringen und die jüdische Gemeinschaft sowie die Orthodoxie insbesondere des Wohlwollens der leitenden Kreise zu versichern. Nach Dankesworten des Vorsitzenden gelangte unter -der bereits einsetzenden Unruhe der bevorstehenden Abreise vieler Delegierter noch eine Reihe von Resolutionen und Anträgen zu verschiedenen Gegenständen der Tagesordnung zur Annahme. Darunter eine Entschließung, welche die Aguda verpflichtet, mit ihrer Erez Jisroel-Tätigkeit die Rechte der bestehenden alten Palästinaorganisationen, insbesondere die Rabbi Meir bal Haneß-Sammlungen zu respektieren. Ferner wird die Errichtung eines der Beschaffung materieller Mittel für die Chinuch gewidmeten Ressorts beschlossen, das jedoch auf dieser Aufgabe beschränkt sein soll und in die Autonomie der Länder nicht eingreifen darf- Endlich wird die Leitung beauftragt, die Frage des Weltkongresses, die für die Orthodoxie, ernste Probleme in sich birgt, gründlich zu erwägen und sämtlichen Instanzen der Aguda zur Prüfung vorzulegen. Die entgültige Entscheidung soll dem Zentralrat in Verbindung mit dem Rabbinerrat zustehen. Den Schluß der Tagung bildete der Bericht Dr. Nathan Biernbaums über die Sitzungen der Wirtschaftskommission. Nach den überaus temperamentvollen Ausführungen des Referenten gelangte sein Vorschlag in folgender Form zur Annahme: A) 1. Die Konferenz beschließt die Errichtung eines zentralen Emigrationsamtes zur Prüfung des Tatsachenmaterials, der Ergebnisse der veranlagten Studien, insbesondere zur Prüfung der Einwanderungsmöglichkeiten in die verschiedenen Länder. 2. Zu diesem Zwecke werden die Landesorganisationen der Agndas Jisroel angewiesen, eine Tätigkeit zur Regulierung der Emigration aufzunehmen, und zwar: a) In den Auswanderungsländern durch Errichtung von Arbeitsstellen für statistische Aufnahmen und von Emigranten- Fürsorgesteüen; . b) in den D u r ch wanderungsländern durch Errichtung von Fürsorgestellen an den Einbruchsstellen, im Binnenlande und an den Anstaltsstellcn, die sich mit der Beherbergung, Beköstigung, Beratung, Beförderung und Beschützung der Durchwauderer mit besonderer Berücksichtigung der religiösen Bedürfnisse beschäftigen; e) in den Einwanderungsländern durch Errichtung von Fürsorgestellen, die sich mit dem Empfange, der Weiterleitnng, Arbeitsanweisung und Berufsberatung der Einwandernden unter besonderer Berücksichtigung des religiösen Momentes beschäftigen. 3. Die Konferenz beschließt die Veranlassung zur Gründung einer Emigrationsbank, die sich vorläufig mit folgendem beschäftigt: a) Neberweisung von Geldern aus den Einwanderungsländern; d) Besorgung von Schiffs- und Fahrkarten; e) Liquidierung des zurückgelasseneu Vermögens. B) Die Konferenz beschließt die Errichtung eines Zentralamtes für rasche und für Aufbauhilfe mit folgenden Aufgaben: 1. Ausbau und Förderung der bereits bestehenden Institutionen und Körperschaften. 2. Neuerrichtung von solchen Institutionen und Körperschaften nach Berichten und durch Vermittlung der Landesorganisationen. Ci) Die beiden Zentralämter, welche von der Konferenz im Laufe ihrer Tagung bestimmt werden, sollen sofort mit ihrer Arbeit beginnen. Die Konferenz hält es für wünschenswert, einerseits die gesamte Hilfe- und Aufbautätigkeit, andererseits die Lmngrstiossreguliernng zu verencheitlichen und überlaßt eS der Zentralleitung der Aguda, eventuelle, auf die Teilnahme der Agndas gerichtete Anträge von andeten Organisationen zu prüfen und, wenn sie die Gleichberechtigung der Orthodoxie verbürgen, anzunehmen, oder aber diese Einheit selbständig auf anderen! Wege herbeizuführen. In der Debatte kam lebhafte Unzufriedenheit darüber zum Ausdrucke, daß die wirtschaftlichen Probleme nicht in einem früheren Stadium der Verhandlung zum Gegenstand der Besprechung gebracht worden seien. Es ist dies der Ueberlastung der Konferenz mit Arbeitsstoff und ihrer Zusammendrängung auf wenige Tage zuzuschreiben. Nachdem noch eine ganze Reihe von Begrüßuugstelegrammen verlesen worden waren, wurde die Konferenz gegen zwei Uhr mit Dankesworten an die tschechoslowakischen Gesinnungsgenossen, insbesondere an die Preßburger Gemeinde und an die Agudah-Jugend, die sich um das Gelingen der Veranstaltung verdient gemacht hatten, geschlossen. Rabbiner Kahnemann (Ponewisch) bat in eindrucksvollen Worten, sich mit dem ganzen Ernste der Stunde zu erfüllen und nicht zufrieden auf Erfolge hinzublicken, sondern jeden Nerv anzuspannen zur Lösung der zentnerschweren Aufgaben, die auf der Orthodoxie in diesem Augenblicke lasten. Am Sonntag und Montag fand eine Nachkonferenz in Wien statt, an der sich der größte Teil der Delegierten beteiligte. (Bericht folgt.) _ Versammlungen. Gelegentlich der Aguda-Konferenz haben in Preßburg mehrere öffentliche Versammlungen stattgefunden. Am 24. d. sprach Herr Jakob Rosenheim im großen Saale des Bellevue über die Ziele der Aguda. Am 25. d. hielt Dr. Ehrmann einen Bortrag über Jugendorganisation. Am Schabbos war ein Charifus- und Maggidus-Bortrag des Rabbi K a h a n e m a n » in der Schiurstube, Samstag abends referierte Rabbi Lew in und am Sonntag sprach Dr. Birnbaum im Komitathaussaale. Der Vortrag Jakob Rosenheims war wahrhaftig eine Stunde der Andacht zu nennen. Eine glänzende Diktton, unterstützt von allen rhetorischen Vorzügen, beseelt von der innigsten Liebe zur Thora, oft durchbebt von dem edlen Schmerze über die Abirrungen herrschender jüdischer Bestrebungen, wirtte auf viele, selbst im eigenen Kreise, wie eine neue Offenbarung. Zahnarzt Dr. Ehrmann redete zur Jugend die eindringliche Sprache der Ueberzeugung und übte durch sein reiches Thorawissen den besten Eindruck aus. Zündend wirkte auch der Bortrag des Rabbi Kahanemann aus Lithauen. Nach einem glänzenden Charifus-Bortrag begann der noch junge Raw vom Possuk »Koni akara lo jalada“, des Kommentars la jalada bonim la Gehinom ausgehend, mit hinreißender Sprachgewalt die Geistigkeit des jüdischen Volkstums zu schildern, die sich nur auf dem endlosen Gebiete der Thora ausleben könne und in den enggeistigen Rahmen des jüdischen Nationalismus gepreßt, diesen nach kurzer Zeit sprengt und sich internattonalen Ideen ergibt. Ihr Stolz ist, den Anderen gleich zu sein, wir waren auf hen am lewadad jischkon stolz. Wir nahmen nicht teil an dem blutigen Tanze des Mittelalters, wir haben damals im Geiste G'ttes gewirrt, wir gebaren keine Söhne für Gehinom und die national Unfruchtbare jubelt stolz darüber. Ein flammender Appel an die Jugend, die Thora nicht zu verlassen, schloß den herrlichen Vortrag. Die Jugendgruvpe hielt Samstag abend einen Diskussionsabend ab, bei welchem Rabbi Lewin referierte. Kontra sprach»! Dr. Peer und Wein re b (Preßburg), pro Herr Wolf Pappenheim, Adler (London), Braun (Hürich), Eiß (Zürich). Sowohl der lokale Misrachi, als dre allgemeine Organisation schnitten an diesem Abende sehr schlecht ab. was ist uns Erez-IijroeU Diese Frage behandelte der Gründer der Agudas Jisroel, Herr Jakob Rosenheim-Frauffurt, in einest Referat, das er anläßlich der Amrdas-Aftoel-Konferenz im Festsaale des Hotel Konttnental in Wien erstatte. Der große Saal war übervoll