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Jüdische Korrespondenz · 1920-09-09 · 27 (9.9.1920) · page 4

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
6 (1920)
Issue
27 (9.9.1920)
Date
1920-09-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Jüdische Korrespondenz Nr. 37 Nachdem diese Verhandlnugen, ohne daß die Agudas Jisxoel eine Verantwortung trifft, ergebnislos verlaufen find, fordert die Konferenz die Leitung auf, nunmehr ihre ganze Aufmerksamkeit auf die selbständige positive Arbeit auf Grundlage der Tauroh zu konzentrieren." Donnerstag nachmittags begann die Berichterstattung der Kommissionen mit dem Referate Dr. Kohns über die Verhandlungen der Organisationskommission, während sich sämtliche Rabbiner zu Verhandlungen über grundlegende jüdische Fragen zu einer besonderen Rabbinerversammlung zurückgezogen hatten. Die Anträge der Orgauisationskommissionen wurden nach längerer Debatte, deren Wiedergabe zu weit führen würde, ungefähr in folgender Form angenommen: 1. Das Zentralbureau wird von Zürich nach London verlegt. Bis zur Einführung der Londoner Herren in die Geschäfte bleibt das Züricher Zentralbureau im Amte. 2. Zur o b e r st e.n L e i t u n g der A g u d a bis zur Keneissio Gedaulo wird — unter Auflösung des provisorischen Komitees — ein Zentralrat gebildet, in dem jede Landesorganisation die entsprechende Anzahl von Vertretern entsendet. Der Zentralrat wählt ein Präsidium ans fünf Mitgliedern. Der Sitz des Zentralrates ist Wien. Zur'Sicherung der Kontinuität der Geschäftsführung kann der Zentralrat sich eine entsprechende Anzahl von Mitgliedern des bisherigen provisorischen Komitees kooptieren. 3. Die Vertretung der Aguda nach außen obliegt einzig und allein dem Zentralburcau in London.. Das Zentralbureau ist dem Zentralrat verantwortlich und hat dessen Votum vor wichtigen Entscheidungen einzuholen. Die Richtlinien der Arbeit stellt der Zentralrat fest; die Exekutive ist allein Sache des Zentralbureaus. 4- Zum Zwecke der Organisation und Propaganda in den östlichen Ländern wird eine Organisationszentrale in Wien errichtet und mit den nötigen Burcankräften ausgestattet, sie ist dem Zentralbureau verantwortlich. 5. Ueber den Modus der Bildung des rabbinischen Rates soll zunächst das Votum der anwesenden Rabbiner eingeholt werden. 6. Die Festsetzung der Zeit und des Ortes der Keneissio Gedaulo bleibt dem Zentralrat überlassen. Nach der Beendigung der Organisationsdebatte erschienen die Herren Rabbiner, zu denen sich inzwischen noch eine ganze Reihe hervorragender Gedaulim, darunter unter anderen die Rabbiner F ür st (Schiffschul-Wien), von Bu c z acz, B r o d y und Galanta gesellt hatten, wieder im Saal, und Oberrabbiner Weber (Pystiany) verkündet nach einleitenden Worten des Preßburger Rews folgenden Beschluß: „Die heute an der Vorkonferenz zur Vorbereitung der Keneissio Gedaulo teilnehmenden Rabbiner erklären einstimmig: Mit Rücksicht darauf, daß die Agudas Jisroel ihre Hauptaufgabe in lioromas keren hathouru wehajiroh erblicken muß, betrachtet es die Agudas Jisroel als ihre erste und oberste Aufgabe, in 'allen Ländern und Städten die bereits bestehenden Ehadorim und Talmud-Thora-Schulen zu erhalten, und wo solche nicht vorhanden sind, welche zu errichten. Selbstverständlich müssen alle solche Ehadorim der Aufsicht des orthodoxen Ortsrabbiners unterstehen. Ferner haben die Rabbiner beschlossen, daß nur solche Jeschiwos von der Agudas Jisroel unterstützt werden dürfen, in denen man sich ausschließlich mit dem Studium der Tanroh beschäftigt." Es war ein Augenblick von besonderer Feierlichkeit, als Herr Thumim (Przemysl); sich erhob, um in bewegten Worten den Beschluß der Rabbiner, dessen Werdegang einer eingehenden Betrachtung und Würdigung bedarf, git begründen, und seine einstimmige diskussionslose Annahme zu fordern. Dies erfolgte unter stürmischer Begeisterung in der Ueberzeugung, daß mit der heute stattgehabten Rabbinerversammlung ein gewaltiger Schritt vorwärts zur inneren Einigung und zum festen Zusammenschluß von Ost und West gemacht worden ist. Oberrabbi ner Weber erklärt ferner,- daßdie Rabbinerversammlung es als selbstverständliche Pflicht der Aguda betrachte, genau in denselben Sinn, wie dies mit den Vertretern der Tschechoslowakei vereinbart worden ist, auch an allen anderen Orten die Autorität des orthodoxen Ortsrabbiners zu wahren und mit ihm in engster Fühlung zu stehen. Der gleiche Gegenstand wurde am Freitag früh nochmals in eingehender Debatte behandelt und damit geschlossen, daß eine Resolution des Oberrabbiners Kahnmann (Poniwosch) und Oberrabbiners Bloch (Telschi) zur Annahme gelangt, lautend: Die Versammlung bringt durch Akklamation feierlich zum Ausdruck, daß die geistige Leitung der Agudas.Jisroel in den Händen der Gedaulei Hadaur Wechachmei Hathauro liegt. Die Nachmittagssitzuug war in ihrem weiteren Verlauf dem durch den Vorsitzenden der Finanzkommission Leo Wreschner (Frankfurt) erstatteten Bericht über den Voranschlag für 1920/21 gewidmet, die anschließende Diskussion beschäftigte sich mit einer Reihe von Einzelfragen, insbesondere über die geeigneteil Wege zur Geldbeschaffung. Die Sitzung schloß mit einer Erklärung des Vorsitzenden des Züricher Bureaus, Dr. Levenstein, daß trotz der bestehenden, in dem Mangel an Arbeitskräften begründeten Schwierigkeiten, die Züricher Herren bereit sind, die Geschäfte so lange zu führen, bis das Londoner Bureau arbeitsfähig ist. Es wird dabei vorausgesetzt, daß die vorbereitenden Maßnahmen für die Uebersiedlung in den liächsten zwei Monaten getroffen werden. Auf Antrag der Delegierten Cohen und L>chereschewski wird beschlossen, der Örganisationszentrale Wien ein Jugendamt anzugliedern, dessen Aufgabe die Zusammenfassung und Erweiterung der in den einzelnen Ländern bestehenden Jugendorganisationen seilt soll. In der A b e n d s i tz u n g erstattete Zahnarzt Ehrmann das Palüstinareferat, das die für die Palästinaarbeit der Orthodoxie in Betracht kommenden politischen, religiösen, organisatorischen und finanziellen Gesichtspunkte eingehend erörtert. Organisatorisch ist die nächste Aufgabe die Zusammenfassung der in den einzelnen Ländern, bereits bestehenden Palästinazentralen zu einer Einhei t. Unter Oberleitung des Londoner Bureaus sollen zunächst die im Osten bestehenden Zentralen in Wien konzentriert lverden. Das in Zürich eingeleitete und durch Valutaschwierigkeiten gehemmte Bankprojekt, hofft man nunmehr von London aus rasch realisieren zu können. Auf kulturellem Gebiet ist der Ausbau des orthodoxen Palästina-Schulvereins „Jawneh" eine der wichtigsten Aufgaben der künftigen Leitung. Besondere Maßnahmen erfordert die gegenwärtige Lage in Jerusalem, wo die gesetzestreuen Elemente der moralischen und materiellen Hilfeleistung von außen in ihrem schweren Kampfe mit den radikalen Gegnern des überlieferten Judentums bedürfen. Besonderes Interesse findet die Anregung des Herrn Hornstein (Kiew), jüdische Waisenkinder aus der Ukraine nach Erez Jisroel zu bringen und dort zu erziehen: die Mittel für dieses Projekt stehen bereits teilweise zur Verfügung. In vorgerückter Nachfftunde mußte die P a l ä st i n a d e b a t t e kurz nach Beginn abgebrochen und auf den folgenden Tag verschoben werden. In der Freitagsitzung, die gleich mit einer Beschränkung der Redezeit auf 6 Minuten begann, erstattete zunächst der Delegierte Chaikin aus London, der von mehrmonatlichem Aufenthalt in'Erez Jisroel zurückkam, eingehenden Bericht über die dortige Lage. Eine Reihe praktischer Anregungen für die Erez Jisroel-Arbeit kam aus den Kreisen der Jugend. Bezeichnenderweise legte man dabei das Hauptgewicht, zumal großzügige wirtschaftliche Arbeit für den Moment den allergrößten Schwierigkeiten begegnet, auf die religiöse Seite und verlangte die Gründung einer auf breiteste Grundlage aufgebauten Zentral-Jeschiwo in Jerusalem. Mit glühender Begeisterung trat dev Poniwoscher Raw Rabbiner Kahn mann für die Hebung des Thorastudiums im heiligen Lande, dann aber vor allem für die Ansiedlung ganzer Familien aus treugesinnten, bürgerlich-jüdischen Kreisen in Erez Jisroel ein. Wichtig sei vor allem die Einrichtung gutgeleiteter I n f o r m a t i o n s b u r e a u s in Europa uiib Jerusalem. Beschlossen wurde im Laufe der Debatte die Absen düng von Telegrammen an den Oberkommissär von Palästina, Sir Herbert Samuel und an die englische Re-

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