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Jüdische Korrespondenz · 1920-10-08 · 29 (8.10.1920) · page 5

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
6 (1920)
Issue
29 (8.10.1920)
Date
1920-10-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 29 Jüdische Korrespondenz Seite 5 liefen Tätigkeitsbericht in der Delegiertenversammlung nicht diskutiert werden. Eine längere Diskusion löste die Frage der Kosten der Delegiertenversammlung aus, so die Frage, ob man die Delegierten für ihre Beteiligung und Reisespesen entschädigen soll. Dies würde, da die erste Tagung gegen zehn Tage dauern dürfte, ziemlich hohe Kosten verursachen. Es wird beschlossen, jeden Delegierten mit 5 Schilling pro Tag zu entschädigen, dagegen keine Reisespesen zu erstatten. Des weitern wird beschlossen, Inventar und Archiv des Waad Hasmani der Delegiertenversammlung zu übergeben, wie auch dieUebersührung des Bureaus des Waad Hasmani nach Jerusalem, zwecks Vorbereitung der Delegiertenversammlung. Ans der Abendsitzung erstattete sodann Ussischkin den mit Spannung erwarteten Bericht über die Londoner Konferenz Ich bringe keine gute Botschaft. Aus dem vorgelegten Rechenschaftsbericht ist zu ersehen, daß die Konferenz unseren Hoffnungen nicht entsprochen hat. Alle, die nach San Remo aus Osteuropa und hauptsächlich aus Palästina nach London kamen, waren in gehobener Stimmung. Die palästinensischen Delegierten kamen auch nach der Geulah Woche. Wir dachten, daß unsere Gedanken nur auf die eine Frage konzentriert sein werden, wie kann man gleich in Palästina mit der großen Arbeit beginnen. In London fanden wir jedoch eine ganz andere Geistesverfassung. Der Frage der Mittel und dem Arbeitspläne wurde fast keine Aufmerksamkeit geschenkt. (Zwischenruf Jellins, warum „fast", überhaupt nicht.) Die Gedanken der Konferenz waren von Anfang an auf die Frage der Leitung, die Personenfrage, gerichtet. Wir dachten, daß, nachdem die gaüze Jndenheit nach San Remo sich in gehobener Stimmung befindet, die finanziellen Kreise jenseits des atlantischen Ozeans längst über die Beschaffung der Mittel beraten und auch einen Arbeitsplan erfunden haben. Aber das war. keineswegs der Fall. Die Delegierten aus dem Osten, alle gebrochen, geflüchtet aus ihrer Hölle, kamen mit der Hoffnung, daß unsere Brüder in Amerika und England moralische und materielle Hilfe gewähren werden. Und was fanden sie? Die amerikanischen Delegierten, 40 an Zahl, brachten nur ein neues System: Zuerst müsse alles zer-stört werden; dann werden wir sehen, was weiter zu geschehen hat. Und dann noch eins. Die Delegierten Palästinas wurden nicht als Vertreter Palästinas betrachtet; sie bildeten keine geeinigte Front. Es waren Parteivertreter, Hapoel Hazair, Achduth Häawodah oder Misrachi oder Vertreter anderer Länder, wie Jellin, der Delegierte Persiens, Joffe, der Delegierter Litauens war. Hauptredner waren die Amerikaner. Sie erklärten, daß alles faul sei, aber kann jemand, der in London war, nur einen Einzigen konkreten Vorschlag der Amerikaner nennen? Aber auch unsere palästinensischen Parteien, die rechten und die linken, was taten sie? Sie ftntten über die Frage der Nationalisierung, wo weder nationale noch private Geldmittel vorhanden sind, über die Waadei Hachinuch und ähnliches. Aber auchsbei ihnen konnte man keinen ausgearbeiteten Plan wahrnehmen. Auch bei ihnen war gleich wie beim A. C. in London die wichtigste Frage, wer wird an der Spitze stehen? Die Amerikaner traten trotz aller inneren Meinungsverschiedenheiten nach außen geschlossen auf. Die erklärten, die Zion. Org. müsse sich nur mit einer Frage beschäftigen, mit der Kolonisierung Palästinas- Fragen des Galuth, die Erziehung im Galuth, wie auch die Erstarkung unserer Kräfte im Galuth und Erstarkung unserer nationalen Gefühle, wofür wir 23 Jahre im Galuth kämpften, gingen die Zion. Org. nichts an. Wir dagegen waren der Ansicht, daß man den Galuth von Erez Israel nicht trennen könne. Es ist undenkbar, daß 70.000 bis 80.000 palästinensische Juden die Millionen im Galuth vergessen sollten. Auch Palästinas wegen müssen wir die Kräfte im Galuth, die Quelle aus der wir schöpfen, stärken. Die Amerikaner meinten, es fei jetzt kein Platz mehr für politische Arbeit und zionistische Agitation. Alle kennen bereits den zionistischen Sieg und San Remo sei der letzte Schritt. Wir dagegen betrachten San Remo als Anfang. Auch die politische Kommission zur Ueberprüfung der Mandatsbestimmungen war nicht mit allem zufrieden. Es ist noch viel zu tun. Jedem Paragraphen muß erst Leben eingehaucht werden, damit er nicht auf dem Papier bleibt. Trotz San Remo gibt es nicht nur in Amerika, sondern auch in England, dem Herrscher über Palästina, zahlreiche Gegner des Zionismus. Die Führer der englischen Judenheit haben sich uns noch nicht angeschlossen. Wie nötig ist daher noch Agitationsarbeit großen Stils. Die Amerikaner behaupten, daß in Palästina alles nur verftandesgemäß gemacht werden muß. Wir brauchten nur Busineßleute, denn mit finanziellen Unterstützungen allein werden wir das Land nicht aufbauen. Wir geben zu, daß bei uns nicht alles gesund ist. Aber man muß die Genesis des Jischub begreifen, die große Umwälzung, die mir durchmachen mußten, bis wir Kräfte ins Land brachten. Wir können nicht gleich anderen Völkern ohne Idealismus bauen. Die Amerikaner werfen der östlichen Judenheit zu großen Idealismus vor; auch die Arbeiter Palästinas feien nur Geistesmenschen. Wir geben zu, daß wir Idealisten sind. Aber nicht im negativen, sondern im positiven Sinne. Vom ersten Bauer in Petach- Tikwah bis zum letzten Immigranten, sie alle führte der Geist des Idealismus nach Palästina. Der Jude kann für Palästina alles opfern, auch seine Seele, doch auf eines wird er nie eingehen, daß sein Sohn ein Am-Haarez werde. So waren wir, so sind wir und so werden wir bleiben. Das ist unsere jahrhundertelange Krankheit,. die auch die amerikanische „Hadassah" nicht auskurieren wird. Ware dieser eben skizzierte Gedankenaustausch wenigstens öffentlich geschehen, so hätte er vielleicht Nutzen gebracht, vielleicht auch Hebung der Stimmung; aber all dies geschah nur hinter den Kulissen, in Privatgesprächen. Ebenfalls hinter den Kulissen hat man den Waad Hazirim der Geldverschwendung bezichtigt, wobei man es nicht mal für nötig fand, mich als Mitglied des Waad Hazirim diesbezüglich zu befragen. Zu diesen Besprechungen hatte man Weizmanu und Nordau, Saphir und Rosenblatt eingeladen, aber nicht mich, den angeblich Schuldigen. Ich werde von der Delegiertenversammlung verlangen, ein diesbezügliches Untersuchungskomitee einzusetzen. Was die Arbeit in Palästina anbelangt, lehnten die Amerikaner die Uebernahme jeder Verantwortung ab. Es fehle an Geld und es sei auch keine Hoffnung, dies in kurzer Zeit zu beschaffen. Auch in bezug auf das Erziehungswesen lehnten die Amerikaner die Verantwortung ab. Ich versuchte ihnen zu erklären, daß Schulen ohne bestimmte Subvention nicht bestehen könnten. Ebenso müssen wir unbedingt den neuen Immigranten Arbeit zuwleisen können. Erst nach langer'Mühe gelang es mir, eine minimale Subvention für die Erhaltung des schon Bestehenden durchzusetzen. Ich hoffe, daß Sokolow und Weizmanu alles tun werden, um diesen Beschluß durchzuführen, aber vorderhand erhalte ich fortwährend Telegramme aus London, die stetsfort etwas abhandeln möchten, so ist jetzt die Lage. Wir haben zahlreiche kritische Stunden erlebt, so Uganda, die Herrschaft Djemal Paschas und den Jerusalemer Pogrom; trotzdem verzweifelten wir nie. Jetzt fehlt es uns nur an Geld und ich glaube, daß es sich finden wird. Sogar die Amerikaner dürften wiederkommen. Ich sagte schon Brandeis, daß ich an die Amerikaner mehr als an ihn glaube. Aber auch von anderswo wird man uns zu Hilfe eilen. Wir müssen nur unsere Position stärken, uns vereinigen, eine einheitliche Front nach außen bilden. Die Delegiertenversammlung kommt zur rechten Zeit und ihr müßt trachten, daß sie nicht zu einer zweiten Auflage der Londoner Konferenz werde. Wir werden die Arbeit fortfetzen, unter Anpassung an unsere Lage und die Fehler der Londoner Konferenz gutmachen. Ihr wißt, in Palästina gibt es keine Dämmerung; Tag und Nacht folgen unmittelbar aufeinander. Aufstieg, Niedergang nnb gleich wieder Aufstieg. Wir sind jetzt in der Zeit des Niederganges, aber bald werden wir auch den Aufstieg, die Erhebung des Geistes erleben. Anschließend an die Rede Usfifchkins, folgten zahlreiche Redner, die, alle des Ernstes des Augenblickes bewußt, für die Anspannung aller Energien sich aussprachen, worauf die (in unserer vorigen Nummer veröffentlichten) Resolutionen angenommen wurden. * Stoppen der Palästina-Immigration. Die Zionistische Exekutive hat telegraphisch alle zionistischen Landesorganisationen angewiesen, vorläufig bie Erteilung von

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