Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 6 (1920)
- Issue
- 28 (24.9.1920)
- Date
- 1920-09-24
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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iNr. 28 Jüdische Korrespondenz Seite Einverständnisses mit den Bolschewiken verhaftet. Sein Hinneigen im eifrigen Gebete bezeichnen die Polen als geheime Signalgebung an 'die Bolschewiken. Aus Grund des Urteils des Feldgerichtes vom 27. August wurde der fünfzigjährige Rabbiner, ein angesehener, durch seine überaus große Frömmigkeit bekannte Mann, zum Tode verurteilt; das Urteil wurde am gleichen Nachmittag vollzogen. (Jndenausweisnngen.) Das spanische Konsulat in Tiflis verständigte das Großrabbinat in Konstantinopel, daß zirka 150 jüdische Familien in der genannten Stadt in der größten Not leben. Da sie in Baschkale geboren und somit türkische Untertanen sind, droht ihnen die grusinische Regierung mit Austreibung, weil einer Verordnung zufolge alle Ausländer das Land verlassen müssen. (Aus Rumänien.) Die rumänische Regierung hat ein „Zentralkomitee" für soziale Hilfe gebildet. Das Gesetz sieht vor, daß demselben. die Oberhäupter der verschiedenen Konfessionen angehören. Zum erstenmal wurde neben dem Metropolit-Primas und dem katholischen Erzbischof ein Rabbiner als Vertreter aller Riten des jüdischen Kultus ernannt, und zwar in der Person des Rabbiners Dr. I. Niemirower, Bukarest. (Die rumänische Königin an den Joint.) Königin Marie von Rumänien hat durch Mr. Oskar Leonard, Vertreter des Amerikan Joint Distribution Committee in Bukarest, an Mr. Marburg ein Handschreiben gerichtet, in welchem sie ihm, als den Vorsitzenden des I. D. O. den Dank für die segensreiche Tätigkeit des Joint zugunsten der kriegsbeschädigten Juden in Großrumänien ausspricht. Königin Marie ersucht ihre tiefempfundene Sympathien der amerikanischen Judenheit zu verdolmetschen und versichert, daß sie auch in Hinkunft für das Wohl aller Bürger Rumäniens, ohne Unterschied von Konfession und Nationalität wirken werde. (Die Inden in der Türkei.) Der Oberrabbiner der aschkenasischen Gemeinde in Konstantinopel, der gegenwärtig in New. Jork weilt, machte interessante Aeußernngen über die Lage der Inden in der Türkei. Nach seinen Schätzungen befand sich dort vor dem Kriege etwa eine halbe Million Inden, deren Mehrheit unter schlechten Verhältnissen lebt. Unter dem alten Reginre haben die Inden politisch nicht zu leiden gehabt, ..wohl waren sie aber moralisch immer benachteiligt. Lie hatten nie eine genügende Anzahl von Schulen und in ihrem Kampfe ums Dasein mußten sie einer starken und unerbittlichen Konkurrenz seitens der Griechen und Armenier gegenüberstehen. Als der Krieg ausbrach, wurden die Inden znm erstenmal in großer Zahl in die Armee eingereiht. Dies hatte zur Folge, daß eine große Zahl von Soldatenangehörigen unversorgt zurückblieb und heute gibt es in Konstantinopel 14.000 Flüchtlinge. Frauen und Kinder von ehemaligen Soldaten, die nach Hilfe an die Gemeinschaft rufen. Unter diesen herrscht die äußerste Armut und die eingerichteten Volksküchen können nur im geringeren Maße dieser Not steuern. Aber das größte dieser Probleme ist die Frage der jüdischen Waisen, deren es gegenwärtig zirka 3000 im Lande gibt. (Die Einwanderung nach Amerika.) Wie der Emigrationskommissär von Ellis Island erklärte, dürften nach seinen Informationen im kommenden Jahre wöchentlich mindestens 1000 jüdische Emigranten aus Polen zu erwarten sein. Zahlreiche Firmen haben Gesuche eingereicht, daß man ihnen die Emigranten als Arbeiter zuweise. Viele Emigranten wenden sich nach dem Westen mit Ausnahme der Italiener und Juden, die größtenteils in New Jork bleiben. (Emigrantenheim in Paris.) Angesichts des ernsten Problems, das die Unterbringung der jüdischen Emigranten, die sich auf der Durchreise in Paris befinden, aufrollt, schien es notwendig, den beiden existierenden Institutionen: Nachtasyl und Tagasyl durch die Eröffnung eines Emigrantenheims eine größere Ausdehnung zu geben. Auf einer Versammlung, bei welcher die drei hauptsächlichst interessierten Gesellschaften: das Nachtasyl, das Tagasyl und die Gesellschaft für sofortige Hilfe vertreten waren, wurde im Prinzip beschlossen, daß jede dieser Gesellschaften einen Beitrag von 100.000 Frcs. zum Bau eines Emigrantenheims beisteuern würde. Die amerikanische Delegation, die dieser Versammlung beiwohnte, hat ebenfalls ihre Mitwirkung zugesagt. Die Gesellschaft für soziale Hilfe hat sofort einen Appell zugunsten dieses Werkes an den Wohltätigkeitssinn aller Gesinnungsgenossen und Wohltäter erlassen, indem auf die dringende Notwendigkeit der sofortigen Errichtung eines Emigrantenheims hingewiesen und zur Zeichnung eines Beitrages zu dem notwendigen Millionenfonds aufgefordert wird. (Jüdische Einwanderung in Kanada.) Aus London wird berichtet: Trotzdem der kanadische Einwanderungsminister eine lebhafte Agitation für die Erleichterung der Einwanderungsbedingungen in Kanada entfaltet und zu diesem Zwecke nach London führt, um die Erleichternngsmodalitäten mit der englischen Regierung zu besprechen, wurde in letzter Zeit sehr vielen aus Polen und Rußland eingewanderten Inden die Landung in Kanada verweigert. Nach einer „Times"-Meldung handle es sich um eine große Zahl von Inden, welche die bisher noch geltenden schweren Einwanderungsbedingungen »außer acht ließen und sich nun in einer trostlosen Lage befinden. Es ist höchste Zeit, daß die Auswanderung der Juden aus den Oststaaten eine einheitliche Regelung erfahre. (Krawalle jüdischer Einwanderer.) Auf den jüdischen Einwandererstationen Jaffa und Haifa kam es, so berichtet die ultramontane „Germania" in Berlin, zu großen Krawallen, lieber 200 Einwanderer ans Ostgalizien und Polen weigerten sich, an die ihnen zngewiesenen Arbeitsstellen zu gehen. Man habe ihnen Land versprochen und sie wollten Land. Habe man sie unter falschen Vorspiegelungen nach Palästina gelockt, so verlangten sie freie Rückfahrt und Kost sowie Geldentschädigungen für die verlorene Zeit und den verschleuderten Hansvorrat. Da die Forderungen natürlich nicht bewilligt werden konnten, so kam es zu großen Schlägereien, die nur durch Gewalt niedergehalten werden konnten. — Es wäre gut, wenn die zionistischen Organe, welche diese Einwanderung von Ostjuden nach Palästina leiten, authentisch berichteil würden, ob dieser Bericht bezw. inwieweit der Wahrheit entspricht. (Wiederkehr der Thorarollen.) Ein eigenartiges Fest wurde vor kurzem in der Jeschiwoh „Ez Chajim" in Jerusalem begangen. Sechzehn heilige Thorarollen hatten in den Pogromtagen die arabischen Mordbuben in der Jeschiwoh, die sie fast ganz zerstörten, entweiht. Lue wurden jetzt, nachdem der Bau neu hergerichtet worden'ist, wieder in Stand gesetzt und unter großen Festlichkeiten ihrem heiligen Zwecke wieder zugeführt. An dem Festzug beteiligte sich Alt und Jung und Herr Rabbiner Kuck hielt im Jeschiwohhause die Festrede. Die §uk?ob. Wieviel hohe, innige Freude Fühl' ich, wenn im Geist ich lenke Meinen Blick zur Heimatssukkoh, Und des Festes dort gedenke.- Endlich war das Werk vollendet! — Aufgebaut nach vielen Mühen. Und wir hatten bis ins Kleinste Glanz und Schönheit ihr geliehen. Fest gezimmert stand der Bau da. Die vier Wände aufgerichlet, Und viel grünes Laub vom Walde Auf dem Dache aufgeschichtet. Und wie schmuck war's in dem Innern! Weiße Tücher an den Seiten, Blumen, Früchte, Bilder, Lämpchen, Die das Kinderherz erfreuten. — Und der Geist der Ahnen füllte Diesen Raum und gab ihm Weihe, Ließ das Herz zum Himmel schlagen, Daß es Segen uns verleihe. Dieses Festes goldene Sonne Leuchtet uns für alle Zeiten, Wird uns. wenn wir einsam träumen, In Gedanken Glück bereiten. — Geist der Väter, breit' die Hände Ueber uns und gib uns Frieden; Denn im Schatten deiner Flügel Werden glücklich wir hienieden! Max Gottheiner.