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Jüdische Korrespondenz · 1920-07-02 · 24 (2.7.1920) · page 7

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
6 (1920)
Issue
24 (2.7.1920)
Date
1920-07-02
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 24 Jüdische Korrespondenz Seite 7 englischen Okkupation die aus Amerika für die Notleidenden Palästinas gesandten Gelder verwaltet, hat die Unterstützung der Jeschiwath und Thoragelehrten um weitere 15 Prozent herabgesetzt. War die ursprüngliche Unterstützung schon dürftig und kaum ausreichend, auch nur die unentbehrlichsten Lebensbedürfnisse zu decken, so verschlimmerte sich die Not, als die Kommission im vorigen Jahr 50 Prozent und rni Jänner 8 Prozent von der Unterstützung strich und erreicht jetzt, da bloß 7 Prozent des Unterhaltsbeitrages ausgezahlt werden, ihren Höhepunkt. Die Jeschiwoth gedenken daher eine Aktion einzuleiten, um die amerikanischen Spender über die triste Lage aufzuklären und Abhilfe zu verlangen. (Vom Waad Hazirim.) Wie der Londoner Korrespondent des „Doar Hajom" zu melden weiß, sollen demnächst in der Zusammensetzung des Waad Hazirim grundsätzliche Aenderungen vorgenommen werden. Mehrere Mitglieder des Waad Hazirim sollen zurücktreten und an ihre Stelle Vertreter aus England und Amerika ernannt werden, die die englische Sprache beherrschen und mit den Verhältnissen im Orient gut vertraut sind. Auch die Safardim sollen zwei Vertreter in den Waad Hazirim entsenden. (Dreisprachige Pässe.) In einigen Wochen sollen den Juden Palästinas dreisprachige palästinensische Pässe (englisch, arabisch und hebräisch) ausgestellt werden. Jthamar Ben-Awi, Chefredakteur des „Doar Hajom", empfiehlt den palästinensischen Juden, bei dieser Gelegenheit ihre Galuth-Namen mit den Endungen off, sky, man, sohn, bäum usw. auf ausgesprochen hebräische Namen umzuändern. (Die Nationalbibliothek.) Hugo Bergmann, der unlängst seinen Posten als Bibliothekar in der Jüdischen Bibliothek Jerusalems, die mit der Zeit als National- und Universitätsbibliothek dienen soll, angetreten hat, veröffentlicht im „Haaretz" einen Aufruf an alle jüdischen öffentlichen Institutionen, Verleger und Privatpersonen, der Bibliothek Materialien aus der Kriegszeit einsenden zu wollen. In Betracht kommen nicht nur Bücher, sondern noch viel mehr Zeitungen, Aufrufe und dergleichen. (Aktion eines jüdischen Bataillons.) Die „Times" melden aus Jericho, daß ein jüdisches Bataillon nach Jericho und dem Toten Meere abgesandt worden sei, um die indischen Truppen, die wegen ausgebrochener Unruhen dahin marschiert seien, zu verstärken. Bei einem Kampfe in der Nähe von Jericho zwischen den arabischen Aufständischen und indischen Truppen ist es unter Zuhilfenahme eines jüdischen Bataillons gelungen, die Aufständischen in dir Flucht zu schlagen. Ein englischer Offizier sowie mehrere indische und jüdische Soldaten wurden verwundet. (Als das jüdische Bataillon die Juden in Jerusalem gegen die Araber schützen wollte, wurde es entwaffnet. Fürenglische Interessen muß es kämpfen.) (Ein Interview Stuart Samuels.) Sir Stuart Samuel empfing am 16. Juni, wie die Jüdische Presse-Zentrale meldet, eine große Anzahl jüdischer Persönlichkeiten unter Führung von Professor Pick, dem Vertreter des Misrachi. Stuart Samuel sprach über die besondere Pflicht, die dem orthodoxen Judentum obliegt, einen hervorragenden Anteil an dem Wiederaufbau Palästinas zu nehmen. Die Zeit, blau-weiße Fahnen zu schwingen, muß aufhören. Jetzt muß praktische Arbeit geleistet werden. Männer, die beim Aufbau des heiligen Landes helfen können, werden benötigt. Chief-Rabbi A. M. Abrahams (Südafrika) betonte, daß man in Palästina jüdische Juden und ein vollkommen jüdisches Leben brauche. Rundschau. (Die „Jüdische Welthilfskottfereuz" eiubernfen.) Das Komitee der jüdischen Delegationen vor der Friedenskonferenz hat in seinen Sitzungen vom 8., 9.- und 10. Jüni 1920 endgültig beschlossen, die allgemeine jüdische Welthilfskonferenz nach Karlsbad für den 27. Juli bis 3. August 1920 einzuberufen. Diese Konferenz wird der erste Versuch sein, für das gegenwärtig durch unerhörte Katastrophen betroffene jüdische Volk die notwendige Hilfsarbeit auf rationelle Basis zu stellen. Zusagen der Teilnahme gingen bisher aus folgenden Ländern ein: Vereinigten Staaten, Kanada, Argentinien, Südafrika, Aegypten, Australien, Großrußland, Weißrußland, Litauen, Livland, Estland, Polen, Ukraine, Türkei, Westgalizien, Ostgalizien, Italien, Frankreich, England, Rumänien, Transsylvanien, Beßarabien, Holland, Belgien, Skandinavien, Dänemark, Deutschland, Deutschösterreich, Schweiz und der Tschechoslowakei. (Der Minoritätenschutz in Ungarn.) Auf der jüngsten Sitzung des Joint Foreign Committee wurde der Bericht des Sekretariats über den Schutz der jüdischen Minderheitsrechte in Ungarn zur Kenntnis genommen. Hienach hat das britische Auswärtige Amt dem 1. F. C. eine formelle Erklärung zugeschickt, daß auch die ungarische Regierung die gleichen Verpflichtungen tuie Oesterreich, betreffend den Schutz der sprachlichen, religiösen und der Rassenminderheiten in Ungarn eingegangen ifU (Der Staatssekretär für jüdische Angelegenheiten in Lettland.) Wie die Poln. Tel.-Ag. aus Riga meldet, ist zum Staatssekretär für jüdische Angelegenheiten in dem von Ministerpräsidenten Ulmanis neugebildeten Kabinett, in welchem alle Parteien mit Ausnahme der Sozialdemokraten vertreten sind, der Vorsteher der nationalen Minderheiten in Lettland Mintz ernannt worden. (Judenüoerfälle nnd^ Thoraschändung in Kowel.) Dem „Tag" wird aus Kowel telegraphiert: Samstag, den 12.. Juni, drang während des Gebetes eine Gruppe Bewaffneter in das Koweler Beth-Hamidrasch, schleppte die Juden heraus, schor ihnen den Bart ab und schlug sie blutig. Zehn Inden wurden schwer verwundet. Dann riß die Bande einige Thorarollen aus der Lade und zerfetzte sie vor den Augen der entsetzten Beter. Der Bürgermeister von Kowel hat der jüdischen Gemeinde sein Bedauern über den traurigen Vorfall ausgedrückt und sich an das Militärkommando gewendet, damit dieses einer Wiederholung solcher Geschehnisse vorherige. (Ein Mord.) Ein verhängnisvolles Mißverständnis hat die Munkacser Bevölkerung in große Auftegung versetzt. Auf der Straße zwischen Munkacs und Beregrakos befindet sich eine einsame Wirtschaft, die von einer Jüdin und ihren beiden Söhnen bewohnt wird. Am 13. Juni klopften drei bewaffnete Soldaten an dM Türe dieser Wirtschaft und begehrten Einlaß. Da die Wirtschaft kurz vorher ausgeplündert worden ist, verweigerten die beiden Söhne den Einlaß. Die Soldaten drohten zu schießen, worauf die beiden Juden ihnen ihre Revolver entgegenhielten. Als die Soldaten anlegten, schossen die Beiden ihre Revolver los. Zwei Soldaten blieben auf der Stelle, der - dritte wurde verwundet. Zum Entsetzen der beiden Juden stellte es sich heraus, daß die vermeintlichen Räuber eine ausgesandte Patrouille 'bildeten, welche nach einem Deserteur fahndeten. Die Beiden wurden samt der Mutter verhaftet und unter Mißhandlungen in das Gefängnis abgeführt. Die Beerdigung der beiden Soldaten fand unter großer Beteiligung statt. Bei der Rückkehr vom Friedhofe insultierte die Menge die jüdischen Passanten. (Antijüdische Exzesse in Riga.) Aus Riga wird gemeldet: Am 1. und 2. Juni ereigneten sich Ausschreitungen gegen die. Juden. Unter dem Vorwand, daß die Juden ihrer Militärpflicht nicht Genüge leisten und Kriegswucher betreiben, hat eine Bande von etwa zweihundert Personen, meist Mob und auch Soldaten, Juden auf der Straße überfallen und mißhandelt. Die amtliche Bekanntmachung der lettischen Regierung über diese Vorfälle ist bemüht, die Exzesse mit Gerüchten über die gefährliche Situation an der bolschewistischen Front zu erklären, denen sie energisch entgegentritt. Der lettische Minister des Innern Berg hat eine energische Kundgebung gegen die Exzesse erlassen, in welcher er die Polizei zu rücksichtsloser Unterdrückung jedes Versuches einer Ausschreitung aufforderte, sie ermächtigte, gegebenenfalls Waffengewalt anzuwenden und militärische Assistenz anzurufen. Der Stadtpräfekt von Riga hat die Polizeiposten vermehrt und Polizeipatrouillen ausgesendet. Die jüdischen Abgeordneten in der lettischen Konstituante haben wegen der Vorfälle eine Interpellation an die Regierung gerichtet, bei deren Beantwortung Minister Berg energisch gegen die Exzesse auftrat und erklärte, daß „solche Ereignisse im freien Lettland unter allen Umständen vermieden werden müssen."

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