Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 6 (1920)
- Issue
- 23 (25.6.1920)
- Date
- 1920-06-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 23 Jüdische Korrespondenz Seite 5 JUGENDGRUPPEN - BEIBLATT Glaubenstreue Juden! Meldet euch Samstag abends oder Sonntag früh von 6 bis 10 Uhr vormittags zur Agitationsarbeit für die Wahl im Hanptagitationslokale, II., Floßgasse lr oder bei den Bezirksorganisationslokalen! Zur rvcchlbewegung. Sonntag finden die Wahlen in den Kultusvorstand statt. An diesem Tage soll entschieden werden, ob die zweitgrößte jüdische Gemeinde aus ihrer furchtbaren finanziellen und wirtschaftlichen Lage befreit und aus ihrer Lethargie in religiösen und sozialen Dingen erweckt werden soll. Bier Parteien stehen einander in hartem Kampfe gegenüber. Die alte Kahalpartei (Vereinigte nichtjüdischnationale Parteien) hat ihren ehrlichen Willen zur Arbeit damit, bekundet, daß sie einen Teil der früheren Vorsteher gegen neue Männer umgetauscht hat, von denen sie hofft, daß sie die Fähigkeit und den Willen besitzen werden, das Prestige der Gemeinde wiederherzustellen. Diese Partei stützt ihren Anspruch auf die Majorität in der Gemeinderepräsentanz auf den Umstand, daß die Mehrheit der vor dem Kriege hier ansässig gewesenen wahlberechtigten Juden dieser Partei Sympathien entgegenbringt; überdies ist diese Partei konservativ und hält daran fest, daß der alte Kurs nicht geändert werden soll. Wenn auch allüberall nnd speziell in unseren Ländern der Radikalismus die alte Weltordnung gestürzt hat, so müssen wir Juden, die wir ja ein auserwähltes Volk sind, nicht unsere Gemeindestube den allgemeinen Verhältnissen assimilieren. Dies das Programm der Richtjüdischnationalen; das Schlagwort dieser Partei ist der Kampf gegen das von den Jüdischnationalen proklamierte Prinzip des jüdischen Volkes und des hieraus folgenden Minoritätenschutzes für Juden. Die Jüdischnationalen oder Zionisten, die mit einem demokratischen Programm auf den Plan treten, stützen ihren An- .spruch auf ihre Popularität in der Welt, ihre politischen Erfolge und den Umstand, daß die soziale Hilfsgemeinschaft, durch den Eintritt der von allen hochgeachteten und verehrten Frau Anitta Müller in die zionistische Partei, zionistische Färbung erhalten hat. Ihre Schlagworte sind die Begeisterung der Jugend für das nationale Ideal, die moralischen Erfolge von San Remo usw. und nicht zuletzt die Fehler des gewesenen Verstandes. Die gegenüber der Orthodoxie gebrauchten Kraftausdrücke wie Horthy-Buben (man hätte wohl niemals geglaubt, daß ein Jude, ob bewußter oder nicht bewußter, dieses Wort, das Symbol des Mörders, das Sinnbild der Verderbtheit, einem anderen Juden entgegenzuschlendern imstande märe, das Wort, das ein fühlender Jude nicht ohne Schaudern aussprechen kann), die perfide Beleidigung ethisch hochstehender, um das Judentum verdienter Männer, sind wohl keine Schlagworte, eher der Ausfluß der niedrigen Denkungsart moralisch verkommener Individuen, die mit der erhabenen Seite der zionistischen. Ideologie und den guten Seiten der Partei, wie mit den ehrlichen Führern derselben nichts gemein haben. Allerdings soll nicht verschwiegen werden, daß auch führende Männer der zionistischen Partei sich im Kampfe gegen die Orthodoxie — gelinde gesagt — mehr politischer als jüdischer Mittel bedient haben. Die Volkspartei hat mehr ein Arbeitsdenn ein ideelles Programm und operiert mit dem Schlagwort der Einigkeit. Die orthodoxe Partei, deren Listenführer der Präsident der Wiener Ortsgruppe der Agudas Jisroel-Weltorganisation ist, gründet ihren Anspruch auf Vertretung in der Kuttusgemeinde auf die Logik. Traditionell gesetzestreue Juden, deren Sinnen uub Trachten stets dem Glauben gilt, deren Tun und Lassen vom Thoragesetze geregelt wird, sind befähigt eine jüdische Gemeinde zu leiten. Sie, die die Betätigung für Klall Jisroel als religiöse Pflicht empfinden, werden, wie sie immer ihre persönlichen Interessen dem Religionsgesetze unterordnen, auch in der Kultnsstube mit dem Einsätze ihrer ganzen Persönlichkeit für das Judentum und die Judenschaft tätig sein, mit jenem Feuereifer, wie ihn religiöse Begeisterung Hervorbringen kann. Die kolossale soziale Tätigkeit der Thoratreuen, die verschiedentlichsten Aktionen der Orthodoxie sind der Beweis, daß die glaubenstreuen Juden nicht nur arbeitswillig, sondern auch arbeitsfähig sind. Wie immer die Wahlen am 27. Juni ausfallen werden, eines steht fest: Daß die organisierte Orthodoxie ans ihrer Passivität getreten ist und zur Wahl in den Kultusvorstand eine eigene Liste aufgestellt hat, ist der Agudas Jisroel, der Ausbreitung der Agudaidee zu danken; und von diesem Gesichtspunkte aus betrachtet, ist die Aufstellung der Liste der „Vereinigten glaubenstreuen Juden" ein Sieg. Darum ist es aber auch Aufgabe aller Anhänger des Agnda- Gedankens, am 27. Juni geschlossener die Liste der „Vereinigten glaubenstreuen Juden, Listenführer Wolf Pappenheim" einzmreten. Aeder Ihoratreue Aude, dem es um die Festigung des religiösen Andenlums zu tun ist, wählt am 27. Juni die Liste der „Vereinigten gkaubenstreuen Iudenschatt". Die „Jüdische presse" an die Aguda-Jugend der Slowakei. Die Agudas-Jisroel in der Tschechoslowakei hat die erste Nummer der neugegründeten Wochenschrift „Die Jüdische Presse" erscheinen lassen. In der Beilage der Jugendgrnppe wendet sich der Landesverband der Agudas Jisroel Jugendgruppen der Slowakei mit folgendem Aufruf an die gesetzestrene Jugend der Slowakei: An die gesetzestreue Jugend der Slowakei! Die Führer der gesetzestreuen Judenheit der Slowakei haben ihren Anschluß an die Aguda erklärt, und haben sich hiemit in das mächtige Gefüge der thoratreuen Judenheit der Welt eingereiht, um Teil zu nehmen an ihren Rechten und mitzutun an ihren Pflichten. Der Weg ist klar umschrieben, unverändert der gleiche wie er Jisroel am flammenden Sinai vorgezeichnet ward. Die Zerfahrenheit in den jüdischen Massen, die Zerwühlung, welche die politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umgestaltungen der jüngsten Zeit mit sich brachten, haben Erscheinungen gezeitigt, die nur ein Judentum, in dem nicht die Thora-Hakedoscha erste und oberste Instanz ist, zuläßt. Und dieses Chaos müßte eine Zerklüftung und Zersplitterung der jüdischen Massen nach sich ziehen, die eine Rückkehr, ein Sichwiederfinden unmöglich werden ließ, wenn weiter Jisroel statt sein erprobtes Heilmittel, die Thora, die Geschichte anderer Völker sich als