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Jüdische Korrespondenz · 1920-06-25 · 23 (25.6.1920) · page 4

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
6 (1920)
Issue
23 (25.6.1920)
Date
1920-06-25
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Jüdische Korrespondenz Nr. 23 der orthodoxen Liste beiträgt, der leistet Großes für das Judentum. Je stärker die Orthodoxie in der Kahalstube vertreten sein wird, desto besser wird es um die religiösen Interessen bestellt sein. Heute heißt es: Alle Mann an Bord — dann wird der' Erfolg nicht ausbleiben. Gestützt auf die gute Sache und auf ihre redlichen Absichten sieht die Orthodoxie mit Ruhe und Zuversicht dem Wahltage entgegen. Möge jeder Glaubenstreue sei ne Pflicht erfüllen! Achtung! Juden! Jeder KultuswaHler schreitet am Sonntag, den 27. Juni, znr Urne nnd gibt seine Stimme für die Liste der „bereinigten gtaubenstrenen Indenschaft", Listenführer Wolf 'Mappenheim, ab. Auf der Liste darf keine Aenderung vorgenommen werden, sonst ist der ganze Stimmzettel ungültig. Auf der Liste darf nichts durchgeftrichen und nichts hinzugefugt werden. rvahlstimmung. Von Wolf Rappaport (Przemysl). Banim altem Iehaschem elokechem lo tithgoddu. we-lo tasimukorcha bejn ejnejckem lameth. (Debarim XIV, 1—2.) „Lo tithgodadu“: lo taasu agudoth agudoth, ela heju kulchem agudah achath usw. . . . (Siphri Debarim XIV.) Söhne seid ihr dem Ewigen, eurem Gotte, zerschneidet euch nicht usw. (5. Buch Moses 14, 1—2.) »Zerschneidet euch nicht": Zerschneidet euch nicht in Parteiverbindungen und Sekten, sondern seid ein Bund usw. ... (Siphri, 5. Buch Moses 14.) Wahlzeiten, Zeiten, wo über die Verwaltung, Rechtsverhältnisse und Lebensbedingungen unserer Wiener Glaubensgenossen entschieden wird, über die Mitglieder einer Gemeinde, welche eine Ir wa-em be Jisrael im wahrsten Sinne des Wortes ist. Was nützt der Hader, der Kampf und die wüste Parteihetze. Man ist im Zweifel, welcher Partei von den verschiedenen Richtungen man angehören soll; die eine verhetzt die andere, die eine stürmt gegen die andere. Da schlage ich nun eines der wundervollen Bücher unserer klassischen Literatur auf, eines jener Bücher, die uns oft Wegweiser waren in der Nacht unseres Volkes, Wegweiser in der Wüste unserer Geschichte und wir lesen im alten Midrasch- Buche des Siphri, das in sich so viele soziale und historische Wahrheiten bürgt und ich lese darin: Machet nicht Gedida lameth, denn das führt zu Agudoth Agudoth. Laßt euch nicht leiten von den Parteien, welche die Thora verlassen und bloß ein schales und leeres Volksideal ohne Thora aufstellen wollen. „Lo tithgodadu“ ... „Ki am kadosch attah“ heißt es in der heiligen Schrift und darauf Raschi: „Keduschath azmach me’abothecha, weod u-becha bachar haschem.“ „Die Heiligkeit deines Wesens stammt von deinen Väterü her und dazu kommt noch, daß der Ewige dich erwählt hat." Machet nicht Gedidah lameth, denn das führt zu Agudoth Agudoth, zu Parteiungen und politischen Zerklüftungen. Der Ewige, der einzig Einzige will aber ein einheitliches „Kelal Jisrael". Ein Israel, das von der Traditionskette mehrtausendjähriger Geschichte umschlossen, sittlich frei und lebensmutig seine Arbeit tut. Die Geistesarbeit der Thora, die unsterblich ein Jdeenwerk, das unverwüstlich ist. Israel, das Gottesvolk stirbt nicht, wenn es zusammenhält, wenn es die Achduth bewahrt. Wenn alles sich bei aller sozialen und politischen Arbeit um die Fahne der Thora scharen wird, dann wird Israel einig und stark sein. M«e nüchterne Aufklärung. Wer hat unser Vertrauen, wem soll man die Stimme geben, soll ich überhaupt wählen? Der Schwall von Drucksorten macht eine kühle, fjefomteue Betrachtung der Lage noch jetzt -notwendig, da viele Wähler schwankend geworden sind. Der Wahltag selbst aber gibt dem Wähler denn doch ernsten Anlaß zu klarer Ueberlegung. Weg mit allem Vorurteil, vergessen seien die schönen Reden in den Versammlungen, die vielen Versprechungen. Nur kühl gedacht, was ist am 28. Juni nach der Wahl! Die täglichen Sorgen beginnen, der Rausch ist verflogen, jetzt fragt sich der Wähler, habe ich richtig gewählt? Das soll er sich lieber vor der Wahl fragen, so lange es Zeit ist. Drei Gruppen sind im Wahlgange. Die alten Vertreter in der Gemeinde wollen wieder gewählt werden. Sie meinen es gewiß nicht schlecht, auch sie wollen nur Gutes schaffen, aber sie haben nicht die Kenntnisse, nicht die Fähigkeiten zur Leitung einer jüdischen Gemeinde, hinter ihnen steht nicht die Macht des weltenregierenden Gesetzes unserer heiligen Lehre. Denn nur darauf, glaubt es, liebe Brüder, kommt es an. Die anderen Bewerber, die Jüdischnationalen oder Zionisten, wollen gewiß auch nur das Beste, aber auch sie haben nicht die Fähigkeiten, da nur ein Lebensstudium in der heiligen Lehre den Mann schaffen kann, der es vermag, über Kultusfragen zu entscheiden. Die „ Glaub eustreueu", sie umschließen eigentlich alle Juden Wiens, denn jeder Jude ist glaubenstreu. Die Wiener Judenschaft ist im Herzen religiös; jetzt will man ihr die Bahn zeigen, wie sie sich hinneigen könnte zur Lehre ihrer Väter. Wenn viele an ihr Elternhaus zuruckdenken, so wird sie ein Gefühl der Heimlichkeit umgeben und sie werden sich sagen: „Ja, auch wir wollen die Kultusgemeinde religiös erhalten für uns und unsere Kinder." Deshalb kommen wir zur klaren Ueberlegung. Die Stimme gebührt den „Glaubenstreuen", sie wollen die Religion in der Gemeinde schützen, daß das Judentum in Wien erhalten bleibt. Sie sind wahrlich uneigennützig, denn sie. selbst Hüben ia für sich schon lange alle Einrichtungen, also wollen sie doch nur, ohne an sich zu denken, für uns das Beste. Wir anerkennen sie als die berufensten und würdigen Führer und Vertreter unserer Kultusintereffen. Wir Wiener Juden wählen daher am 27. Juni die Liste der „Vereinigten glaube ns treuen Judenschaft", Listenführer: Wolf Pappenheim. ^eder bewußte ortHodore Jude stimmt uud agitiert für die Liste der „bereinigten glaubenstreueu Iudeuschaft". Unsere Wahlparole. Die Alten können wir nicht wählen. Auch mit den Nationalen können wir nicht zählen, Denn Kultus ist nicht Politik und nicht Partei, D'rum wählen wir nur „Gkauveustreu". m. p. Wer noch keine Wahllegitimation in Händen hat, behebe dieselbe sofort in der Knttnsgemeinde oder melde dies sosort im Zentralagitationslokale, Floßgasse 1. ' (Mitteilung.) Herr Gerson Wein stock teilt mit, daß er eine auf ihn entfallende Wahl nicht annehmen wird, demgemäß rückt der nächste Kandidat automatisch vor.

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