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Jüdische Korrespondenz · 1920-06-18 · 22 (18.6.1920) · page 7

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
6 (1920)
Issue
22 (18.6.1920)
Date
1920-06-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 22 Jüdische Korre spondenz Seite 7 die man, mit Ausschluß jeder anderen Stelle, auf einem Vulkan, in dem es noch rollt und grollt, schaffen will, noch seine weiten Wege; da haben wahrlich jene, denen die Phantasie so augensällig mit der Wirklichkeit durchgegangen ist, nicht einmal den Schein eines Rechtes, die übergroße Mehrheit der denkenden Juden, die für die noch ungeborene neujüdische Nation nicht die leiseste Regung patriotischen Gefühles verspürt, irgendwo zu bevormunden. Wir lachen unter Tränen, es tut. uns wehe, den edelsten Absichten entsprungene Bestrebungen einer solchen Kritik unterziehen zu müssen, die Sache ist auch viel zu ernst, als daß einem dabei irgend welche Lust zur Wortklauberei anwandelu könnte, darum liegt uns fern, es zu bemängeln, wenn sich jene Juden, die das Unglück gehabt haben, Vaterland und politische Gemeinschaft ihrer Vorfahren zu verlieren, indem sie an ihre Stammesgemeinschaft denken oder sich dieselbe gar als etwas, was sie nicht ist, vorstellen, als der jüdischen Nationalität Angehörige bezeichnen. Sehr entschieden muß man sich jedoch dagegen verwahren, wenn Wortführer des Zionismus, gestützt auf die politische Unreife der Massen, mit dem Worte Nation ein Spiel treiben, das gerade unseren ärgsten Feinden am besten gefällt. Was der Zionismus Großes und Gutes vollbracht und geschaffen hat, soll nicht verkannt werden. Er hat Millionen aus der Lethargie gerüttelt, Unzählige zu jüdischem Selbstbewußtsein gebracht, zum Lernen der hebräischen Sprache, der Religionsschriften und der Geschichte unseres Volkes vielfach angeregt, für das heilige Land mehr Interesse erweckt, daselbst Ackerbau und Handwerk gefördert, in verschiedenen Ländern wohltätige Anstalten und eine überallhin ausgebreitete, wohldurchdachte Organisation zustande gebracht, die geeignet ist, in das Leben wirksam einzugreisen. Und ach, wie wiegen alle seine Vorzüge die Nachteile nicht auf, die er, seitdem er ans nationale Basis geschoben wurde, in sich birgt! Seine Führer, die er gegenwärtig hat, verschließen sich der Einsicht, daß es einer Menschenklasse, die überall nur eine Minderheit der Bevölkerung bildet, nicht ratsam ist, sich politisch zu exponieren, geschweige denn, eigene Nationalpolitik zu machen. Israel hat eine Geschichte von solcher DeEchkeit, Vielseitigkeit und Ausführlichkeit, wie sie kein zweites Volk aus Erden hat, und in der Unsumme der sich über Jahrtausende verteilenden Begebenheiten bildet die in blinder Ueberschätzung der Kräfte unternommene Schildererhebung unter Simon Bar- Kochba den schwärzesten Punkt. Dieses folgenreichste, noch heute mächtig nachwirkende Unglück hat in unserem Volke die Lust an einem Nationalismus gebannt gehabt, bis er in einer Richtung des Zionismus, welche die Leitung der ganzen Bewegung an sich gerissen hatten, wieder aufgetaucht. Man wird hier einwendeu wollen: Wie kommt das heutige Nationaljndentum, das ja nur von edlen Absichten geleitet ist, auf friedlichem Wege die Erlangung des heiligen Landes anstrebt, dazu, an Bar-Kochba (Sohn des Sternes), an den Mann, den man später Bar-Kosiba (Sohn der Lüge) genannt, erinnert zu werden? Es zu dem unheilvollen Nationalhelden in irgend ehrenrühriger Weise vergleichen zu wollen, liegt uns himmelweit fern. Wir wollen nun damit auf einen anderen Bar-Kosiba Hinweisen, auf den jetzt modernen, der Antisemitismus heißt. Diesem Lügenbolde Waffen in die Hand zu spielen, möge man sich sehr hüten, denn sie könnten, von ihm benützt, recht gefährlich werden. Alles, was wir vorgebracht, zusammengesaßt, ergibt: Der Zionismus bedarf einer grundsätzlichen Reform. Er soll auf einer breiten, umfassenden Basis, als religiös-ethische und philanthropische Bewegung die sittliche Hebung und die Besserung der Lage und Stellung der Israeliten überall, wo es nottut, anstreben, wozu auch die Schaffung einer großen Heimstätte oder, wenn möglich, mehrerer gehört, damit die im Elend Umherirrenden ein gesichertes Asyl finden. Ist auch ein Teil Palästinas zu erlangen, desto besser, weil das nebenher eine der bestgesicherten Heimstätten unserer Religion werden könnte. Israel soll das erste Volk sein, das in dem Gedanken den Namen des ewigen Gottes zu heiligen vereinigt, sich aus eigener Kraft sittlich zu bessern und in allen Teilen wahrhaft kulturell zu heben bestrebt. An den Zionismus unserer Propheten anknüpfend, kann die zionistische Bewegung dauerndes Heil anbahnen; ohne geistigen Zusammenhang mit ihm, ohne Befragung unserer Thora und unserer antiken Geschichte kommt sie leicht in ihren Zwecken entgegengesetzte, die besten Absichten vereitelnde Richtungen und wird unheilvoll für die, welche darin und für jene, die draußen sind. Zu wirklicher Auto-Emanzipation kann nur ein Etho- Zionismus führen. _ L. Mandl. von der Agudas Jisroel. Die vom „Gruppenverband der Agudas Jisroel in Deutschland" und der „Agudas Jisroel-Jugend-Organisation" herausgegebenen „Blätter" veröffentlichen in Heft 1 des lausenden Jahrganges einen ausführlichen Bericht über die Entwicklung der Aguda-Bewegung unter der Jugend in Deutschland. Die im Dezember 1913 gegründete Organisation zählte im März 1915 32 Jugendgruppen mit 2500 Mitgliedern. Oktober 1917 stieg die Zahl der Gruppen auf 54 und die der Mitglieder aus 6000, trotzdem der größte Teil der Mitglieder Militärdienst leistete. Ende 1919 umfaßte sie 100 Gruppen mit zirka 12.000 Mitgliedern. Außerdem ist an die Aguda-Jugendorganisation die „Esra"-Organisation für Jugendliche angegliedert, die bereits 3000 Mitglieder besitzt. Aus Jerusalem wird gemeldet: Dr. Moses Auerbach, der Leiter des Agudas Jisroel-Schulwerkes in Palästina, ist nach zweijähriger Abwesenheit dieser Tage hier eingetroffen. Er wird vor allen Dingen das gesetzestreue Schulwesen inspizieren und sodann der Agudas Jisroel Bericht erstatten. Anläßlich! seiner Ankunft fand eine Versammlung der Agudas Jisroel von Jerusalem statt, in der Dr. Auerbach über die bisherigen Arbeitendes Zentralbureaus der Agudas Jisroel und der Agudazentralen in Polen, England und Amerika, besonders aus dem Gebiete der religiösen Erziehung referierte. Er wies unter anderem auf die großen organisatorischen Leistungen der Agudas Jisroel auf dem Gebiete des religiösen Erziehungswesens im Osten Europas hin, erwähnte, daß eine ähnliche Aktion in England im Gange sei und hob hervor, daß auch in Amerika die Aguda ihre Tätigkeit auf dem Gebiete des Erziehungswesens in Angriff genommen habe. Obschon es dort an Geld nicht mangle, fehle es vorerst an großen organisatorischen Kräften, die im religiösen Sinne wirkten. Aber es sei Aussicht, daß auch in Amerika die Aguda ihren Wirkungskreis und ihre Tätigkeit in absehbarer Zeit vergrößern werde. Was Palästina anbelangt, fehle es im Gegensatz zu Amerika nicht an religiösem Geist, aber an Mitteln, um die Talmud-Thora- Anstalten und Jeschiboth zu erhalten. Das Zentralbureau der Aguda beschäftigte sich eingehend mit dieser Angelegenheit und habe beschlossen, zu Hilfe zu eilen und nur aus Valutagründen ist bisher die Aktion noch nicht durchgeführt worden. Aus Palästina. (Bedrohte jüdische Kolonie«.) Außer den vier Kolonien im oberen Galiläa haben auch noch folgende Kolonien in Untergaliläa und in Schomrom von den arabischen Uebersällen gelitten: Jessud Hamaalah, Mischmar Hajarden, Ajeleth Haschachar, Kwuzoth Kenaan, Mizpah, Bnei Jehudah, Degania, Milchemiah, Kfar Tabor, Teil Eres, Bath Schlomoh, Marah, Kirkur und Gan Schmuel. Diese Kolonien stehen unter englischer Okkupation. Es unterliegt keinem Zweifel, daß das Waffenverbot den gefahrvollen Zustand erhöht. Die gut ausgerüsteten arabischen Banden wissen, daß die jüdischen Kolonisten keine Waffen besitzen und daher ausgeplündert werden können. (Herbert Samuels Stellung.) In einer Anfrage des Unterhausmitgliedes Ormsby Gore an den Ministerpräsidenten wird dieser ersucht, das Unterhaus darüber zu informieren, wann Palästina in die Verwaltung des Ziviladministrators übergehen und ob der soeben ernannte Zivilverwalter Herbert Samuel in Palästina eine den Beschlüssen von San Remo Rechnung tragende Politik befolgen werde. Ministerpräsident Lloyd George antwortete, daß der zum Chef der Verwaltung

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