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Jüdische Korrespondenz · 1920-06-18 · 22 (18.6.1920) · page 4

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
6 (1920)
Issue
22 (18.6.1920)
Date
1920-06-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Jüdische .Korrespondenz Nr. 22 ‘ die große Gnade! Juden, die sich um jüdische Stimmen bewerben, versichern, sie werden der jüdischen Religion nichts antuu! Auch , das ist eine Verhöhnung der Glaubenstreuen und man muß jeden Ehrgefühles bar sein, wenn man darauf nicht gebührend reagiert. „Peligiöse Fragen sollen vom Rabbinat entschieden werden" — versicherte Herr Stricker in seiner jüngsten Rede vor einem „orthodoxen" Publikum. Sehr schön! Aber weiß es Herr Stricker nicht, daß das offizielle Wiener Rabbinat bislang ein fast willenloses Werkzeug in den Händen der Kahalgewaltigen war und daß dies auch in der Zukunft so sein kann. Die religiösen Interessen müßten, durch Männer vertreten und gewahrt werden, für die , die.Thora die höchste Autorität ist, die keinen anderen H^rrn kennen als den ewigen Vater im Himmel. Die Herren Zionisten berufen sich , auf ihre großen Erfolge in San Remo und verlangen, daß ihnen dafür die F ü h r u n g aller jüdischen Angelegenheiten überlassen werden soll.-Sie scheinen den Ausspruch Schopenhauers (der wird ihnen doch etwas maßgebend sein, er war doch kein orthodoxer Rabbiner!) vergessen zu haben, daß, wer einem Manne beim Leben ein Denkmal setzt, kein Vertrauen zur Weltgeschichte hat. San-Reuw ist sicherlich eine große Sache, aber erst die Zukunft wird lehren, was daraus werden wird. Offen mag - es gesagt sein: San Remo kann ebenso von großem Segen für die Juden sein, als, Gott behüte, von großem Unheil. Etwas, was durch eine politische Konjunktur geschaffen wurde, kann durch eine andere Konjunktur zerstört werden. Vorläuflg ist San Remo ein sogenannter Ludendorff-Sieg. Man muß die Entwicklung der Dinge abwarten. Dann erst werden die Herren ihren Lohn fordern können. Lächerlich ist die Behauptung des Dr. Plaschkes, die Orthodoxie ist den Zionisten Dank dafür schuldig, daß sie das Proporzsystem . eingeführt haben, wodurch die Möglichkeit vorhanden ist, einige orthodoxe Kandidaten durchzubringen. Die Herren Ziptüsten haben in erster Reihe beim Proporz an sich gedacht. seinem Schöpfer recht lange das Loblied zu singen — er war schon ein.Greis, und die Stimme war hart — aber aus jedem Ton erklang . die , kindlich reine Seele, jubelnd und jauchzend ob der Lehre, die uns geworden, uns. war, als vernehmen wir das Rauschen des göttlichen Wagens und eine Stimme in uns: „Der Herr ist in Seinem heiligen Tempel, stille.vor Ihm alle Lande!" Nur zwei Momente hob ich hexvor. Wie dürfte ich .auch die Kunde von den Festtagen seiner Seele vermitteln! Er stand uns schon ferner, in der Weltstadt gehörte der Welt .sein Wirken. Was. könnten die erzählen, die gewürdigt waren, in. der kleinen Stadt Ungarns um ihn zu weilen! Die Tage von Eisenstadt-. Mein Geschlecht war eben geboren, als sein Wirken dort zu.Ende .sich neigte, In vergilbten Papieren nur habe ich es gelesen, ahxr es klingt und singö darin von einer glücklichen,- seligen Zeit. Nach , sechs Jahren unermüdlichen Lernens wurde am Rosch-Chodesch Adar Scheni ein Syum auf Ketuboth veranstaltet. Am frühen Morgen begann.die Feier mit schönen Gesängen und währte ununterbrochen biß tief in dre.Nacht. Immer, von neuem erhoben sich hervorragende Bachurim. zu glänzenden Darlegungen der gelernten Lugjot,'und stundenlang sprach der Rabbi über das von allen Teilnehmern sorgsam vorbereitete Thema. Dreimal hielt er am Tage einen geistsprühendeu agadischen Vortrag, er erzählte den Schülern von seiner Vergangenheit, schilderte die Erfolge, die das konservative Judentum errungen, und rief seine Jünger zu Mitkämpfern auch für die Zukunft. Und als das. herrliche Mahl beendet, als ihm die Weihegabe des. Bachurim-Vereines übergeben worden, als an ihm der glänzende Fackelzug von Hunderten von Schülern vorübergezogen war, da nannte er diesen Tag den schönsten seines Lebens, weil er so ganz erfüllt war. von reiner „Szimchesclü Mizwah“. Heil dem Auge, daß solches geschaut! Bei der Kunde davon verschmachtet unsere Seele! Ja, ein Frommer ist er gewesen — und ein Held! Versuch ich's, den Helden zu schildern?! Welch törichtes Unterfangen, in eine kurze Darstellung ein ganzes Leben zu fassen, das an jedem. Tage Heldentaten, vollbracht! Wo sollte ich beginnen? Wo finde ich ein Ende? Nenn' ich ihn. einen Helden, weil er sich selbst bezwang? Das ganze Leben hat er mit dem irdischen Triebe gerungen, und immer hat er obgesiegt.. Ueber den Schlaf habe man keine Gewalt, meint auch der Talmud., Aber er hat auch den Schlaf bezwungen. Am Nitlabend wollte er nach altem Brauch nicht lernen. Er schlief ein bis zwei Stunden, punkt zwölf erhob er sich vom Lager und ging an die Arbeit.. — Nenn' ich ihn einen Helden, weil er gekämpft hat sein Leben lang? Aus dem, was ich Euch heute erzählt, habt Jhr's erfahren, und es war. doch , nur ein Tropfen am Eimer. — Nenn' ich ihn einen Helden, weil er. mit eiserner Energie, was er unternahm, Es war ihnen nur nicht möglich,.die Dinge so zu gestaltendaß der Proporz nur ihnen und sonst niemandem zugute komme. Auf die offenkundigen Lügen der Torczyner et tutti quanti näher einzugehen, erachtet die Orthodoxie als unter ihrer Würde, ebenso wie sie es ablehnt, auf die blöden Witze dieses Herrn von der „Griechisch-Orthodoxie" zu reagieren. Es beliebt diesem Herrn bei jeder Gelegenheit, entweder als „As-Ponim" oder als Lustigmacher aufzutreten. Lassen wir ihm und seinen Freunden das Vergnügen. Die Behauptung von einer gefälschten Unterschrift auf dem orthodoxen Wahlaufruf ist eine erstunkene Lüge. Herr Silberstein war Mitglied des vorbereitenden Komitees, hat an den Beratungen desselben teilgenommen und war und ist mit der Aufstellung der orthoxen Liste einverstanden. Wenn wir noch hinzufügen, daß die Herren Zionisten bei ihren Versammlungen die orthodoxen Redner entweder gar nicht zu Worte kommen lassen oder ihre Ausführungen hämisch glossieren, so haben wir die Kampfesweise dieser Herren hinlänglich gekennzeichnet. Sie sollten es verstehen, daß schon diese Taktik es jedem aufrichtigen Juden verbietet, mit ihnen zu gehen. Die einzige Urkunde, welche die Existenz des Judentums als Volk seit uralten Zeiten und sein Recht auf Palästina bestätigt und begründet, ist die Thora. Ohne.ihrem Zeugnisse wären alle unsere nationalen Forderungen illusorisch. Diese Thora aber enthält auch die 613 Gebote und Verbote und nur derjenige hat das Recht, sich auf die Thora zu berufen, der sie in allen Teilen anerkennt. Halbheiten gibt es da nicht. Die jüdischen Interessen zu vertreten sind nur ganze Juden berufen. Das ist der Sinn der Wahlaktion der Orthodoxie. Wer sich zur Thora bekennt, der unterstütze die orthodoxe Liste! Jeder thoratreue Jude, dem es um die Jestigung des religiösen Judentums zu tun ist, wählt am 27. Juni die Liste der „Mereiuigteu gkauöeustreuen Iudenschaft". zu Ende geführt und nie den Mut hat sinken laßen? Ich müßte Entstehen und Entwicklung unserer Gemeinde und unserer Anstalt, ja, eine Geschichte der jüdischen Wohltätigkeit in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts schreiben, wollte ich seiner Tätigkeit gerecht, werden. Gemeinden haben auch andere geschaffen, Lehranstalten auch andere gegründet, aber er schuf eine'Welt aus dem Nichts. Von Saal zu Saal zog er und predigte seiner künftigen Gemeinde, als er hierher berufen ward, und mit eigener Hand hat' er die Mittel zusammengebracht"zur Fundierung der Anstalt. Scchsunddreißig Stunden hatteer die Augen nicht geschlossen, als er die Rede zur Eröffnung des Rabbiner-Seminars vor dem Vertreter des Kultusministers hielt. „Nehmt Euch der Falaschas an," rief er der jüdischen Welt zu, und „schützet unser Volk vor der Mission in Jerusalem;" „sehet unsere Brüder hungern in Ostpreußen, habt Ihr kein Auge für das Elend Westrußlands?" In Feindesland sandte er zu den Mischen Kriegern die Pessachspeise und bot den russischen Flüchtlingen die rettende Hand; was die Flammen in Bagdad zerstört, baute er wieder auf, und „um Zionsmillen" wollte, er nimmer schweigen. . . Den Heiligen zu erkennen, das. gibt die rechte Einsicht. Ich habe ein Bild zu entwerfen gesucht von unserem Meister, der ein Denker war und ein Frommer und ein Held, ein Bild in schattenhaften Umrissen. Ihr sähet nicht das Licht, wie es strahlte in seiner Höhe, und könnte ich es vor Eure Augen zaubern, es bliebe nur ein Bild. Und wäre er selber in seiner Herrlichkeit vor Euch gewandelt, Ihr hättet ihn nicht zu erreichen vermocht, denn er verkörperte ein Ideal, das in einem Jahrhundert nur einmal sich verwirklicht. Aber Sehnen und Streben sei auf dieses Bild gelenkt, daß es Euch immerdar erzähle, wie er gedacht und gefühlt, was er gewollt und getan. Dann, wird auch sein Gebet in Erfüllung gehen, das er „am schönsten Tage seines Lebens" in Eisenstadt gebetet. Ihr nennt Euch alle seine Schüler. Aber nicht nur mit dem Namen Israels sollt Ihr Euch nennen, das Wesen unseres Rabbi werde in Euch lebendig! Die Richtung vermag er auch heute noch zu weisen auf dem Wege, den Ihr wandeln solltdaß Euer Herz nicht abbiege auf die Pfade des „fremdem Weibes", sich nicht verirre auf ihre Steige. Denn seine Weisheit hat. ja dies Haus gebaut, aufgerichtet seine Säulen. Er hat das Mahl bereitet und den Wein gemischt und hergerichtet den Tisch. Und seine Stimme ist es, die aus dem Hause ruft: Kommet, effet von meinem Brote, trinket von dem Weine, den ich gemischt! Und folget Ihr alle diesem Ruf mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele, dann nurd noch größer sein die Herrlichkeit des jetzigen Hauses, als die des vergangenen, und immer höher hebt sich die Zinne und immer weiter ziehen sich die Mauern am Tempel des Herrn, bis in Zion einst ersteht das ewige Haus.

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