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Jüdische Korrespondenz · 1920-06-01 · 19 (1.6.1920) · page 3

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
6 (1920)
Issue
19 (1.6.1920)
Date
1920-06-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 19 Jüdische Korrespondenz Seite 3 Die Unruhen in Galiläa. Der palästinensische Korrespondent der „Jüdischen Preßzentrale Zürich" berichtet: Nachdem die jüdischen Arbeitergruppen nach hartnäckigen Kämpfen aus Obergaliläa sich zurückziehen mußten, haben die Araber vom Hanran gemeinsam mit verschiedenen Beduinenstämmen ihre Ueberfälle aus Ostjordanien und Untergaliläa ausgedehnt. In letzter Zeit nahmen diese Ueberfälle einen sehr bedrohlichen Charakter an, so daß trotz der militärischen Maßnahmen der englischen Okkupationsverwaltung, und zwar unter Beteiligung indischer RegimenKr, die mit Maschinengewehren, Kanonen und Kriegsflugzeugen - ausgerüstet waren, es bisher nicht gelungen ist, der Unruhen Herr zu werden. Die Unruhen sind nicht nur gegen die Juden gerichtet, auch die christliche Bevölkerung wie auch die in dieser Gegend gelegenen muselmanischen, persischen, tscherkessischen Siedlungen haben Schaden gelitten. Bisher wurden folgende Ortschaften angegriffen und zum Teil auch von der jüdischen Bevölkerung verlassen: die Arbeitersiedlung Dagünia 2, Bnei- Jehuda, Melhamie, wo sich die Verteidiger zwar noch halten können, Frauen und Kinder jedoch. nach Jabneel überführt wurden. Nach den letzten Nachrichten wurde auch Ajeleth- Haschachar angegriffen, leider sind einige Menschenleben zu beklagen. Nach vierstündigem Kampf gelang es dem jüdischen Selbstschutz, die an Zahl weit überlegenen Angreifer unter Verlusten zurückzuwerfen. Auch die in der Nähe gelegene Stadt Tiberias ist von Beduinenangriffen bedroht, so daß dort große Panik herrscht und der ganze Handel stockt. Der „Neuen Zürcher Zeitung" wird unterm 4. Mai aus Jaffa gemeldet: Die Ueberfälle der Beduinen auf einzelne Kolonien und Dörfer dauern an. Aus Sichron Jakob kommt die telegraphische Meldung, daß die kleine Siedlung Marah in der Nähe dieser Kolonie von einem Trupp bewaffneter Beduinen überfallen und ausgeraubt wurde. Zwei Kolonisten sind dabei ums Leben gekommen. Aus Sichron Jakob und Haifa-ist militärische Hilfe und Gendarmerie abgegangen. Der Befehl lautet, daß jeder umherstreifende Beduine, der sich über seine Absicht nicht sofort ausweisen kann, erschossen wird. Drei britische Offiziere mit 90 indischen Soldaten haben die Wache übernommen. Dasselbe Blatt meldet unterm 28. Mai: Aus Jaffa kommen Berichte, denen zufolge die Lage in Jerusalem sich immer bedrohlicher gestaltet. Während der ganze Verwaltungsapparat in Jerusalem sich alle Mühe gibt, den Pogrom gegen die Juden und die daraus entstandene dauernde Panikstimmung im Lande als den harmlosen Kampf zwischen einzelnen Anhängern zweier religiöser Gruppen hinzustellen, droht vom Norden her immer mehr der Aufstand »der Beduinen gegen die britische Okkupationsarmee. Täglich kommen aus dem Ostjordangebiet berittene Räüberscharen in Gruppen von fünfzig bis hundert Mann herüber und überfallen friedlich am Felde arbeitende Fellachen oder jüdische Kolonisten, rauben ihnen Geräte und Tiere und machen beim leisesten Versuch eines Widerstandes von den Feuerwaffen Gebrauch. Die Beduinen verfügen auch über Maschinengewehre, die sie sehr gut zu bedienen wissen. Man hört jetzt in der Gegend des Tiberiasees allabendlich den Widerhall der wüsten Schießereien, die zwischen den Beduinen und den mühsam sich verteidigenden Kolonisten ausgetauscht werden. Die englische Militärbehörde nimmt eine sonderbar abwartende Haltung ein. Sie mißt den Ueberfällen oft gar keine Bedeutung bei, und die Einwohnerschaft sieht sich, auf sich selbst angewiesen, einem mächtigen Feinde fast wehrlos gegenüber. Auch einige indische Soldaten und arabische Gendarmen sind bereits überfallen und ausgeraubt oder verwundet worden. Vorige Woche kam es in der Jesreelebene, unweit Beisan, zu einem förmlichen Kampf zwischen einer starken Räuberbande und einer zufällig vorbeireitenden indischen Schwadron, wobei es Tote und Verwundete gab. Ebenso sind im arabischen Dorfe Adassia am Jordan einige Einwohner erschossen worden. Die dringenden Hilferufe der galiläischen Bevölkerung scheinen bis jetzt keinen ernsten Widerhall gefunden zu haben, und die Gefahr für Leben und Besitz wächst von Tag zu Tag. Rundschau. (Gründung eines Schutzkomitees für jüdische Emigranten nach Argentinien.) In Buenos Aires wurde ein Komitee zum Schutze der jüdischen Emigranten nach Argentinien gegründet. Das Komitee bezweckt: a) Die Erleichterung der Einreise für die Emigranten; b) die Gewährung einer ausgiebigen Hilfe an diese; e) ihnen Arbeitsmöglichkeiten nach Tunlichkeit zu sichern. Das Komitee versendet folgendes Communique: Um die Immigration von schädlichen Elementen hintanzuhalten, wird die Einreisebewilligung von der Erfüllung nachstehender Bedingungen abhängig gemacht: 1. Ein Reisepaß mit der Photographie des Besitzers; 2. ein judizielles Zeugnis, daß der Emigrant wegen schwerer Verschuldungen gerichtlich nicht verfolgt war; 3. ein genügendes ärztliches Gesundheitszeugnis; 4. ein professionelles Zeugnis, das den Beruf des Immigranten feststellt; 5. ein polizeiliches Zeugnis, daß der Immigrant niemals Bettler war. Alle diese Dokumente müssen vom argentinischen Konsul des Herkunftslandes bestätigt sein. Die ökonomischen Bedingungen in Argentinien sind gegenwärtig günstig. Wer einen freien Beruf ausüben will, muß die Kenntnis der spanischen Sprache besitzen. (Die jüdischen Rechte in Griechenland.) Aus Athen wird gemeldet: Der griechische Unterrichtsminister legte der Kammer einen Gesetzentwurf vor, welcher die jüdische Gemeinde von Saloniki als höchste jüdische Behörde in Griechenland anerkennt. Der Entwurf anerkennt alle bisher bestehenden Rechte der griechischen Juden auf religiösem, rechtlichem und dem Gebiet der Erziehung und bestätigt den Sabbat als gesetzlichen Ruhetag für die Juden. (Neuerliche Judenmassakers in der Ukraine.) Das Komitee der jüdischen Delegationen in Paris hat von M. Bernstein-Kohan, dem Präsidenten der Vereinigung der jüdischen Gemeinden Beßarabiens, das folgende, vom 14. Mai aus Jassy datierte Telegramm erhalten: Seit zehn Tagen ist das Gouvernement Podolien neuerdings der Schauplatz großer Judenpogrome. Die von Juden stark bevölkerte Stadt Balta ist in einen Trümmerhaufen verwandelt worden. Aus Warschau wird dem Jüdischen Korrespondenzbureau in London gedrahtet: Laut Berichten polnischer Kriegsberichterstatter an der ukrainischen Front waren unter der jüdischen Bevölkerung der^Städte Litin und Bar während ihrer Besetzung durch die polnische Armee unter dem Kommando des Generals Jwaszkiewicz zahlreiche Opfer zu beklagen. (Jüdische Kandidaturen in Beßarabien sür das rumänische Parlament.) Demnächst finden die Wahlen in Beßarabien, das von der Friedenskonferenz Rumänien zugesprochen worden ist, für das rumänische Parlament statt. Auf einer am 2. Mai in Kischenew stattgefundenen Konferenz der Vertreter der jüdischen Parteien und Organisationen wurde beschlossen, eine eigene jüdische Liste aufzustellen und keine Koppelung mit anderen Parteien einzugehen. Listenführer der jüdischen Kandidatenliste ist Dr. Bernstein-Kohan. In den Senat wird Rabbiner Zirlsohn kandidiert. (Antisemitismus in der Türkei.) Die Soldaten der freiwilligen Armee Denikins, die nach Konstantinopel geflüchtet sind, darunter zahlreiche Offiziere, haben den Antisemitismus aus Rußland nach Konstantinopel übertragen. Sie brachten es so weit, daß die Zeitungen Konstantinopels über das Benehmen der Freiwilligen gegenüber den Juden häufig ausführlich berichten und sowohl Christen wie Muselmanen Konstantinopels gegen diesen in der Türkei unerwünschten „russischen Import" protestieren. (Amerikanische Hilfe für die russischen Juden.) Die eyten Hilfstransporte des American Joint Distribution Committee für die russischen Juden, sind durch das Amerikanische Rote Kreuz in Kiew eingelangt. Professor Friedländer und Dr. Katz haben sich nach Kiew begeben. (Verhaftung von Zionistenführern in Rußland.) „Associated Preß" erfährt aus Moskau, daß 75 Delegierte zum russischen Zionistenkongreß auf Grund verschiedener Beschuldigungen von der Sowjetregierung verhaftet wurden.

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