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Jüdische Korrespondenz · 1920-05-20 · 17 (20.5.1920) · page 3

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
6 (1920)
Issue
17 (20.5.1920)
Date
1920-05-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 17 Jüdische Korrespondenz Seite 3 würde all diese Schwierigkeiten beheben und demselben eine entsprechend imposante Beschickung sichern. Auch die moralische Wirkung des Kongresses würde viel größer sein, wenn derselbe in einem orthodoxen Zentrum stattfinden wird. Wir erlauben mi§ daher diesen Vorschlag der Agnda-Leituug zu unterbreiten. D. R.) Die Orthodoxie und Palästina. Aus Warschau wird telegraphiert: Die Leitung der orthodoxen Organisation „Schlome Emune Jisroel" erhielt vom Oberrabbiner Dr. M. Jung in London die telegraphische Mitteilung, daß das Memorandum der Orthodoxie der englischen Regierung unterbreitet und mit lebhaftem Interesse zur Kenntnis genommen wurde. An maßgebender Stelle wurde versichert, daß P a l ä st i n a d e m g a n z e n jüdischen Volke und nicht bloß einer Partei übergeben werden wird. Die Mchtlrnge in Wien. Sowohl im Wiener Landtage, als auch in der Nationalversammlung sind die Antisemiten letzthin wieder mit der Forderung, die jüdischen Flüchtlinge auszuweisen, aufgetreten. Im Landtag hat der Landeshanptnrann Sever eine Anfrage, welche die Errichtung von Konzentrationslagern für die Ostjuden urgiert, dahin beantwortet, daß er zu dieser Kulturschande niemals seine Hand bieten werde. Die schematische Durchführung der erlassenen Ausweisungen sei nicht möglich, besonders da viele Flüchtlinge aus Gegenden stammen, die noch Kriegsgebiet sind. Außerdem wenden sich viele heimische Petenten an die Behörde mit dem Ersuchen, in einzelnen Fällen einen Dispens eintreten zu lassen, und zwar Angehörige aller Parteien! Bei Leuten, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten seien, werde mit aller Strenge vorgegangen und die Regierung werde streng barctuf bedacht sein, die volkswirtschaftlich schädlichen Elemente zu entfernen. In der Nationalversammlung vertrat Abgeordneter Kunschak die antisemitische Forderung. In Erwiderung auf die Rede des Abgeordneten Kunschak führte der Staatssekretär Eldersch aus, er könne der Meinung, als ob die Studentenkrawalle mit der Tätigkeit der Verwaltungsbehörden in bezug auf die Ausweisung der Osijuden in einem gewissen Zusammenhang stehen, nicht beipflichten. Was die Ausweisung der Ostjuden anlangt, so sind nach Erscheinen der betreffenden Verordnung 20.000 Gesuche um Aufenthaltsbewilligungen vorgelegt worden. So sehr inan sich auch bemüht, bei deren Behandlung expeditiv vorzugehen, so ist doch eine solche Zahl von Gesuchen schwer rasch zu erledigen, weil einerseits Erhebungen gepflogen werden müssen und andererseits die verschiedenartigsten Verhältnisse in Frage kommen, die entsprechend berücksichtigt werden müssen. Schwierigkeiten ergeben sich natürlich beim Abtransport, weil sich die anderen Nationalstaaten, namentlich die Tschechoslowakei, weigern, den Durchtransport ohneweiters zu gestatten. Nichtsdestoweniger wird die Abschaffung nach Möglichkeit uub Zulaß der Verhältnisse betrieben. Es wird auch nicht lediglich auf die Erwerbsverhältnisse Bedacht genommen. Selbstverständlich werden Schieber und Personen, die bei einzelnen Razzien festgestellt werden, sofort abgeschoben. Aber auch Personen, die einem ehrlichen Erwerb nachgehen, erhalten nicht ohneweiters eine Aufenthaltsbewilligung, weil immer geprüft werden muß, ob in der betreffenden Branche nicht bodenständige Arbeitslose vorhanden sind und man doch in diesem Falle dafür sorgen muß, daß diese gegenüber den fremdländischen den Vorzug erhalten. Es muß also auch weiter damit gerechnet werden, daß diese Aktion nicht in einem raschen Zuge durchgeführt lverden kann. Die vom Abgeordneten Kunschak vorgeschlagene Unterbringung der Ostjuden in Konzentrationslagern, möchte ich ablehnen. Ich würde sie für eine Kulturschande halten (Zustimmung), aber abgesehen davon, würde eine solche Maßnahme im Auslande als eine barbarische aufgefaßt werden. Die Gegenwartsaufgaben der wiener Orthodoxie. (Fortsetzung) Wenn die Orthodoxie will Schule machen, ist es vor allem erforderlich, Schulen zu machen. Es ist sicherlich lobenswert und bewunderungswürdig, wie jeder Einzelne unserer Gemeindemitglieder das Erziehungsprogramm seiner Kinder, so gut es eben geht, zu lösen versuchte, doch es wür§ die Pflicht und das vitalste Interesse der orthodoxen Gemeinschaft, dafür zu sorgen, daß jüdische Schulen aller Kategorien geschaffen, erweitert und ausgebant werden, die unseren alttraditionellen Geist atmen und die Heranwachsende Jugend zu Volljuden erziehen! Es ist schon zu oft und zu vielfach bereits daraus hingewiesen worden, welch ungünstigen und geradezu schädigenden Einfluß die öffentlichen Schulen ans das empfindliche Gemüt und den leicht beeinflußbaren kindlichen Charakter ausüben, wenn Schule und' Haus, und Haus und Schule im Fühlen und Denken, im Tun und Handeln auseinandergehen, statt Hand in Hand, von den gleichen Intentionen getragen und gehoben, zu arbeiten: Die Schule nur die Fortsetzung und Ergänzung der elterlichen Erziehung, das Haus die Verwirklichung und Verlebendigung des in der Schule gewonnenen lehren. Es wäre meines Erachtens der verkehrte Weg, die Nachteile der öffentlichen Schule hervorzukehren, sondern wir müssen die dringende, unaufschiebbare Wichtigkeit und Bedeutung unterstreichen, die die Gründung derartiger Schulen erheischen! Es gibt fast keine Stadt in Deutschland, Ungarn, Böhmen, ja selbst kaum eine judenreichere Stadt in Oesterreich, in der es nicht jüdische Volksschulen für Knaben und Mädchen gibt; nur in Wien, trotz der ansehnlichen Anzahl gesetzestreuer Juden, gibt es nur eine öffentliche jüdische Knabenvolksschule, die zu einer Armenschule degradiert erscheint und nicht die Stellung einnimmt, zu der sie einstens berufen und gegründet wurde. — Fanget bei den kleinsten an! Gründet Kindergärten, in denen die Jüngsten sozusagen spielend in unseren Stoff uttb unsere Materie eingeführt werden. Gründet Volksschulen für Knaben und Mädchen, deren Lehrplan in unserem Geiste abgefaßt ist, in der nicht, wie bisher, jüdischer Religionsunterricht, bestenfalls wie andere profane Gegenstände gelehrt wird, fonberu Schulen, die dnrchtränkt sind von Religiosität. Und wenn dieses Ziel durch restlose und rastlose Arbeit erreicht ist, dann müssen höhere Schulen ins Leben gerufen werden, die es den Schülern und Schülerinnen ermöglichen, nebst der Erlernung des Fachwissens, mit allen anderen Schulen wetteifernd, sich zu ihrem Hauptberufe würdig vorzubereiten, zu Volljuden, die ihre Religion lieben, das Gesetz kennen, in unserer Lehre forschen als Bürgen und Erhalter, Säulen und Stützen unserer heiligen Ueberlieserung. Gerade Wien, diese Stadt, in der der Osten und Westen sich finden und berühren, ist dazu berufen, durch Schule und Schulung, führend und richtunggebend zu wirken. Das Schulwerk muß die vornehmste Aufgabe einer orthodoxen Gemeinschaft sein. Solange diese Aufgabe nicht gelöst wird, bleibt unser Arbeiten und Streben Stückwerk. — Ich weiß, daß es noch schöner wäre, wenn unsere Jugend, wie in Rußland und teilweise in Ungarn, Tag und Nacht nur dem Thorastudium obliegen würde, ohne anderes Ziel und nur diesen einen Zweck ins Auge fassend, doch darf dieses für unsere Zeit und für unsere Verhältnisse unerreichbare Ideal nicht die Ursache sein, daß wir zu dem modernen Schulproblem gar keine Stellung nehmen. Der Existenzkampf tobt zu gewaltig, als daß wir der neuesten Methoden entraten könnten, um mit unseren Mitmenschen auf allen Gebieten des modernen Wirtschaftskampses erfolgreich Schritt halten zu können. Wir wollen und sollen sein ein Volk von Priestern im Hause, in ihrer Gemeinde, im Fühlen, Denken und Handeln, doch zugleich dürfen die Waffen aus dem Arsenal uns nicht fehlen, die uns eine bürgerliche Existenz erringen helfen. Solche Männer und Frauen, die auf allen Gebieten der Bildung und Sitte, Höchstes und Bestes zu leisten vermögen, heranzubilden, sie für die moderne Zeit und ihre bedeutsamen Aufgaben, ohne Zurücks stellung oder Verminderung unserer traditionellen Lebens-/§M

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