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Jüdische Korrespondenz · 1920-04-30 · 15 (30.4.1920) · page 4

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
6 (1920)
Issue
15 (30.4.1920)
Date
1920-04-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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, ( . 1 1 "I,, M,,! 'UÜJJI rnrnimimmmmmmm -Z" Seite 4 Jüdische Korrespondenz Nr. 15 fügungen durch die Zentralregierung zur Folge hatten. Durch diesen- Widerstreit zwischen den zionistischen Stellen in Palä-. stina und den Beamten der Verwaltung wurden die letzteren immer gereizter und sie begannen diesen nur durch ihre Unzulänglichkeit hervorgerufenen Kampf als ihren persönlichen Kämpf anzusehen uud zu führen. Davidsohn führt weiter aus: Es ist nicht festgestellt, ob diese'eigenmächtige Politik der Beamten die Zustimmung der Zentralregierung gefunden hat und ob sie überhaupt von der englischen Regierung aus irgendwie beeinflußt worden ist oder nicht. Die Lust ist noch immer voll von lügenhaften offiziellen Meldungen aus Palästina, mit denen die Beamten ihre politischen Blößen zu verdecken trachten. Die Zentralregierung möge doch dieses Lügengewebe endlich zerreißen und durch die Bestrafung der schuldigen oder fahrlässigen Beamten erklären, daß sie ihr Vorgehen nicht billigt und daß sie frei ist von jeder Mitschuld an diesem Verbrechen. Davidsohn schließt diese offene Aussprache folgendermaßen: ^„Pogrom in Jerusalem. Das ist ein Ereignis, das Sühne heischt. Es gibt in der ganzen Welt keinen Juden, den diese Nachricht nicht im Innern erschüttert hätte. Jerusalem ist die Hauptstadt unseres Volkes, wie sie es ehedem war, und bis zum heutigen Tage ist die Mehrzahl ihrer Bewohner jüdisch: die Augen aller unserer Volksgenossen sind dieser Stadt zugewendet, selbst wenn sie keine Zionisten sind, und sie bildet heute das einzige Licht in der Finsternis unseres Galuth, den einzigen Punkt, der uns mit der in Verderbtheit gesunkenen Menschheit und mit dem gegenwärtigen Zustand versöhnt. Verlischt auch dieses letzte Licht, dann wird die Finsternis nicht nur für uns, sondern für die ganze Welt vermehrt werden. Die Pogrome werde:: unseren Mut nicht sinken lassen. Hub sind wir nicht stark genug, um uns selbst zu nützen, so ist noch Kraft genug in uns, anderen zu schaden." Laut eines von der zionistischen Kommission in Jerusalem an die Zionistische Zentrale in London gelangten Telegramm.es wurden 20 Mitglieder jenes Selbstschutzkorps, welches nach Ausbruch der gegen die Juden gerichteten arabischen Ueberfälle am 4., 5. und 6. April sich, nachdem die arabische Gendarmerie mitplünderte und die englischen Behörden aus bisher noch unaufgeklärten Gründen der Situation nicht Herr werden konnten, den arabischen Massen zum Schutz des jüdischen Lebens und jüdischen Eigentums eutgegeugestellt hatten, zu mehrjähriger Zwangsarbeit verurteilt, und zwar Jabotinsky zu 15 Jahren und die weiteren 19 Mitglieder des Selbstschutzkorps zu je drei Jahren. , Die Londoner Poale-Ziou-Organisation erhielt ein von der Achduth Haawoda unterzeichnetes Telegramm aus Beirut, demzufolge am 4., 5. und 6. April etwa 600 Araber> die von Hebron aus nach Jerusalem gekommen waren, einen Judenpogrom veranstaltet haben. 2 Männer und 1 Kind wurden getötet. 50 schwer und 100 leicht verwundet. 2 Frauen wurden geschändet. Die Araber plünderten jüdische Läden, übersielen die Synagogen und schändeten Thora-Rollen. Die Jerusalemer Administration hat keine Maßregeln ergriffen, um diesen Ueberfäüen Einhalt zu gebieten. Auch verhindert sie den jüdischen Selbstschutz. Die erste Demonstration, die in Jerusalem stattfand, wurde von den Beamten erlaubt, die zweite führte zu den Unruhen. Die Schuldigen sind bisher noch nicht bestraft worden. Hetzartikel gegen die Juden sind in den arabischen Zeitungen zugelassen worden. Die Aufgabe von Telegrammen an die europäische und amerikanische Presse oder an die zionistische oder poale-zionistische Organisation wird nicht gestattet. * Der „Hapal-Hojair" in Jaffa beschuldigt ausdrücklich die englische Verwaltung in Palästina, die Pogrome geduldet und '<ir gefördert zu haben. Die Wahlen in bev Tschechoslowakei. (Brief aus Prag.) . Es kreisten die Berge — und nicht einmal eine Alans ist geboren worden. — Mit einem kaum zu beschreibenden Elan haben sich unsere Nationalisten in den Wahlkampf gestürzt; Millionen sind ausgegeben worden; eine Wahlagitation wurde betrieben, wie sie das Judentum in unserem Lande noch nie erlebte; alle möglichen und unmöglichen Mittel gelangten zur Altwendung — um die Herren Dr. Singer und Max Brod in das'tschechoslowakische Parlament hineinzubringen. Aber alles vergebens: die etwa 400.M0 Juden in der tschechoslowakischen Republik werden in der gesetzgebenden Körperschaft ohne jede Vertretung sein. Etwa 80.000 Stimmen haben die Kandidatenlisten der Nationalisten auf sich vereinigt; wahrlich eine stattliche Zahl. Mit einem solchen Wählerblock könnte man in einem parlamentarisch regierten Staat vieles erreichen, wenn, ja, wenn inan auf das Wohl der Gesamtheit bedacht wäre lind nicht ausschließlich Mandatpolitik betriebe. Leider aber sind, die Mandate das A. und O. der Politik des „Jüdischen National-' rates", den nun das verdiente Schicksal erreicht hat. Vor allem einige Feststellungen. Unsere Nationalisten segelten von Anbeginn an unter einer falschen Flagge: sie traten unter der Firma „Vereinigte jüdische Parteien" auf, obwohl sie gewissermaßen allein öastanden. Nicht einmal die „Poale-Zion" standen hinter ihnen; .die organisierte Orthodoxie in der Slowakei lehnte es entschieden ab, ins nationalistische Fahrwasser hineingezogen zu werden, woran die Tatsache nichts ändert, daß sich einige Ehrgeizige gefunden haben, die den Nationalisten Helfersdienste leisteten. Die deutsch-jüdischen und tschechischjüdischen Parteien gingen ebenfalls ihre eigenen Wege. Die orthodoxe Gruppe in Prag ist zu schwach, um selbständig auftreten zu können, aber ihr Zusammengehen mit dem Nationalrat, für das taktische Gründe maßgebend sind, darf keineswegs dahin äusgelegt werden, als sie sich mit der nationalistischen Politik solidarisiere. Wer sind also die „Vereinigten jüdischen Parteien", in deren Namen die Listen ausgegeben werden? Eine zweite Feststellung bezieht sich auf das Ergebnis der Wahlen. Die Liste der Nationalisten erhielt zirka 80.000 Stimmen im ganzen Staatsgebiet. Es wäre aber entschieden verfehlt, anzunehmen, daß alle diese Wählerschaften zur nationalistischen Fahne schwören. In Wirklichkeit sind nicht emmal 8000. Nationalisten vorhanden. Es waren vielmehr taktische Gründe, die dieses Wahlresultat herbeigeführt haben. Die Juden in Böhmen, Mähren und Schlesien pflegten früher unter dem österreichischen Regime vornehmlich deutsch zu wählen. Nach der Umwälzung können sie dies nicht mehr so einfach tun. Es war deshalb ein leichtes, sie für die nationalistische Liste zu gewinnen, ohne daß ihr Herz dabei war. In der Slowakei speziell pflegten die Juden bisher magyarisch zu wählen; auch da waren sie in Verlegenheit und stimmten nationalistisch, ohne damit für das nationalistische Programm optiert zu hüben. Diese Feststellungen waren nötig, um darzulegen, warum das Vorgehen der Nationalisten als ein schwerer Fehler gewertet werden muß. Die Siedlungsverhältnisse der Juden in der Tschechoslowakei sind derartige, daß die Aussichten, jüdische - Mandatare durchzubringen, a priori höchst gering waren. Eilt Block von 80—100.000 Wählern ist aber immerhitt ein Faktor, mit dem jede politische Gruppe rechnen muß. Es war leicht möglich, im Wege der Verständigung mit einer anderen Partei nicht bloß die Zusicherung zu erhalten, daß dieselbe im Parlament die jüdischen Rechte verfechten werde, sondern unter Umständen konnten auf diesem Wege auch einige jüdische Mandatare gewählt werden. Unseren Nationalisten handelte es sich aber in erster Linie darum, ihrer Mandatspolitik, zum Siege zu verhelfen. Die Parteiführer, die so eifrig arbeiten, mußten einmal die Früchte ihrer Arbeit genießen. Deswegen der Hokuspokus mit den eigenen Listen, deswegen die Versicherungen, daß zumindest vier bis fünf jüdische Mandate gesichert seien; deswegen die (Fortsetzung auf Seite 7.)

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