Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 6 (1920)
- Issue
- 14 (23.4.1920)
- Date
- 1920-04-23
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Jüdische Korrespondenz - Nr. 14 Wie es weiterhin heißt, sind dann die ausgedoxrten Knochen mit Wern, Fleisch und Haut versehen und durch Erschütterung emänder genähert, Glied zu Glied gebracht worden, woraufhin sich in die Körper der Erschlagenen, aus allen vier Richtungen herbeiströmend, der Lebensgeist eingefunden, so daß sie lebendig geworden, und auf den Füßen stand ein überaus großes Heer. Durch die Vision und durch die sie erklärende Auslegung, eingeleitet, wurde dem Propheten der Auftrag, dessen Worte lauten: „Darum weissage und sprich zu ihnen. So spricht Gott der Herr: Siehe, ich öffne euere Gräber und lasse euch steigen aus eueren Gräbern, mein Volk, und bringe euch auf den, Boden Israels. Und ihr sollt erkennen, daß ich der Ewige bin, wenn ich euere Gräber öffne und euch steigen lasse aus eueren Gräbern, mein Volk. Und ich gebe meinen Geist in euch, daß ihr lebet, und schaffe euch nach euerem Boden und ihr sollt erkennen, daß ich, der Ewige, es geredet und getan habe; das ist der Spruch des Ewigen." (12—14.) Der Geist, der Israel neubelebt Und zur Auferstehung gebracht hat, war der von den Propheten klar erfaßte ethische Gehalt der mosaischen Religion und der erfolgreichste Messias, der große Unbekannte, der seine Zeitgenossen durch seine seiner heiligsten Seelentiefe entquellenden lichtvollen Reden dafür zu gewinnen wußte. Man muß sich nur vor Augen halten, welche Summe klarer Einsicht (die hat der Mann, schon bevor er Prophet geworden, haben müssen) dazu gehört hat, um in dem arischen Helden, König Cyrus, den von Gott für sein Volk bestellten Messias zu erkennen und was für Hindernisse zu bewältigen waren, um dieser Idee zum Durchbruchezu verhelfen. „Ein Heide als Messias." Soviel auch das Jsraelitenvolk dem großen Perserkönige und seinem edlen, frommen Fürsten Serubabel zu verdanken gehabt, das Größte und Schwerste hat jener Gottesmann dafür getan, der von sich sagt: „Der Geist Gottes, des Ewigen, ist aus mir, weil der Ewige mich gesalbt, Heil zu künden den Niedergedrückten, Linderung zu bringen denen, die gebrochenen Herzens sind, den Gefangenen Freiheit zu verkünden und den Gefesselten Erlösung." Jesaia 61.1. Der große Menschenfteund, zu dem Gott gesprochen: „Es ist zu wenig, daß du mir Knecht seiest, um aufzurichten die Stämme Jakobs und die Eingekerkerten Israels zurückzuführen; ich mache, dich überdies zum Lichte der Völkerauf daß meine Hilfe gelange bis an das Ende der Erde" (Jesaia 49, 6), hat, die Richtung seiner gottbegnadeten Vorgänger einhaltend, dem Erlösungswerke die Wege geebnet. Nur seiner ethisch-religiösen Vorarbeit ist es zu verdanken, daß die politische Macht des gerechtesten und menschlichsten unter den Weltbezwingern und die gute Führung seines erfahrenen Fürsten, das ersehnte Heil gebracht hat. Er, der sich Beleidigungen, Beschämungen und Mißhandlungen ausgesetzt, Roheiten und Bosheiten entarteter Stammesgenossen über sich hat ergehen lassen und dessen nicht achtend (Jesaia 51, 6), das Wort Gottes mit einer schwungvollen hinreißenden Beredsamkeit sondergleichen verkündet hat, der mächtige liebreiche Geist, dessen Schwung alle ihm zugesügten Gemütsqualen nicht zu verringern vermocht haben, war der eigentliche.Erlöser Israels. Unser Volk hat schon einmal aufgehört gehabt, eine politische Gemeinschaft zu bilden, war bereits aus der Reihe der Nationen getilgt und ist wieder, als lebenskräftige Nation, in ihre Reihe getreten; das zeigt, daß die Regel des Herrn Gregorovius, wenigstens unseren Stamm betreffend, Ausnahmen zuläßt. (Fortsetzung folgt.) _ L. Mandel. Die Exzesse in Jerusalem. Ueber die blutigen Exzesse in Jerusalem liegen folgende Meldungen vor: Laut Mitteilmrg der zionistischen Kommission in Beirut vom 10. April haben sich in Jerusalem am 4., 5. und 6. April ernste Unruhen abgespielt. Juden wurden von den Arabern überfallen, wobei die arabischen Polizeileute sich an den Plün- ' derungen und Gewalttätigkeiten beteiligten. Fünf Juden fanden den Tod, zweihundert Juden trugen Verletzungen davon und selbst drei Frauenschändungen wurden verübt. Die britischen Verwaltungsbehörden verhielten sich sonderbarerweise passiv, obzwar sie von der zionistischen Kommission rechtzeitig gewarnt und auf die bestehenden-Gefahren aufmerksam gemacht worden waren. Selbst das zionistische Anbot, zum Schutze der Bürger ein Selbstschutzkorps beizustellen, wurde abgelehnt und einige Mitglieder der für alle Fälle geschaffenen Selbstschutzabteilung wurden sogar verhaftet. Die zionistische Kommission forderte nunmehr die strenge Bestrafung der arabischen Aufwiegler, die Enthebung der kompromittierten städtischen Funktionäre, ferner völligen Schadenersatz und die Einsetzung einer Untersuchungskommission unter Beiziehung der Vertreter der Juden. Das Londoner zionistische Exekuttvkomitee hat sofort nach Einlangen der Berichte bei der britischen Regierung offizielle Vorstellungen erhoben, deren Ergebnis bekanntgegeben werden wird. Die englische Regierung erklärt, daß seit dem 7. April in Jerusalem Ruhe herrsche und kein Anlaß zur Furcht vor einer Wiederholung von Unruhen vorliege. In Ergänzung der bereits veröffentlichten telegraphischen Meldungen über die Vorgänge in Jerusalem gibt das Exekutivkomitee der zionistischen Partei in London die folgenden Einzelheiten bekannt: Anläßlich einer religiösen Prozession am 1. April hat die von arabischen Agitatoren aufgehetzte Menge in der Nähe des. Rathauses einen Sturm auf die Juden unternommen, wobei etwa sechzig jüdische Geschäfte geplündert wurden. Ungefähr zweihundert Personen, unter ihnen auch viele Araber, wurden verwundet, unter ihnen fünfzig schwer. Von den letzteren sind zwei bald darauf ihren Wunden erlegen. Die arabische Gendarmerie blieb teils untätig, teils unterstützte sie die Eingebornen bei ihren Gewalttaten. Britische und indische Truppen patrouillierten durch die Straßen, in denen auch Maschinengewehre aufgestellt wurden. Der Handel in der Stadt wurde unterbrochen. In den jüdischen Spitälern wurden am ersten Tage der Ausschreitungen über zweihundert Fälle behandelt. Die zionistische Kommission in Jerusalem erhob sofort nach Ausbruch der Unruhen sowohl beim Chef der Administratton, General L. Bols, als auch beim Gouverneur, Obersten Stores, die ernstesten Vorstellungen und erhielt von beiden die Zusage, daß die an den Ausschreitungen Beteiligten strenge bestraft und Vorkehrungen getroffen werden, damit sich ähnliche Vorfälle nicht wiederholen. Trotzdem haben sich die Ausschreitungen am nächsten Tage wiederholt, mit dem Ergebnisse, daß weitere dreißig Jude::, darunter einer tödlich, verwundet wurden. Die Angreifer drangen in die Häuser der Juden ein, überfielen die Bewohner, zerschlugen die Möbel und schlitzten das Bettzeug auf. Infolge neuerlicher, nachdrücklicher Vorstellungen der zionistischen Kommission beim Gouverneur, wurde das Kriegsrecht proklamiert und neuerlich versprochen, daß die arabische Polizei zurückgezogen und der Schutz der Stadt britischen Truppen anvertraut werden wird. Nichtsdestoweniger fanden am darauffolgenden Tage neuerliche Angriffe auf Juden statt, wobei elf Inden verwundet und zwei Frauen das Opfer von Vergewaltigungen wurden. Die Verantwortung für diese Vorfälle lastet auf den gewissen, bekannten arabischen Agitatoren, aber auch auf einer Anzahl von städtischen Funktionären, die schon seit längerer Zeit Feindschaft gegen die. Juden an den Tag legten und den Judenhaß in der nichtjüdischen Bevölkerung schürten. Die zionistische Kommission erhob in einem Memorandum an den Chef der Administration den schärfften Protest gegen den den Ausschreitern gegenüber bewiesenen Langmut und stellte.die folgenden Forderungen: Die arabische Polizei müsse unverzüglich durch eine britische ersetzt werden, zumindest aber müsse die Stadtschutztruppe zur Hälfte aus Juden bestehen. Die Urheber der Unruhen müssen der verdienten Strafe zugeführt werden. Die arabischen Klubs, welche sich als Zentren der judenseindlichen Agitaüon erwiesen haben, müssen geschlossen werden. Der von der Regierung eingesetzte Bürgermeister vonJerusalem müsse seiner Stelle enthoben werden.