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Jüdische Korrespondenz · 1920-04-16 · 13 (16.4.1920) · page 3

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
6 (1920)
Issue
13 (16.4.1920)
Date
1920-04-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr.. 13 Jüdische Korrespondenz Seite 3 Er ging auf den Kutscher zu, packte ihn an seinem langen weißen Bart und riß an dem Bart Er sagte: „Jehudi! Jehudi!" Sagte es in einem Ton des Hasses, den ich nie vergessen werde. Der alte Jude duckte sich, machte, daß er weiterkam. . Seither weiß ich, daß der Jude auch in der Wüste Juda heimatlos ist und ein Fremder. In Rzeszow hätte ihn ein besoffener polnischer Bauer genau so. behandelt. Auch in der Wüste Juda zupft man den armen Ahasver am Bart Und er ist doch eigens aus Rzeszow ausgewandert, weil er gedacht hatte, seine wirkliche Heimat liege zwischen den Felsen von Juda." Die „Wiener Allg. Zeitung" schreibt: „Die neueste Phase der jüdischen Leidensgeschichte: Verfolgungen, die an der alten angestammten Stätte ihrer Geschichte und ihrer Ueberlieferung-begangen wird, seltsamerweise von. einem Volke, mit dem die Juden bis jetzt in relativ gutem Einvernehmen leben konnten. Es. sncd Araber, und zwar mohammedanische Araber, die jetzt in den Straßen Jerusalems Juden töten und mißhandeln. Ein merkwürdiger Umstand, denn schließlich haben Mittelalter und Neuzeit hindurch die Völker und Herrscher des Islams den Juden die relativ meiste Toleranz und Freundschaft entgegengebracht, sehr zum Unterschied von den fanatischen und mitleidslosen Bedrückungen,. welche das Judentum unter deni christlichen Regime des mittelalterlichen Europa zu ertragen hatte. Daher auch sämtliche objektive sowie auch die beiderseits sub;ektiven Geschichtsschreiber ohne weitere Verwunderung oder Erregung zugaben, haß die weitgehende Unterstützung, die der vordringende Islam überall durch die Juden erfuhr, begreiflich sei. Daß plötzlich die Sachlage so verändert ist, hat offenbar seinen Grund in der jüdischen Propaganda, die während des Krieges auf Errichtung eines unabhängigen Judenstaates in Palästina abzielte und die auch seitens der Entente namentlich seitens Englands eine politisch wohlberechnete Unterstützung erfuhr. Es liegt eutfdjiebeu Tragik in diesem Verlauf der Begebenheiten, der es nun zu Wege gebracht, daß die Juden nicht nur während des Krieges in allen möglichen Situationen und unter allen möglichen Titeln, sondern auch nach demselben, gerade um dessentwillen, was ihnen das idealste Ziel der Teilnahme in den jetzigen Weltbewegungen schien, verfolgt werden. Die Truppen Englands, des Staates, unter dessen Protektorat sozusagen die jüdische Republik errichtet werden solltehaben es jetzt übernehmen müssen, in Jerusalem gegen Mord und Totschlag Ordnung zu machen. Man hat sich wohl die neue Aera des Zionismus ein wenig anders vorgestellt ..." Das Wiener Zionistenorgan, die „Wiener Morgenzeitung", führt aus: Die Fäden der gegen das Judentum gerichteten Verschwörung enden nur in Palästina. Sie werden in Europa von Elementen gesponnen, die das Judentum zu Tode hetzen und ihm keine Rühe gönnen wollen. Die Entente muß das ihre tun, um dieser Maffia das Handwerk zu legen. Exzesse aber, und seien sie noch so fein angelegt und raffiniert ourchgesührt, werden das jüdische Volk auf seinem Wege nicht irremachen. Wir werden trotz allem vom politischen Hoffen zum politischen Handeln übergehen. Den Pionieren und Grenzern, die für unsere Zukunft den Tod gefunden haben, gilt unser schmerzlichstes Gedenken. Aufhalten lasien wir uns nicht, weder durch die Intrigen in Europa noch durch die in Asien. Wir gehen auf unser Ziel zu und werden schon noch dazu kommen, der Schlange den Kopf zu zertreten. Das Judentum kennt seinen Feind. vom orthodoxen Leben. Die Agudas Jisroel in Wien. Die Gründung einer Ortsgruppe der „Agudas Jisroel" in Wien hat dem orthodoxen Leben daselbst neue Impulse zugeführt und läßt eine lebhaftere Tätigkeit auf religiösem Gebiete erwarten. Schon während der Pessachaktion trat die „Aguda" lebhaft auf den Plan und ihrer Arbeit ist vieles hinsichlich der Pessachversorgung zu verdanken. Demnächst wird eine große Propagandaversammlung stattfinden, die eine lebhafte Werbearbeit einleiten soll. Oberrabbiner S. Fürst für die Aguda. In seiner Derascha am Schabet-Hogodaul nahm Sr. Ehrwürden Herr Oberrabbiner S. Fürst (Schiffschul) Gelegenheit, dem Agudagedanken seine lebhafte Förderung angedeihen zu lassen. Anknüpfend an den Bibelvers „Ulkaclitem lochem Agudas-Esauw“ und unter Anführung der bezüglichen Stelle der Midrasch-rabba verwies Sr. Ehrwürden auf die große Bedeutung uiib Tragweite der „Agudas Jisroel", die einen Zentralpunkt des religiösen Judentums zu bilden bestimmt ist. Es ist die Pflicht eines jeden orthodoxen Juden, der Aguda anzugehören und deren Ziele mit allen Kräften zu fördern, da sie dazu berufen ist, das religiöse Judentum zu stärken und trotz aller Ungunst der Zeiten im alten Glanze zu erhalten. Die begeisternden Worte Sr. Ehrwürden riefen einen tiefen Eindruck bei den zahlreichen Zuhörern hervor und fanden ein lebhaftes Echo, dessen Ausstrahlung die zahlreiche Beteiligung der Orthodoxie an der Tags darauf stattgefundenen konstituierenden Generalversammlung der Aguda war. * Die Kundgebuug der polnischen Rabbiner. Wie bereits gemeldet, haben 324 der angesehensten Rabbiner Polens einen Aufruf an alle gesinnungstreuen Juden in Polen erlassen, zwecks Schaffung einer umfassenden orthodoxen Organisation. Die markantesten Stellen des Aufrufs lauten: „Betrübten Gemütes und wehen Herzens wenden wir uns an euch teuere Brüder. Messer: Herz muß sich nicht im Schmerze zusammenkrampfen, beim Anblick der tieftraurigen Lage, in der sich jetzt unser Volk, unserer Lehre und Religion befinden? Das Licht, das uns seit zweitausend Jahren durch die Golusnacht geleuchtet, für das unsere Väter den Opfertod auf sich nahmen, im Bewußtsein, daß nur dieses uns das Recht und die Kraft für unsere Existenz gibt, droht eh. w. zu erlöschen. Der furchtbare Krieg hat unsere materielle und wirtschaftliche Lebenslage zerstört, noch mehr aber traf er unser geistiges Leben, das jüdische Leben im Sinne von Tauroh und Emuno. Die Lehrhäuser und Jeschiwaus sind verödet, das Buch der Thora liegt vergessen in der Ecke, die besten unserer Söhne und Töchter haben uns verlassen, gingen von uns unb kamen nicht wieder, spotten der Moral der Väter und verschmähen die Mütterlehre über jüdische- „Znius" und jüdische Reinheit. Täglich verringert sich unsere Zahl und wächst die Schar unserer Gegner, die alles Heilige mißachten, die Gesetze der Lehre und Moral übertreten und derer spotten, die das Wort Gottes verkünden. Sollen wir nun die Hände in den Schoß legen, in einer Stunde, da die Flamme der Gottesleugnung erschreckend um sich greift; da die Häscher und Räuber unserer Jugend geeint und geschlossen, mit starker Hand den Kampf gegen uns, den letzten Rest der Gesetzestreuen, führen; in der Stunde, da sie in aller Oesfentlichkeit bekanntgeben, daß ihr ganzes Streben sei, unser soziales Leben auf profanen Grundlagen neu aufzubauen und Israel zu einem „Volke unter Völkern" zu machen? Dürfen wir jetzt schweigen? Unsere Pflicht als Rabbiner in Israel ist es, laut hinauszurufen: Das darf nicht sein! Mit aller Kraft haben wir euch, liebe Brüder, zu wecken, ohne Unterlaß auf die großen Gefahren hinzuweisen, die für unsere Thora herauziehen, falls nicht ungesäumt alle Mittel zur Abhilfe in die Hand genommen werden, die Rettungsarbeit nicht sofort einsetzt. Das einzige erprobte Mittel zur Rettung kann nur in unserer Vereinigung, in der Organisierung unserer Kräfte gesehen werden. Was der Einzelne nie vermag, kann die Gesamtheit mit ehrlichem festem Streben für die Interessen des thoratreuen Judentums erreichen, sowohl in den Ländern der Diaspora, wie im heiligen Lande. Nur von einer solchen Organisation, die alle gesetzestreuen Juden umschließt, ist die Erstarkung des Judentums und eine „Wiedervereinigung von Vätern und Söhnen" zu erwarten. Eine Körperschaft, die in unseren: Namen unsere Wünsche zum Ausdruck bringt, kann noch allein den Stand unserer Jugenderziehung heben, und die Heiligtümer unseres Volkes wie unsere Interessen nach innen und außen wirksam schützen und wahren. - Darum Juden, teuere Brüder, wollt Ihr in Wahrheit, daß unser Gemeinschaftsleben sich auf den Grundlagen der schriftlichen und überlieferten Lehre aufbauen, gilt die Ehre der Weisen und Frommen noch etwas in eueren Augen, so sei euch von eueren Rabbinern, die es gut mit euch meinen, der Rat gegeben: Es lasse ein jeder die Kälte des Herzens und alle vereinigen sich zu einem Bunde von Leben und Kraft, zu einem Bunde, dessen Seele die Thora, dessen . Nervengewebe die göttlichen Gebote sind. Jeder bringe Opfer an Zeit und Kraft und liefere Bausteine zum hecligen Bau des Ganzen. Und wisset, daß das gesetzestreue Judentum in verschiedenen Ländern längst diese Notwendigkeit eingeiehen hat und sich von ihr zur Gründung von Landesorganisationen der Agudas Jisroel leiten ließ. Auch hierzulande wurde eine Organisation unter dem Titel „Schlaume emune Jisroel" auf den Ruf der Großen der Thora, der Zadikim und Rabbi ins Leben gerufen. Und all diese Organisationen sind im Rahmen der orthodoxen Weltorganisation Agudas Jisroel vereinigt. Täglich schließen sich .neue Mitglieder nach Zehntaulenden dieser Organisation an und auch wir dürfen nicht zurückstehen und nicht länger säumen, als Mitglieder uns zu denen zu zählen, die Gott fürchten und seinen Willen erfüllen. Juden! Zögert nicht und vereinigt euch zu einer Aguda, die alles schützen soll, was euch heilig und teuer ist, die auch sorgen soll für die Erhaltung der Religion und die Hebung der Thora und des Judentums! Sauden! sammelt euch, erwachet und packet mit starker Hand an hren Gottes und seiner Lehre, eures Volkes und eures Landes- Der Segen Gottes ruhe auf euch!" *

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