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Jüdische Korrespondenz · 1920-06-11 · 21 (11.6.1920) · page 8

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
6 (1920)
Issue
21 (11.6.1920)
Date
1920-06-11
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 Jüdische Korrespondenz Nr. 21 angestellt, bei denen ungeheure Mengen von Zweckmarken, die auf kleine und große Beträge lauteten, beschlagnahmt wurden. Diese Marken, die unter der ganzen Judenschaft der Welt in Massen verbreitet werden sollten, hatten den Zweck, einen großen Fonds zu sammeln, um die heiligen Stätten Jerusalems in jüdische Hände zu bekommen. (!!) Aus Polen. (Die Orthodoxie in Polen unterstützt die Aufbauarbeit in Palästina.) »Der Jud", das Blatt der Warschauer Orthodoxen, veröffentlicht einen Aufruf des Zentralkomitees der Schlaume Emuna Jisroel in Polen, angesichts der neuen Lage eine Erez-Jsrael-Woche zu veranstalten, die am Lag beomer beginnen sollte. Dieser Austritt ist das Ergebnis einer Beratung der'prominenten Vertreter der polnischen Orthodoxie, in der die Stellung zu den jüngsten Ereignissen dahin festgelegt wurde, „daß die orthodoxen Juden, die fest im Glauben und Hoffen auf die Wiederbelebung des Judentums in Erez-Jsrael stehen, mit Freude die neue Kunde vernehmen, die mit Hilfe Gottes zum Guten sein wird, wenn man die Wiedererrichtung Erez-Jsraels beginnen wird auf den Grundlagen, welche das jüdische Volk seine Eigenart bewahren ließ und die geeignet sind, ihm eine neue Existenz in Erez- Jsrael zu schaffen". Die Entschließung wendet sich scharf gegen die Bestrebungen, den Aufbau auf anderen Grundlagen als auf den alttraditionellen zu beginnen und fordert die Orthodoxie auf, durch Bereitstellung großer Mittel die Möglichkeit zu orthodoxer Aufbauarbeit in Erez-Jsrael zu geben. (Eine jüdische Wirtschaftskonferenz.) In Warschau hat sich ein Organisationskomitee gebildet, das aus den Vorstehern folgender jüdischer Organisationen bestand: 1. Jüdische Gemeindeverwaltung; 2. Rabbinat; 3. die politischen Parteien, und zwar Zentralkomitee der zionistischen Organisation, Zentralkomitee der Jüdischen Volkspartei, Schlome Emune Jisroel, Misrachi, Zeire-Zion, provisorischer jüdischer Nationalrat und jüdisch-unabhängige Partei; 4. Berufsorganisationen (Zentraler Handwerkerrat, Zentraler Handwerkerverein, Jüdischer Kaufmannverein, Kleinhändlervereinigung); 5. Hilfskomitee für die im Kriege geschädigten Juden. Dieses Organisationskomitee hat für den 31. Mai nach Warschau eine Konferenz einberufen, auf welcher die wirtschaftliche Lage der Juden in Polen .und die Maßnahmen zur Linderung der jüdischen Not beraten wurden. In seinem Aufruf zu dieser Konferenz sagt das Komitee unter anderem: Bis heute sind wir noch immer bloß das Objekt freundlicher Vormundschaft, während die ganze jüdische Gesellschaft doch schon den Gedanken organisierter Selbsthilfe planmäßiger Ausbauungsarbeit uns gereift hat und vom System des Almosens zur produktiven Hilfe übergeht. Auch bei uns sind schon. Organisationen entstanden, die sich weite sozialökonomische Ziele stecken; es fehlt jedoch die Vereinigung aller produktiven jüdischen Kräfte. — Nachträglich wird gemeldet: Die Repräsentanten der orthodoxen Organisation „Schlome Emune Jisroel" haben sich aus der Kommission, die mit der Organisierung des Kongresses zur Behandlung aller auf den Wiederaufbau bezughabenden Fragen beschäftigt ist, zurückgezogen, da die Zionisten das Gros der Vertreter für sich in Anspruch nahmen. (Ore-Miklat.) Aus Warschau wird gemeldet: Beharrlichen Berichten zufolge soll das Ministerium beabsichtigen, 21 Städte als Wohnorte für Fremde zu bezeichnen. (Ore hamiklat.) Aus allen anderen Plätzen werden sie vertrieben, es steht ihnen aber frei, irgend eine dieser 21 Städte als Aufenthaltsort zu bestimmen. (Die Prozeutrrorm für Juden an der Posener Universität.) Wie bekannt, hat die Posener Universität für jüdische Hörer eine Prozentnorm von zwei Prozent eingeführt. Der Jüdische Landtagsklub hat deswegen energische Vorstellungen bei der Warschauer Regierung erhoben. Nunmehr hat der Jüdische Landtagsklub vom Unterrichtsministerium die Kopie des Briefes erhalten, welchen das Ministerium für die ehemals preußischen Gebiete in dieser Angelegenheit an den Ministerrat gerichtet hat. Dort erklärt das Ministerium für die ehemals preußischen Gebiete, daß die Prozentnorm für die jüdischen Studenten an der Posener Universität nur eine zeitweilige Verfügung war, daß schon seinerzeit die kompetenten Faktoren im Ministerium in einer Konferenz mit dem Jüdischen Volksrat in Posen erklärt haben, die Prozentnorm werde nicht angewendet werden, schließlich, daß nunmehr die Posener Universitätsbehörden belehrt wurden, daß für Juden ungünstige Ausnahmsverfügungen nicht zulässig seien. Rundschau. (Von der Agudas Jisroel.) Aus Zürich wird gemeldet: Die neueste Nummer des ,,Haderech" fordert zu Vorbereitungen für die Kenessio gedaulo auf, die man für den Winter in Aussicht nehme. Endgültiger Beschluß soll, wie wir hören, durch eine für Anfang Elul nach Wien einberufene geschlossene Konferenz von Vertretern sämtlicher Landesorganisationen der „Agudas Jisroel" gefaßt werden. — Der Gruppenverband der Agudas Jisroel in Deutschland hat jüngst eine Serie neuer Aguda-Marken herausgegeben, nachdem die erste Serie von 900.000 Stück vollständig verkauft ist. Die neuen Marken sind zu 5, 10, 15, 20, 50 Pfennig und 1 Mark und Heftchen zu 2 Mark erhältlich. Die Zeichnung zeigt, in feinsinniger Symbolik des Aguda-Gedankens, in der Mitte den heiligen Altar, auf dem die ewige Flamme nach oben strebt, umringt vom Namen der Organisation. — Der diesjährige Delegiertentag der Agudas Jisroel-Jugendorganisation in Deutschland findet vom 2. bis 5. August in Nürnberg statt. Einzelheiten der Tagesordnung werden in Kürze bekanntgegeben. (Die Kultuswahlen.) Außer der orthodoxen, nationalen und nichtjüdischnationalen Liste zu den Kultuswahlen in Wien ist noch eine vierte angemeldet worden, und zwar im Namen der „Jüdischen Volksgruppe". Listenführer sind die Herren Advokat Dr. S. R. Landau nnd Dr. Josef Zip s er. (Pogrome in Budapest.) Die Korrespondenz-Revue meldet: In den letzten Tagen fanden in Budapest wiederholt Pogrome statt, die durch die Offiziersdetachements und den Verein der „Erwachenden Ungarn" veranstaltet wurden. Am Montag abends zogen mit Knütteln, Messern, Ochsenziemern, Säbeln und Revolvern bewaffnete Banden nach den im Stadtwäldchen befindlichen Sommeretablissements und griffen die dort befindlichen jüdischen Gäste an. Zahlreiche Personen wurden schwer verletzt und nach den bisherigen Feststellungen neun getötet, darunter der 25jährige Kaufmann Georg Kanitz, der durch zahlreiche Messerstiche lebensgefährlich verletzt und dann in den Teich des Stadtwäldchens geworfen wurde. Der junge Mann war Artillerieoffizier in der Reserve und war während des ganzen Krieges an der Front. Die verstümmelte Leiche wurde Dienstag früh aus dem Teiche gefischt. Die Demonstrationen und Ausschreitungen wiederholten sich Mittwoch abends. Nach dem Berichte des „Pesti Hirlap" betrug die Zahl der Pogromisten gleich im Anfang mehrere Hundert und es schlossen sich immer neue Massen an. Die Demonstranten wollten auch das Gebäude der Kommerzialbank erstürmen, wurden aber daran durch berittene Polizisten verhindert. Die Demonstranten zogen dann, nach der Andrassystraße, wo sie die Passanten insultierten. Es fielen auch Revolverschüffe. (Abschub der Galizianer aus Budapest.) Wie die Blätter melden, wurden am Sonntag dieser Woche wieder einige Züge abgelassen, welche etwa 3000 fremde/- meist nach Galizien zuständige Leute, nach der Grenze brachten. (Graf Apponyi über de« Antisemitismus.) In einer Rede erklärte Graf Apponyi, er perhorresziere die Judenverfolgungen, doch müsse er auf den Hauptfehler des Judentums verweisen, nämlich daraus, daß seine besten, die auf der Korrektheit und der Patriotischen Denkungsart stehen, nicht die Solidarität mit der Hefe ihrer Rasse verleugnen wollen. Gegen das unverhältnismäßige Vordringen des Judentums müsse ebenfalls Schutz gesucht werden. (Die Juden in der Bukowina.) Jewish Correspondence Bureau meldet aus Czernowitz: Der Führer der jüdisch-

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