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Jüdische Korrespondenz · 1920-06-11 · 21 (11.6.1920) · page 6

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
6 (1920)
Issue
21 (11.6.1920)
Date
1920-06-11
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Jüdische Korrespondenz Nr. 21 Agudas Iisroel -Iugendgruppe. Zeutralleitung: N., Obere Donaustraße 6S (Eingang Floßgaffe). Schiurim-KinterLung vom 27. Lirvcrrr bis 2. THcrrnuz 5680 (13. bis 18. Juni). Samstag, 11 Uhr vormittags: Sidroh mit Kommentar, Sr. Ehrw. Herr Rabbiner S. Neuwirth. Samstag, 4 Uhr nachmittags: Mögen Awrohom, Herr Simon Schreiber. Samstag, 5 Uhr nachmittags: Vortrag. Sonntag, 8 Uhr abends: Haftauroh, Sr. Ehrw. Herr Rabbiner M. Flesch. Montag, 8 Uhr abends: Sidroh mit Kommentar, Sr. Ehrw. Herr Rabbiner A. Weiß. Dienstag, 8 Uhr abends: Sidroh mit Kommentar, Sr. Ehrw. Herr Rabbiner A. W e i ß. Mittwoch, 8 Uhr abends: Mischnoh (Pesachim), Herr Dr. Lemberg e r. Donnerstag, 8 Uhr abends: Dinim, Herr Manuel. Ferner findet täglich um 8 Uhr abends ein Gemoroh (Gitin)-- Schrur des Herrn Salomon Schreiber statt. Sektion: XVII., Welemarrgasse. SamstW, 7 Uhr abends: Pirkeh Owaus, Sr. Ehrw. Herr Rabbiner A. W e i ß. Sonntag, 8—9 Uhr abends: Dinim. Montag, 8—9 Uhr abends: Mischnoh (Bezoh). Dienstag, 6—9 Uhr abends: Mischnoh (Bezoh). Mittwoch, 8—9 Uhr abends: Sidroh mit Kommentar. Donnerstag, 8—9 Uhr abends: Sidroh mit Kommentar. Sektion: XX., Fraunfeksgasse 3. Samstag, 6 Uhr abends: Pirkeh Owaus. Dienstag, 7s8 Uhr abends: Sidroh. Mittwoch, V-8 Uhr abends: Sidroh. Donnerstag, 'Iß Uhr abends: Sidroh. Vortragender: Sr. Ehrw. Herr Rabbiner Gottesmann. In keinem orthodoxen Kaufe fehle die „Jüdische Korrespondenz". R (Fortsetzung von Seite 4.) Seit Jahrtausenden wird in Israel, in Leid und Freud, des alten Mutterlandes gedacht, dessen Boden die Vorfahren nahezu 1500 Jahre besessen, bearbeitet und mit Blut und Leben beschützt haben. Ihm wenden sich die Betenden aus allen Wellrichtungen zu und nach der Richtung seiner geographischen Lage werden die Verstorbenen in die Erde gebettet. Palästina ist der Boden, auf dem die Patriarchen von ihrem Gotte gewandelt, unsere Propheten gelehrt und unsere Weisen gewirkt haben, der Erdenfleck, auf dem das erste Weltheiligtum errichtet worden, es ist und bleibt, in was für Händen es sich immer befindet, unser Gottesleben und daher unser Land. Unsere Ansprüche darauf sind unverjährbar; obgleich wir von religionswegen gehalten sind, niemandem darin irgendwo das Wohnrecht zu bestreiten, können wir sie nicht aufgeben, wenn wir nicht uns selbst aufgeben wollen. Zion ist ja das Panier der ausgleichenden Gerechtigkeit, bestimmt den Siegespreis der in ihrer vollen Reinheit und ethischen Tiefe erfaßten monotheistischen Idee zu werden. Das macht es sehr begreiflich, daß sich die Blicke der Unglücklichen, denen Roheit und Tücke die Heimat geraubt, vor allem dorthin wenden. Und dennoch war die auf dem ersten Zionistenkongresse erfolgte Aufstellung des Palästina-Paragraphen ein großer Fehler, die Unterschätzung, Vernachlässigung und Ablehnung des englischen Angebotes ein noch größerer und ist die Selbstsuggestion, noch bevor man irgendwo auf Erden einen zur Ansiedlung vieler Tausende geeigneten Landstrich öffentlich rechtlich eigen hat, sehr gelinde gesagt, keine harmlose Illusion, von einer schon irgend bestehenden jüdischen Nation zu reden. (Schluß folgt.) - L. Mandl. Der „Generalsturm" gegen die Orthodoxie. Das lebhafte Austreten der Orthodoxie, dessen Zeugen wir in letzter Zeit sind, hat die jüdischen Nationalisten furchtbar beunruhigt und sie blasen zu einem Generalsturm. Das Memorandum, das die orthodoxe Organisation in Polen dem Obersten Rate hinsichtlich der Palästinastage überreichen ließ, ist den Herren Weizmann und Sokolow sehr unbequem, sie ahnen die Gefahr, daß es ihnen unter Umständen benommen bleiben könnte, ein Monopol in der Palästinasache auszuüben, und von London aus erging die Weisung an die Zionisten in Polen, mit einer Hetze gegen die Orthodoxie einzusetzen. Dies geschieht auch in reichlichem Maße. Wer die Parteiorgane in Warschau liest, muß geradezu staunen über den Ton, den eine Partei, die ernst genommen werden will, gegen ihre Rivalen anschlägt. Die. Führer der Nationalisten in höchst eigener Person treten in die Arena und schleudern Pfeile voll Haß, Gift und Neid gegen die Orthodoxie, die es wagt, sich zur Wehr zu setzen und in allgemein-jüdischen Angelegenheiten das Wort zu ergreifen. Keine Verleumdung, kleine Verdrehung der Tatsachen ist den Herren Nationalisten zu schlecht, wenn es sich darum handelt, die Orthodoxie in Mißkredit zu bringen. Sie mögen es sich aber gesagt sein lassen, daß die Glaubenstreuen sich keineswegs werden einschüchtern lassen. Wen es juckt, der kratzt sich. Die wilde Wut, mit der die Orthodoxie verfolgt wird, spricht dafür, ^daß ihr Auftreten den Herren höchst unangenehm ist. Mögen sie noch so sehr versichern, das Groß der Glaubenstreuen schwöre bereits zu ihrer Fahne und marschiere unter dem Banner des „Misrachi" — sie wissen es nur allzu gut, daß dies nicht der Fall ist. Der „Misrachi" verkörpert eine kleine Gruppe, die weder im zionistischen Lager, noch innerhalb der Orthodoxie irgendwie ernstlich in Betracht kommt. Das hat der Verlauf der Wahlen in Palästina gezeigt. Als sich die Orthodoxie gegen die Teilnahme an den Wahlen ausgesprochen hatte wegen des den jüdischen Satzungen zuwiderlaufenden Frauenwahlrechtes, ist ihnen der „Misrachi" — wahrscheinlich über Kommando, da er stüher gegen das Frauenwahlrecht war — in den Rücken gefallen und die Herren Zionisten konnten urbi et orbi verkünden, daß auch die „Glaubenstreuen" mit ihnen gehen und nur eine „kleine Gruppe" sich absondere. Nun sind die Wahlen vor sich gegangen und haben die ganze Kläglichkeit des „Misrachi" an den Tag gebracht. In Jerusalem, das über 50.000 Juden zählt, konnten die Misrachisten keine 60 Stimmen aufbringen, wodurch sie nicht einmal ein Mandat erhielten. Ebenso kläglich war die misrachistische Stimmenzahl im ganzen Lande. Hingegen hat die Parole der Orthodoxie, an den Wahlen nicht teilzunehmen, dazu gebracht, daß in Jerusalem kaum ein dritter Teil der Wähler zur Urne schritt. Bei einer Bevölkerung von 50.000 Seelen müßten bei allgemeinem Wahlrecht mindestens 22.000 Wähler sein. Tatsächlich haben trotz aller Agitationen blos 7500 gestimmt. Beweis also, daß während die Misrachisten keine 60 Stimmen aufbringen konnten, die Zahl der orthodoxen Wähler sich auf über 15.000 beläuft. Das Märchen von der Macht des Misrachi und von der Schwäche der Orthodoxie ist somit ins Wasser gefallen. Die sogenannte Konstituante in Palästina ist somit nichts anderes als eine Rumpfversammlung, ohne Recht, im Namen der Gesamtjndenheit des Landes zu sprechen. Nebenbei bemerkt, hat das Verbot des Zusammentrittes der Konstituante seitens der englischen Behörden gezeigt, daß die Wahlen an und für sich unzeitgemäß waren und nur deswegen in Szene gesetzt wurden, um angesichts der Absenz der Orthodoxie eine nichtorthodoxe Majorität herauszubekommen. Diese löbliche Absicht ist aber mißlungen, da, wie verlautet, auch die Auflösung der Konstituante verfügt wurde. Die Herren Zionisten haben ganz zwecklos die Maske abgeworfen ...

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