Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 6 (1920)
- Issue
- 11-12 (1.4.1920)
- Date
- 1920-04-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 16 Jüdische Korrespondenz Nr. 11/12 in seinem Herzen, stahl ihn und brachte ihn in sein Haus. An diesem Stabe war der unaussprechliche Gottesname eiugegraben und die zehn Plagen, die der Heilige, geb. sei er!, einst über die Aegypter in Aegypten bringen würde. Es war an ihm geschrieben: Dizoch, Adasch, Beachaw. Und wie viele Tage und wie viele Jahre lag der Stab bereits im Hause meines Vaters, bis dieser ihn einmal in seine Hand nahm, in den Garten ging und ihn in den Boden pflanzte. Als er wieder in den Garten ging, um ihn zu holen, fand er, daß er sproßte und Blüten trieb. Mit ihm prüft er also jeden, der eine von seinen Töchtern heiraten will. Als ich ihre guten Worte hörte und sah, daß die Hirten sie vertrieben, rettete ich Zippora und ihre Schwestern aus der Hand der Hirten; auch den Schöpfeimer zog ich ihnen herauf und tränkte ihr Vieh und sie kamen zu ihrem Vater Re'uöl. Ich kam mit ihnen; sie gingen hinein, ich blreb draußen. Als Jithro sie sah, fragte er sie: Warum kommt ihr heute so bald? Sie antworteten: Ein ägyptischer Mann hat uns aus der Hand der Hirten gerettet. Ich hörte es draußen, wie sie über mich zeugten, daß ich ein ägyptischer Mann wäre. Weil ich nun nicht hineinging und sprach: Ich bin ein Hebräer,, bin ich nicht würdig, in das Land Israel zu kommen. Als die Töchter Jithros sagten: Ein ägyptischer Mann hat uns gerettet, sprach er zu ihnen: Dem Menschen, der euch Gutes erwiesen hat, erweiset diese Wohltat, rufet ihn, daß er Brot esse! Nachdem ich in das Haus getreten war, gegessen und getrunken hatte, sprach ich zu Jithro, day er mir seine Tochter Zippora zum Weibe geben sollte. Er antwortete mir: Wenn du mir den Stab bringen kannst, der in meinem Garten steht, will ich sie dir geben. Ich ging, durchsuchte den Garten, fand ihn (den Stab) und brachte ihn in meiner Hand. Sofort sann Jithro darüber nach und sprach: Wahrhaftig, dies ist der Mann, der Prophet, von dem alle Weisen Israels weissagen, einst werde ein Prophet aus Israel hervorgehen, durch dessen Hand Aegypten und alle Aegypter darin würden verwüstet werden. Sofort geriet Jithro in Zorn über mich, ergriff mich und warf mich in die Zisterne seines Hauses. In dieser Stunde sprach Zippora: Wie kann ich diesen Gerechten von einem außergewöhnlichen Tode retten! Sie sprach daher zu ihrem Vater: Möchte es dein Wille sein, auf meinen Rat zu hören. Du bist ein Mensch, der keine Frau hat, du hast aber sieben Töchter, willst du, daß meine sechs Schwestern dem Hause vorstehen, so null ich mit dem Vieh gehen, wenn nicht, so sollen meine sechs Schwestern mit dem Vieh gehen und ich will das Haus versorgen. Ihr Vater sprach zu ihr: Dil hast schön gesprochen! Deine sechs Schwestern sollen mit dem Vieh gehen und du bleibst zu Hause und hütest mein Haus und alles, was mein ist. An jedem Tage versorgte mich nun Zippora mit allen Leckerbissen ihres Vaters Jithro, bis die sieben Jahre in der Zisterne um waren. Nach sieben Jahren sprach sie zu ihrem Vater: Mein Vater, ich denke daran, wie du einmal einen Mann, der dir den Stab brachte, nahmst und in die Zisterne warfst, du hast damit eine große Sünde getan, ist es dein Wille, so öffne die Zisterne und sieh nach; wenn er gestorben ist, so ziehe ihn von da heraus und wirf sein n Leichnam hinaus, damit sein Körper nicht in deinem Hause verfaule, lebt er aber, so wisse, daß er ein vollkommener Gerechter ist. Er sprach zu ihr: Meine Tochter!, du hast schön gesprochen, erinnerst du dich aber noch, wie sein Name war? Sie sprach zu ihm: Ich erinnere mich, daß Mose den' Amram sein Name war. Sogleich ging Jithro, öffnete die Zisterne und rief: Mose! Ich antwortete sofort und sprach: Siehe, hier bin ich. Er zog mich heraus, küßte mich auf mein Haupt und sprach: Gepriesen sei Gott, der dich sieben Jahre hindurch in der Zisterne behütet hat, ich lege Zeugnis über ihn ab, daß er tötet und belebt, und ich lege Zeugnis über dich ab, daß du ein vollkommener Gerechter bist. Und durch deine Hand wird einst Aegypten zerstört werden und durch deine Hand wird einst der Heilige, geb. sei er!, die Israeliten aus Aegypten führen und durch deine''Hand wird er sie ins Meer senken, den Pharao und sein ganzes Heer- Er gab mir viel Geld und gab mir seine Tochter Zippora zum Weibe und schloß mit mir den Pertrag ab: Alles, was du in meinem Hause zeugen wirst, soll Hälfte auf Hälfte sein, eine Hälfte jüdisch, die andere Hälfte ägyptisch. Rach einiger Zeit wurde Zippora schwanger und gebar den Gerschom in mcineni Teile, und ich beschnitt ihn und ließ seine Mutter ihn zwei Jahre säugen. Im dritten Jahre wurde Eli'ezer geboren. Ich sprach: Was soll ich jetzt tun? Er wird nicht zulassen, daß ich ihn beschneide. Sofort nahm ich mein Weib und meine zwei Söhne und kehrte nach dem Lande Aegypten zurück. In dieser Stunde kam der Satan in der Gestalt einer Schlange, er fiel mich an und verschlairg mich vom Kopfe bis zur Beschneidung. Nimmer vermag er den Bund der Beschneidung zu berühren. Zippora sann darüber nach und sprach: Ich weiß, daß es nur wegen der Sünde geschieht, weil wir Eli'ezer, unseren Sohn, nicht beschnitten haben. Sofort nahm Zippora einen Stein und beschnitt die Vorhaut ihres Sohnes und nahm von dem Blute und sprengte es auf meine Füße. In dieser Stunde ging eine Tochterstimme aus, welche zur Schlange sprach: Speie ihn aus! Und so geschah es. Das ist, was die Schrift sagt (Ex. 4, 20): „Und er ließ ab von ihm. Da sprach sie: Ein Blutbräutigam durch die Beschneidung." Siehe, so hat mich mein Weib gerettet von einem zweifachen Tode. Als ich nach Aegypten kam, begegneten mir Dathan und Abiram, welche die Häupter Israels waren, und sprachen zu mir: Bist du gekommen, uns umzubringen, oder willst du vielleicht es so mit uns machen, wie du es mit dem Aegypter gemacht hast? Ich kehrte sogleich wieder nach Midian zurück und blieb daselbst zwei Jahre, bis sich mir der Heilige, geb. sei er!, am Horeb offenbarte und zu mir sprach: Geh, führe meine Kinder aus Aegypten! Das alles hat der Heilige, geb. sei er!, an mir getan, darum oin ich schuldig (verpflichtet), von ihm zu singen. Deshalb heißt es: „Meine Kraft und mein Sang ist Iah; er war mir zu Rettung, er ist mein Gott, ich will ihn preisen; (er ist) der Gott meines'Vaters, ich will ihn erheben." Ieziath Mizrajim. (Nach Talmud und Midrasch.) Das verkannte Feld. „Es chatte jemand ein Feld, das, verwahrlost und vernachlässigt, als Ablagerungsstütte für Schutt und Abfall diente. Leichten Herzens verkaufte es der Besitzer an einen anderen. Der neue Besitzer aber grub, pflegte das Feld und reinigte es von allem Schutt, und siehe, unten sprudelte ein frischer Wasserquell und reiche Schätze blühten aus dem dunklen Boden hervor. Der Eigentümer legte hier einen wunderbaren Lustgarten an, pflanzte herrliche Palmbäume, und edle Früchte wie liebliche Blumen trugen erquickende Düfte durch die ganze Landschaft. So oft aber der frühere Besitzer an diesem blühenden Garten vorüberging, stieß er schmerzliche Seufzer aus." „Genau so", so sagte Rabbi Lew:, „verhält es sich mit Israels Söhnen in Mizrajim. Verfolgt und mißachtet von allem Volke, gehen sie in die Wüste hinaus und werden zum blühenden Gotteseigentum. Pharao aber stößt bittere Klage aus. So wie es heißt: Wajehi beschalach Pharao...." „Wehe dem Pharao, daß er das Volk aus dem Lande gelassen hatte!. .." Wer z u e r st? Rabbi Meir sagt: Die Stämme wetteiferten am Meere miteinander, den ersten Schritt durch die Wellen zu tun. In glühendem Gotteseifer machte sich der Stamm Benjamin voraus, doch Jehuda setzte ihm nach und suchte ihm den Rang abzulaufen. Als Belohnung bekam Benjamin den Heiligen Tempel auf sein Gebiet. Rabbi Jehuda stellt den Sachverhalt umgekehrt dar: Jeder der Stämme wollte dem anderen den Vorantritt überlassen. Da schwang sich Nachschon, der Sohn Aminadaws, auf und sprang, allen voran, als erster in das Meer. Infolge dieses Verdienstes eines seiner treuen Söhne wurde dem Stamm Jehuda das Königtum für alle Zeiten beschieden. Das göttliche Strafgericht. Als die Söhne Israels jenseits des Meeres auf trockenem, sicherem Boden waren und die Fluten die nachfolgenden Aegypter umfaßt hatten, trat Satan anklagend vor den göttlichen Richterthron: „Womit unterscheiden sich die einen von den anderen? Haben sie doch in Aegypten alle Götzen gedient!" Und Usa, der Genius der Aegypter, unterstützte den Ankläger: „Herr der Welt, mit dem Maße des Erbarmens hast Du die Welt erschaffen, warum willst Du jetzt mitleidslos meine Kinder hier ein nasses Grab finden lassen?" Und auch die Genien der anderen Nationen traten als Verteidiger Aegyptens auf. Wie aber Michael, der Genius der Juden, die Situation überblickt hatte, winkte er seinen Freund Gabriel herbei und gab ihm stille Anweisung. Dieser eilte nnt einem Flug nach Aegypten und riß aus einer Festungsmauer einen Ziegel heraus, an dem Lehm und Blut noch eines der jüdischen Kinder klebte, die in der Festungswand eingemauert waren. Mit diesem Zeichen menschlicher Grausamkeit schnellte Gabriel zurück zum göttlichen Throne und er sprach: „So, Herr der Welt, haben sie dort mit deinen Söhnen verfahren!" Darauf gewann das Maß der Gerechtigkeit die Oberhand und die Aegypter versanken in den Fluten. Die Engel wollten Schiro singen; doch der liebe Gott verwies sie: „Nein, meine Geschöpfe ertrinken im Meere und Ihr wollt Lieder singen?" Das große Lied. Rabbi Jehuda meint: Es waren die Knäblein, die nach dem Befehl Pharaos in den Fluß geworfen werden sollten, die das große Lied am Meere anstimmten. Nämlich: Die jüdischen Mütter in Mizrajim zogen es vor, ihre neugeborenen Knäblein allein auf dem Felde zu lassen, statt sie dem Wassertode preiszugeben. Gott in seiner Allliebe hatte aber die Kinder gehegt und gepflegt, und zwei Steine bekam jedes Kindlein in die Hand, aus dem einen floß duftiges Oel, aus dem anderen köstlicher Honig. Wie die Kinder heranwuchsen, kamen sie ins Elternhaus. Und fragte man sie, wer sie so lange gehütet hatte, so sagten sie, ein Greis von väterlicher Güte war es, der sie gehegt und beträut hätte. Am Meere sahen aber diese inzwischen zu Männern herangewachsenen Söhne Israels die gleiche göttliche Erscheinung vor sich. Sie erkannten sie sofort und riefen: „Dieser, mein Gott, ich will ihn preisen!" Der Zauberkünstler. Von I. L. Per ez. In ein Städtchen Wolhyniens kam einmal ein Zauberkünstler. Wiewohl es vor Peffach war — zu einer Zeit also, da man mehr Sorgen als Haare auf dem Kopfe hat — machte sein Kommen doch größeres Aufsehen. War das ein Rätsel von einem Menschen! Die Kleider zerrissen und einen eingedrückten Zylinderhut auf dem Kopfe. Das Gesicht durchaus jüdisch, doch der Bart wegrasiert. Von Schläfenlocken keine Rede. Und nie sah man ihn essen, weder erlaubte, noch unerlaubte Speisen. Da soll einer klug daraus werden. Woher? Aus