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Jüdische Korrespondenz · 1920-04-01 · 11-12 (1.4.1920) · page 10

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
6 (1920)
Issue
11-12 (1.4.1920)
Date
1920-04-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 Jüdische Korrespondenz Nr. 11/12 unserer Zeit ihre jungen unverbrauchten Kräfte zur Verfügung stellen. Hohe Ziele hat sich die gesetzestreue Jugend Preßburgs gestellt, große Ausgabe wartet ihrer; aber sie werden ihre Aufgabe, geleitet von den berufenen Führern, mit G'ttes Hilfe lösen. Sie werden zeigen, daß es eine jüdische Jugend gibt, die würdig der Jahrtausende alten Tradition denkt und handelt. Wollen wir hoffen, daß ihre Arbeit von dem wünschenswerten Erfolge begleitet sei. Lehagdil Tauroh ulehaadieroh. Nachstehend der Bericht über die Gründungsversammlung der Jugendgruppe Bratislava: Das aus einigen arbeitsfreudigen jungen Leuten der hiesigen Orthodoxie bestehende provisorische Komitee berief für Mittwoch, den 10. März, in den Sitzungssaal der orthodoxen Gemeinde einen engen Kreis von Gesinnungsgenossen zu einer Gründungsversammlung, die denn auch dem gesteckten hehren Zielen enffprechend, einen durchaus würdigen Verlauf nahm. Nachdem Herr Samuel Schreiber mit herzlichen Worten die Anwesenden begrüßte, setzte er kurz den Standpunkt der provisorischen Leitung auseinander- Die Erscheinungen der jüngsten Zeit, führte er aus, fordern zur Verteidigung und Verwirklichung unserer Ideale den engeren Zusammenschluß der orthodoxen Jugend. Ein hoffentlich nur geringer Teil der jüdischen Jugend hat sich auf durch Schlagworte verherrlichte Bewegungen eingelassen und ist so in Widerspruch zu den urteilsfähigen und würdigen Alten geraten. Hier wollen wir nun zeigen, daß eine thoratreue Jugend bedingungslos hinter den Manhige liadaur steht, anderseits aber würdige Mitarbeiter der Gegenwart und der Träger der Zukunft sei. Gerade wir, die wir in einem Orte, in Hem einst ein Chasam Sofer und seiner Familie Nachkommen gewirkt haben, leben, sind in erster Reihe dazu berufen, in ihrem Sinne zu wirken. Ein längeres Warten wäre hier ein doppeltes Vergehen. Die begeisterten Worte lösten allgemeinen Beifall aus, worauf ein Begrützungstelegramm der Wiener Schwesterorganisation zur Verlesung gelangte. Herr Dr. Rosenbaum erstattete ein eingehendes Referat über die Ziele der Jugendgruppe, an welches sich eine lebhafte Debatte anschloß. Inzwischen waren Seine Ehrwürden Herr Oberrabiner Schreiber, der Präsident der Landeskanzlei Herr Oberrabiner Wä>er und Oberrabiner Simon Hirschler erschienen. Auf die sinnreichen und herzlichen Begrüßungsworte des Herrn Singer erwiderte Oberrabiner Schreiber in kurzer Rede, in der er unserer Sache seine weitgehendste Unterstützung zusagte und derselben den besten Erfolg wünschte.* Herr Oberrabiner Weber schloß sich für seine Person und d«n Amte, das er vertritt, dem Vorredner an. In kurzen Worten entwickelte Herr Dr. Ungar den Finanzplan, der bei der Manigfaltigkeitlder zu leistenden Arbeiten einige Schwierigkeiten bot. Wollen wir hoffen, daß unsere Arbeit dem jüdischen Ganzen zum Wohle der jüdischen Sache zur Ehre gereichen wird. Agudas Moel-Mgendgruppe in Bratislava. Sonntag, den 28. d. M., begaben sich einige unserer Vorstandsmitglieder nach Preßburg, um dort eine Propagandaversammlung für die erst jüngst organisierte Agudas Jsroel- Jugendgruppe abzuhalten. Da aber laut Vorschrift der dort herrschenden Militärdiktatur Versammlungen acht Tage vorher * Die jüdische Sache, fügte Morenu hinzu, ist nicht von der Zeit abhängig und ihr daher nicht untertan. Die Richtung einer echt jüdischen Bewegung, ist eine längst gegebene, die noch nie an Gegenwartwert verloren hat, und bietet nur sie, die immer gleiche, die Gewähr für den dauernden Bestand der Sache. Eine jüdische Bewegung muß zu gleichen Teilen, der „Theorie und Praxis", Platz gewähren .Lilmaud ulelamed, lischmaur ulkajem, heißt es bei uns. Lernen, lehren, behüten und betätigen, dann erst lekazem, ist der Bestand gesichert. Hier wieder bedarf das lehrende und behütende Alter einer lernbeflissenen und 'arbeitswürdigen Jugend. War dieses Wechselverhältnis bisher leider nicht vorhanden, so ist es um so mehr zu begrüßen, wenn sich nun die orthodoxe Jugend in einer festgefügten Organisation, zur Wahrung und Betätigung ihrer und unserer echt jüdischen Ideale, zusammenschließt. angemeldet werden müssen, was jedoch durch verspätetes Einlangen der Mitteilung nicht möglich war, konnte dieselbe in dem ursprünglich geplanten Rahmen, eine Aussprache zwischen Misrachi und Jugendgruppe herbeizuführen, nicht abgehalten werden. Unsere Vertreter beschränkten sich daher darauf, nach dem Schiur den dort ziemlich zahlreich erschienenen Herren einen ausführlichen Bericht über die Tätigkeit unserer Jugendgruppe zu erstatten und so zu beweisen, daß die Orthodoxie und ihre Jugend, wenn sie nur gut organisiert ist und etwas leisten will, auch Großes und Gewaltiges zu vollbringen imstande ist. In einfachen und überzeugenden Worten gelang dies auch Herrn Gustav Pappenheim vollständig und unter dem Beifalle aller Anwesenden übergab er dem Leiter unserer Palästinasektion, Herrn Mano Felsenburg, zur Berichterstattung über die bisher geleistete Palästinaarbeit, das Wort. In gewohnt schlichter Weise schilderte Redner den Werdegang unserer Heimbeförderungsaktion, von den zu Beginn derselben schier unüberbrückbaren Schwierigkeiten angefangen, bis zu den letzten fast klaglos durchgeführten Abtransporten, erzählte von den Hindernissen, die uns von anderer Seite in den Weg gelegt wurden, die aber dank G'ttes Hilfe überwunden wurden und unseren Gegnern den Beweis erbrachten, daß eine von Tauroh und G'ttesvertrauen beseelte Jugend auch unter den schwierigsten Verhältnissen ihr gestecktes Ziel zu erreichen weiß. Deutlich konnte man nach Beendigung seiner Ausführungen den nachhaltigen Eindruck, den seine Worte auf alle Zuhörer gemacht hatten, bemerkest, und fand dieser in der vom Leiter des dortigen Arbeitsausschusses, Herrn Dr. Karl Rosenbaum, gehaltenen Rede beredten Ausdruck, er sagte: die Wiener Jugendgruppe hat uns ihre besten Arbeiter als Vertreter geschickt und daher gebührt ihr unser innigster Dank; denn nicht die schönsten Worte wären imstande gewesen, uns so anzueifern, als es die nüchterne Schilderung ihrer Arbeit getan hat. •» Zum Schluffe begrüßte noch das Mitglied des Verbandes thoratreuer jüdischer Akademiker, Herr Dr. Flesch, den ‘ heute doppelt notwendigen Zusammenschluß der orthodoxen Jugend Preßburgs, worauf Sr. Ehrw. Rabbiner Herschler Modor, die Jugend nochmals, in begeisternden Worten zum Beitritte in die AgudcM Israel, die sich die Erhaltung unseres heiligsten Ideales, der Tauroh hakedauscho zu ihrer Hauptpflicht macht, aufforderte und mit einem Danke an unsere Vertreter, die ziemlich anregend verlaufene Versammlung schloß. In einer nachmittags stattgefundenen Hanptausschußsitzung wurden die gemeinsam zu leistenden Arbeiten genau besprochen und wurde beschlossen, Parallel zu unserer Palästinasektion auch da eine zu gründen, die den Abtransport der noch in der Slowakei befindlichen Flüchtlinge nach Wien besorgen wird. Gründung einer Sektion der Agudas Irsroel- Iugendgruppe im XVII. Bezirk. Sonntag, den 21. März, hat sich unter großer Begeisterung im Bethause „Gemilas Chesed", XVII. Thelemangasse 8, eine Sektion der Agudas Jisroel-Jugendgruppe gebildet. Samstag vorher hielt Herr Dr. Ben-Zion Feßler einen Propagandavortrag unter dem Titel: „Die' jüdische Religion und das jüdische Volk", in welchem er den Unterschied zwischen dem Religionsjudentum und dem a-religiösen Judentum auseinandersetzte. Seine klaren, glänzenden Ausführungen wurden mit großem Beifall ausgenommen und sofort der Beschluß zur Gründung einer Bezirkssektion gefaßt, die für den nachfolgenden Sonntag festgesetzt wurde. Namens der Zentralleitung eröffnete Herr Nissan Stolzberg die Versammlung mit einer geistreichen Rede, in welcher er hervorhob, daß die Aguda keinen Unterschied zwischen Oft- und Weftjudentum kenne und darauf hinwies, welchen nachteiligen Einfluß das Leben in der Großstadt auf die einst so fleißig mit dem Studium der Thora beschäftigten Jünglinge des Ostens geübt habe. Sie alle wieder zusammenzuführen und ihnen Gelegenheit zur intensiven Aufnahme des Thorastudiums zu geben, soll eine der wichtigsten Aufgaben der neuen SeÜion sein. Sodann

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