Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 6 (1920)
- Issue
- 11-12 (1.4.1920)
- Date
- 1920-04-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 11/12 Jüdische Korrespondenz Seite 11 berichtete Herr Simon Schreiber über die bisherige Tätigkeit der Jugendgruppe in Wien, und wurden seine Ausführungen mit großem Interesse ausgenommen. Herr Max Adler richtete insbesondere an die anwesenden Väter den dringenden Appell, auf ihre Kinder einzüwirken, an den täglichen Vorträgen und den sozialen Arbeiten teilzunehmen. Herr Siegmund Schreiber, der sich große Verdienste um die Gründung dieser Sektion erworben hat, forderte alle Anwesende zum Eintritt auf.- Fast sämtliche Zuhörer traten als Mitglieder bei. In den Vorstand wurden gewählt: Siegmund Schreiber, Leiter; Abraham Silberstein, Leiterstellvertreter; Schächter, Schriftführer; Moritz Felix, Kassier; Max Serebrenik, Propaganda und Unterricht; David Bobriker, Soziale Fürsorge. - Besonderer Dank gebührt dem Vorstande des dortigen Bethauses, insbesondere dem Obmann Herrn Moritz Silberstein, welcher in liebenswürdiger Weise ein Lokal zur Abhaltung der täglichen Schiurim zur Verfügung stellte, so wie dem Rabbiner Hager des Bethauses, welcher unsere Sektion in jeder Hinsicht unterstützen will. Herr David Schreiber eröffnete. Montag, den 22. März, mit einem geistreichen Vortrag die täglichen Schiurim, welcher mit großem Beifall ausgenommen wurde. (Näheres Programm siehe Schiurim-Einteilung). Gründung einer Sektion der Agudas Iisroel- Iugendgruppe im XX. Bezirk. Montag, den 22. März, wurde eine neue Agudas Jisroel- Jugendgruppesektion im XX. Bezirk, Traunfelsgasse 3, gegründet. Auf Einladung der Herren Gottesmann und Kuppermann hielt Herr Dr. Ben-Zion Feßler einen Vortrag, welcher mit begeistertem Beifall ausgenommen wurde. Der Redner führte aus, daß das jüdische Volk im Gegensätze zu anderen Völkern ein heiliges Volk, ein G'ttesvolk ist. Die ganze jüdische Geschichte beweist, daß das jüdische Volk in der tausendjährigen Leidenskette seiner Geschichte nur deshalb einer Welt von Feinden widerstehen konnte, weil es mit ungeheurer Energie an seinem G'tte, an seinen Gesetzen, an dem echtjüdischen Leben und an echtjüdisches Volkstum festhielt. Die jüdische Religion ist keine Privatsache, sondern umgekehrt jüdische Volkssache. Schneidet man die jüdische Religion aus dem jüdischen Volksleben, so schneidet man dem jüdischen Volke das Gehirn aus. Am nächsten Tage konstituierte sich sodann der Vorstand der Sektion. Gewählt wurden: Jakob Gottesmann, Leiter; Chaim Hager, Schriftführer; Josef Kupfermann, Kassier: Jakob Ehrenkranz, Unterricht und Propaganda. Große Verdienste um die Gründung dieser Sektion erwarb sich auch Herr Moses Blech, indem er im obgenannten Bethause in begeisternden Worten, auf die Bedeutung der jüdischen Religion hinwies. Die täglichen Schiurim werden am ersten Tage Pessach mit einem Vortrage des Herrn Rabbiner Gottesmann eröffnet _ Line interessante Versammlung im XX. Bezirk. Freitag abends, um 7 Uhr, hielt Herr Dr. Plaschkes im Bethause, XX., Traunfelsgaffe, einen Vortrag über das Thema: „Soll sich die Orthodoxie vom Zionismus lossagen?" Anscheinend war die zionistische Bezirkssektion des XX. Bezirkes darüber beunruhigt, daß die gesetzestreuen echt jüdischen Elemente des XX. Bezirkes von der zionistischen Organisation abfallen könnten, wenn die gesetzestreue jüdisch-volkstümliche Agudaorganisation auf den Plan tritt. In den Ansführungen des Herrn Dr. Plaschkes waren krampfhafte Bemühungen zu vernehmen, einerseits um das jüdische Religionsproblem, wie die Katze um den Brei herumzugehen (das beweist die Zitierung Martin Bubers als Typus eines gesetzestreuen Juden), andererseits aber liefen seine Ausführungen darauf hinaus, durch t inweis auf verschiedene jüdische Nationalhelden die naive uhörerschaft zu ködern. Ihm trat als Diskussionsredner Herr Dr. Ben-Zion Feßler entgegen. Redner führte aus, daß die gesetzestreue jüdische Weltorganisation Agudas Jisroel durchaus jüdisch-volkstümlich und zionliebend ist. Während die Zionisten nur jüdisches Volkstum, jüdisches Land und die jüdische Sprache bejahen, bejaht die Agudaorganisation alle geistigen Güter des jüdischen Volkes, vornehmlich G'tt und die von dön jüdischen Lehrern und Gesetzgebern überlieferten Gesetze. Als Vollblutjuden sind also nur diejenigen Juden zu betrachten, "welche in ihrem Denken, Fühlen und Handeln mit dem gutgläubigen, gesetzestreuen, jüdischen Volke eins sind. Die Ausführungen des Redners mit ihrem tiefnationalen Gehalte erregten den Unwillen mancher rebellischen jungen Zionisten und die Störungen lösten große Erbitterung unter der Mehrzahl der frommen Zuhörerschaft aus. In seiner Replik suchte Herr Dr. Plaschkes die Ausführungen des Vorredners abzuschwächen. Als Herr Dr. Plaschkes seine juristischen Kenntnisse ins Treffen führte, spielte sich ein inter essantes Wortduell ab. Herr Dr. Feßler rief dazwischen: „Herr Doktor, ich bin auch Jurist". Darauf Herr Dr. Plaschkes: „So sind sie ein schlechter Jurist". Herr Dr. Feßler: „Jawohl, aber ein guter Jude". Unter großem Lärm 'ging die Versammlung auseinander. Sestakademie der Iugendgruppe der „Machsike Dadach". Am 9. März veranstaltete^die Jugendgruppe der „Machsike Hadath" eine Festakademie, die in vollster Harmonie verlief. Der Obmann des Vereines Herr Isidor Bänder begrüßte das zahlreich erschienene Publikum, worauf Herr Dr. Feßler einen retorisch glänzenden Vortrag hielt. Als Uebergang zum heiteren Programm trug Herr Kaufmann mit wirkungsvoller Einfachheit jüdische Volkslieder vor und erntete ungeteilten Beifall. Herr Theo Körner brachte seine eigenen Kompositionen und sorgte so für gute Unterhaltung. Den Höhepunkt der Kunstgenüsse spendete ein kleines Genie, Herr Sigmund Bänder, begleitet von Herrn Schwarz, der selbst für seine technisch brillant gespielte Legende von Liszt stürmische Akklamationen von seiten des Publikums erhielt. Den Abschluß dieses wirklich abwechslungsreichen Abends bildete die „Klabriaspartie", in der Herr Jelenke, Bänder, Weiß und Quittner sich besonders auszeichneten. Es ist zu hoffen, daß die stattfindende zweite Festakademie ebensolchen Beifall wie die erste finden wird. . S. W. * Iugendgruppe der „Machsike Hadath" I., Lazenhof 2. Wochenplan: Sonntag, 6 Uhr. Herr Rabbiner Neuwirth: Chummesch mir Erklärung. Montag, l; Uhr. Herr Professor Kohn: Chummesch mit Erklärung. Dienstag, 6 Uhr. Herr Schrbenzl: Talmud. Mittwoch, 6 Uhr. Herr Schaprra, Mitglied der Juqendgruppe: Newiim Rischonim, unter besonderer Berücksichtigung von Dikduk. Donnerstag, 6 Uhr. Herr Rabbiner Lemberger: Talmud. Samstag, V«3 Uhr. Herr Rabbiner Lemberger: Talmud. Veränderungen werden rechtzeitig verlautbart werden. Mitteilungen der orthodoxen Jngendgruppe. Borstandssitzung. Jeden Samstag, \!.ß Uhr abends, Besprechung. Preffefektioussitzung. Jeden Sonntag, 5 Uhr abends. Kraukenfürforgesektionsfitzuug. Jeden Montag, V-6 Uhr abends. Sektion „Machsike Loimde Thoiro": Die „Machsike Loimde Thoire-Sektion der Jugendgruppe entfaltete eine sehr lobenswerte Tätigkeit für die gesetzestreuen Talmudstudierendeu angesichts des nahenden Pessach. Es wurde der ansehnliche Betrag von K 15.000 verteilt. „Pessachaktion der Krankenfürsorge-Sektion": Durch die „Krankenfürsorge-Sektion" gelangt ein größerer Betrag an rituell-lebende bedürftige in Privatpflege befindliche Kranke zur Verteilung. Diesbezügliche Gesuche sind ehestens zu richten au die „Krankenfürsorge-Sektion" der orthodoxen Jugendgruppe: II., Obere Donaustraße 69.