Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 6 (1920)
- Issue
- 11-12 (1.4.1920)
- Date
- 1920-04-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seile 8 Jüdische Korrespondenz Nr. 11/12 taug des Gesetzes in Frage stellt. Wir bitten Sie, mit aller Kraft und mit dem vollen Gewichte der Staatsgewalt dahin zu wirken, daß die Herrschaft des Gesetzes ehebaldigst hergestcllt werde. Wir glauben, die Bestrebungen des Reichsverwesers zu unterstützen, indem wir unseren warnenden Ruf in ernstester Form erheben. Anderseits schulden wir uns, selbst die Verantwortung für die vollkomuzene Ergebnislosigkeit unserer Bestre bungen von uns abzuwälzen. Wenn diese Ergebnislosigkeit durch außerhalb unserer Macht stehende, durch uns erkannte Hindernisse, die trotz unserer Forderung weiter bestehen, herbeigeführt wird, dann werden wir weiterhin erwägen, ob wir überhaupt in der Lage seien, das uns anvertraute Amt weiter zu verwalten, soserne die Sicherung der gerügten Verhältnisse nicht in der allerkürzesten Zeit erfolgen würde. Ungarns Unabhängigkeit ist verloren, wenn wir weiter in dieser Art fortsahren." Leider ist bisher in Ungarn alles beim alten geblieben. Die Tageszeitungen bringen täglich Berichte über fortgesetzte Judenhetzen und Ausschreitungen. werden die P. T. Abonnenten lyv+vv ersucht, die Erneuerung des »■'■i—iMMAbonnements vorznnehmen. Ire Abonnenten in der Tfchecho-Slowakei werden ersucht, das Abonnement an Kerrn Isidor Lappen- Heim, Wreßburg, Aonanstraße 26, einzufenden. Aie Abonnenten und WerschCeißsiellen in Polen und Galizien belieben die Aezngsgebühr an die „Tndowa Kasa I a Ci c 5 li o n» a", Kralia n, chertruda ll, für die „Indische Korrespondenz" einznsenden. Abonnements in Ungarn wollen an Herrn Simon Schi scha in Sopron, H^apred 10, erneuert werden. Aer Hrdnung wegen ersuchen wir, die Administration von der Entrichtung des Abonnements zu verständigen. Rundschau. Der Feiertage wegen gelangt die nächste illummer der „Jüdischen Korrespondenz" am 16. April zur Ausgabe. (Moritz Benedikt gestorben.) Vorigen Freitag ist hier der Herausgeber und Chefredakteur der „Neuen Freien Presse", Herr Moritz Benedikt, nach kurzer Krankheit im 71. Lebensjahre gestorben. Benedikt trat im Jahre 1872 in die Redaktion der „dienen Freien Presse" ein, wurde im Jahre 1881 Chefredakteur und seit 1908 Herausgeber und Besitzer des Blattes. Die Wiener und die ausländische Presse befaßte sich eingehend mit seinem Leben und Wirken — als Jude ist über ihn nur wenig positives zu sagen. (Eesamtorganisation der deutschen Juden.) In Berlin fand auf Einladung des D. I. G. B. und des „Verbandes der deutschen Juden" eine Beratung von Vertretern größerer deutscher Organisationen über den von Doktor Jsmär Freund ausgearbeiteten Entwurf einer Gesamtorganisation statt. Den Vorsitz führte Justizrat Makower. Der Allgemeine Rabbinerverband war durch seinen Vorsitzenden Dr. Nobel, der Lehrerverband durch Lehrer Fein vertreten. Die „Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" ließ ein Schreiben überreichen, wonach sie sich als grundsätzliche Gegnerin jeder Gesamtorganisation erklärt, welche die vorhandenen tiefen religiösen Gegensätze als bloße Richtungsnnterschiede im Rahmen emer einheitlichen Weltanschauung ausfaßt. Da der Freundsche Entwurf sich gänzlich aus dieser Voraussetzung aufbaue, erscheine ihr eine Beteiligung an der Beratung über den Entwurf zwecklos. Der „Gruppenverband der Agudas Jisroel" hatte, grundsätzlich aus demselben Standpunkt stehend, zu Jnformationszwecken Herrn Jakob Levy (Berlin) mit seiner Vertretung beauftragt. Von Zionistischer Seite waren als Wortführer die Herren Dr. Felix Rosenblüth (Berlin) und Dr. Viktor (Wandsbeck) erschienen, die einen (in der „Jüdischen Rundschau" veröffentlichten) auf dem Prinzipe der neutralen Volksgemeinde beruhenden Gegenentwurf überreichten. In der Allssprache kam der bekanllte Wettbewerb zwischen „D. I. G. B." und „Verband" zu scharfem Ausdruck. Endlich wurde 30 gegen 20 Stimmen beschlossen, eine neue Versammlung einzuberusen, die ohne Bindung an irgend einen Entwurf die ganze Frage einer erneu'tell Prüfung unterziehen soll. Für die Schaffung einer Gesamtorganisation überhaupt sprechen sich sämtliche Anweseilde aus, mit Ausnahme des Vertreters des „Gruppenverbandes der Agudas Jisroel", der sich der Abstimntung enthielt. (Organisierung der jüdischen Handwerker in Polen.) In Anwesenheit einer großen Zahl Delegierter von mehr als 60 jüdischen Handwerkergenossenschaften Polens wurde die erste Gründungskonserenz in Warschau eröffnet, lvelche darauf abzielt, eine Vereilligung der jüdischen Handwerkergenossenschaften durchzuführeil. Dieser Zweck ist, die wirtschaftliche Organisation des jüdischen Handwerkerstandes auf genauerer genossenschaftlicher Grundlage zu erreichen. Beschaffung von Rohstoffen, gesunde Kreditbasis sind die Mittel dazu. Die Tagung ist im Interesse produktiven Wiederaufbaues des jüdischen Lebens in Polen aufs wärniste zu begrüßen, zuulal sie darangeht, lvenigstens für einen Teil der jüdischen Bevölkerung die mannigfache Zersplitterung zu beheben und durch gemeinsame, richtig organisierte Arbeit zu ersetzen. (Ans dem Bannt.) Seitdem das Banat von den Rumälien besetzt ist, sind für die dortigen Juden schlechte Zeiteli angebrochen, die um so schwerer empfunden werden, als sie früher von ben Antisemiten Bedrückungen nicht gewohnt waren und Gelegenheit hatten, die weitaus bessere Behandlung der Juden im benachbarten Serbien zu beobachten. Um nur zwei Beispiele anzusühren: Ganz offenkundig werden die Juden stärker besteuert, als die nichtjüdischen Mitbürger. Der als Antisemit bekannte Minister des Innern, Dr. Lupu, hat einen Reservaierlaß herausgegeben, in welchen es heißt, daß man den Juden womöglich keine Pässe ausstellen soll und Gesuche um solche schon in erster Instanz abzuweisen sind. (Religiöses Erwachen in Amerika.) Ein neues Leben geht durch die amerikanische Orthodoxie. Das erhellt aus dem Inseratenteil aller jüdischen Zeitungen, der voll ist mit Anzeigen, Einladungen und Berichten über orthodoxe Versammlungen und Konferenzen! In allen Gemeinden werden Lehrer gesucht für Talmud Thora-Schulen, die im jüdischen Geiste geleitet sind. Das neue Ausleben des jüdischen Geistes in Amerika kann als direkte Folge des Krieges bezeichnet werden. Die Schreckensnachrichten aus dem Kontinent haben das jüdische Herz bis ins Innerste und Tiefste aufgewühlt, und auf der anderen Seite ist der kleine Mittelstand, der immer noch am treuesten zur Tradition hält, zu einem Wohlstand gekommen und hat nun die Mittel in der Hand, der guten Sache auch die geeignete Form zu geben, was ja immer, besonders in Amerika, nur eine Geldfrage ist. Höchst erfreulich ist es, daß die Rabbiner Amerikas die Situation sehr rasch erfaßt haben und auf ihre Art so die „Hochkonjunktur" ausnutzen. Ihre Aufrufe werden von den jüdischen Massen mit einem echt amerikanischen „Naaße" beantwortet. Tat und Leben allenthalben! An erster Stelle des orthodoxen Programms in Amerika muß das Thorastudium stehen, mit dem das Judentum hier wie überall steht und fällt. Es muß darauf gesehen werden, daß jede Gemeinde ihre Rabbiner und tatkräftigen Leiter erhält, und Sache dieses Rabbiners selbst muß es sein, sofort einen Kreis von thorabeflissenen Jüngern um sich zu sammeln. Nur so ist die Zukunft des Judentums in Amerika zu retten. Eine weitere vornehme Ausgabe der organisierten Gesetzestreuen in Amerika muß es sein, in enge Fühlung mit der Zentralleitung der Aguda in Zürich und den „Schlaume emune Jisroel" in Polen zu kommen. Der Anschluß an den Klall ist der erste Weg, auch die einzelnen Landmannschafteu mit neuem Leben zu erfüllen. Besonders im brausenden Leben Amerikas ist es unabweichlich notwendig, einen festen Halt am Klallgedanken zu gewinnen. Darum muß und wird die Parole heißen: Vereinigung mit der allweltlichen orthodoxen Organisation und, Hand in Hand damit, unablässige Förderung des Thorastudinms. (Fortsetzung auf Seite 13.)