Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 6 (1920)
- Issue
- 11-12 (1.4.1920)
- Date
- 1920-04-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seile 6 Jüdische Korrespondenz Nr. 11/12 Den Ausführungen des Redners wurde allgemeiner Beifall gezollt und die ganze Versammlung sprach den Willen aus, sich tatkrästigst in den Dienst der Agudas Jisroel zu stellen' Bei den Wahlen in den Vorstand wurden folgende Herren gewählt: Siegmund Bondi, Eduard Deutsch, David Fast, Moritz Felsenburg, Bernhard Hofbauer, Abraham G. Hornstein, Markus Kamm, Professor D. Kohn, Alexander Landau, Leopold Lederer, Osias März, Franz Neumann, S. Nüssenbaum, W. Pappenheim, Adolf Raab, Dr. Isidor Reiniger, Akiba Schreiber, D. Schreiber, Julius Steiufeld, Jsak I. Thumim, Lippe Türkl. In der Vorstandssitzung wurden gewählt: W. Pappenheim, Obmann; Jsak I. Thumim, Eduard Deutsch, Obmann-Stellvertreter; Lippe Türkl, Kassier; Samuel Nüssenbaum, Adolf Raab, Schriftführer; Abraham G. Hornstein, Kontrollor. Anstatt des Herrn Professor D. Kohn, dessen Nichtannahme wegen Ueberbürdung mit großem Bedauern zur Kenntnis genommen wurde, wurde Herr Emanuel Felsenburg von der Jugendgruppe in den Vorstand berufen. Die Agudas Jisroel Wien ist konstituiert und wird das große Blaß von Arbeit, das ihr als Zentralpunkt zwischen Ost und West zufällt, nach Kräften ausführen, zum Heile unseres Volkes, zur Ehre G'ttes, seiner Tauroh und Jisrvels. Volks-Zpejsehallerr der „Einheit". Die IX. ordentliche und II. außerordentliche Generalversammlung fand Sonntag, den 22. Februar 1920, halb 10 Uhr vormittags, im Saale des Ingenieur- und Architektenvereines, I.. Eschenbachgasse 9, statt. Obmann-Stellvertreter Herr Moriz Felsenburg eröffnete in Vertretung des erkrankten Obmannes Herr Bernhard Hofbauer, der seine Kraft seit 12 Jahren dem Vereine widmet, die Versammlung, dankte derselben für ihr zahlreiches Erscheinen und brachte zur Kenntnis, daß Bürgermeister Reumann sein Fernbleiben infolge beruflicher Tätigkeit entschuldigte und den Verein der vollsten Anerkennung versicherte. Nach Würdigung der Verdienste des erkrankten Obmannes um das Gedeihen des humanitären Vereines sowie des segensreichen opferwilligen Wirkens im Interesse des Judentums teilte er noch mit, daß Herr Hofbauer in seiner bescheidenen Art den siebzigsten Geburtstag mit Ausschluß jedes ostentativen Hervortretens im engsten Familienkreise begangen habe. Die Versammlung gab ihrer Sympathie für den allverehrtesten Obmannes durch Erheben von den Sitzen Ausdruck. Herr Felsenburg gedachte mit gebührendem Danke des Vorstandes der israelitischen Kultnsgenreinde, der trotz der schwierigen finanziellen Verhältnisse der gemeinützigen Anstalt erhebliche Zuwendungen machte und es an Beweisen sonstigen Wohlwollens für selbe nicht fehlen lasse. Kultusvorsteher Dr. Schreiber in Vertretung der Kultusgemeinde dankte dem Redner für seine anerkennenden Worte und versicherte ihm, daß der Kultusvorstand es an Beweisen der freundlichen Gesinnung nie werde fehlen lassen. Der Vorsitzende gedachte auch der ersprießlichen Tätigkeit des Kassenverwalters Herrn Max Hofbauer, der mit hingebungsvollem Eifer die erforderlichen Mittel des Vereines mehre. Dein zur Vorlesung gelangten Rechenschaftsbericht entnehmen nur die interessanten Mitteilungen: Das Jahr 1918 war in jeder Art das besuchteste. Das Jahr 1919 bot nur in den Feiertagsportionen eine hohe Ziffer. 1918 gaben wir sogar am Abend über eine Million Kronen ans. 1919 konnten wir infolge behördlicher Anordnung kein Abendessen geben. 1918 scheint das Jahr des größten Bedürfnisses gewesen zu sein. 1919 verringerte sich die Zahl der, Besucher, weil viele Flüchtlinge und viele in Wien früher gewesene Soldaten in ihre Heimat gingen. Die Vermehrung der Feiertagsportionen, die teurer sind als die Wochentagsportionen, im Jahre 1919 läßt nur auf das Verlangen nach besserer Nahrung schließen. Erfreulich ist die kleinere Menge von Krankenkost im eben abgelaufenen Jahre. Schon diese Zahlen geben also ein Bild unserer allgemeinen Verhälnisse. Die Einnahmen in den Jahren 1917 bis 1919 waren: 1917 K 624.102 50,1918 K 677.037 85 und 1919 K 874.124*22. Das Jahr 1919 gestaltete sich sehr kritisch. Das Defizit war ani 1. Oktober auf uiehr als K 100.000 angewachsen. In dieser gefahrdrohenden Lage haben die Mitglieder des Vorstandes sich bemüht, beit Speisehallen Hilfe zuzuführen und es gelang ihnen, Gönner zu finden, so daß nicht nur ohne Defizit, sondern sogar mit einem Vorräte in das Jahr 1920 eingetreten werden konnte. Daß die harten Zeiten und wirtschaftlichen Verhältnisse den Vorstand des Vereines sehr oft vor die kritischesten Lagen stellten, ist sehr begreiflich. Nur Mut und Vertrauen auf Gott und den Edelsinn unserer Mitmenschen hielten uns aufrecht. Und wenn auch unser Saldo am 31. Dezember 1919 nur K 13.192 42 betrug, so blicken wir doch auf einen nicht ungünstigen Stand unseres Baufonds von K 202.45011 zurück, ein Kapital, das uns helfen soll, in baldigen guten Tagen ein eigenes Heim zu. besitzen und zu vereinen, was einen Herd entbehrt, aber sich nach guter Nahrung, liebevoller Aufnahme und behaglicher Ruhe sehnt. Der Bericht schloß mit warmen Dankesworten und dem Antrag, aller Freunde, Mitglieder und Gönner der „Einheit", deren Namen im Ehrenbuch des Vereines verzeichnet, mit Wohlwollen zu gedenken, sowie einem warmen Nachruf für die verstorbenen Vereinsmitglieder und Förderer. Herr Revisor Jakob Fuchs beantragte sodann, dem Vorstande Absolutorium zu erteilen, was von der Versammlung einstimmig mit Beifall angenommen wurde. Herr Retter dankte namens der Flüchtlinge für die großzügige Unterstützung, welche dieselben in der schweren Zeit durch den Vorstand erfahren, insbesondere aber dafür, daß die Anstalt in hochherziger Weise die rituelle Kost sogar den Bewohnern der Baracken zukommen ließ. Viele dieser Unglücklichen sind bereits freiwillig oder nichtfreiwillig nach ihrer Heimat gefahren, viele aber auch sind hier zurückgeblieben, haben sich eine Existenz geschaffen, aber alle ausnahmslos, welche die Wohltaten der „Einheit" erfahren, werden derselben stets mit dankbaren Herzen gedenken und sowohl hier wie in der Ferne dieser mustergültigen Anstalt Freunde und Gönner werben. Die hierauf vorgenommenen Vorstandswahlen hatten folgendes Ergebnis: In den Vorstand wurden gewählt: Die Herren Alexander Eigner, Dr. Josef Böndi, Moriz Felsenburg, Adolf Fischer, Bernhard Hofbauer, Max Hofbauer, Direktor Dr. Salomon Krenberger, Hermann Kuner, Simon Manheit, Jg. Mehrer, Univ.-Prof. Dr. Heinrich Neumann, Heinrich Pappenheim, Rechtsanwalt Dr. Wolfgang Pollaczek, Dr. Isidor Reiniger, Architekt Ignaz Reiser, Rechtsanwalt Dr. Dagobert Rybaczewski, Nathan Schiff, Hofrat Dr. Julius Schlag, Lipe Türkl. Die Damen: Bezirksrätin Marie Rübner, Henny Schreiber. Als Revisoren wurden gewählt: die Herren Jakob Fuchs, Emil Kritzler, Jakob Stern. Tempel- und schulverein für den VI. Bezirk. Sonntag, den 28. März 1920, fand im Sitzungssaale des Vereines die XXIII. Generalversammlung statt. Derselben wohnten außer zahlreich erschienenen Mitgliedern als Gäste bei: Herr Bernhard Hofbauer vom Verein zur Wahrung der Interessen des orthodoxen Judentums, Herr Dr. S. Neumann vom „Emunes Ovaus", Herr Max Hofbauer von der „Einheit". Nach Begrüßung der Versammlung und der Genannten im besonderen widmet der Präsident Herr Moritz Felsenburg warme Worte des Gedenkens den verstorbenen Mitgliedern und Gönnern des Vereines, insbesonders dem dahingeschiedenen Vizepräsidenten Herrn Leopold Fürst s. A., dessen Verdienste unb Herzenscharakter-Eigenschaften der Präsident hervorhebt und ihm ein pietätvolles Gedenken gelobt, ferner dem Vizepräsidenten der israelitischen Kultusgemeinde Herrn Leopold Simon s. A. sowie den langjährigen Mitgliedern Herrn Beruh. Blatt, Baruch Bernstein. Die Versammlung hat sich zum Zeichen der Trauer von den Sitzen erhoben; auf Antrag des Präsidenten wird diese Trauerkundgebung dem Protokoll einverleibt. Sodann ergreift Herr Beruh. Hofbauer das Wort, dankt dem Vorsitzenden für die herzlichen Worte der Begrüßung und gibt seiner Freude Ausdruck über den Massenbesuch der Versammlung, der Zeugnis gibt, welch Interesse und Anteilnahme