Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 6 (1920)
- Issue
- 10 (19.3.1920)
- Date
- 1920-03-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 10 Jüdische Korrespondenz Seite 5 JUGENDGRUPPEN-BEIBLATT Die Aguda-Jugendgruppe in preßburg. In Preßburg hat sich eine orthodoxe Jugendgruppe konstituiert. Die Wiener Jugendgruppe begrüßt die Entstehung ihrer Schwesterorganisation aufs herzlichste. Preßburg war seit jeher und insbesonders seit der glorreichen Zeit des großen Chasam Sofer s. A. der Glanzpunkt des jüdischen Lebens Zentraleuropas. Dorthin kamen alljährlich Hunderte Bachurim aus allen Teilen der Welt, um sich im heiligen Studium zu vervollkommnen. Politische Aktionen der Orthodoxie hatten Preßals Ausgangspunkt. Wohl hat Preßburg von seiner unmittelbaren Bedeutung infolge der Zerstückelung Ungarns verloren, doch ist das nunmehrige Bratislawa noch immer die Zentrale für Hunderte Kehullos der Slowakei. Es war eine beschämende Tatsache, daß sich die Orthodoxie bis heute nicht zu energischer Agitation und-Organisation in der Slowakei aufraffen konnte. Die Landeskanzlei ist die Vertreterin der Orthodoxie in der Tschechoslowakei. In derselben sind die Gemeinden vertreten, die Mitglieder der Gemeinden aber nur mittelbar durch die Gemeindevorstehung. Eine Organisation, welcher die gesamte orthodoxe Judenschaft der Slowakei unmittelbar angehören, konnte bis jetzt nicht in einem ihr gebührenden Rahmen ausgestaltet werden. Die Landeskanzlei hat zwar ihren Anschluß an die Weltaguda erklärt, doch verkörpert sie noch nicht die wirkliche Aguda. Es ist daher ein erfreuliches Zeichen, wenn nunmehr die Jugend daranschreitet, dieses Nebel wettzumachen und eine Aguda-Organisation bildet. Besonders zu begrüßen ist es, daß die Führer der Orthodoxie die neue Bewegung unterstützen wollen und steht zu hoffen, daß die Aguda in der Slowakei große Erfolge erzielen werden, um so mehr als in der slowakischen Orthodoxie hervorragende Talente schlummern, welche bloß geweckt werden müssen. Die Wiener Aguda begrüßt die slowakische Aguda um so herzlicher, als sie infolge der geographischen Lage öfters Gelegenheit haben wird, zusammenzuarbeiten. Die Wiener Aguda steht der slowakischen Aguda auch geistig sehr nahe, kommen doch für Wiener Thora beflissene Schüler ausschließlich slowakische Jeschiwos in Betracht. Eine umfassende Jeschiwo-Organisation ist eine brennende Frage und kann vielleicht durch die Aguda in befriedigendem Sinne gelöst werden. Auch politisch wird sich die Aguda betätigen müssen, um den unheilvollen Einfluß antireligiöser Organisationen und Elemente zu bekämpfen. Wir beglückwünschen daher die neue Organisation aufs herzlichste und wird dieselbe mit G'ttes Hilfe zu seiner Ehre, wie zur Ehre des Judentums recht gedeihen. Unserer Unterstützung kann sie gewiß sein. Bericht der orthodoxen Iugendgruppe. Samstag abends fand eine Sitzung des erweiterten Ausschusses der orthodoxen. Jugendgruppe statt. Der Obmann David Baumgarten eröffnete die Sitzung und referierte über das Wochenprogramm für die nächste Woche. In nächster Zeit soll ein Zyklus von Propagandavorträgen veranstaltet werden und sind die Verhandlungen mit den auswärtigen Rednern bereits im Gange. Abraham Schreiber, der soeben von einer längeren Reise durch Polen zurückgekehrt ist, berichtet über die Tätigkeitder Aguda Schlaume Emune Jisroel. Die Aguda in Polen zählt bis heute über 500.000 Mitglieder und gewinnt von Tag zu Tag an Ansehen. Sie ist heute die größte Organisation Polens und stehen derselben die bedeutendsten Rabbinen und Chassidim Rebbes vor. Der weltberühmte Gerrer Rebbes selbst hält Propagandareden. In allen Bezirken entstehen Orts- und Jügendgruppen. Die Aguda hat ihre Vertreter in sämtlichen Körperschaften, im Sejm usw. In Warschau hat die Aguda 10 Stadträte. Die Aguda gründet und erhält Jeschiwos, Handwerkerschulen und ein ausgebreitetes Palästina-Amt und Emigrantenbureau. Die von der Aguda herausgegebene Jargon- Tageszeitung „Der Jid" wird in der ganzen Welt gelesen. Es wird beschlossen, mit der Jugendgruppe in Warschau in Verbindung zu treten, um gemeinsame Aktionen durchzuführen. Herr Ernst Stern berichtet sodann über die Konstituierung der Jugendgruppe in Preßburg und führt aus: „In Preßburg, dem Mittelpunkt der slowakischen Orthodoxie, hat sich auf Anregung des Preßburger Raws und mit der Mithilfe der Wiener Jugendgruppe, eine Organisation im Rahmen der Aguda zusammengeschlossen und Mittwoch, den 10. März, in Abwesenheit Sr. Ehrw. Herrn Oberrabbiner Akiba Schreiber (Preßburg), Sr. Ehrw. Herrn Oberrabbiner Koloman Weber (Pöstyen), Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Hirschler (Preßburg), Sr. Ehrw. Hern: Dr. Weiß (Breslau), von Vertretern der orthodoxen Jugendgruppe Wien und der gesetzestreuen und arbeitsfreudigen Jugend Preßburgs feierlich proklamiert. Die neuaufstrebende Richtung, welche von der bewährten Arbeitsart immer mehr und mehr abdrängt und so der Jugend den Boden zu entziehen sucht, auf dem allein es möglich ist. die Heranwachsende Generation zu glaubensstarken festen Juden heranzubilden, bestimmt die orthodoxe Jugendgruppe Preßburg nach Wiener Beispiel eine Organisation zu schaffen, woselbst durch streng jüdische Belebung eine Basis geschaffen werden soll, wonach sie ihr Leben und ihr Wirken in echt jüdischem Sinne zu lösen vermag. In gemeinsamer Arbeit mit den Führern der Orthodoxie haben sie ihre Arbeit begonnen und hoffen, daß es gelingen wird, zur Verbreitung der Thauro beizutragen und die gesamte Jugend für den Anschluß an die Aguda zu gewinnen." Der Vorstand beschließt, an die Preßburger Jugendgruppe ein Begrüßungstelegramm zu richten und in Kürze Vertreter in die Slowakei zu entsenden, welche an dem Ausbau der Organisation Mitarbeiten sollen. Emanuel Felsenburg referiert über den Stand der Palästina-Arbeiten und wurden seine Ausführungen mit großer Befriedigung zur Kennntnis genommen. Max Adler berichtet über die Arbeiten der Krankenfürsorgesektion und deren Vorbereitungen für den kommenden Pesiach. Ferner beschließt der Vorstand, für Dienstag, den 16. März, den Vorstand des Vereines Machsike Loimde Thora zu einer eingehenden Besprechung einzuladen. Zum Schluffe teilt noch Herr David Baumgarten mit, daß die große Aguda demnächst mit großzügiger Propaganda beginnen will. Rach Erledigung einiger lausender Angelegenheiten, wurde die Sitzung sodann geschlossen. * Dienstag abends fand eine gemeinsame Sitzung der Agudas Jisroel Jugendgruppe mit der Machsike Loimde Thoiro statt. Obmann David Baumgarten eröffnete die Sitzung und begrüßte die Erschienenen. Er hofft, daß das gemeinsame Arbeiten von Jugendgruppe und Machsike Loimde Thoiro zur Förderung beider Organisationen beitragen wird. Die Machsike Loimde Thoiro schließt sich der Zentralorganisation für die orthodoxe Jugend, als welche die Aguda Jugendgruppe gelten soll, an; hingegen ist' die Aguda Jugendgruppe bestrebt, alle ihre Mitglieder für die hehren Ziele der Machsike Loimde Thoiro zu begeistern. Herr Moses Blech begrüßt den Anschluß und verweist insbesonders darauf, daß die Machsike Loimde Thoiro infolge der Abreise vieler Mitglieder keinen Bestand haben würde, wenn sie nicht rechtzeitig mit derbodenständigen Orthodoxie in Verbindung treten würde. Herr Postmann meint, daß es zweckmäßig wäre, wenn auch die Machsike als eine Sektion der Jugendgruppe gellen würde, der Name „Machsike Loimde Thoiro" aber beibehalten bliebe, da diesem Namen für jeden thoratreuen Juden etwas bestechendes, begeisterndes inne-