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Jüdische Korrespondenz · 1920-03-19 · 10 (19.3.1920) · page 4

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
6 (1920)
Issue
10 (19.3.1920)
Date
1920-03-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Jüdische Korrespondenz Nr. 10 „Die Ausweisungen nehmen von Tag zu Tag einen gefährlicheren Charakter an. Leute, welche auf ehrliche Weise ihr Brot verdienen, Kaufleute und Fabrikanten, die eine große Zahl von Arbeitern beschäftigen, Fachleute, deren das Land so dringend bedarf, ja sogar Aerzte aus Bosnien und der Herzegowina, wo ein geradezu furcht» barer Mangel an Aerzten herrscht, befinden fich unter den Aus» gewiesenen. Der größte Teil derer, welche der grausamen Behandlung durch die Behörden preisgegeben find, gehören den Schichten an, welche sich an der industriellen Entwicklung des Landes aktiv beteiligt und zum wirtschaftlichen Wohlstand in aufrichtiger und legaler Werse beigetragen haben. Die Regierung hat sich sogar nicht gescheut, tüchtige Arbeiter auszuweisen, welche schon lange Jahre im Lande ansässig waren, in manchen Fällen auch solche, die dort geboren und erzogen sind. Dieses Vorgehen fordert schärfsten Protest heraus. Was würden wir dazu sagen, wenn Bürger des S. H. S.-Staates in Wien, Prag oder etwa in den Vereinigten Staaten usw. gezwungen würden, ihre Wohnsitze in diesen Ländern zu verlasien? Die Antwort der Behörden ist immer, daß bei uns nur die Angehörigen feindlicher Staaten aus» gewiesen werden. Polen und die Tschecho-Slowakei waren noch vor kurzem unsere Feinde. Nun haben wir aber mit diesen Staaten Frieden geschlossen. Bedeutet das nicht, daß ihre Angehörigen, welche unter uns leben, auch Frieden mit uns geschlossen haben und wir mit ihnen? Heute, da wir bestrebt sind, ein nahes und freundschaftliches Einverständnis unter allen Völkern zu erzielen, dürfen solche barbarische Methoden der vergangenen Jahrhunderte nicht mehr Anwendung finden. Schließlich stellen wir noch eine Frage: Sollen wirklich alle Versprechungen, mit welchen der Natwnalrat den Schutz der Fremden auf unserem Gebiete garantiert hat, zunichte gemacht werden?" Der Aufsatz bringt dann noch weitere Einzelheiten über die bei der Ausweisung geübten Schikanen und legt beweiskräftig dar, daß sie die Folge einer starken antisemitischen Bewegung in Jugoslawien seien. Es werden Fälle aufgezählt, wo die Polizei die Ausweisung von Personen verfügt hat, dre schon lange tot find. So der Fall des Armin Marion, welcher bereits im September 1919 verstorben ist, nachdem er 30 Jahre in Sarajevo ansässig gewesen war, wo seine zwei Söhne in der Handelswelt einen guten Namen haben. Ferner der Fall des Simon Fürst, der schon einige Jahre tot war, als ihn der Ausweisungsbefehl traf, und der Fall des Josef Leibl, welcher seit dem Kriege in Rußland verschollen ist. Diese Fälle deuten auf eine gewisse Methode in der Ausweisungspraxis, die sich nicht von Recht und Gesetz, sondern von Stimmungen leiten läßt. werden die P. T. Abonnenten V4-iyw4‘iVr' erfncht, die Erneuerung des Abonnements vorznnehmen. Are Abonnenten in der Tschecho-Slowakei werden ersucht, das Abonnement an Kerrn Ajidor Wappen- Heim, Wreßburg, Aorrairstraße 26, einzusenden. Are Abonnenten und Werschteißsteiken in Polen und Galizien belieben die Wezngsgevüyr an die „Andowa K-asa IakrczLowa", Krakau, Gertruds 9, für die „Audifche Korrespondenz" einzusenden. Abonnements in Ungarn wollen an Kenn Simon Schischa in Sopron, Wapred 10, erneuert werden. Aer Hrdnuug wegen ersuchen wir, die Administration von der Entrichtung des Abonnements z« verständigen. Rundschau. Rabbi Baruch Pinchas Rabbinowitz, der Skoler Rebbe, ist hier im Alter von 45 Jahren an der Grippe gestorben. Nachkomme des Baal Schem und des Scheloh war er seiner großen Ahnen würdig. Ein großer Talmid Chochom, er schrieb den Jmre Boruch und andere Werke, war seine ungewöhnliche Frömmigkeit erquickend und anziehend. Der Verkehr mit ihm war ein Hochgenuß. Eine große Trauergemeinde begleitete den Verblichenen. Die Oberrabbiner Steinberg (Brody), Arak (Buczacz), Gelernter (Kutty) und der Sohn des Verblichenen, der mit Zustimmung der Rabbiner zum Nachsolger seines großen Vaters proklamiert wurde, würdigten in warmempfundenen tief ergreifenden Worten die Gelehrsamkeit, Frömmigkeit und die hohen Tugenden des leider zu früh seiner Wirksamkeit entrissenen Großen. (Pessachversorgung 5080 [1920].) Um die Versorgung der in den verschiedenen Spitälern und Anstalten untergebrachten Kranken und Armen während des Pessachfestes von orthodoxer Seite einheitlich zu regeln, haben sich die einzelnen mit der Versorgung der sanken und Armen beschäftigenden Vereine entschlossen, zur klaglosen Durchführung der Pessachversorgung ein gemeinsames Komitee eingesetzt, daß seine Arbeitsstelle im Bureau der Einheit (H., Malzgasse 12) hat. Auskunft in allen die Pessachversorgung betreffenden Angelegenheiten wird täglich von 5 bis 6 Uhr daselbst erteilt. (Mensa academica judaica ritualis.) Sonntag, den 14. März, fand die konstituierende Generalversammlung des Vereines „Mensa academica judaica ritualis“, im neuen Lokale der Mensa, II., Im Werd 13, statt. Das aus 15 Mitgliedern bestehende Kuratorium wurde aus folgenden Herren zusammengesetzt: Univ.-Prof. Dr. Heinrich Neumann, Obmann; Wolf Pappenheim, Dr. Samuel Lemberger, Obmannstellvertreter; Jakob Pinkas, Kassier; Dr. Joel Pollak, Dr. Dagobert Rybuczewski, Schriftführer; akademischer Maler David Kohn, Univ.-Dozent Dr. Max Eisler, Dr. I. Reiniger, Dr. Josef Bondi, Dr. Josef Flesch, S. Glückselig, M Gerstl, N. Brenner, Vorstandsmitglieder. Die Eröffnung der Küche findet am 2. April, am Rüsttage des Pessachfestes, statt. Nach der in gehobener Stimmung verlaufenen Generalversammlung begab sich eine Abordnung der thoratreuen Studenten zum Herrn Rabbiner W. Leiter, der als Vertreter des Holländischen Hilfskomitees in Wien weilt, um für die Mensa Unterstützung zu erbitten, deren Gründung und Bestand durch den Umstand dringend notwendig wurde, daß die Mensa des Hochschulausschusses zum Aerger aller auftechten Juden nicht einmal acht Tage rituell geführt wurde. Herr Rabbiner Leiter hat seine weitgehendste Unterstützung und Teilnahme der thoratreuen holländischen Judenheit zugesagt. (Mazzoth in Deutschland.) In Deutschland beträgt das diesjährige Mazzothquantum 3 Vs Pfund pro Kopf zum Höchstpreis von Mk. 1*40 pro Pfund. (Bund gesetzestreuer jüdischer Gemeinden Deutschlands.) Am 24. Februar fand in Halberstadt die konstituierende Vertreterversammlung eines „Bundes gesetzestreuer jüdischer Gemeinden Deutschlands" unter Führung der Synagogengemeinde Halberstadt und der Hochdeutschen Jsraelitengemeinde Altona statt. Der Bund, der im Sinne von Artikel 137 der Reichsverfassung eine öffenttich-rechtliche Körperschaft ist, bezweckt die Zusammenfassung, Stärkung und Vertretung aller jüdischen Gemeinden, deren Verfassung und Institutionen dem überlieferten Religionsgesetz entsprechen. Er behält sich vor, mit anderen Organisattonen, soweit es die Wahrung der eigenen Grundsäße zuläßt, zum besten der gesamten deutschen Judenheit zusammenzuarbeiten. Vorort des Bundes ist für die nächsten zwei Jahre Halberstadt. Briefliche Anftagen sind an Herrn Rabbiner Dr. Auerbach in 'Halberstadt zu richten. (Die Einheit der polnischen Orthodoxie.) Ein Auftuf der von nahezu 300 Namen, fast sämtlichen Rabbinern iu Polen, unterzeichnet ist, wendet sich an die wohltätig gesinnten Glaubensgenossen, an die Rabbiner und weltlichen Führer der Gemeinden in England, Frankreich, Amerika und anderen Ländern und ruft diese in den wärmsten Tönen an, mit Herz und Hand für die Jeschiwoth und Thora-Lehranstalten in Polen einzutreten. Da die orthodoxen Anstalten von den Unterstützungen, die vom Auslande der polnischen Judenheit zukamen, vollkommen ausgeschlossen wurden, so ist es nötig, das gesetzestreue Unterstützungswerk selbständig zu ordnen und die für diesen Zweck gedachten Spenden durch eine entsprechende Zentrale im Sinne der Spender zu verwenden. Diese Zentrale hat die gesetzestreue Judenheit Polens in der „Schlaume emune Jisroel" und es ist hocherfteulich, daß durch diese dreihundert Unterschriften dieser Organisation in der Tat eine allumfassende Autorität verliehen wird, die sie zur legitimen Wortführerin der gesetzestreüen Massen in Polen macht. Es ist zu hoffen, daß der Auftuf seine volle Wirkung ausüben wird. („Konfirmation" getaufter Juden in Budapest.) Kardinal-Fürstprimas Johann Csernoch hat kürzlich in der Universitätskirche wieder ungefähr hundertfünfzig gelauste Juden konfirmiert. Am Schluffe der Messe hielt der Kirchenfürst eine Rede und nahm sodann die Kommunion vor. Der Dominikanerpater Ladislaus Vörös sagte über die Getauften (Fortsetzung auf Seite 6.)

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