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Jüdische Korrespondenz · 1920-02-13 · 6 (13.2.1920) · page 9

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
6 (1920)
Issue
6 (13.2.1920)
Date
1920-02-13
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 6 Jüdische Korrespondenz Seite 9 Packpapier 637 Pfund Sterling. Die Zündhölzchenerzeugung könnte eine einträgliche Industrie Palästinas werden. Der Wert der während des oben genannten Zeitabschnittes eingeführten Zündhölzchen erreichte eine Höhe von 23.633 Pfund Sterling. Da aber der größte Teil der Zündhölzchen aus Japan kommt, müßte man angesichts der niedrigen Preise einer starken Konkurrenz gewärtigt sein. Der Wert der größtenteils aus Großbritannien importierten Wollfabrikate belief sich auf 6337 Pfund Sterling. Großbritannien, Indien und Japan sandten Seidenwaren für 16.630 Pfund Sterling, während für 2184 Pfund Sterling Leinwand eingeführt wurde. Folgende Gegenüberstellung zeigt den Mangel an Kleiderkonfektion: importierte Kleidungsstücke 23.014 Pfund Sterling, Baumwolle 3Q Pfund Sterling. Die verschiedenen eingeführten Schreibrequisiten erreichten eine Höhe von 1831 Pfund Sterling. Durra wurde im Betrage von 19.302 Pfund Sterling exportiert (das ganze Juniquantum ging nach Aegyten); aus diesem Mehl backen die Einheimischen ihr Brot, für Europäer ist es kein zuträgliches Nahrungsmittel. Der Orangenexport belief sich auf 14.323 Pfund Sterling; im Juni allein gingen für 161 Pfund Sterling nach Aegypten und für 13 Pfund Sterling nach England. Andere Aus« fuhrartikel sind: Olivenöl, 7797 Pfund Sterling, Wein, 19.377 Pfund Sterling (das ganze Juniquantum nach Ägypten). Seife wurde für 48.885 Pfund Sterling aus- und für 1373 Pfund Sterling eingeführt. Das alexandrinische Iudenvrertel während der ' Letzten Unruhen. Durch die jüngsten Unruherl in Alexandrien, die alle Merkmal^ eines vorbereiteten Aufstandes trugen, wurde, wie wir nun erfahren' auch das dortige Judenviertel stark in Mitleidenschaft gezogen. Das alexandrinische Blatt „La Reforme" berichtet hierüber: Bewaffnet mit Eisenstangen, Holzbalken und Keulen, stürzte sich die wilde aufgeregte Menge am dritten Tage des Aufruhrs urplötzlich auf das Judenviertel. Die aufregenden Szenen, die sich da in der Zeit von 12 Uhr mittags bis 3 Uhr nachmittags in rascher Aufeinanderfolge abgespielt haben, sind unbeschreiblich. Es ist unmöglich, über alle Vorgänge in diesen Straßen genaue Rechenschaft zu geben. Wer nicht Augenzeuge der Ereignisse war, kann sich auch von dem geringsten Teil der Ungeheuerlichkeiten, die von den wildgewordenen Jugendlichen hier vollführt wurden, einen Begriff machen. Das Judenviertel besteht aus Geschäften, deren Besitzer kleine Leinen« und Stoffhändler sind, die ihre Ware in ganz kleinen Partien absetzen, .auS einigen Bäckerläden, zwei bis drei Lebensmittel- Handlungen und vier Fleischhauerläden. Sämtliche Geschäftsläden wurden auSgeplündert. In den angrenzenden Straßen lagen ganze Stücke Leinen und Stoffe zerstückelt uiid zertreten im Kot. An einzelnen Stellen kam es zwischen den Plünderern zu Streitigkeiten wegen Verteilung des Raubes. Dann kam die Reihe an die Fleischbänke. Nachdem die Plünderer die besseren Fleischstücke an sich genommen, zündeten sie die Fleischstände an und trugen die Fleischhacken und Messer davon. Dann ging es gegen die Wohrrungen, die an der Landstraße gelegen sind. Steinwürfe zerschmetterten Fensterscheiben und Läden, viele der in den Zimmern befindlichen Bewohner wurden erheblich verletzt. Man kann sich die Angst uitb den Schreck dieser plötzlich Ueber« fallenen ausmalen. Zahlreiche Juden flüchteten auf die Dächer und überließen ihre Wohnungen den Plünderern. Diese widerlichen Szenen haben selbst unter den nüchtern denkenden Aegyptern, die in nationalpolitischen Fragen radikal gesinnt sind, ein Gefühl deS Abscheus gegen die Demonstranten wachgerufen. Die zahlreichen Ausdrücke des Mitgefühls, die den Juden aus allen Schichten der ägyptischen Gesellschaft öffentlich und privat zukamen, sind Beweise dafür, daß selbst die Urheber der Demonstration die Jugend und den Pöbel nicht in der Hand hatten und in dieser im Programme nicht vorgesehenen wilden Extratour in das Judenviertel eme beschämende Kompromittierung der ganzen politischen Veranstaltung erblickten. Selbst das englische Militär war offenkundig durch diese Wendung überrascht und stellte dann durch energisches Einschreiten die Ordnung wieder'her, die seitdem, obgleich die Demonstrationen sich wiederholten, im Judenviertel nicht mehr gestört wurde. Es wurden zahlreiche Verhaftungen vorgenommen und eine strenge Untersuchung der Vorfälle eingeleitet. Die Wachtposten im Judenviertel wurden verstärkt. _ Mein Weißbuch über den Weltkrieg. Das „Mittagblatt" (Frankfurt) schreibt: Es ist ein merkwürdiges Buch, das ein Frankfurter, Benjamin Wechsler, unter dem Titel „Mein Weißbuch über den Weltkrieg", mit dem Untertitel „Messianischer Zionismus" im Kommissionsverlag der Frankfurter Buchhandlung von Franz Benjamin Auffahrt (Preis Mk. 6-—) hat erscheinen lassen. Der Verfasser ist der Ueberzeugung, eine Prophetengabe zu besitzen und sucht das durch die Veröffentlichung seiner Briefe an gekrönte und ungekrönte Häupter in allen Erdteilen zu ermessen, Briefe, in denen er manches vorausgeahnt hat, was jetzt eingetroffen ist. Vom Jahre 1902 bis zum Februar 1919 erstreckt sich diese Korrespondenz, die meistenteils allerdings nur eine einseitige war. Arbeitet man sich aber durch das Beiwerk der beiden Hefte durch, dann kann man wohl sagen, daß der Verfasser den Ansgang deS Weltkrieges richtig vorausgesagt und seine Meinung auch den berufenen Stellen gegenüber kund getan hat. Im Untertitel „Messianischer Zionismus" kommt dis Gedankensphäre des Verfassers zum Ausdruck, der nicht als Politik oder Diplomat, sondern als ein wiedererschienener alttestamentarischer Prophet genommen werden will. Nachdem Wechsler seinerzeit unter der Kanzlerschaft Büloms polizeilich auf seine geistige Verfassung untersucht worden war, schrieb er am 6. April 1910 an den Kaiser: „weil ich schon in Jerusalem die Traum-Offenbarung hatte, daß im kommenden „deutsch-englischen Kriege Deutschland unterliegen wird." Am 14. August 1913 schreibt er an Bethmann-Hollweg: „Ich kann nicht anders. Zufolge eines Traumes in verflossener Nacht nehme ich Anschluß an mein Ergebenes vom .. . u. befürchte sehr Schlimmes für S. M> und Deutschland." Betreffs deS Greyfchen Vorschlages seinerzeit vor dem Kriegsbeitritt Amerikas schreibt er an den Kanzler am 26. Oktober 1916: „Eilig und wichtig ist es mir heute, nachdem Grey in seiner Auslassung zur Auslandspresse sich den Vorschlag meines Artikels... zu eigen gemacht und erklärt hat, nichts sei ihm lieber, als die direkte Kriegsursache vor einen unabhängigen und unparteiischen Gerichtshof zu bringen, Ew. Exzellenz als ein Gesandter Gottes zu raten: Nehmen Sie den Bullen bet den Hörnern und akzeptieren Sie den Vorschlag, selbst wenn es zu einem Waffenstillstand noch nicht kommen kann. Es wird, es muß noch Alles so kommen, wie es mir Gott lange, lange vorher offenbart hat." (Wechsler hatte in einem Artikel im „Israelitischen Wochenblatt" empfohlen: „während eines vorläufigen Waffenstillstandes allen Neutralen eine Einladung zur Entsendung von vier Spruchberechtigten" zur Bildung eines unparteiischen Tribunals zugehen zu lassen.) — Und nochmals warnt der Verfasser am 4. Jänner 1917 Bethmann-Hollweg wiederum: „Wenn Eure Exzellenz jetzt noch nicht einzusehen geruhen, daß mein Rat vom 26. Oktober 1916, das Angebot Greys anzunehmen und über die Ursache des Krieges vor ein neutrales Tribunal zu gehen, auch wirklich der eines „Gesandten Gottes" genannt werden durfte, dann muß es noch zehnmal schliinmer für Deutschland kommen, nie wieder so gut wie damals!- Man mag über die Selbsteinschätzung des Verfassers denken, wie man will, und auch seinen religiösen Prätensionen skeptisch gegenüberstehen, der Eifer für Wahrheit, Gerechtigkeit und Menschenliebe, der aus dem Buch ausströmt, läßt ihn trotz aller Sonderlichkeit nicht unsympathisch erscheinen. _ A. B. Neue Bücher. »»Der Tragödie zweiter Teil." Der Friedensschluß. Von Georg Brandes. Autorisierte Uebersetzung von Erich Holm. „Brücken", vierter Band. Verlag Friedrich Andreas Perthes A.-G. Gotha. Preis Mk. 5°—. — Fast gleichzeitig mit der dänischen Ausgabe erscheint auch die deutsche Uebersetzung der mit großer Spannung erwarteten Fortsetzung des „Weltkrieg", jenes berühmten Buches, das die Kriegsverblendeten, besonders im Ententelager, zu so erbitterten Angriffen gegen den Verfasser reizte und ihm, obgleich er nie ein Hehl aus seiner Liebe für Frankreich gemacht, bekanntlich auch die Feindschaft seines langjährigen Freundes Clemenceau und vieler ihm bis dahin nahestehender Franzosen zugezogen hat. In einer Reihe glänzend geschriebener und vortrefflich übersetzter Aussätze schließt Brandes mit dem vorliegenden Buch seine Betrachtungen über die große Menschheitstragödre ab. Es ist das erste Mal, daß von gänzlich unbeeinflußter Seite und durch einen der geistreichsten, und politisch einsichtigsten Köpfe der Gegenwart die Ereignisse des Jahres 1919 einer kritischen Beleuchtung unterzogen werden. Im Mittelpunkt steht der Friedenskongreß und das Erzeugnis seiner Mitglieder: der Scheinfriede, dessen Grundcharakter an der Hand ähnlicher weltgeschichtlicher Vorgänge rücksichtslos bloßgelegt wird. Mit der erfrischenden Schärfe und Souveränität des wirklichen Könners und Kenners, der zu hoch steht, um vom Fanatismus von da oder dorther auch nur erreicht zu werden, rechnet Brandes mit den verschiedenen Nationen und ihren Machthabern ab, hat auch für Deutschland manch strenges Wort, nimmt aber den deutschen Menschen gegen die Flut boshafter Schmähungen, die die Welt über ihn ausgeschüttet netschloffen in Schutz. „Der Zaubermantel." Erinnerungen eines Weltreisenden Von Georg Wegener. Leipzig, F. A. Brockhaus. 364 S. Gehefte. Mk. 16'—, gebunden in Pappband Mk. 23'—, gebunden in Ganzt leinenbano Mk. 26'-Ein sehr merkwürdiges Buch! Ein Buchwie es in der deutschen Literatur in dieser' Eigenart kaum zum, zweitenmal Vorkommen dürfte. Wir sind reich an Werken von wissenschaftlicher Gediegenheit; wir besitzen auch — wenngleich gerade das bei uns seltener ist — Autoren von leichter und schönheitsvoller Sprache. Aber beides vereinigt zu finden, in dieser Wesse wie es hier der Fall ist, das ist ungewöhnlich. Und beides so zur rechten Zeit in den Dienst dessen gestellt zu sehen, was wir heute für unsere Seele brauchen, doppelt zu begrüßen. Es ist ein Buch des Sehnens, das uns hinausträgt aus dem Dunkel und der Not der Gegenwart und aus der Weltgefangenschaft, in der uns die Gegner noch immer halten, in die große, freie Weite des Erdballs, in Licht, Sonne und Schönheit. Aus den Flügeln ganz persönlicher Erinnerungen an die schönsten, frohesten oder eigenartigsten Eindrücke und Begegnungen, die der wohlbekannte Verfasser, einer der weitestgereisten unter den Lebenden, auf seinen jahrzehntelangen Studienfahrten durch nahezu alle Länder und Meere des Globus gehabt hat. Allem, was erzählt wird, liegt die scharfe Beobachtungsgabe des wissenschaftlich geschulten

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