Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 6 (1920)
- Issue
- 6 (13.2.1920)
- Date
- 1920-02-13
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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- Hrodna 1× ep/1044655
- Minsk 1× ep/1000754
- Pinsk 1× ep/1045440
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Nr. 6 Jüdische Korrespondenz Seite 7 Reise. Zum Schluß wurde Protest gegen die Verleumdungen eingelegt, die Vonseiten der Gegner anläßlich der Reise Rabbi Perlmutters in die Welt gesetzt wurden. — Bei den Beratungen, die dieser Tage in Warschau die Vorsteher der verschiedenen Komitees unter Beteiligung von Delegierten der ausländischen Hilfsorganisation über die produktive Hilfe an den jüdischen Massen pflegten, wurde besonders in Betracht gezogen, daß bei der Verteilung der amerikanischen Unterstützungsgelder jede Parteilichkeit ausscheiden müsse. Die Erfahrungen. auf diesem Gebiete lehren, daß Vertreter, der Assimilation und der nationalen Richtung bei der Verteilung der Gelder in erster Reihe ihre Institutionen berücksichtigen. Bei der Neuorganisierung des Unterstützungswerkes, das sich auf Zuweisung von Maschinen, Werkzeug und Rohstoffen bezieht, soll jedoch jede Bevorzugung oder Benachteiligung irgend einer Richtung vermieden werden. Nichtsdestoweniger wurde von verschiedenen Seiten verlangt, daß die Arbeit auch jetzt nicht in die Hände der Assimilanten gelegt werden darf, die kein Mandat von den jüdischen Volksmassen dazu haben. Einige Vorsteher hiesiger Hilfsaktionen erklärten sogar kategorisch, für den Fall, daß die ausländischen Hilfskomitees nach wie vor die Assimilanten mit zu ihren Vertrauensmännern machen sollten, aus den Kommissionen auszutreten und sich der weiteren Mitarbeit, zu enthalten. Die ausländischen Vertreter sind dagegen der Ansicht, daß in den Verteilungskommissionen all die Richtungen vertreten sein müssen, die im Ausland die Unterstützungsgelder aufbringen. Eine Verständigung ist bis dahin nicht zustande gekommen. Die Organisation „Schlaumei Emune Jisroel" und das Warschauer Rabbinat sind bei den Sitzungen mit je zwei Delegierten vertreten. (Warnung an die jüdische Studentenschaft des Ostens.) Im Aufträge des akademischen Zionistenvereins „Hechawer" und des jüdisch-akademischen Unterstützungsvereins in Bern erläßt Dr. Michael Krauthammer eine beherzigenswerte Warnung an die jüdische Studentenschaft des Ostens, sich nicht, wie beabsichtigt, zu Studienzwecken nach der Schweiz zu begeben. Die meisten dieser Studierenden dürften bei dem jetzigen Tiefstand der. Valuten kaum auf genügende Unterstützung von zu Hanse rechnen können; sie glauben in der Schweiz Verdienstmöglichkeiten zu finden, wofür jedoch nicht die geringste Aussicht vorhanden ist. Die in der Schweiz bestehenden jüdischakademischen Vereine sind kaum in der Lage, die bereits jetzt in der Schweiz sich aufhaltenden und in unverschuldete Not geratenen Studenten genügend unterstützen zu können, und müssen jede Unterstützung Neuangekommener ausnahmslos ablehnen. Es liege also im vitalsten Interesse der jüdischen Studentenschaft des Ostens, von jedem Versuch, die Einreisebewilligung in die Schweiz zu erlangen, abzusehen. (Beilis lebt in großer Not.) Der jüdische Märtyrer Mendel Beilis (bekanntlich das Opfer des Kiewer Ritualmordprozesses, hat Beilis seinerzeit eine fünfjährige Gefängnisstrafe in Rußland verbüßt und begab sich dann nach Palästina), der sich, zurzeit in Jaffa befindet, veröffentlicht in den hebräischen Zeitungen von Palästina eine Erklärung, daß er keine Mittel zum Leben besitzt und große Not leidet. (K. f. d. O.) (Frankreichs Palästina-Politik.) „Manchester Guardian" veröffentlicht ein Dokument, das die Instruktionen des französischen Ministerpräsidenten an George Picot, Kommissär der französischen Republik in den besetzten Gebieten Palästinas und Syriens, vom 2. April 1917 enthält. Bei ihrer Ankunft in Palästina werden sie in Berührung mit zahlreichen jüdischen Kolonien kommen. Es ist wünschenswert, ihnen von Beginn an ein großes Ausmaß von Schutz zu gewähren, und die neue Situation dadurch zu kennzeichnen, daß sie die jüdischen Kolonisten mit der Verwaltung ihrer Gemeinden und mit einem Anteil an der Regierung de.s Landes betrauen. Sie sind sich zweifellos bewußt, daß die ihnen gegenüber einzuhaltende Politik bestimmt ist, einen tiefen Eindruck nicht nur auf ihre Glaubensgenossen, die in verbündeten und neutralen Ländern wohnen, zu machen, sondern auch auf die, die in feindlichen Ländern wohnen. Daher-ist es in unserem Interesse, in ihnen die größten Erwartungen zu erwecken, in betreff dessen, was die Verbündeten für sie äuf .dem Boden, dem sie seit einer tausendjährigen Vergangenheit verbunden find, tun, und auf den sie zurückzukehren wünschen, um dort Siedlungen zu errichten. „Manchester Guardian" betont, daß diese Instruktionen bereits fünf Monate vor der Balfourschen Erklärung erfolgt sind, daß also der Balfoursche Brief an Rothschild doch nicht eine spontane Eingebung gewesen sein kann. (Eine jüdische Konferenz in Weißrußland.) Die erste Konferenz der jüdischen Gemeinden Weißrußlands nahnr am 2. Jänner in Minsk ihren Anfang unter Beteiligung von 80 Delegierten. Den Vorsitz führte der Vorsteher der Minsker Kehillah, Herr H. Churgin, der die Versammlung mit einer hebräischen Rede begrüßte. Er knüpft an den bereits im Jahre 1828 gegründeten „Waad Hakhilaus" an, der die Gemeinden Brisk, Grodno, Minsk und Pinsk umfaßte. Der Verband, der seit Beginn des neunzehnten Jahrhunderts nicht mehr existiert, soll nun in Minsk seine Wiederauferstehung erleben. Es sprachen dann Redner verschiedener Parteien. Im Namen der Agudas Jisroel begrüßt Herr Kerstein die Konferenz und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß der neue Verband seine gesamte Tätigkeit auf dem Boden der jüdischen Tradition entfalten wird. Der Gemeinderabbiner Rabbi Jizchok gedenkt der Opfer an Gut und Blut, die die litauische Judenheit in den letzten Jahren zu bringen hatte. Ein Antrag der Agudas Jisroel, den Senior der russischen Rabbiner, Rabbi Elieser Rabbinowitz, zum Ehrenvorsitzenden zu wählen, gab Anlaß zu scharfen Auseinandersetzungen, die damit endeten, daß die Vertreter der Agudas Jisroel auf die weitere Beteiligung an den Wahlen verzichteten und ostentativ den Saal verließen. Mithin ging die zionistische Wahlliste ohne Gegenvorschlag durch. Zum Vorsitzenden des Verbandes wurde Herr I. Berger, zu Vizepräsidenten die Herren Frumkin und Astarin gewählt. (Aus Jerusalem.) Rabbi Kook ist von den Vertretern der Jeschiboth, Synagogen und anderen verschiedenen orthodoxen Körperschaften offiziell als Ober-Rabbiner von Jerusalem anerkannt worden. — Wie die „Jewish Times" aus sicherer Quelle erfährt, wurde der Redakteur des „Doar Hayom", Safier, in Jerusalem wegen eines Artikels in der englischen Wochenschrift, die unter der gleichen Redaktion wie „Doar Hayom" erscheint, wegen seiner scharfen Stellungnahme gegen die Missionär-Schulen, auf Grund einer Verordnung der englischen Verwaltung verhaftet und nur gegen entsprechende Kaution aus der Hast entlassen. — Der Chacham-Baschi von Jerusalem, Eliasar, erließ einen Befehl an die jüdische Bevölkerung Jerusalems, bei der Westmauer Gebete für die Juden von Damaskus zu verrichten. Die jüdische Bevölkerung von Damaskus schwebt in Gefahr, da in der Stadt plötzlich eine antijüdische Bewegung ausgebrochen ist. Man befürchtet, daß diese Bewegung zu Pogromen führen wird. (Juden aus der türkischen Armee ausgeschlossen.) Das türkische Kriegsministerium veröffentlicht einen Befehl, laut dem alle Juden, Griechen und Armenier vom Militärdienst befreit werden. Bekanntlich werden diejenigen, welche in der türkischen Armee keinen Dienst leisten, mit einer besonderen Steuer belegt. So ist der Befehl eine Rückkehr zu der vor dem Kriege üblichen Praxis. (Spanier und Juden in Marokko.) Der spanischjüdische Verband in Tetuan hat die Einsetzung eines Zentralausschusses in Madrid als Vertretung aller spanisch-jüdischen Vereine Marokkos beschlossen, um eine immer engere Annäherung zwischen Spaniern und Juden in Marokko und hauptsächlich in dem unter spanischem Protektorat stehenden Landstrich zu erzielen. Präsident ist Dr. Angel Pulido (Madrid) als Ehrenpräsident wurde König Alfons bezeichnet. (Die Anzahl der Juden in der Welt.) Der jüdische Statistiker David Trietsch hat die Anzahl der Juden auf der ganzen Welt auf 15,430.000 geschätzt, von denen in Palästina 100.000 wohnen. Nach Trietsch wohnen in Polen 3,300.000, in der Ukraine 3,300.000, in den Vereinigten Staaten 3,100.000, in dem heutigen Rußland und Sibirien 900.000, in Rumänien 650.000, iu Deutschland 540.000, in Ungarn 450.000, in Tschecho-Slowakien 450.000, in Großbritannien und Irland 300.000, in Oesterreich 300.000, in Litauen 250.000, in Südslawien 200.000 und in Holland 110.000 Juden.