Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 6 (1920)
- Issue
- 5 (6.2.1920)
- Date
- 1920-02-06
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite -6 Nr. 5 (Fortsetzung von Seite 4.) schiedenen kriegführenden Staaten. — An Pogrom- und Kriegsbeschädigten-Unterstützungen sind bis jetzt zirka Frcs.200.000 verausgabt worden. _ Aus polen. Aus Warschau wird geschrieben: Zu dem im polnischen Landtage zum Gesetze erhobenen Projekt auf Einführung der absoluten Sonntagsruhe wurde ein Ausruf veröffentlicht, der dieser Tage im „Jud" erschienen ist. „Zu allen anderen Leiden, die über die polnische Judenheit ergangen sind, so heißt es darin, kommt nun noch das Verhängnis der Sonntagsruhe, die im Parlament beschlossen wurde. Ist auch dieses Gesetz nicht direkt gegen Juden und Judentum gerichtet, so wird doch seine ruinöse Wirkung auf die ökonomische Lage der jüdischen Bevölkerung nicht ausbleiben. Das Gesetz legt den jüdischen Kaufleuten auf wirtschaftlichem Gebiete ein Martyrium auf, das sie, getreu den Traditionen unsere große Geschichte, die von Helden erzählt, welche durch Feuer und Wasser für ihr Judentum gegangen find, auf sich nehmen werden. Liegt nun die Sache so, daß gegen das Gesetz nicht mehr anzukämpfen ist, so bleibt nichts anderes übrig, als diese Prüfung wie gesinnungsstarke Juden zu bestehen, die mit ganzer Seele und ganzem Vermögen im Dienste ihres Gottes stehen und ihre Heiligtümer verteidigen. Zur Abwehr der mit dem neuen Gesetze heranziehenden Gefahren muß in den Kreisen der Gesetzestreuen eine Aktion unternommen werden, auf folgender Grundlage: 1. Ueberall in Stadt und Land müssen an Hand der Aguda Gruppen gegründet werden, denen speziell die Verbreitung der Sabbatidee obliegt. 2. Jeder Jehudi erachte es als heilige Pflicht, nur solche Arbeiter und Angestellte in seine Dienste zu nehmen und insbesondere die Geschäftsleute zu berücksichtigen, die den Sabbat halten. 3. Jeder der es in der Macht hat, bemühe sich in seinem Kreise durch Wort und Schristfür die Sabbatheiligung einzutreten. 4. In Synagogen und Lehrhäusern müßten überall Dinimkurse eingeführt werden, unter spezieller Berücksichtigung der Sabbatvorschriften. Dies find wohl fürs erste die einzigen uns zu Gebote stehenden Abwehrmittel. Aber sie sind stark genug, um uns gesund zu erhalten und heil durch alle Drangsale und Verhängnisse der Zeit zu führen." * In den Beratungen der Arbettskommission des polnischen Landtages steht auch die Frage der Emigratton aus Polen sowie speziell der jüdischen Emigratton nach Amerika zur Diskussion. Der neue Arbeitsminister Peplowski wies in einem Expose auf die Probleme der Emigration aus Polen hin und erklärte unter anderem, daß in den nächsten Jahren eine starke jüdische Emigratton aus Polen nach Amerika zu erwarten sei. Die polnische Regierung stehe auf dem Standpunkte, daß diese jüdische Emigration unterstützt werden müsse. Der jüdische Abgeordnete Dr. Schipper fragte, welche Schritte denn eigentlich die Regierung unternommen habe, um die jüdische Emigration nach Amerika zu unterstützen und zu schützen, vor allem, ob sie sich mit den großen jüdischen Organisationen in Verbindung gesetzt habe, welche sich mit der Frage der jüdischen Emigratton befassen, ferner, was die Regierung getan habe, um Angehörige von Emigranten sowie diese selbst vor Ausbeutung zu schützen u. dgl. In der letzten Sitzung der Arbettskommission Hat -im Namen des Ministers sein Sektionschef Malkowski diese Fragen beantwortet. Er führte aus, daß die polnische Regierung darangehen wolle, die Interessen der Angehörigen von Auswanderern gehörig zu schützen. Die Regierung wolle auch durch ihre diplomatischen Vertreter in Amerika dahin wirken, daß Verschärfungen der Einwanderung vermieden werden. Endlich Habe der polnische Emigrattonsattache in Amerika die Weisung erhalten, enge Beziehungen zu den .amerikanisch-jüdischen Organisationen in Sachen der Einwanderung anzuknüpfen. Aus Palästina. (Die Kauflente Palästinas.) Die Zionistische Organisation Amerikas erhielt eine Liste der führenden Kaufleute Jerusalems, Haifas und Jaffas, der drei großen Städte Palästinas. In Jerusalem sind tätig: drei Schuhwarenhändler, vier Baumaterial-, Eisen- und FarbwareNhandler, sieben Kleiderhändler, vier Konfektionäre, zehn Kommissionsagenten, drei Tuchhändler, fünf Drogen- und Chemikalienhändler, zwei Drogisten, drei Modewarenhändler, ein Müller, vier Möbelhändler, drei Warenhändler, fünf Lebensmittelhändler, vier Metallwarenhändler, neun Strumpfwarenhändler, ein Fell- und Wollhändler, vier Haushaltungsgerätehändler, ein Juwelier, sieben Lederhändler, drei Optiker, fünfzehn Agenten, zehn Schreibwarenhändler. — In Haifa: fünf Baumaterialienhändler, sechs Kommissionäre, ein Kleiderhändler, sechzehn Dörrwarenhändler, ein Apotheker, sieben Modewarenhändler, sechs Lebensmittel- Händler, fünf Warenhändler, zwei Juweliere. — In Jaffa: sechs Baumaterialienhändler, zwei Zementhändler, ein Porzellan- und Glaswarenhändler, ein Modewarenhändler, ein Mehlhändler, . ein Möbelhändler, neun Lebensmittelhändler, drei Eisenhändler, ein Lederhändler, fünf Manchester-Textilwarenhändler, ein Orangenexporteur, ein Parfumeriewarenhändler, drei Schreibwarenhändler, drei Holzhändler, ein Exporteur und Importeur, ein Uhrenhändler, ein Spielwarenhändler, ein Metallwaren-, Motorwagen- und Maschinenfabrikant, ein Ziegelhändler. (Dom Kaukasus nach Palästina zu Fuß.) In Jerusalem ist vor zwei Wochen ein kaukasischer Jude namens Aron Gawrielow angekommen, der den Weg aus seiner kaukasischen Heimat nach Palästina zu Fuß zurücklegte und auf der ganzen Reise sich niemals eines Vehikels bediente. Er brauchte zur Absolvierung dieser Fußpartie genau ein Jahr, wobei die Sabbate und jüdischen Festtage in Abrechnung kommen. Gawrielow, der die Reise in Erfüllung eines Gelübdes unternommen hat, nahm seinen Weg über Persien, Bagdad, Jerusalem. ' . . .... ... (Die Mission.) Mit dem Beginn des neuen Schuljahres hat auch die Judenmission ihre Tätigkeit in vollem Umfange begonnen. Zunächst wurde eine Tischlerwerkstatt eröffnet, in der zehn Juden arbeiten, die einen Taglohn, von 4—8 Franken erhalten. Auch Missionsschulen wurden bereits eröffnet, und auch da fehlen jüdische Knaben und Mädchen nicht. Demnächst soll auch das Missionskrankenhaus wieder geöffnet werden. Dr. Wyler, der das Krankenhaus vor dem Kriege leitete, Hat seine Tätigkeit wieder ausgenommen und geht auch sehr gern zu Visiten in Privatwohnungen. Außerdem Haben aber die Missionäre eine Reihe neuer öffentlicher Institutionen eingerichtet, so die englischen Abendkurse, die dreimal wöchentlich abgehalten und deren Tettnehmer mit Geld und Kleidungsstücken beschenkt werden; ferner das Erholungsheim, das in der Nähe des Marktplatzes 'liegt und jeden Ruhebedürstigen zu seinem Besuch einlädt. Den Besuchern werden unentgeltlich Tee, Kuchen und Missionsschristen verabreicht. Besonders Interesse widmet die Mission dem Unterricht der hebräischen Sprache. Für diesen Zweck ist ein besonderer Lehrer aus Europa bezogen worden, auch ein lokaler hebräischer Lehrer hat sich gefunden, was eine Reihe von Juden veranlaßt hat, ihre Kinder in diese Schulen zu schicken. — Der Waad Hair in Jerusalem ist von einigen jüdischen Organisationen aufgefordert worden, die nötigen Gegenmaßregeln gegen das Treiben der Mission zu treffen. (Girre arabische Denkschrift an den Papst.) Die „Times" melden, daß die in Palästina wohnenden muselmanischen und katholischen Araber in einer Denkschrift an -den Papst gegen die zionistenfreundliche britische Politik in Palästina, im besonderen aber gegen die Erklärung Balfours, daß Palästina das Land der Juden sein.müsse, Einspruch erhöben haben. (Was geht vor?) Die „Neue Züricher Zeitung" vom 20. Jänner 1920 veröffentlicht folgendes Telegramm aus Jaffa: Die Ende September in Südsyrien eingetretene Muhe erwies sich -als nur vorübergehender Natur. Jn verfolgenden