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Jüdische Korrespondenz · 1920-02-06 · 5 (6.2.1920) · page 4

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
6 (1920)
Issue
5 (6.2.1920)
Date
1920-02-06
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Jüdische Korrespondenz Nr. 5 den Sudetenländern weniger von den Nationalisten ins Schlepptau — wenn auch bloß politisch — ziehen lassen, da sie dadurch in der Entfaltung jeder organisatorischen Arbeit „lehagdil Thora* gehindert werden.) Die Juden Ln Frankreich. Aus einer längeren Unterredung, die der Herausgeber der „I. P- Z-" mit Professor Israel Levi, dem Grandrabbin von Frankreich, hatte, geben wir folgende Aeußerungen des Grandrabbin wieder: Durch den Zuwachs, den das französische Judentum durch die elsässischen Juden erfährt, wird die bisherige Richtung der französischen Judenheit im allgemeinen nicht wesentlich geändert. Die Juden der Provinz richten sich nach Paris, von wo aus die Orientierung in jüdisch-politischer Hinsicht auch weiterhin erfolgt. Dagegen erhält das religiöse Element der französischen Judenheit — besonders in den großen Städten — durch das Hinzukommen der elsässischen jüdischen Gemeinden eine erwünschte Stärkung, was sich erfreulicherweise bereits bemerkbar macht. Der gesteigerte Zug nach der Stadt aus den Dörfern, wo natürlicherweise das religiöse Leben fester verankert ist als in den Städten, in denen im härteren Kampf ums Dasein die religiösen Schranken allzuleicht beseitigt werden, hat schon während des Krieges und noch mehr seit dem Waffenstillstand zugenommen. Als der Grundrabbin kürzlich die jüdische Gemeinde von Straßburg besuchte, zeigte man ihm eine Liste von mehr als 200 jüdischen Familien, die seit der Unterzeichnung des Friedens aus kleinen Ortschaften nach Straßburg gezogen sind. Diese Familien bringen noch die alten traditionellen jüdischen Gebräuche mit und tragen zur Wiederbelebung und Kräftigung des gesetzestreuen jüdischen Lebens in den städtischen Gemeinden viel bei. ' Während die Rabbiner Frankreichs sich seit 1870 nicht mehr aus elsässischen und nur wenigen französischen Rabbinatsschülern rekrutierten — die Rabbinatskandidaten des Elsaß gingen an das Rabbinerseminar nach Berlin — und die Schüler des französischen Rabbinerseminars sich aus Ostjuden bilden mußten, find bereits jetzt zahlreiche Rabbinatsschüler aus dem Elsaß nach Paris gekommen, um an der dortigen Rabbinatsschule ihre Ausbildung zu erhalten. So wird Frankreich wieder in der Lage sein, aus seinen eigenen jüdischen Gemeinden die Rabbiner zu stellen und nicht mehr auf den Osten allein angewiesen sein. Ueberhaupt hat der Zustrom von Ostjuden, der vor dem Kriege ziemlich bedeutend war und in Paris zur Bildung einer starken ostjüdischen Schicht führte, durch die Kriegsverhältnisfe und die Verkehrshindernisse eine starke Hemmung erfahren, der aber wahrscheinlich, sobald die Verkehrsmöglichkeiten sich bessern werden, in verstärktem Maße wieder einsetzen wird. Als Ersatz für die während des Kriegesunterbliebene Einwanderung jüdischer Elemente^ aus Polen und Rußland, hat ein starker Zuzug aus dem Orient, namentlich aus Griechenland, der Türkei, Algier, Marokko und Tunis sich in deutlicher Weise gezeigt. Es handelt sich hier um einen gesunden Menschenschlag mit sephardischem Ritus, im Gegensatz zu den oft schwächlichen Typen der Ostjuden. Durch den Krieg kamen die Juden des Orients immer mehr in Kontakt mit Frankreich, namentlich aber kamen sie als Kaufleute nach Paris, wo sie festen Fuß faßten und wo sie sich heute infolge des regen Handels, den sie betreiben, eines guten Wohlstandes erfteuen. Allmählich ließen sie ihre Angehörigen nach Paris übersiedeln und in letzter Zeit nehmen die Heiraten zwischen Einheimischen und Orientjuden zu, deren Einfluß und Eigenart sich mit der Zeit auch im jüdischen Gemeindeleben bemerkbar machen dürste. Bezüglich der Palästinasrage äußerte sich der Grandrabbin pessimistisch. Die wirtschaftliche Verfassung Palästinas sei heute noch eine wenig günstige, zudem habe England genug mit den Unruhen in Aegypten zu tun, wodurch die politische Lösung der Palästinafrage natürlich erschwert werde. Die Agudas Iisroel. (Agudas Iisroel in England.) Aus London wirb geschrieben: Die Agudazentrale entfaltet eine rührige Werbetätigkeit. Am Sonntag wurde eine neue Gruppe in West- London gebildet, bei der eine Reihe von Synagogen des Westens von Delegierten vertreten waren. Ein Vertreter der holländischen Agudas Iisroel nahm an der. Versammlung ebenfalls teil. Nach einem einleitenden Referat des Herrn M. Jung rief Rabbiner Ferber das Interesse der Versammlung für die Kulturinstitutionen der Orthodoxie im heiligen Lande und in Polen wach. In einer besonderen Resolution protestiert die Versammlung gegen die unerfreuliche Presse- Campagne, die man .gegen den ehrwürdigen Rabbiner Perlmutter, während er noch Gast der englischen Judenheit war, in Polen unternommen hat. Zum Vorsitzenden der West- Londoner Agudagruppe wurde Rabbiner Ferber gewählt, dem ein zwölsgliedriger Vorstand zur Seite steht. Eine Gruppe der Agudas -Iisroel wurde auch in Nord-London gegründet. Rabbiner Rabinowitz begrüßte die Versammlung und erörterte das Kattowitzer Programm, indem er noch besonders die Palästinaarbeit der. Agudas Iisroel betonte. Oberrabbiner Dr. Jung sagte, daß über den hochbedeutenden Ausgaben in Palästina die Gegenwartsaufgaben itt den Golusländern nicht vergessen werden dürfen, wo es heute gilt, viel Bauarbeit zu leisten. Das heutige Palästina könne leider nur einige Tausende ausnehmen, während in der Diaspora Millionen bleiben, deren Interessen wahrgenommen werden müssen^ Die Orthodoxie hat vor dem Kriege etwa 5 Millionen Francs im Jahre für Palästina aufgebracht, soviel wie für den zionistischen NF. in zwanzig Jahren gesammelt wurde. Es müßte der Orthodoxie gelingen, all ihre Kräfte zu vereinigen. Nach ausgiebiger Diskussion wurde folgende Resolution angenommen: „Me Versammlung nimmt die Verpflichtung auf sich, die Aguda in ihrem religiösen wie in ihrem Erziehungsprogramm mit allen gegebenen Mitteln zu unterstützen." (Die.Aguda in Litauen.) Ende Dezember fand in Wilna die Gründungsversammlung der Agudas Iisroel statt, an welcher 60 Rabbiner und Mitglieder der Wilnaer Gemeinde sowie. Vertreter aus der Provinz sich beteiligten. Der Vorsitzende Rabbiner Grodsenski, sagte in seiner Begrüßungsrede, daß eine solche Organisation in Litauen bereits bestanden hatte, sich aber infolge der Kriegszustände nicht entfalten konnte. Es gilt nun, den abgebrochenen Faden wieder, aufzunehmen und die Organisation wieder in Funktion, zu setzen,, besonders aber den Connex zwischen Litauen und der Zentralleitung in Zürich herzustellen. In der Diskussion sprachen sich mehrere Rabbiner über die Notwendigkeit der Aguda aus und über ihre Aufgaben in Litauens Die Versammlung schließt mit der Gründung eines Zentralkomitees für ganz Litauen, in welches außer Rabbi Grodsenski noch die Rabbiner Bassin und Topp gewählt werden. In seinem Aufruf werden alle Rabbiner der Provinz aufgefordert, Ortsgruppen in ihren Gemeinden zu gründen. (Die Tätigkeit der Agudas Iisroel für die Kriegswaisen.) In Kalisch hat die Agudas Iisroel zwei Asyle geschaffen, wo über 60 Knaben und Mädchen Unterkunft gefunden haben, In Warschau ein Mädchen-Asyl mit 25 Mädchen. In Bialystok zwei Asyle mit über 100 Knaben und Mädchen. In Kowno konnte das bestehende Waisenhaus nur dank der monatlichen Subvention von Mk. 500 seitens der Agudas Iisroel weiter bestehen. Ein zweites Waisenhaus wurde durch die Subvention von Mk. 10.000 im Jahre 1915 eröffnet. — Das bestehende Waisenhaus verdankt sein weiteres Bestehen der Subvention der Agudas Iisroel von Mk. 10.000, welche teilweise auch für die Erhaltung der dortigen Real- und Talmud-Thora-Schule bestimmt war. — Galizien: Die Vorbereitungen zur Eröffnung einiger Asyle sind bald abgeschlossen. — Palästina: Die Schweizerische Abteilung des Kriegswaisenfonds der Agudas Iisroel hat bereits einen Betrag von Frcs. 50.000 bestimmt für die Gründung eines Kriegswaisenhauses in Palästina für Kriegswaisen aus,den ver- (Fortsetzung auf Seite 6.)

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