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Jüdische Korrespondenz · 1920-01-23 · 4 (23.1.1920) · page 2

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
6 (1920)
Issue
4 (23.1.1920)
Date
1920-01-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Jüdische Korrespondenz Seite 2 Nr. 4 daran als die orthodoxe Judenschaft, die Besiedlung Palästinas zu fördern; dort Gewerbe und Industrie zu schaffen ist eine umso wichtigere Aufgabe der Aguda, als jeder gläubige Jude den Wunsch haben muß, in Palästina nur echt jüdisches Leben sproßen zu sehen. Dies kann nur durch eine großzügige Aktion der gloubenstreuen Judenschaft erzielt werden. In Verbindung mit dem Palästinawerk wird sich die Aguda in Wien auch sehr viel mit dem Auswanderungswesen befassen müssen. Die Hunderttausende, die der Hölle im Osten entrinnen wollen, 'werden über Wien kommen und es wird sich darum handeln, ihnen mit Rat und Tat beizustehen. Von besonderer Wichtigkeit wird hier auch sein, möglichst aus das religiöse Zusammenleben der Emigranten Einstuß zu nehmen und dahin zu wirken, daß auch in den kleinsten Ansiedlungen der Geist der Thora zur Geltung kommü Die Gründung der Aguda- Zentrale in Wien wird für jeden guten Willen Arbeitsmöglichkeit bieten und halten wir es für selbstverständlich, daß jeder religiöse Jude in Wien der Aguda beitreten und daß jeder, der in sich die Kraft fühlt nicht nur beizutreten, sondern auch tatkräftig mitzuarbeiten, sich in den Dienst dieser heiligen Sache stellen wird. * ( Gelegentlich einer am 25. Dezember stattgefundenen Voll" sitznng des Schweizerischen Landeskomitees der Agudas Jisroel in Zürich erstattete Herr I. Braun Bericht über den Stand der Aguda-Bewegung. Er sprach zunächst von der großen inneren Wandlung und der geistigen Erschütterung, welche der Krieg bei den Juden des Ostens zur Folge hatte, wie noch nie seit dem letzten Churban. Die Agudas Jisroel hat daher in diesem ernsten Augenblick ihre hohe Pflicht erkannt, sämtliche Treugesinnten in Israel eng zusammenzuschließen und ist Hand in Hand in unerschütterlicher Gesinnungstreue aktiv für die Erhaltung der jüdischen Ideale eingetreten. Diese Notwendigkeit wird in allen Ländern, in allen Kreisen, namentlich aber von der Jugend, immer deutlicher anerkannt. Darauf deuten schon die großen Erfolge hin, welche die Aguda in der letzten Zeit zu verzeichnen hat. In Polen zum Beispiel ist eine Regeneration des orthodoxen Judentums in vollstem Sinne des Wortes zu konstatieren. Die „Schlome Emune Jisroel", die sich der Aguda vollständig angeschlossen hat, hat bereits 700 Ortsgruppen, welche über eine halbe Million Mitglieder, darunter 500 Rabbiner, zählen. Während die Orthodoxie in Polen vorher unter der Leitung der intellektuellen Nichtfrommen gestanden hat, nie den Mut hatte, vor oder gegen den polnischen „Purez" aufzutreten, hat sich nun heute die Orthodoxie das Selbstbewußtsein errungen' Sie ist daran, sich von jeglicher Bevormundung zu befreien. Die gut organisierte Orthodoxie der Tschechoslowakei mit ihren 380.000 Mitgliedern hat sich ebenfalls der Aguda angeschlossen. Auch die Juden Littauens sammeln sich fortwährend unter der Fahne der Agudas Jisroel. Es sind in mehreren Teilen Littauens starke Landeszentralen geschaffen worden, an deren Spitze die hervorragendsten Rabbiner stehen. So zum Beispiel besteht in Minsk unter Leitung des Minsker Godels eine Gruppe von 6000 Mitgliedern. In Wilna ist eine große Organisation unter der bewährten Leitung des Gaons Rabbiner Ch. Grodsenski lebhaft tätig. Segensreich ist auch die Tätigkeit der Aguda im Westen. In Deutschland ist die Aguda die kräftigste Partei. Die musterhafte, gut organisierte Jugendorganisation zählt über 10.000 Mitglieder. In Frankreich hat sich jüngst die Landesorganisation mit Zentralbureau in Paris, neu konstituiert. Dasselbe ist in Belgien. In Holland hat sich der Rabbinerverband an die Aguda angeschlossen und bereits eine Landesorganisation geschaffen. In Skandinavien entfaltet das skandinavische Bureau der Agudas Jisroel in Kopenhagen eine fruchtbare Tätigkeit. In England ist ein Zentralbureau unter der Leitung von Öberrabbiner Ioung, Dr. Büchler, Dr. Marmorstein, Dr. Duschinski und anderen größeren Persönlichkeiten eröffnet worden und arbeitet mit großem Erfolge. Große Persönlichkeiten aus den Vereinigten Staaten Amerikas stehen mit dem Zentralbureau in Verbindung. Eine Delegation der Aguda soll auch demnächst dorthin abgesandt werden. Es ist daher zu hoffen, die orthodoxen Kreise Amerikas auch bald unter das Banner der Agudas Jisroel zu bringen. Die Aguda verfügt in allen Ländern über eine sehr gute Presse. In Warschau hat jetzt die Aguda eine eigene gut geleitete Tageszeitung „Der Jud". Es hat sich dort auch ein Verlag mit einem Kapital von einer Million Mark zur Herausgabe von religiösen Werken gegründet. In Wien erscheint die gut redigierte Wochenschrift „Jüdische Korrespondenz" mit einer Spezial-Jugendbeilage. In der Tschechoslowakei erscheint ein halbmonatliches Organ „Machsike Hadas". In Deutschland erscheint außer dem „Israelit" noch eine literarisch inhaltreiche Monatsschrift „Die Jugendblätter" und „Führerschaftsblätter des Esra". Das in Zürich erscheinende Zentralorgan „Haderech" verbindet die Aguda-Organe aller Länder. In Palästina gewinnt die Propaganda immer weitere Ausdehnung. In Jerusalem hat die Landesorganisation ein Bureau unter Leitung der Geonim Diskin und Sonnenfeld für organisatorische und kulturelle Aufgaben errichtet und ein Bureau in Jaffa für praktisch-ökonomische Palästina-Arbeit. Gleich Telawiw wurde in Jaffa auch ein orthodoxer Stadtteil Nachlas Jakauw auf Namen von Jakob Rosenheim errichtet. Leider herrschen in Palästina infolge der vollständigen Verarmung gerade der orthodoxen Volksschichten sehr unerfreuliche Zustände. Es obliegt daher der Orthodoxie der ganzen Welt, die Gesinnungsgenossen in Palästina von der Gewaltherrschaft der religionsfeindlichen Elemente zu befreien. Die Jeschiwohs und Talmud Thoras, die altbewährten Festungen jüdischen Wissens und jüdischer Glaubenstreue müssen unter allen Umständen erhalten werden. Keine Aufgabe der Gegenwart reicht an Bedeutung dieser Pflicht des orthodoxen Judentums heran. Um wenigstens dieses Kleinod, diese geistige Festung fest in Händen zu haben, hat die Aguda mit dem Misrachi sich in Verbindung gesetzt. Einen großen Erfolg hat dieses gemeinsame Vorgehen bezüglich des Frauenwahlrechtes davongetragen. Bei völliger Solidarität ist zu hoffen, daß die Orthodoxie in Palästina trotz des Terrors der linken Parteien aller Gattungen das Schulwesen von der linken Gefahr retten wird. Mit den führenden zionistischen Kreisen in London werden immer noch Verhandlungen gepflogen und es ist zu hoffen, daß die gerechten Forderungen der Orthodoxie auf einen fruchtbaren Boden stoßen werden und die liberalen Zionisten zur Einsicht bringen wird. Inzwischen werden auch Vorbereitungen auf die Kenessio Gedaulo getroffen und es obliegt sämtlichen Körperschaften der Agudas Jisroel in allen Ländern, alle ihre Kräfte anzuspornen und die gewünschten Erfolge werden nicht ausbleiben. soziale Fürsorge! In anerkennenswerter Weise ist es nunmehr auch das Streben der Wiener Orthodoxie nach einer zeitgemäßen und zeitgerechten Organisation. Immer größer werden die Aufgaben, die die furchtbare Not der Zeit mit sich bringt und wenn die Orthodoxie die brennendsten Fragen „sozialer Fürsorge" befriedigend lösen soll, so muß mit ganz anderen Mitteln und Kräften gearbeitet werden als zu jener guten, alten Zeit, da die Lebensmittelfrage nur ein rituelles Problem schien! Die Adaß Jisroel als die Vertreterin der Wiener Orthodoxie hat nun in ihrer letzten Vorstandssitzung beschlossen, eine Zentralstelle zu schaffen, um diesen täglich wachsenden Bedürfnissen gerecht werden zu können. Von jeher hat der Wohltätigkeitssinn ■ in unseren Kreisen Wunder an Opferfteudigkeit und Herzensgüte gezeigt. Ohne viel Aemter und Instanzen, konnte durch Mildtätigkeit des Einzelnen, dem Hungernden. Nahrung, dem Bedürstigenden Hilfe gebracht werden! Nie fand der würdige Arme in unseren Häusern eine verschlossene Türe, ein verschlossenes Herz! Durch Zuwendungen milder Gaben, konnte sich auch der Aermste satt essen und durch Zedokoh konnten den Aermsten der Armen stets geholfen werden! Der traurige Ausgang dieses Krieges, der klägliche Friede hat unser schwer verdientes Geld entwertet, die Hungersnot fühlt jeder Einzelne und nur das Ausland kann uns von der

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