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Jüdische Korrespondenz · 1920-01-23 · 4 (23.1.1920) · page 1

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
6 (1920)
Issue
4 (23.1.1920)
Date
1920-01-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Bezugspreis : Ganzjährig K 30, halbjährig K15, vierteljährig K 8. — Ausland jährlich K .50; Einzelnummer 60 Heller. Organ für die Interessen des orthodoxen Judentums. Redaktion und Administration: Wien, VIII., Alserstraße 55. Postsparkassenkonto Nr. 184.299. Erscheint jeden Freitag. Np. 4. Wien, 3. Schebath 5680, 23. Jänner 1920. VI. Jahrgang. Agudas ILftoel. Durch zwei Jahrtausende entbehrte das Judentum einer Organisation. Dies verhinderte nicht, daß die ganze Judenheit zitterte, wenn auf irgend einem Erdenwinkel Juden drangsaliert wurden. Durch zwei Jahrtausende war das Judentum einig und der Ausspruch: „Ganz Israel bürgt einer für den anderen", bewährte sich sowohl nach innen als nach außen. Erst seit einem Jahrhundert kam durch die Reform, seit einem Vierteljahrhundert, wo die Reform ihre Aggressivität verloren hat, durch den Zionismus, ein Riß in das Judentum, welcher die Judenschaft in feindliche Lager spaltete. Die strengreligiöse Judenschaft, die in dem Studium und der Beobachtung der Lehre Moses ein einigendes Band besaß und besitzt, glaubte einer Organisation entraten zu können. Erst die stark hervortretende jüdisch-politische Betätigung der Jüdischnationalen macht es zur unbedingten Notwendigkeit, auch die Orthodoxie zu organisieren. Die Prätentation der nationalen Juden, die sich als die ausschließlich patentierten Vertreter der gesamten Judenschaft geben, obgleich deren Zahl nur einen kleinen Bruchteil der Judenschaft ausmacht, zwingt uns zu einer Organisation, .welchedi^religiöseJudenschaft - deraanzewWelt umfassen soll Tino OQtm toogf mit größerer Berechtigung M Vertretung eines Großteils der Judenschaft wird antreten können. Wir übersehen nicht, welche kolossale Verheerung der Krieg im Punkte Religiosität angerichtet hat, aber trotz alldem bildet die strenggläubige Judenschaft noch immer die weitaus große Mehrzahl der gesamten Judenschaft. Rechnen wir hiezu noch die große Anzahl von Assimilanten in allen Großstädten, so bleibt für die Zionisten eine nicht allzu beträchtliche in die Wagschale fallende Menge, die aber durch ihre außergewöhnliche Rührigkeit, Energie, Tüchtigkeit und bei vielen auch Begeisterung viel mehr in Erscheinung tritt, so daß Fernstehende glauben müssen, es mit einer gewaltigen Armee zu tun zu haben. Die Notwendigkeit einer Zusammenfassung aller positiven Kräfte im Judentum wurde in Konferenzen unserer bedeutendsten Männer aus Ost und West erschöpfend behandelt und führte im Jahre 1912 zur Tagung von Kattowitz. Dort fand sich die Elite der Judenschaft aus dem Osten und Mitteleuropa und unter der Führung des Brisker Raw ges. A. und des Oberrabiners Breuer von Frankfurt, wurde der Grundstein zur Aguda ge legt. Wenn auch dort die Geister aufeinander prallten, so er gaben die Differenzen doch zur Evidenz, daß die ganze tausend köpfige Versammlung, die Millionen Juden vertrat, einig darin sei, daß das Judentum sich nur weiter erhalten könne durch strenges Festhallen an der Lehre Moses und des Talmud. Die vorbereitenden Arbeiten zu einer Weltversammlung der Aguda wurden durch den Krieg unterbrochen, dessen furchtbarer Verlauf, dessen für Zentraleuropa direkt zerstörend wirkendes Ende, jeden Gedanken an eine spezielle Betätigung zurückdrängen mußte. Die starke Organisation der Zionisten konnte sich auch während des Krieges fortentwickeln. Heute, wo zu hoffen ist, daß doch in absehbarer Zeit der Weltverkehr wieder in normale Bahnen gelangen wird, wo das Elend uns so tief heruntergebracht hat, daß es eben nicht weiter gehen kann und endlich eine Besserung eintreten muß, ist es unsere Pflicht, die Organisation einzuleiten, tatkräftigst zu fördern und auf eine gesunde Basis zu stellen. Die Weltkonferenz im März vorigen Jahres in Zürich abgehalten, war leider nur ein Rumpfparlament, nachdem die Beschickung aus dem Westen und Osten nicht komplett sein konnte. Nichtsdestoweniger war die von Delegierten aus 17 Ländern beschickte Versammlung eine imposante Kundgebung der Orthodoxie, welche die Gründung von Aguda-Zentralen in nahezu allen Ländern zur Folge hatte. Die ganz speziellen Wiener Verhältnisse haben retardierend eingewirkt und es ist höchste Zeit, daß sich Wien in den Ring der Aguda-Zentralen einfügt und mit verdoppelter Kraft das Versäumte nachholt. Wien als der zentralste Punkt der jüdischen Bevölkerung Europas ist das gegebene Verbindungsglied zwischen den Juden von Nord und Süd, Ost und West. Zudem führt der Weg nach Palästina, sowie aus dem Osten nach den überseeischen Ländern durch Wien. Die Zahl der zu beratenden Brüder dürste in Bälde ins Unendliche steigen und dabei eine Einflußnahme auf deren Richtung von größter Wichtigkeit sein. Die Verhältnisse der jüngsten Jahren haben es mit sich gebracht, daß der im Jahre 1913 in Wien gelegte Keim zur Gründung der Aguda gänzlich erstickt ist und die ganze Arbeit von Neuem begonnen werden muß. Nur noch einige Worte über die Ziele der Aguda. Die Aguda hat in erster Linie zum Ziele, die gesamte zer- -strwte JnLenschgft^ soweft' sie-thoratre» iftzusauvneMlfaffen zur Arbeit im Interesse der Förderung der Religiosität. Hiezu ist in erster Linie eine großzügige Förderung des Thorastudiums notwendig. Die soll geschehen durch Unterstützung der durch den Krieg in Trümmer gelegten Jeschiwaus. Durch großzügige Hilfeleistung in Notfällen. Die zahllosen Millionen, welche die Orthodoxie jahraus, jahrein für Wohlfahrtsinstitutionen, speziell für Palästina aufwendet, haben wohl einen glänzenden Effekt, jedoch kennt die Welt den Umfang der Wohltätigkeit dieser Kreise nicht, weil sie leider aus Bescheidenheit eben von ihrer Tätigkeit zu wenig Aufhebens macht. So kommen erst in jüngster Zeit die Wiener modernen und zionistischen Kreise darauf, daß die Wiener Orthodoxie, obgleich sie nur ein Viertel der jüdischen Bevölkerung ausmacht, obwohl die Milliardäre nicht zur selben zählen, relativ unendlich mehr auf dem Gebiete des Wohltuns leistet als alle anderen jüdischen Kreise. Bei allen Gelegenheiten, wo die orthodoxen Kreise in Wohlfahrtsangelegenheiten mit anderen Kreisen zusammen arbeiten, zeigt es sich, daß die Orthodoxie in ganz anderer Weise Zdoko übt. Vor allem ist ein Vorzug des orthodoxen Wohltuns die Raschheit, mit der zugegriffen wird, wo sich ein Bedürfnis ergibt, auf die Gefahr hin, hie und da einmal einen Betrag falsch angewendet zu haben, der Fall aber ganz ausgeschlossen ist, daß ein Lungenkranker stirbt, bevor die Recherchen erledigt sind, ob er wirklich Milch brauchte. Ein weiterer wichtiger Teil der Tätigkeit der Aguda soll der Palästinaarbeit gewidmet sein. Solange die türkische Regierung die Einwanderung nach Palästina verboten oder ungemein erschwerte, war eine produktive Tätigkeit in Palästina unmöglich und die Orthodoxie zog es vor, ihre Tätigkeit wichtigeren Dingen zuzuwenden. Speziell in bezug auf momentane Hilfe wird die Orthodoxie fortwährend im höchsten Maße in Anspruch genommen, während besonders die zionistischen Organisationen für Gegenwartsarbeit keine Gelder zur Verfügung haben. Nachdem wahrscheinlich England in Palästina herrschen wird, dem zufolge die freie Einwanderung gestattet sein wird, tritt das uralte biblische Gebot der Besiedlung Palästinas wieder in Geltung und niemand hat mehr Interesse

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