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Jüdische Korrespondenz · 1920-01-16 · 3 (16.1.1920) · page 4

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
6 (1920)
Issue
3 (16.1.1920)
Date
1920-01-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Jüdische Korrespondenz Nr. 3 eigene Organisation und in unsere eigenen Kräfte Vertrauen haben und nicht in Kompromisse, denn die Vergangenheit hat uns gezeigt, wohin dieselben führen. An dritter Stelle wird von der Begrenzung der Mandatarmacht gesprochen. Begrenzung, was die Zeit anbetrifft, zum Beispiel zehn Jahre. Die Dauer kann auf Wunsch des jüdischen Volkes geändert werden. Die Funktionen der Mandatarmacht könnten bestehen in der Ueberwachung des Jüdischen Rates, Garantie und Ueberwachung der Unversehrtheit des Gebietes, Ueberwachung der Anwendung des Statutes, die nichtjüdischen, ethnischen und religiösen Minderheiten betreffend, die Ueberwachung der heiligen Stätten. Ueberwachung will nicht Einmischung sagen, noch Vetorecht, sondern Beratung, Anleitung. Unter heiligen Stätten verstehen wir nur die Denkmäler der religiösen Verehrung, nicht aber die Orte und Städte, wo sich dieselben befinden. Viertens: Was ist Palästina gegenwärtig? Wenn unser Standpunkt angenommen wird, so fallen alle anderen Vorschläge von selbst fort. Wenn aber die Vorschläge unverändert bestehen bleiben, so ist Palästina eine englische Provinz. Nicht einmal eine Kolonie. Wenn die Regierung England anvertraut wird, so ist es Herrin von Palästina, was durch folgendes Zitat bestätigt wird: „Palästina wird unter solche politische, administrative und ökonomische Bedingungen gestellt werden, die zuletzt die Schöpfung eines autonomen „Commonwealth" erlauben." Man bemerke die Zukunftsform „wird" und „zuletzt". Und das Wort „autonomer Commonwealth* scheint alles und nichts besagen zu können. Weiter ist gesagt, daß „die Mandatarmacht die jüdische Immigration begünstigen wird". Also Kontrolle der Immigration. Es ist ein öffentliches Geheimnis, daß weder der Rat der Fünf, noch England einen jüdischen Rat wünschen. Das soll die Schuld der jüdischen Plutokratie sein, die für ihre Rechte in der Diaspora fürchtet. Auch sind viele Assimilanten einer Lösung der Palästinafrage von Grund aus feindlich gesinnt. Aber wenn wir Konzessionen machen wollen, können wir gleich unser ganzes Werk aufgeben. Wir müssen an dem Jüdischen Rat festhalten. Das Memorandum selbst ist zögernd, was diesen Punkt anbetrifft. Es sieht vor, daß „das Hebräische eine der offiziellen Sprachen sein wird". Wir können verstehen, daß das Arabische als offizielle Sprache anerkannt wird. Aber wir glauben nicht, daß, wenn die Rolle des englischen Militärs nach Friedensschluß ausgespielt sein wird, wir des Englischen als offizielle Sprache bedürfen. Ein anderer Punkt, die Einbürgerung betreffend, sieht eine Probezeit vor. Warum hat man nicht die sofortige Einbürgerung auf eine geschriebene Erklärung hin, wie es im Elsaß üblich ist, gefordert? Dies ist eine Frage politischer Nützlichkeit und hätte für die sofortige Schaffung einer Mehrheit in Palästina die größte Bedeutung. Und dann werden wir mit englischem Passe reisen? Wir fordern einen palästinensischen Paß. Alles andere weisen wir zurück. Bei einer aufmerksamen Prüfung der Finanzklauseln sieht man, daß England die vollständige Herrin von Palästina ist. Der Jüdische Rat wird nur das Recht haben, mitzuarbeiten, zu beraten, ohne irgendwelche Macht. „Wenn die Mandatarmacht urteilen wird, daß die Bewohner Palästinas fähig sind, die Errichtung einer vertretenden und verantwortlichen Regierung aus sich zu nehmen, sollen die nötigen Maßnahmen getroffen werden, um die Errichtung einer solchen Regierung möglich zu machen" heißt es, also nur der gute Wille Englands wird die Stunde der Selbständigkeit Palästinas bestimmen und nicht der Wille des jüdischen Volkes. _ Die Agudas Iiftoel in Skandinavien. Aus Kopenhagen wird uns geschrieben: Die religiöse Bewegung unter den Juden Skandinaviens hat in den letzten Jahren mächtige Fortschritte gemacht und man kann ohne Uebertreibung sagen, daß dieselbe unter den jüdischen Richtungen die erste Stelle einnimmt, sowohl in zahlenmäßiger, als auch in geistiger Hinsicht. Die ersten Fundamente für die Agudas Jisroel in Skandinavien legte Seine Ehrwürden Herr OberrabbinerDr. Winkler in Kopenhagen, dem es dank seiner stillen aber eifrigen Arbeit gelungen ist, das religiöse Gefühl sowohl der einheimischen, als auch der zugewanderten Juden in Dänemark zu heben und zu stärken. Einen mächtigen Auffchwung nahm aber die Organisation Agudas Jisroel seit dem kraftvollen Eingreifen des Herrn Julius Holländer, der weder Zeit und Mühe noch materielle Opfer scheute, um die Sache des unverfälschten Judentums zu fördern. Ein Mann von seltener Tatkraft, ein hinreißender Redner von zündender Wirkung, ein schneidiger Debatter, ist es Herrn Holländer gelungen, im Laufe einer verhältnismäßig kurzen Zeit das Gros der Juden in Kopenhagen uud Dänemark um die Fahne der Agudas Jisroel zu scharen. Vor kurzem hat Herr Holländer auch eine Propagandareise nach Stockholm, Malmö und andere Städte Schwedens unternommen und überall gelang es ihm, das religiöse Gefühl zu wecken und Ortsgruppen der Agudas Jisroel ins Leben zu rufen. Ein großes Interesse widmet Herr Holländer der „Siedelungs- und Handelsbank für Palästina", deren Gründung die orthodoxe Weltkonferenz in Zürich beschlossen hat und seinen Bemühungen sowie seinem voranleuchtenden Beispiel ist es gelungen, derselben große Kapitalien zu erwerben. Ueber Initiative des Herrn Oskar Frostig ist die Gründung einer orthodoxen Kolonie in Palästina unter dem Namen „Jeschuas-Jisroel" beschlossen und in Angriff genommen worden. Ein großer Teil des nötigen Kapitals ist bald aufgebracht worden und die Erwerbung des Bodens und die Besiedelungsarbeit wird vor sich gehen, sobald die Verhältnisse in Palästina dies zulassen werden. Auch diese Aktion hat der energischen Förderung seitens des Herrn Holländer vieles zu verdanken. _ Z'foni. Die deutschen Juden im Leer. Den deutschen Antisemiten ist es gelungen, das amtliche Material über die am i. November 1916 vom preußischen Kriegsministerium veranstaltete Statistik der deutschen Kriegsteilnehmer (Juden) zu „erlangen", das heißt, wenn ihre Behauptung richtig ist, zu entwenden. Die konservativ-antisemitische Presse kündigt eine Broschüre darüber an, und die „Kreuzzeitung" sowie andere Blätter haben bereits Artikel veröffentlicht, in denen anscheinend das Material dieser Statistik verwertet worden ist. Danach sollen sich Anfang 1917 befunden haben: beim Feldheer: 27.615, in der Etappe: 4752, im Besatzungsheer: 30.005, also zusammen: 62.272 Juden. Außerdem sollen weitere 15.999 bereits ausgemustert gewesen sein. Dazu wird bemerkt: Im günstigen Falle kann also davon gesprochen werden, daß von den 566.999 Juden in Deutschland 76.271 für den Heeresdienst für tauglich befunden worden sind. Nach der jüdischen Behauptung soll jeder fünfte Jude eingezogen worden sein, also 20 Prozent, während in Wirklichkeit nach fast zweieinhalb Kriegsjahren nur jeder neunte Jude im Heeresdienst stand, das macht also 11 Prozent der Juden aus. Der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hat zur Prüfung der schon früher erhobenen Beschuldigung einer besonders großen Drückebergerei der Juden in jahrelanger mühsamer Arbeit ein sorgfältiges Material über die Beteiligung der deutschen Juden am Kriege gesammelt und in einer kleinen Schrift „Die Juden im Heer" zusammengestellt. Er erklärt auf Grund dieses Materials die antisemitischen Angaben für wissentlich unwahr und für eine schamlose Täuschung der Oeffentlichkeit und stellt fest: „1. Die Statistik vom 1. November 1916 war mehr als laienhaft; sie stellte nur ein Momentbild dar. So wurde, wer schwerverwundet im Lazarett lag, als Heimatkrieger, wer nach jahrelangem Frontaufenthalt g. v. in der Etappe war, als etappenzugehörig aufgeführt. 2. Selbst bei Unterstellung der Richtigkeit des antisemitischen Ziffernmaterials ergibt eine Kriegsteilnehmerzahl von 76.007 von 666.999 Gesamtzahl nicht 11 Prozent, wie die antisemitische Rechenkunst fertiabringt, sondern rund 14 Prozent! 3. Anfang 1919 hat eine sorgfältige statistische Erhebung auf Grund von für 1914/15 abgeschlossenen, für die späteren Jahre noch nicht ganz vollständigen Personalkarten durch Vermittlung der jüdischen Kultusgemeinden ergeben, daß 96.638 deutsche Juden Heeresdienste geleistet haben. Diese Zahl hat sich nach dem inzwischen fast vervollständigten Material auf über 100.000 erhöht. 4. Der Prozentsatz der jüdischen Kriegsfreiwilligen beträgt über 20 Prozent. Die Zahl der jüdischen Frontkämpfer entspricht der ihrer christlichen Kameraden. 5. Die Zahl der mit dem E.K.I. ausgezeichneten jüdischen Kämpfer beträgt nach den bisherigen Ermittlungen 896, die der zu Offizieren befördeM" zwischen 2000 bis 2290. 6. Bei der von den Antisemiten genannten Zahl von 566.999 Juden in Deutschland — nach der letzten Zählung 1910 waren es sogar (Fortsetzung auf Seite 6.)

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