Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 6 (1920)
- Issue
- 1 (2.1.1920)
- Date
- 1920-01-02
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 1 Jüdische Korrespondenz Seite 5 JUGENDGRUPPEN -BEIBLATT Sonntag, den 4. Jänner 1920, 10 Uhr vormittags, findet die zweite Mitgliederversammlung der orthodoxen Jugendgruppe statt. Die Leitung. Danksagung. Aamens der Hier weitenden «nd zur Keimreise bereiten Walästirreuser Kriegsffüchtlinge dankt die Unterzeichnete Bereinigung dem ehemaligen ßhef der later Alliied food Comission, Mr. C. K. Buttl er, für die Spende von K 30.000, dreißrgtansend Kronen, welche er uns durch seinen M rüder Mr. Ralph Buttler in Hochherziger Weise zukommen ließ. Per edte Spender, der für orthodoxe Aktionen stets wärmstes Interesse Sekunder und unsere sozialen ArSeiten auch bisher tatkräftig gefördert Hat — war er es doch, dem wir die Aeisteknng von Lastautos und Leöensmitteln bei den bisher vom Wreßburger Kollel unter tatkräftiger Mithilfe des Kräutern Anna Lorbeerbaum gesandten Keiwkehrer-Gransporte und für die Lainzer Aktion verdanken — hat verfügt, daß die Kälfte des Metrages für die Waschinenaktion, die zweite Kälfte für andere Ausgaben anläßlich der bevorstehenden Transporte verwendet werde, Aas Geld wurde von Sr. Khrw. Kerrn HlaSSiner IosefWaumgarten, demH*roLektorder hiestgen Balästma- Ktüchtlinge, Kräutern Anna Lorbeerbaum, der unerschrockenen, selbstlosen, uneigennützigen und erfolgreichen Arbeiterin für das Wohl ihrer Landsleute, und Kerrn KmanuelKelsenöurg, dem Leiter unsererWaschinensektion, übernommen. Are Leitung der orthodoxen Ingendgruppe. Heidentum rm Judentum. <Auszug aus einer Rede des Dr. B. Feßler bei der Chanukkahfeier der orthodoxen Jugendgruppe.) Alle jüdischen Feste führen bloß einen Namen; nur das Chanukkahfest erfreut sich eines zweiten Namens: Makkabäerseier. Die besondere Gunst, welche gerade dieser jüdischen Feier von Seiten der Nurnationalen zuteil wird, stammt wohl daher, daß diese Feier an Geschehnisse anknüpft, die von den nationalen Theoretikern in unschöpferischer Nachahmungsanalogie interpretiert werden. Endlich sei man auf ein Ereignis in der jüdischen Geschichte gestoßen, welches ein natürliches Bild von einem nationaljüdischen Freiheitskampf aufrollt... Nun sollte aber den Reinnationalen nach einem Weltkriege, in welchem das Prinzip der „starken" Minorität so schmählich Schiffbruch erlitten hat, doch endlich ein Licht über den unüberbrückbaren Gegensatz zwischen Judentum und Heidentum anfgehen. Denn der Heide sagt: G'tt marschiert mit den starken Bataillonen; der Jude aber spricht: G'tt marschiert mit den gläubigen Bataillonen. Redner habe der Festrede des Oberrabbiners Dr. Chajes in einer Makkabäerfeier zugehört, in welcher Herr Dr. Chajes die Jugend zur Abkehr von einem seichten Nationalismus und zur Rückkehr zum alten jüdischen Geiste aufforderte. Dr. Chajes ist ein ehrlicher Mensch und ein begeisterter Jude, aber wie übrigens die führenden Kulturzioniften: Achaad-Haam und Buber unkonsequent in der Theorie. Achad-Haam sieht den großen nationalen Wert des Sabbat ein; er prägte den schönen Satz: „Joser mischeschimru Hajehudim es haschabos schomrim“ und doch setzt er sich in Theorie und Praxis über die Sabbatgebote hinweg. Ebenso Buber, trotzdem er so tiefsinnig von dem „Pathos der Forderung" und der „Idee der Tat" spricht... Da die Juden den Monotheismus mit den christlichen, die Moralgesetze mit fast allen Kulturvölkern (?) gemein haben, so kann der Geist des Judentums nur in der heiligen jüdischen Dreieinigkeit des Jüdisch-Denkens, Jüdisch-Fühlens und Jüdisch-Handelns zum Ausdruck kommen. Die Orthodoxie möge sich von den Zionisten das Jüdische, nämlich den Palästinagedanken, zu eigen machen, müsse aber die heidnische Wurzel ihrer Ideologie schärfstens bekämpfen. Der Jugend Bekenntnis zur Thora. (Auszug aus einem bei der Chanukkahfeier der orthodoxen Jugendgruppe gehaltenen Vortrag.) Wenn allgemeine, politische, kulturelle oder soziale Probleme von einem religiösen Juden behandelt werden, so begegnen wir oft dem Bestreben, den Zeitgeist in der Thora zu begründen. Nicht die herrschenden Ideen und Prinzipien werden untersucht, ob sie im Rahmen der Thora möglich sind, die Prinzipien werden anerkannt, die Ideen akzeptiert und erst nachher ist man bemüht, sie mit der Thora iu Einklang zu bringen. ... Kann uns dieses Anpassenwollen der Thora an den Zeitgeist wunder nehmen? Nein! Den Anschauungen der Umwelt begegnen wir täglich, ja stündlich, wenn wir eine Zeitschrift, ein Buch zur Hand nehmen, wenn wir eine Rede hören, ja selbst wenn wir plaudern, und ist es ungemein schwer, ohne Gegenmittel sich dieses Einflusses zu erwehren. Es kann aber das tägliche ein- bis zweistündige Thoralernen und dies oft nur oberflächlich, ohne daß wir uns in den Geist derselben vertiefen, ein entsprechendes Gegengewicht sein. Allerdings ist das streng jüdische Leben gepaart mit dem bescheidenen Maße von Thorastudium, wie es die schweren Lebensbedingungen gestatten, geeignet, unsere Emuna zu kräftigen. Einen wirksamen Schutz gegen das Eindringen unjüdischer Ideen bildet aber nur die Belehrung jener Männer, deren ganzes Leben dem Thorastudium gewidmet ist. Nicht ein Programm will und soll ich hier entwickeln, als ein Bekenntnis bitte ich sie meine Worte auszufassen, als das Bekenntnis der orthodoxen Jugend zur Thora und zu deren Trägern ... ... Fortschrittlich wollen wir sein, fortschrittlich in dem Sinne unserer Weisen, die den Frommen als Haulech bezeichnen, fortschreiten wollen wir in der Selbstveredlung. Unsere Grundsätze bleiben jedoch unverändert... ... Die Agudas Jisroel, die sich die Lösung der jüdischen Gesamtheitsaufgaben im Geiste der Thora zum Ziele gesetzt, hat, um ihr Programm wirklich im Geist der Thora und nicht im Sinne des mit einem Thoramäntelchen umhüllten Zeitgeistes zu lösen, als erste Einrichtung, den Waad Harabanim geschaffen. Der rabbinische Rat ist gleichsam die Marke der Aguda, der Waad Harabanim drückt der Aguda den Stempel einer Kenessioh schehi leschem schomajim auf. Dies bietet uns gleichzeitig eine Gewähr dafür, daß die Aguda eine Zukunft hat, denn Kol Kenessioh schehileschem Schomajim saufoh lehiskajem. Agudas Jisroel ist keine Partei, keine Organisation; Agudas Jisroel ist ein Programm, die Unterordnung unter die Träger der Thora. Diese Unterordnung wird uns um so leichter, als das Judentum keine Hierarchie kennt, sondern R. Jochanan hasandler der Schuhmacher, R. Jizchok nafcha der Schmied, In keinem orthodoxen Hanfe fehle die „Milche fiorrefpondenr" Spendet für den fonds für durchreifende Wchtlinge und Wegsgefangener