Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 5 (1919)
- Issue
- 43 (21.11.1919)
- Date
- 1919-11-21
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 43 Jüdisehe Korrespondenz Seite 7 (Fortsetzung von Seite 4.) fest, daß dort eine große Anzahl Juden leben, sie sind glücklich und zufrieden. Sie genießen in Grusien nationale Personal- Autonomie und es gibt dort in der Person des Herrn Herzmann einen Minister für jüdische Angelegenheiten. (Bom Kriegswaisenfonds der Agndas Jisroel.) Für den Kriegswaisenfonds der Agudas Jisroel wurden bisher durch die jährliche Selbstbesteuerung und durch Spenden in Deutschland 850.000 Mark und in der Schweiz 50.000 Franks aufgebracht. Die Sammlung ist noch nicht abgeschlossen. Im Hinblick auf das unermeßliche Elend der Juden Osteuropas, zu dessen Linderung rasche Hilfe und reichliche Mittel dringend benötigt werden, erläßt, wie wir dem am 6. November erschienenen „Haderech" entnehmen, das Zentralbureau der Agudas Jisrol Zürich einen Aufruf, bei jeder Gelegenheit des Waisenfonds der Agudas Jisroel eingedenk zu sein und für diesen Zweck in ausreichender Weise zu spenden. (Der Schah «ud die perfischen Juden.) Bei seiner letzten Durchreise durch Konstantinopel empfing der Schah von Persien den türkischen Oberrabbiner in Audienz. Während der Audienz, welche eine halbe Stunde dauerte, sprach der Schah in lobenden Ausdrücken über die Juden in Persien, welche, wie er sagte, dank des Schulwesens, das sie erhalten, Fortschritte machen und welche zu dem Fortschritt Persiens beitragen. Er fügte hinzu, daß er sich immer auf die Loyalität seiner jüdischen Untertanen verlassen könne. (Franz Josef und die Juden.) In einem Feuilleton des „Neuen Wiener Journal" bespricht Egon Dietrichstein die vor kurzem erschienenen „Erinnerungen und Schilderungen aus den .nachgelassenen Papieren eines persönlichen Ratgebers Franz Josefs" und berührt hierbei auch das Verhältnis des verstorbenen Kaisers zum Judentum. Es heißt dort: „Daß Franz Josef ein Judenfreund war, will der Hofchronist durch dessen eigene Aeußerung Nachweisen: Bei einer Familientafel in Ischl sei einmal eine unstandesgemäße Konversation über die Wohltätigkeit der Juden geführt worden, man sprach über Sir Moses Montefiore, den französischen Großrabbiner Zadoe Kahn, und der Kaiser brachte hiebei die Gesellschaft durch überaus lobende Aeußerungen über die Spitalstiftung von David und Regina Pollak in Verlegenheit. Seine Hoheit Prinz Waldemar von Dänemark war über solche peinliche Glaubensbekenntnisse Franz Josefs so fassungslos, daß er den vom spanischen Zeremonienmeister anbefohlenen Respekt vergaß und sich erkundigte, „ob Majestät vielleicht ein Philosemit wäre", worauf der Kaiser die Mitteilung machte: „Freilich bin ich es. Und mit gutem Grunde! Waren doch die Päpste seit jeher die besten Beschützer der Juden. Und sollte ich da katholischer sein als der Papst?" . . ." (Die Zahl der Inden.) Die Zahl der Juden wird nach elner Statistik für Ende 1919 auf 15,530.000 geschätzt. Diese verteilen sich auf folgende Länder (Zahlen in Millionen): Polen ...... 3 3 Großarabien . . . . 013 Ukraine. 33 Griechenland . . . . 012 Vereinigte Staaten . . 31 Niederlande . . . . Oll Rußland und Sibirien 09 Marokko. Oll Rumänien. 065 Argentinien . . . . 01 Deutschland . . . . 054 Kanada . 01 Tschechoslowakei: . . 045 Türkei. 01 Ungarn. 0 45 Palästina. 01 Litauen. 035 Sonstiges Europa . . 02 Großbritannien . . . 03 „ Amerika. . 003 Deutschösterreich. . 03 . „ Asien . . 01 Jugoslawien . . . . 02 „ Afrika . . 017 Frankreich. 015 Australien . 002 Algier und Tunis . 015 (Forschungen eines jüdischen Gelehrten.) Ein ungarischer Jude hat sich, wie der „Pester Lloyd" meldet, in englischem Dienste große Verdienste erworben. Es ist dies Sir Aurel Stein, der Sohn eines gewesenen Budapester Kaufmanns und Neffe des einstigen Magnatenhausmitgliedes Dr. Ignaz Hirschler. Stein, der viele Jahre als Oberstudiendirektor in Indien tätig war, hat große Entdeckungsreisen unternommen, und eben jetzt haben im Britischen Museum die kostbaren Manuskripte und Kunstschätze Aufstellung gefunden, die er in Ost-Turkestan, in der Nachbarschaft der Wüste Gobi, in den unterirdischen Tempelbauten der Tausend Buddhas entdeckt hat. Er hat dort mehrere tausend Manuskriptrollen gefunden, die seit dem Jahre 1035 in der Verborgenheit geruht hatten, und sich wegen der außerordentlichen Trockenheit des Landes in einem vorzüglichen Erhaltungszustände befinden. Die Handschriften stammen aus der Zeit von 400 bis 1000. (Die jüdischen Soldaten und der Titusbogen.) Eine merkwürdige Frage, so wird der „Frankfurter Zeitung" aus Rom berichtet, ist anläßlich der Siegesfeier des italienischen Herres aufgetaucht und ursprünglich auf den 4. November geplant war, aber dann wegen der Parlamentswahlen vorläufig verschoben worden ist. Den Höhepunkt der Feier soll eine Veranstaltung historisch-römischen Charakters bilden, die Abordnungen des italienischen Heeres sollen vom Konstantiusbogen aus am Kolosseum vorbei über die Via sacra des Forums znm Kapitol ziehen. Schon sieht man einen breiten hölzernen Laufsteg vom Bogen des Septimus Severus nach dem kapitalistischen Hügel errichtet. Der Zug muß, um aufs Forum zu gelangen, in Südosten den Bogen des Titus passieren, der die Eroberung von Jerusalem verherrlicht und auf dem linken inneren Relief den Zug der im Triumphe geführten Juden mit der Beute aus dem Tempel von Jerusalem zeigt, dem siebenarmigen Leuchter, dem Schaubrot-Tische und den Schofar-Posaunen. Nun veröffentlicht das „Giornale d'Jtalia" die Zuschrift eines christlichen Lesers, die Juden hatten geschworen, niemals durj diesen Bogen, der zur Erinnerung an die Schmach ihres Volkes errichtet wurde, hindurchzugehen, und man könne doch nicht den jüdischen Soldaten, die ihre Pflicht gegenüber ihrem italienischen Vaterland erfüllt haben, so etwas zumuten. Die Sache wird wohl damit enden, daß man den jüdischen Soldaten es anheimstellen wird, ob sie sich an dem Zug beteiligen. Für den in Italien herrschenden Zug der Toleranz, in einer Zeit, wo fast in allen Ländern eine üppige neue Blüte des Antisemitismus zu beklagen ist, bleibt die kleine Zuschrift aber bezeichnend. Sonntag, den 23. November, nm halb 11 Uhr vormittags, findet im Bet Hamidrasch, IL, Große Schiffgaffe 8, X. Stock, die Generalversammlung des Vereines „TifereS Bachurim" statt. Tagesordnung: 1. Eröffnung und Begrüßung durch de« Borfitzenden; 2. Rechenschaftsbericht; 3. Bericht der Revisoren; 4. Wahl des Vorstandes; 5. Eventuelles. mmmmmmammmmmaammmamamaoammmaam Der goldene Tisch. (Nach dem Talmud). Die Frömmigkeit des Rabbi Chanina Ben Dotha war so groß, daß die Seligen in Abrahams Schoß ihre Freude daran hatten; allein er war arm und hatte oft für sich und seine Frau kaum den Bissen trocknen Brotes. Ja, oft mußten beide mit einem einzigen Laibe Brot die ganze Woche Haushalten. Ihn kümmerte das wenig, denn er lebte ganz seinen Büchern und Andachtsübungen. Aber Frummit, so hieß ferne Gattin, stammte aus einer vormals reichen Familie und war ebenso stolz auf ihre Abkunft als auf die weit und breit berühmte Frömmigkeit ihres Gatten, und es verdroß sie, daß ihre Nachbarinnen besser als sie lebten, da sie weder Rabbinerfrauen noch Töchter reicher Familien waren. — Wochentags, wenn sie nichts zu kochen hatte, diente die Frömmigkeit ihres Mannes ihr zum Vorwände, und sie sprach: Mein Mann fastet von einem Sabbat zum anderen und ist so strenge, daß ich nie vor Freitags etwas kochen darf.' Nahte aber der Sabbat, so tat sie sehr geschäftig, um die Nachbarinnen glauben zu machen, sie koche wunder welch ein Mahl. — Sie machte ein großes Feuer an, daß die Funken zum Schlote herausstoben, lief mit einem großen Korbe auf den Markt, fragte nach allem, ließ sich alles zeigen und fand nichts, was ihr anstand. Wenn sie dann hermkehrte, ohne etwas gekauft zu haben, so stellte sie sich vor die Tür und rief die Höker an, welche ihre Waren durch die Straßen feilboten, mit denen sie es ebenso machte wie auf dem Markt. Den größten Teil des Schabbes aber stand sie vor der Tür und stocherte sich die Zähne, und wenn sich eine Nach-