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Jüdische Korrespondenz · 1919-11-21 · 43 (21.11.1919) · page 5

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
5 (1919)
Issue
43 (21.11.1919)
Date
1919-11-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 43 Jüdische Korrespondenz wt Seite 5 JUGENDGRUPPE-BEIBLATT Unsere Bibliothek. Mit der Entwicklung einer jeden Bewegung und Organisation steht fast immer die Schaffung und Verbreitung einer eigenen Literatur in engster Verbindung. Anders ist es bei uns. Eine längst bestandene, unser gesellschaftliches und privates Leben bis zur letzten Konsequenz beherrschende G-tteslehre hat die in allen Teilen der Welt verstreuten Anhänger derselben und Diener ihres Schöpfers in jenen Zusammenhang gebracht, der uns trotz der beträchtlichen/ zeitlichen und großen räumlichen Unterschiede bis auf den heutigen Tag als ein Goj echod, als ein einig einziges Volk dastehen 4äßt. Was das Achduth- und Erewusgefühl nach innen hin zur Genüge bewirkt hat, mußte nun durch einen Zusammenschluß mit allen Formen, die einmal die Zeit mit sich bringt, nach außen hin ergänzt werden. Was nun in der äußeren Form so stark zum Ausdruck kam, konnte auch nicht ganz ohne Rückwirkung auf die innere Entwicklung des jüdischen' Lebens bleiben. Füllten bisher Lernen und Erforschen unserer heiligen Lehre in ihrer ureigenen Form das ganze Geistesleben unseres Volkes aus, so machten Umgebung und Zeiteinflüsse, die die Vorbedingungen für die Aneignung jüdischen Wissens und Geistes auf alter Methode erschwerten, eine in echt jüdischem Geiste und der Landessprache gehaltene Literatur notwendig. Heute schon ist sie uns unentbehrliche Selbstverständlichkeit. Die Jugendgruppe hat dieser Notwendigkeit, soweit dies nur möglich war, Rechnung getragen. Neben einer stattlichen Zahl der verschiedensten Seforim haben wir auch eine vorläufig noch kleine deutsche Bücherei angelegt, in der schon ein ansehnlicher Teil der im Sinne unserer Tauroh hakdauschoh gehaltenen deutschen Bücher Platz gefunden hat. In dem beschränkten Raum oft kleiner Bände findet sich hier viel Erbauliches und Erhebendes. Wohl manchem mag das eine oder das andere Werk Rabbi Samson Raphael Hirschs, des Altmeisters deutscher Sprache und jüdischen Geistes, den Born jüdischer Lehre und Lebensauffassung in seiner ganzen kraftverleihenden Fülle erschlossen haben. Wohl bei keinem, der die durchgeistigten, erhebenden und von einer „Jüdischkeit", die nur den Klang ihrer Worte selbst wiederzugeben vermag, erfüllten Schriften eines Dr. Natan Birnbaum und eines Isaak Breuer gelesen hat, sind dieselben ohne Wirkung geblieben. Die geistreichen, oft sehr scharfsinnigen Erklärungen und Auseinandersetzungen der jeweiligen Zeitftagen und sonstigen Probleme und ihrer Stellung zum orthodoxen Judentume im „Jeschurun", der regelmäßig eintrifft und dessen letzten Jahrgänge aufliegen, haben noch jeden interessiert und befriedigt. Sehr angenehm und lehrreich sind die verschiedenen Erzählungen und sonstigen Bücher. Was der deutsche Teil im kleinen, ist der hebräische im großen. Nebst der zu den Schiurim notwendigen zahlreichen Seforim finden sich hier einige seltene Werke, wie ein über 300 Jahre alter Midrasch Jalkut, ein hanhagath Hril und dergleichen mehr. Die zum „Lernen" notwendigen Seforim, wie Mischnajoth, Gemoroth, Schulchan Aruch und Erklärer, find oft doppelt und mehrfach vorhanden. Noch fehlt beiden Teilen viel. In unserem neuen Heim wird der Bibliothek ein gebührender Raum gegeben werden. Bis dahin wollen wir die Oeffentlichkeit und unsere Gruppenleitung mit der für die orthodoxe Jugend und ihre Erziehung so wichtigen Frage einer vollständigen Bibliothek, die vielleicht dann sogar zu einer Leihbücherei, die wir doch so sehr entbehren, ausgebaut werden könnte, nicht übermäßig beschäftigen. Wir wollen die Erfordernisse der zwar nicht minder Abhilfebedürstigen, doch aber weniger greifbaren geistigen Not, hinter die Anforderung, die das soziale Elend an alle stellt, reihen. Was wir aber schon jetzt, und zwar mit Nachdruck begehren wollen, die Not entschuldige den Ton, ist das, jene Seforim, Bücher, Zeitschriften und Sammlungen solcher, die unbenützt Schränke, ja sogar Räume füllen, aus ihrer Abgeschiedenheit, in der sie gar oft dem Mottenftaß preisgegebm sind, hervorgeholt und der Allgemeinheit gewidmet werden mögen. Es mag ja schließlich noch darüber zu sprechen sein, welche Rechte der Spender sich Vorbehalten kann, aber der Steuerung der geistigen Not sollen alle verfügbaren Behelfe unverzüglich dienstbar gemacht werden. Unsere Mitglieder aber mögen vorläufig die vorhandenen Bücher recht oft benützen, ein jeder wird noch etwas Wissenswertes, so mancher etwas Neues finden. Es soll uns ein Ansporn zur eiftigeren Arbeit für unsere Bücherei sein, wenn der Mangel der Unvollständigkeit auch empfunden werden sollte. Benützt und vervollständigt, beides soll unsere Bibliothek werden. ■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■ Aie Hrthodore Iugendgruppe nimmt Abonnements für die ,-Indische Korrespondenz" «nd de» „Kaderech" entgegen. Antisemitenbummel. Der sonntägige Antisemitenbummel auf dem Kai ist nunmehr zu einer chronischen Krankheit des Wiener Kultuslebens geworden. Wenn ein Fremder — etwa ein Amerikaner — nach Wien kommt, und für die hiesigen Sehenswürdigkeiten Interesse bekundet, so wird man ihn Sonntag Vormittag zur Marienbrücke führen, damit er das moralische Niveau kennen lerne, auf dem sich die hiesigen Deutschnationalen befinden. Unserem Ansehen im Auslande können diese bübischen Machenschaften wohl nicht viel nützen, das berührt aber die Antisemiten nicht weiter; sie haben die Antwort schon auf der Hand. Wenn sich das Ausland mit Ekel von uns abwenden wird, so ist eben der Jude schuld. Zur Steuer der Wahrheit soll es gesagt werden, daß der überwiegende Teil der Wiener nichtjüdischen Bevölkerung den Bummel verabscheut und verurteilt. Aber immer gibt es einige unverantwortliche Elemente, die es verstehen, Jünglinge durch Schlagworte, unter Ausnützung der heutigen traurigen politischen und wirtschaftlichen Lage für ihre Zwecke zu gewinnen. Wohlweislich hüten, sich diese Herren ihre Person in den Dienst, ihrer Pläne zu stellen und schicken halbwüchsige unreife Jungen, die sich ihres Tuns nicht bewußt sind. Bei aller Anerkennung für den Eifer der Jüdischnationalen, Gewalt mit Gewalt zu begegnen, scheint es doch nicht der Mühe wert, sich mit solchen Elementen, wie es die Demonstranten sind, einzulassen; es könnte den Eindruck erwecken, daß wir Händel suchen. In Wahrheit entspricht dies jedoch nicht dem jüdischen Volkscharakter. Die jüdische Jugend möge Reibereien, die unseren Gegnern nur erwünscht sind, vermeiden. Radaububen ausweichen, ist nicht Feigheit, sondern guter Geschmack. Wer aber den Kai passieren muß, und von einem Demonstranten insultiert oder beleidigt wird, der möge die gründliche Antwort nicht schuldig bleiben. G. Gedenket der Sektion für Krankenfiirforge der ortb. Iugendgruppe i Grobe Mittel erfordert untere Paläftina-flktfon. Jeder glaubenstreue Jude nimmt daran teil!

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