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Jüdische Korrespondenz · 1919-11-14 · 42 (14.11.1919) · page 3

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
5 (1919)
Issue
42 (14.11.1919)
Date
1919-11-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 42 Jüdische Korrespondenz Seite 3 Winkler ergreift nochmals das Wort, spricht sehr heftig gegen Hofbauer, oem er nochmals vorwirft, für die christlichsoziale Liste gestimmt zu haben. Diese Ausführungen rufen einen Sturm der Entrüstung hervor und der Vorsitzende rügt diese Ungehörigkeit. Hofbauer widerspricht entschieden dieser lächerlichen Beschuldigung. Winkler erzählt in einer persönlichen Bemerkung, Max Hofbauer hätte ihm gesagt, Herr Bernhard Hofbauer würde eher für die Christlichsozialen als für die Jüdischnationalen stimmen. Max Hofbauer erklärt diese ganze Erzählung für erlogen. Js. Austerlitz entschuldigt Winkler, als einen über Gebühr aufgeregten Menschen, der sich nur versprochen habe und sagen wollte, Hofbauer habe für die Christlichsozialen agitiert, nicht gestimmt. Der Vorsitzende erklärt, daß er diese Beschuldigung noch schärfer rügen müßte, was allgemeine Zustimmung erweckt. Gustav Pappenheim junior meint, daß man wohl unterscheiden müsse zwischen allgemeinen Wahlen und solchen in die Kultusgemeinde. Wenn vielleicht auch sonst jemand aus unserer Mitte mit den Nationalen gehen mag, so dürfe dies bei den Kultuswahlen, nicht der Fall sein. Die Nationalen wollen die Gemeinde in eine Volksgemeinde umwandeln, was gewiß nicht dem Wunsche eines wahrhaften Juden entsprechen kann, denn dies würde den Ruin des jüdisch-religiösen Lebens bedeuten, welches dann nur auf die Orthodoxie beschränkt wäre. Den Zwischenruf Winkler, daß dies den Trennungsorthodoxen, zu welchem sich Redner bekennt, ja nur recht sein kann, beantwortet dieser dahin, daß wir wohl von den Modernen getrennt sein wollen, uns aber fteuen, wenn sich auch die Neologen teilweise kulturell betätigen, was in einer Volksgemeinde nicht zu erwarten ist.. Es wäre somit der Standpunkt Hofbauer, der die Bekämpfung der Nationalen vor Augen hat, der richtige. Anders verhält es sich aber, wenn es sich darum handelt, daß' die Orthodoxie offiziell Vertreter in den Kultusvorstand entsenden soll. Hier müsse Redner fragen, was Orthodoxe in einer modernen Kahalstube zu suchen haben. Der Vater des Redners, Herr Wolf Pappenheim, hat davon gesprochen, daß sein Gefühl eine offizielle Wahlunterstützung von Leuten, die den Sabbat öffentlich entweihen, nicht zulasse; Hern Hofbauer hat ein Zusammengehen mit den Antinationalen praktisch richtig gefunden. Redner meint, daß alle Momente zurücktreten hinter der Rücksicht, die wir der Jugend schulden. Die Jugend hat heute den ungarischpreußischen Trennungsgedanken begreifen gelernt. Der Gedanke ist hier wichtiger als die Tatsache, und müsse man sich vor Augen halten, welchen Eindruck es bei der Jugend machen würde, wenn die Orthodoxie offizielle Vertreter in eine Korporation entsenden würde, deren Institutionen nicht traditionell gesetzestreu sind. Znm Schluffe meint Redner, daß es mit den Statuten der Adas Jisrol unvereinbar wäre, Vertreter in die Kultusgemeinde zu entsenden, nachdem deren Institutionen nicht auf dem Schulchan Aruch basieren, die Adas Jisrol statutengemäß aber den Zweck hat, nur für die Errichtung und Erhaltung von Institutionen im Sinne des Schulchan Aruch Sorge zu tragen. Dr. Reiniger erklärt namens des Vorstandes, daß der Vorstand die Frage des Kompromisses mit einer oder der anderen Partei, die Aufstellung einer eigenen Liste gemeinsam mit den anderen orthodoxen Korporationen oder aber vollständige Abstinenz wiederholt eingehend beraten habe und infolge verschiedener Umstände noch nicht zur Entscheidung gekommen sei. Es bitte darum die Resolution Hofbauer abzulehnen, damit der Vorstand vollkommen frei entscheiden könne. Hofbauer spricht nochmals für seinen Antrag. Es werden von S. Kohn, Lederer, Lemberger und Wosner verschiedene Resolutionsanträge vorgelegt. Der Antrag, im Vertrauen auf den Vorstand über alle Resolutionen zur Tagesrdnung überzugehen, wird mit großer Majorität angenommen. Kultusvorsteher und Landesschulrat Dr. Markus Spitzer dankt namens des Vorstandes der Kultusgemeinde dem Vorstande und. der Gesamtheit der Adas Jisroel. Die Leistungen derselben auf allen Gebieten des jüdischen Lebens seien nicht hoch genug anzuschlagen. Sie erfülle alle Aufgaben einer streng religiösen jüdischen Gemeinde in jeder Beziehung. Moritz Felsenburg dankt dem Vorstande für seine hingebende Tätigkeit und dem Vorsitzenden für die musterhafte Leitung der Versammlung. Vorsitzender dankt den Erschienenen für ihr lebhaftes Interesse an den Vereinsarbeiten. Besonderen Dank zollt er Herrn Kultusvertreter Dr. Markus Spitzer, der durch seine freundlichen Worte warmer Anerkennung aufs neue seine alte Sympathie für die Sache der Thora Hakdoscha bekundet. Antifeinitenburnmel M. 3. Sonntag, den 9. November 1919, zum dritten Male, veranstalteten die Deutschnationalen einen Demonstrationsbummel auf der Vorkaiseite des Franz Josef-Kai. Sie waren etwa 150 bis 200 Mann stark in kleinen Gruppen angerückt und promenierten zwischen Stefanie- und Marienbrücke. Da und dort sah man erregte Gruppen und drohend geschwungene Stöcke, wenn sich ein durch seine Tracht kenntlicher galizischer Jude in den Reihen verirrt hatte. Auf der Stadtseite des Kgis hatten sich zur gleichen Zeit einige hundert Jüdischnationale angesammelt, und auch sie schritten hin und her, immer in gleicher Höhe mit den Demonstranten an der anderen Seite. Es wurden Zurufe und Schimpfworts gewechselt und an manchen Stellen sah es so aus, als sollten die gegnerischen Massen aufeinanderstoßen. Aber beiderseits schritten inmitten der Demonstranten viele Sicherheits- und Stadtschutzleute, die immer dorthin eilten, wo es zu Zusammenstößen zu kommen drohte. Ohne kleine Plänkeleien ging es auch Sonntag nicht ab. Als die Stimmung sehr gespannt schien, ritt beiderseits mit den Demonstrationszügen ein kleinerer Kordon von Sicherheitswachen zu Pferde mit, der gleichsam die trennende Mauer bildete. Bei den Brücken ballten sich immer, wenn es zum Umkehren kam, die Züge zusammen, und die gereizte Stimmung drohte sich dann jedesmal zu entladen. Nach einstündiger Dauer wurde genau um die Mittagsstunde dem Bummel ein Ende bereitet. Die Berittenen und die Wache zu Fuße drängten die Deutschnationalen bei der Stefaniebrücke stromaufwärts gegen die Augartenbrücke. Zu gleicher Zeit drängten Wachen zu Fuße und zu Pferde die Jüdischnationalen gegen den Morzinplatz und in die Seitengassen des Kais ab. Das ging auf beiden Seiten nicht ohne Widerspruch vor sich, übte aber die gute Wirkung, daß die gegnerischen Massen getrennt waren. . Die Deutschnationalen zogen über den Schottenring ab und beim Schottentor kamen nur mehr wenige an. In den Nebengassen des Kaiviertels kam es zwischen kleineren Gruppen, die einander trafen, zu Plänkeleien und Scharmützeln, bei denen es auch Stockhiebe absetzte. Auch diesmal wurde eine Anzahl Arretierungen vorgenommen. Aus Deutschland. Aus Berlin wird berichtet: Die vom preußischen Kultusministerium kurz nach der Revolution erlassene Verordnung, wonach es zum Austritt aus einer Religionsgemeinschaft lediglich einer formlosen schriftlichen Mitteilung an den zuständigen Standesbeamten bedürfe, wird voraussichtlich demnächst außer Kraft treten. Die demokratische Fraktion hat der preußischen Landesversammlung einen Antrag zugehen lassen, der den Austritt aus den Religionsgemeinschaften wie folgt regelt: Der Austretende hat dem zuständigen örtlichen Vertreter seiner Religionsgemeinschaft entweder persönlich oder schriftlich in beglaubigter Form anzuzeigen, daß er austreten will, und der Vollzug des Austritts ist ihm alsdann innerhalb einer Frist von 4 Wochen zu bescheinigen. Die Steuerpflicht des Austretenden erlischt mit dem Ende des laufenden Steuerjahres. Diese Bestimmungen werden, wenn sie im Landtage, wie wahrscheinlich, zur Annahme gelangen, auch für die jüdischen

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