Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 5 (1919)
- Issue
- 41 (7.11.1919)
- Date
- 1919-11-07
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 41 Jüdische Korrespondenz Seite 5 g - ~ '■ -r;—■-r - — —- - ■ ■ ■ .-« g JUGENDGRUPPE-BEIBLATT! ZUM Jahrestag der Balfomschen Erklärung. Zum zweitenmal fährt sich der Tag, an dem die Deklaration Balfours erfolgte; jene Erklärung, die von ihrem allgemeinen Wert abgesehen, für die orthodoxe Jugend große Bedeutung hatte. Die religiöse Jugend, im aktiven jüdischen Leben stehend und sich im Judentum praktisch betätigend, hatte für Utopien und ideale Theorien, deren Verwirklichung weder durch die Tatsachen noch durch das Gotteswort verbürgt war, nicht Zeit noch Sinn. Als nun die Balfourschen Zusicherungen veröffentlicht wurden, glaubten viele die zionistischen Pläne erfüllt. Die Chibas Haarez, die ihnen von Kindheit auf täglich und stündlich eingeimpst worden war, machte einer leidenschaftlichen Begeisterung, einem Fanatismus Platz, der alle anderen jüdischen Empfindungen zu verdrängen drohte. So kam es, daß viele streng gesetzestreu erzogene Jünglinge infolge ihres Eintrittes ins nationalistischzionistische Lager vom Thora-Judentum unbewußt schrittweise abwichen. Heute, zwei Jahre nach der englischen Erklärung, ein Jahr nach Beendigung des Krieges, nachdem auch der Friedensvertrag in seinen Grundzügen fertiggestellt und die Territorialfragen fast erledigt sind, die Palästinasache aber noch ungeregelt ist, heute tritt an die Stelle dieses fanatischen ein reales Denken, welches mit der Wirklichkeit, mag sie auch nicht so rosenrot sein, wie man gerne möchte, rechnet. Die Folge davon ist, daß manche wieder den Weg zur Orthodoxie zurückgefunden haben. Sie haben eingesehcn, daß der richtige Derech jener ist, der von den Führern des Thvrajudentums der überwiegenden Mehrzahl der Talmide-Chachomim gewiesen wird, jener Derech, der schon Tausende Jahre besieht und, unabhängig von Politik, Weltordnung und anderen Zufälligkeiten und vergänglichen Umständen, ewig bestehen wird. Bericht über die erste Mitgliederversammlung. (Schluß ) Ignaz Löwy fragt an, zu welchem Ergebnis die Verhandlungen mit dem „Bikkur-Chaulim" geführt haben. Samuel Stern erwidert, daß die Verhandlungen bis heute noch nicht zu Ende geführt werden konnten, nachdem es während der Sommermonate unmöglich war, eine größere Sitzung des Vorstandes des genannten Vereines zusammenzubringen. Ignaz Löwy interpelliert weiters wegen des Dienstes in den amerikanischen Küchen. Samuel Stern schildert hierauf das Verhältnis der Jugendgruppe zu denselben und erklärt, daß eigentlich hiebei für die Jugendgruppe kein großes Tätigkeitsfeld vorhanden sei. Wir haben auch weiterhin die Anmeldungen für die amerikanischen Küchen anzunehmen, bei der Aufrechterhaltung der Ordnung behilflich zu sein und stellen uns für die rituellen Angelegenheiten jederzeit zur Verfügung. Otto Stern fragt an, ob die Jugendgruppe auf den Artikel in Dr. Blochs Wochenschrift über die Mißstünde in der amerikanischen Küche in der Wilhelmskaserne richtigstellend erwidern will. Der Antrag wird in Anbetracht des Umstandes, daß die orthodoxe Jugendgruppe nicht angegriffen wurde, auf andere Angriffe aber jedenfalls eine offizielle, objektive Entgegnung seitens der sozialen Hilfsgemeinschaft erfolgen wird, abgelehnt. Bela Baß fordert in eindringlichsten Worten zur Mitarbeit an der orthodoxen Presse und möglichster Verbreitung derselben auf. Oskar Herzka interpelliert wegen der Vernachlässigung der Schiurim an den ersten Sukkothfeiertagen und fragt an, ob an den letzten Hauptfeiertagen gelernt wird, ferner wie weit die Vorarbeiten für einen großzügigen Propagandavortrag gediehen sind. Der Obmannstellvertreter erwidert, daß es eine technische Unmöglichkeit war, an den ersten Sukkothfeiertagen zu lernen, jedoch Sch'mini azereß gelernt wird, und die Verhandlungen mit den in Betracht kommenden Persönlichkeiten für den Propagandavortrag im Gange sind. Nathan Adler kritisiert die Untätigkeit einiger Vorstandsmitglieder; aufgefordert Namen zu nennen, tut er dies und erhält die Aufklärung, daß die Genannten, wenn auch nur kurze Zeit — sie waren während der Sommermonate verreist — schon ersprießliches geleistet haben. N. Adler nimmt dies zur Kenntnis. Richard Hirschler interpelliert betreffs der Fertigstellung des neuen Lokales und erhält darüber befriedigende Antwort. Der als Gast anwesende Herr Leopold Lederer, der verdienstvolle Förderer unserer Aktionen, fragt, wann die erste Generalversammlung des „Verein zur Wahrung der Interessen des Judentums" stattfinden wird. Nach einer kurzen Bemerkung des Vertreters der „Freien Vereinigung" Herrn Wolf Pappenheim, wird zustimmend zur Kenntnis genommen, daß die erste Generalversammlung der orthodoxen Jugendgruppe nach jener der Hauptvereinigung siattfinden wird. Den Schluß der Versammlung bildet eine eindrucksvolle, mit tosendem Beifall aufgenommene Rede unseres verdienstvollen, unermüdlichen Mitarbeiters, des Herrn Ignatz Brody, der uns in begeisterten Worten zu weiterer Arbeit aufforderte. Nach Schluß der Versammlung stellte ffich eine größere Anzahl der Mitglieder den einzelnen Sektionen zur Verfügung. Msrachisüsche Jugend. Der „Israelit" (Frankfurt a. M.) schreibt: Wir vermeiden es seit Monaten grundsätzlich, zu den häufig recht bedauerlichen Aeußerungen des neuen misrachistischen Zentralorgans in Berlin Stellung zu nehmen, weil uns eine Verschärfung der Gegensätze unerwünscht ist. Wir ertragen es daher lieber, daß in dem Blatte unausgesetzt die Tendenz verfolgt wird, die Gesamtheit der nicht-misrachistischen Orthodoxie durch mehr oder minder abfällige und lieblose Kritiken zu verkleinern und damit den areligiüsen und' antireligiösen Gegnern des gesetzestreuen Judentums in die Hände zu arbeiten. Was aber in der letzten Nummer des Blattes ein offenbar ganz auf der Höhe der modernen misrachistischen Entwicklung stehender Studiosus ohne Widerspruch der Redaktion sich leistet, übersteigt doch die Grenzen des Erträglichen. Der junge Herr führt zunächst — ganz in Uebereinstimmung mit unserer eigenen Auffassung — aus, daß der Zionismus nicht eine politische Organisation, sondern eine geistige Bewegung sei. Er fordert, da es nicht Aufgabe der Misrachi fern könne, das jüdische Gesetz zu erhalten, sondern „an der jüdischen Renaiffanee in altjüdisch-religiösem Sinne mitzuarbeiten", entschlossene geistige Emanzipation von den Gedankengängen der „Trennungsorthodoxie" und stellt endlich fest, daß der „Zionismus ein Ideal iei, das als solches kein zweites neben sich duldet." Statt nun aber aus dieser letzteren, richtig erkannten Tatsache den Schluß zu ziehen, daß ein gesetzestreuer Jude, vor die bange Wahl, Zionismus oder Gottestreue gestellt, nur für den alten Gott der Väter optieren dürfe, der nun einmal nichts Gegensätzliches neben sich duldet, erklärt der junge Misrachist frisch-fröhlich, daß umgekehrt „die Zusammenarbeit aller Zionisten auch am gesetzestreuen Judentum nicht scheitern dürfe!!" Und sein Bekenntnis gipfelt in der schönen Formel frei nach Rabbi Chanina ben Dopa: „Wessen Zionismus größer ist als seine Gesetzestreue, dessen Gesetzestreue hat Bestand; wessen Gesetzestreue größer ist als sein Zionismus, dessen Gesetzestreue hat nicht Bestand." Hier steht die logische Weiterentwicklung der Gedankengänge, von denen der Misrachi sich in die Irre führen läßt, in erschütternder Nacktheit vor uns. Man möchte angesichts solcher Erlebnisse mit Engelzungen reden, um alle diejenigen Misrachisten, in denen noch ein Funke von ehrlicher jüdischer Treue zu Gott und seinem Gesetze glüht, zur Besinnung zurückzurufen, bevor der Misrachi, sehr gegen Wunsch und Willen der meisten seiner Führer, seine Anhängerschar an den Abgrund geführt haben wird. 3nKeinem orthodoxen Raufe fehle die „Mifehe Korrefpondenz“. örofie Mittel erfordert untere Paläftina-flktion. jeder glaubenstreue jude nimmt daran teil!