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Jüdische Korrespondenz · 1919-10-31 · 40 (31.10.1919) · page 7

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
5 (1919)
Issue
40 (31.10.1919)
Date
1919-10-31
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 40 Jüdische Korrespondenz Seite 7 (Fortsetzung von Seite 4.) ausgesetzt, wie es überhaupt die neue Verwaltung an mancherlei Schikanen nicht fehlen läßt. Zahlreichen Juden wurden die Lizenzen zur Führung von Trafiken und zum Sälzverschleiß entzogen. Gegenwärtig werden die Wahlen für Kammer und Senat vorbereitet. Der Wahltermin ist plötzlich angesetzt worden, nachdem eine aufgezwungene Wahlordnung die Mehrheit des Landes des Wahlrechtes beraubt hat. Da in der Bukowina eine strenge Zensur. und überdies der Belagerungszustand besteht, so bedeuten die Wahlen natürlich nichts mehr als eine Komödie und die Regierung ist in der Lage, die ihr genehmen Kandidaten sozusagen vorzuschreiben. Unter solchen Umständen dürften die Juden wahrscheinlich Wahlenthaltung üben, da überdies in die Wählerlisten nur ein geringer Teil der Judenschaft ausgenommen wurde. (Tanfepidemie in Ungarn.) Seit November 1918 haben sich in Ungarn 2289 Juden taufen lassen. Die Zahl der Tauffälle hat sich namentlich seit dem Anfang des Friedrichschen Regimes besonders gehoben. Von der obenerwähnten Zahl haben während Friedrichs Regierung allein 1121 die Taufe empfangen, davon 102 Ingenieure, 77 Rechtsanwälte, 121 Fabrikanten, 32 Aerzte, 11 Apotheker, 16 Professoren, 95 Kaufleute, 41 Grundbesitzer, 402 Privatangestellte, 108 öffentliche Beamten, 12 Soldaten, 12 Schriftsteller und 31 Kunstmaler. (K. f. d. O.) (Die antisemitische Bewegung in der rerchsdeutschen Studentenschaft«) Aus Breslau wird der „D. Hochschulztg." geschrieben: In einer allgemeinen Studentenversammlung am 10. Oktober wurde unter anderem auch folgender Beschluß einstimmig angenommen: „Die Breslauer Studentenschaft wünscht und begrüßt die Gründung einer antisemitischen Vereinigung an der hiesigen Universität." Zum Punkte „Judenfrage" ergriff ein Herr das Wort, um auszusprechen, daß der heimliche und heimtückische Kampf eines Deutschen unwürdig sei und forderte die Versammlung auf, offen den Kampf gegen die Juden zu führen und sich zu einem antisemitischen Studentenbund zusammenzuschließen. Mit Ausnahme von wenigen Juden und Sozialisten sprach sich die Versammlung bei der Abstimmung für den Kampf gegen die Juden aus. Die Gründung einer antisemitischen Vereinigung wird in den nächsten Tagen stattfinden. * (Holländisches Roscher-Fleisch.) Aus Berlin wird gemeldet: In der Montag beginnenden Woche gelangen zum ersten Male je 200 Gramm der von der „Kriegskommission für rituelle Lebensmittel, G. m. b. H., Berlin" eiugesührten holländischen Wurst- und Fleischwaren an die rituell lebenden Gemeindemitglieder in Groß-Berlin zur Verteilung. Die Abgabe erfolgt als Ersatz für 200 Gramm Speck. Der Pfundpreis beträgt für Dauerwurst 11 Mk., für Fleischkonserven 7 Mk. (Und in Wien?) („Die Kosaken find nicht zu hatten"») Die „Kiewskaer Zisn" schreibt: „Die Pogromwelle in der Ukraine hört nicht auf. Das erklärt sich daraus, daß die Pogrome von Kosaken veranstaltet werden, welche nicht im Zaume zu halten sind. Der kleinste Versuch, ihre Freiheit im geringsten einzuschränken, würde unfehlbar eine Empörung Hervorrufen und könnte sogar die Folge haben, daß die Kosaken von Denikin abfallen und gegen ihn Front machen. Dieses Geständnis ist nicht ohne Interesse. Es scheint, daß Denikins Kommando die Sache so darstellen will, als ob es über die ihm untergeordneten Kosaken keine Macht hätte. In der Armee Denikins sollen zahlreiche englische Offiziere sein und von ausländischen Korrespondenten wird die gute Disziplin seiner Truppen gelobt. Es ist also kaum glaublich, daß das Kommando nicht die Macht hätte, die Pogrome zu unterdrücken, wenn es ernstlich wollte. (Eine bezeichnende Meinungsäußerung Sa muels.) Einige Tage nach den blutigen Exzessen in Lodz ist dorthin Samuel, der Leiter der englischen Mission zur Untersuchung der Pogrome in Polen, gekommen. In der jüdischen Gemeinde ist er von den Deputierten Rosenblatt und einigen anderen jüdischen Ratsmännern begrüßt worden und hat auf diese Begrüßung unter anderem geantwortet: „Die Leiden der jüdischen Bevölkerung in Polen si»d mir sehr -gut bekannt. Die englische Regierung hat mich mit der einzigen Aufgabe hergeschickt, Feststellungen über die Vorgänge in Polen zu machen. Ich kann aber und will nicht der polnischen Regierung Vorschriften machen, wie sie handeln soll. Die polnische Regierung hat mir ihre Bereitwilligkeit erklärt, verschiedene Vorschläge zur Verbesserung der Lage der jüdischen Bevölkerung anzunehmen. Ich zweifle aber, ob die polnische Regierung die Macht hat, ihren Willen durchzuführen. Die polnische Regierung hat mir erklärt, daß sie schon eine große Zahl der Schuldigen bestraft hat, und sie hat mir auch das Verzeichnis der Bestraften zuzustellen versprochen. Bis heute bin ich aber ohne dieses Verzeichnis. Besonderen Eindruck hat auf mich die Erklärung der jüdischen Bevölkerung gemacht, daß bisher noch kein Einziger von den Schuldigen an den antisemitischen Exzessen bestraft worden ist. In dieser Hinsicht habe ich Interesse daran, festzustellen, wer von den beider: Parteien die Wahrheit gesagt hat." (Misrachi und Agudas Jisroel.) Das Londoner Misrachi-Bureau veröffentlicht einen Briefwechsel zwischen Hermann Struck und Rabbi Dr. Schönsield, in welchem Struck die Punkte mitteilt, die auf der seinerzeitigen Konferenz mit den Vertretern der Agudas Jisroel, Rabbiner Dr. Auerbach, Rabbiner Dr. Munk und M. A. Loeb, als Basis für eine eventuelle Einigung diskutiert worden sind. Mit Rücksicht darauf, daß diesem ersten Gespräche zweifellos weitere folgen dürften, ersucht Struck die englischen Misrachisten, ihre Meinung zu äußern, da eine Vereinigung aller orthodoxen Weltorganisationen ftir die Palästinaarbeit wünschenswert sei. Namens der englischen Misrachisten erklärte Rabbiner Schönsield, daß diese Einigungsverhandlungen sehr gern sehen. Alle im Briefe von Struck berührten Punkte wurden vor einigen Monaten auf der englischen Misrachi-Konferenz behandelt und müssen bei der Etablierung eines jüdischen Heimes in Palästina streng beobachtet werden. Der einzige Weg dazu sei die Schaffung eines autorisierten Rabbinerrates in Palästina. Die erschöpfende Behandlung dieser Fragen könne auf dem Korrespondenzwege nicht geschehen; sie müssen auf dem Misrachi-Kongreß, der einberufen werden soll, sobald die Umstände es gestatten, beraten werden. Vorerst wurde ein entsprechendes Kommunique an die amerikanischen Misrachisten abgesandt, um eine Basis für gemeinsame Arbeit in der jetzigen kritischen Zeit, wo Einigkeit so nottut, zu finden. (Von Seite der „Agudas Jisroel" ist bisher diesbezüglich nichts verlautbart worden.) (Der soziale Gedanke und seine Wandlungen im Judentum.) Auf dem ersten Gemeindeabend, den der Jüdische Wohlfahrtsverband in Elberfeld-Barmen vor kurzem dortselbst veranstaltet hatte, hielt Herr Dr. Grünberg-Elberfeld einen Vortrag, aus dem wir die folgenden Ausführungen wiedergeben: Schon in ihren klassischen Zeiten war das Prinzip der sozialen Gerechtigkeit bei den Juden so stark, daß ein wesentlicher Teil ihrer Gesetze, wie die Erbpacht und daS Erbbaurecht betreffenden, davon beeinflußt und alle Gebiete des gemeinschaftlichen Lebens von den Aeußerungen der sozialen Fürsorge durchsetzt wurden. Ein Umschwung trat mit Aenderung der äußeren Lage der Judenheit ein, die zu einem Rückschritt insofern führte, als an Stelle der weitblickenden sozialen Fürsorge die jüdische Armenfürsorge trat, die allerdings mit offener Hand und warmem Herzen gab, aber nichts anderes sein konnte, als symptomatische Hilfe für den, über den das Unglück bereits hereingebrochen war. Erst in neuerer Zeit sehen wir überall, auch in Deutschland, Bestrebungen, die dem alten jüdischen Geist der sozialen Fürsorge zur Auferstehung verhelfen wollen. Es schließen sich Gemeinden, Vereine und Einrichtungen mit sozialer Tendenz zusammen, deren Leitmotiv es ist, wo irgendwie sich die Möglichkeit bietet, vorbeugende Hilfstätigkeit zu leisten. Diese Arbeit ist groß und schwer, aber auch außerordentlich dankbar. Eines der wichtigsten Arbeitsfelder ist die Berufsberatung im Sinne auch einer Berufsumschichtung zugunsten der produktiven Berufe: Landwirtschaft, Gartenbau, Industrie, Handwerk und Beamtentätigkeit. Weitere Gebiete sind Stellenvermittelung, Mütterberatung,! Jugendfürsorge für die Schuljugend und Schulentlassene durch

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