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Jüdische Korrespondenz · 1919-10-31 · 40 (31.10.1919) · page 5

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
5 (1919)
Issue
40 (31.10.1919)
Date
1919-10-31
Page
– (sequence 5)
Language
German
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S I •St Nr. 40 Jüdische Korrespondenz Seite 5 »...- ■ ~ ..-.- .- JUGENDGRUPPE-BEIBLATT - - - - » Oie Aufgabe« unserer Jugend. Von Wolf S. Jakobsohn (Zürich). (Schluß.) Jakobsohn ist der begeisterte Anhänger und Vorkämpfer des Aaudas-Jereim-Gedanken und von seiner Tätigkeit während des Weltkonferenz und'auch nachher Inder Agudas-Zentrale bekannt. Das größte Ergebnis der Züricher Konferenz war die Feststellung der Tatsache, daß während alle ausnahmslos, Staaten, Parteien, Organisationen, während des Krieges sich „drehen", ihre Anschauung ändern mußten, Agudas Jisroel von all dem, was sie in Kattowitz begonnen, nichts zu berichtigen brauchte, daß Agudas Jisroel in Zürich jeden Satz und jeden Gedanken nur zu unterstreichen brauchte, den in Kattowitz ihre Vertreter ausgesprechen. Und dies, weil Agudas Jisroel, wie oben gesagt, kein Zweckverband ist, weil Agudas Jisroel die Organisation ist, die im Geiste der Thora und nicht im Lichte der wechselnden Zeitströmung ihre Ausgabe löst. Die Züricher Konferenz hat uns vor schwere Aufgaben gestellt, denn das in Kattowitz unter hoffnungsreichen Aussichten 'begonnene Werk, dessen Frucht in der für den Elul 5674 geplante Kenessie Gedaule reifen sollte, konnte der Krieg zwar nicht vernichten, aber er unterbrach es jäh. Agudas Jisroel, die sich auf die Kraft der thoratreuen Massen stützen will, ist auf den Osten angewiesen und dort zerstörte, vernichtete, unterhöhlte der Krieg in gräßlicher Weise, und während wir gezwungen waren abzuwarten, suchten andere Organisationen die für sie durch die politische Konstellation günstig gewordene Situation auszunützen und den Massen schien der sie von allem Golusleid erlösende Zaubertrunk in so naher Ferne gereicht, ward die sofortige Erlösung in so helleuchtenden Farben geschildert, daß sie dem Worte dieser Führer Glauben schenkten. Agudas Jisroel Island abseits! Jetzt, wo die Ernüchterung eingetreten, wo nächste oder nahe Zukunft zeigen wird, was sich von den Hoffnungen verwirklicht,, wie weit den weiten großen Massen wirklich die Erlösungsstunde geschlagen, tut sie in stiller Arbeit ihr Werk, frei von jedem Marktgeschrei, bescheiden, zielstrebig, ohne Reklame und schillernde Propaganda, wie es denl Wesen des jüdischen Volkes geziemt, das nicht im Rahmen der Völker, das im eignen Kreise zu wirken hat. „Ich unterschied Euch von den Völkern, daß Ihr mein seid; wenn Ihr Euch gesondert haltet, seid Ihr mein, wenn nicht, so seid Ihr ein Spielball der politischen Nation." Es gilt die Massen der Organisation zuzuführen, es gilt die Jugend für die Zwecke und Ziele der Organisation zn erwärmen. Ein altes Wort sagt: Wer die Jugend hat, der hat die Zukunst. Wir dürfen das Wort variieren. Die Ereignisse der letzten Jahre haben gezeigt, daß wer die Zukunft hat, der hat die Jugend! Wer ihr die Zukunft schildert in hellen leuchtenden Farben, wer sie hinweist auf das, was die Zukunft ihr an Schönem, Edlem, Großem, Reichem gibt, der entzündet ihr Herz zu heller Begeisterung, weil die Jugend gerne Wechsel auf die Zukunft honoriert! Da kann Agudas Jisroel nicht mitmachen. Agudas Jisroel weist ihre Anhänger auf Vergangenheit, aus der die Aufgaben für die Gegenwart fließen^ Agudas Jisroel lockt nicht, sondern fordert, fordert das Einstellen der ganzen Persönlichkeit auf das Wort der Thauro, fordert das Zurückstellen aller persönlichen Interessen, aller Zukunfts- Hoffnungen hinter die Interessen des Klall Jisroel, fordert des einzelnen beste Kräfte, feine geistigen und materiellen und gibt ihm das Recht, für den Klall mitzutun, das Recht zu arbeiten. Die Aufgaben der Jugend, unserer Agudajugend, bedeutet daher in vielem ein Aufgeben. Wenn andere ihr bieten blühende Gefilde im Lande der Väter, ftuchtbar gemacht von jüdischer Hand, die jüdische Nation in politischem Sinne, den jüdischen Staat: Agudas Jisroel bietet der Jugend all das nicht. Sie verlangt von ihr Arbeiten für Palästina, sie verlangt von ihr jüdisches Volkstum, das man aber nicht durch die politische Nation deklarieren läßt, sondern durch die eigene Tat dokumentiert, sie verlangt von der Jugend, ach unendlich viel, „jeder Tag des Jahres ein anderes Verbot, jedes Glied des Körpers ein anderes Gebot". Das soll die Jugend wissen, wenn sie zu Agudas Jisroel kommt, sie muß aufgeben vieles, das andere ihr bieten, und aufgehen in vielem, das andere von ihr gar nicht verlangen. Hat die Jugend aber zu diesem Standpunkt sich durchgerungen, dann steht sie auch fest im Bruch der Zeiten und der Dinge, dann ist sie zur Lösung ihrer Aufgaben fähig und berufen. Die Aufgaben, die die Jugend im Rahmen der Organisation zu lösen hat, werden stets bestimmt sein von Problemen, mit denen sich die Gesamtorganisation beschäftigt. Man wird also programmatisch nicht festlegen können, welche Aufgaben die Agudajugend hätte, ohne daß es zugleich Aufgaben der Gesamtorganisation wären. Und dennoch auf gewissem Gebiete wird man der Jugend einen weiten Spielraum zu möglichst selbständiger Entfaltung der Kräfte überlassen. So vor allem das Gebiet der Propaganda, der Agitation. Die Idee der Aguda ist eine gar gewaltige. Jetzt, nachdem sie sich der Wahrheit gleich durchgerungen durch ein verkrustetes Erdreich, auf der einen Seite von Lüge und Verleumdung, auf der anderen Seite von Unverständnis und Kurzblick, wird nichts ihren sieghaften Zug mehr hemmen können. Die Jugend ist leicht begeistert und vermag auch leichter zu begeistern. Ihr Optimismus, ihr frisches Drauflosstürmen läßt sie über Hindernisse springen, die das Alter in seiner Besonnenheit bedächtig und langsam umgeht. Wagemut und frohes Beginnen sind der Jugend Kennzeichen, ihre Tugenden und zugleich auch ihre Schwächen. Aber im Dienste unsere Aguda-Jdee, dieser sorgsam erwogenen, von bewährtesten Männern geprüften, schwindet der Mangel und bleibt der Vorzug. Und Ideen, Ideale, für die sie streben kann, braucht unsere gesetzestreue Jugend, soll sie sich ihre Frische bewahren und ihren Jugendmut erhalten und stets neu stählen. Ist es deshalb um ihrer selbst willen bedeutsam, daß man der Jugend diese Aufgabe, Verbreitung der Aguda-Jdee, Kampf für das Aguda-Jdeal zuerteile, so ist vom rein praktischen Standpunkte aus die Jagend für diese Betätigung am ehesten geeignet. Die Jugend psiegt Geselligkeit! In Lernvereinen, Literaturvereinen, Akademischen Verbindungen, Turnverbäuden, Wanderorganisationen gibt sie sich ein Stelldichein. Da gilt es jeden Gleichgesinnten zu gewinnen, jeden Gegner zu überzeugen, jeden Zaudernden zu organisieren, jeden Lauen zu beleben. Und das ist sicher: Ist ein junger Mensch einer großen Sache gewonnen worden, er wird nicht ruhen noch rasten, bis Eltern und Geschwister von der Größe der Idee, die ihn in ihrer Erhabenheit ergriffen hat, nicht minder überzeugt sind. Ein Hauptpunkt im Agudaprogramm ist die „Förderung und großzügige Unterstützung des Thoralernens". Die Förderung und Belebung des Thorastudiums im Kreise der Jugend, ist eine fernere Aufgabe, deren Lösung man der Jugend anvertrauen soll. Errichtung von Schiurim, Herbeiführung von Lerngelegenheit, dort wo solche fehlt, Förderung bestehender Schiurim, rastloses andauerndes Lernen jedes einzelnen, vor allem dafür zu sorgen verpflichtet man die Jugend, dazu sporne man sie an. Die Grund alles Schaffens ist Thauro im Derech Erez. Auch die Lösung sozialer Aufgaben soll man der Jugend getrost überlassen. Gar tief ist die Kluft, die oftmals arm und reich trennt, solche Gegensätze auszugleichen durch eine heitere. Gedenket des Krankenbausfonds der orthodoxen Zugendgruppe r Aerbet Mitglieder «r die „Agudas Moel" den Aeltverband der Craditionell-Gefetzestreuen!

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