Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 5 (1919)
- Issue
- 39 (24.10.1919)
- Date
- 1919-10-24
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 Jüdische Korrespondenz Nr. 39 sich 10.000 Russen. Kölschaks Mobilisation wird hauptsächlich Juden treffen, weil sie etwa 80 Prozent von den russischen Emigranten in Japan ausmachen. (K. f. b. 0.) (Lösegeld für russische Juden.) Unter diesem Titel veröffentlicht laut „The Day and the Wahrheit" eine amerikanische Zeitung einen Teil des Briefwechsels zwischen Jakob Schiff und A. Sack, dem Leiter des russischen Jnformationsbureaus, das die Propaganda für die Regierung Kölschak» führt. Es werden darin unter anderem auch Besuchs erwähnt, die Jakob Schiff, Oskar Strauß, Louis Marshall und Rabbi Wise dem russischen Metropoliten Platon abgestattet haben. Es handelte sich hauptsächlich darum, auf die beunruhigenden, aus Sibirien eintreffenden Berichte hinzuweisen, wonach den dortigen Juden große Gefahr drohe. In einem Briefe an den Hauptleiter des Jnformationsbureaus bei der russischen Gesandtschaft in Washington, Karpowitsch, weist Sack auf die Wichtigkeit hin, mit diesen Vertretern des Judentums in gutem Einvernehmen zu bleiben. Die amerikanische Zeitung schließt ihren Artikel mit folgenden Worten: So wird durch ein Mitglied der alten zaristischen Pogrom-Organisation der Versuch gemacht, von den amerikanischen Juden Lösegeld für das Leben ihrer russischen Brüder zu erhalten, um so die „Schwarzen Hundert" in Rußland zum Wiederaufleben zu bringen. (.Der ehemalige jüdische Minister in der Ukraine Rewutzky über die Judenpogrome in der Ukraine.) Vor einer großen Versammlung in Stockholm referierte der ehemalige Minister für jüdische Angelegenheiten in der Ukraine, Herr Abraham Rewutzky, über die Judenpogrome in der Ukraine für die Zeit seiner Beteiligung an der Regierung, über ihre Ursachen und Folgen und über die Maßregeln, die gegenwärtig zu ergreifen sind, um das noch immer drohende Unheil zu unterbinden. Er schilderte die wirtschaftlichen und militärischen Verhältnisse im Lande, die Desorganisation der militärischen Macht und erblickte die Hauptursachml der Unordnungen in der Zwiespaltuug zwischen dem MirMerium und dem fünfgliedrigen Direktorium, das sich nicht vom Ministerrat, der die eigentliche Regierung sein sollte, leiten ließ. Petljura selbst,- führte der Redner aus, habe keine Pogrome gewollt und den offiziellen Organen der Regierung seien keine Pogromaufrufe bekannt gewesen. Dagegen kann nicht mit Sicherheit behauptet werden, daß einige der Mitglieder des Direktoriums, insbesondere Herr Andrejewsky an der Sache unschuldig sind. Zur Wiederherstellung der Sicherheit' muß im Lande eine feste Macht regieren, die die einzelnen Militärabteilungen und ihre Führer zu Gehorsam zwingen könnte. In den Städten muß eine Bürgerwehr gebildet werden, der sich auch die jüdischen jungen Leute anschließen, und die für die Ruhe und Ordnung zu sorgen hat. Außerdem müsse sofort eine vorurteilsfreie Kommission die Pogrome an Ort und Stelle untersuchen, die Schuldigen herausfinden und sie zur gerichtlichen Verantwortung ziehen. Ueber dasselbe Thema sprach Herr Rewutzky vor einer großen jüdischen Massenversammlung in Kopenhagen. (Eine indische Genossenschaftsbank in Litauen.) Das Ministerium für jüdische Angelegenheiten in Litauen bemüht sich, eine Genossenschaftsbank ins Leben zu rufen mit dem Zwecke, das durch den Krieg heruntergekommene jüdische Handwerk zu heben. Es wird auch beabsichtigt, diejenigen Juden, die im Handel keine Unterkunft mehr finden, in die Handwerkerberufe zu überführen. Wie das erwähnte jüdische Ministerium dem Jüdischen Preßbureau in Stockholm mitteilt, wird an der Gründung der Bank gearbeitet, die mit einem Kapital von einer Million Mark ihre Tätigkeit beginnen soll. Die Bank wird sich hauptsächlich damit befassen, den jüdischen Handwerkern Rohstoffe und Handwerkszeuge aus dem Auslande zu beschaffen und durch die Gewährung von Krediten das Wiederaufblühen des jüdischen Handwerks zu ermöglichen. Da die Hilfe durch Arbeit die wirksamste ist, erwartet das. jüdische Ministerium in Litauen, daß die Juden des Auslandes, namentlich Skandinaviens, das Unternehmen kräftig unterstützen werden. In den leitenden jüdischen Kreisen Stockholms und Kopenhagens bringt man dem Unternehmen großes Interesse entgegen, und es wird alles getan werden, um sein Zustandekommen zu ermöglichen. (Einwanderung nach Amerika.) Ein Gesetzentwurf, der jede Einwanderung nach den Vereinigten Staaten für die Zeit von zwei Jahren aufheben will, ist von dem Kongreßmitglied Johnson aus Washington eingebracht worden. Diese Maßnahme wird von der amerikanischen Arbeiterföderation unterstützt, welche seit vielen Jahren die Einschränkung der Einwanderung als einen wesentlichen Punkt in ihrem Programm vorgesehen hatte. Die republikanische Partei unterstützt die von Johnson vorgeschlagenen Maßnahmen, welche auch die Zustimmung vieler demokratischer Parteimänner haben. Ein anderer Vorschlag, die Hanson Immigration Bill, wird jetzt diskutiert. Gegenstand dieses Vorschlages ist, die Einwanderung aus irgendeinem Lande auf 5°/» der schon von diesem Lande in den Vereinigten Staaten wohnenden Bevölkerung zu begrenzen. Sie schlägt vor. daß Repräsentanten der amerikanischen Einwanderungsbehörden in allen ftemden Ländern stationiert werden sollen, um über die Zahl, die Erziehung und den Charakter jedes Einwanderers zu entscheiden, so daß er bei seiner Ankunft in Amerika dem Distrikt zugeführt werden kann, wo seine Vorbildung und sein Beruf anl meisten nottut. Inzwischen hat Präsident Wilson dem Kongreß vorgeschlagen, daß das System des Reisepasses für ein Jahr nach Friedensschluß ausgedehnt werden soll. Das System des Reisepasses ist eine Methode, um „Unerwünschte" vom Lande fernzuhalten. Die Art seiner Durchsetzung hängt von seiner Interpretation durch die offizielle Regierung ab. Diese Maßnahme verhindert die Angehörigen der naturalisierten Bürger oder auch die nicht naturalisierten Bewohner nicht an der Einwanderung in das Land. Jedermann, der glaubwürdige Leute in den Vereinigten Staaten finden kann, um seinen Charakter zu bezeugen und zu garantieren, daß er nicht dem Staat zur Last fallen wird, kann die Erlaubnis erhalten, einzuwandern. Es ist zu hoffen, daß die Annahme dieser Empfehlung die Durchführung einer beschränkenden Gesetzgebung verhindern wird. (Vorbereitungen zu einem jüdischen Ewigrationskongreß.) Im Zusammenhänge mit der vom Kongreß in Washington gefaßten Bill, betreffend die Einschränkung der Einwanderung in die Vereinigten Staaten, nahm die jüdische politische Oeffentlichkeit von neuem das alte Projekt der Einberufung eines jüdischen Emigrantenkongresses auf. Der Kongreß soll, wie verlangt wird, in Paris mit der Beteiligung der Vertreter der Juden aller Länder stattfinden. Wie mitgeteilt wird, sollen in den Reisebüros in Amerika bereits 200.000 Juden notiert sein, die ihre Verwandten in Osteuropa haben und bei der ersten Möglichkeit sie nach Amerika zu bringen entschlossen sind. (Hebräische Stenographie.) Lehrer Thomas hat ein stenographisches System der hebräischen Sprache ausgearbeitet und soeben fertiggestellt. Demnächst wird Thomas einen erläuternden Vortrag über sein System halten und auch mit der Aufnahme von Schülern beginnen. Auch Ben Israel hat noch vor dem Kriege eine abgekürzte hebräische Schrift, die auf einem anderen System beruht, ausgearbeitet, mit welcher er sich jedoch während des Krieges nicht beschäftigen konnte. Auch Ben Israel beginnt jetzt mit der Verbreitung seines Systems und der Aufnahme von Schülern. (Aus Algerien.) H. Fridmann, Oberrabbiner von Algerien, hegt den Plan, in der algerischen Hauptstadt in einem großen Bau alle Administrationen und Wohltätigkeitsanstalten der jüdischen Gemeinde zu zentralisieren. Er richtete an die reichen Juden einen Appell, dem die Juden mit solchem Eifer nachgekommen sind, daß die Liste der bisher Zeichnenden 225.000 Franks eingebracht hat. Wenn es in diesem Tempo weitergeht — schreiben die „Annales Africaines" — so wird das Palais des algerischen Judentums reicher werden als das des Gouverneurs. (Das jüdische Handwerk in Jerusalem.) Das Kopenhagener Zionistische Bureau teilt mit: Nach einer Mitteilung der „Jewish Daily News" gibt es zurzeit in Jerusalem 4O0 jüdische Schuster, 150 Maurer, 30 Häusermaler, 70 Drucker und Setzer, 40 Buchbinder, 10 Photographen, 160 Schreiber 30 Barbiere, 25 Kürschner, 200 Schneider, 20 Kleinschmiede 40 Mechaniker, 50 Kupferschmiede, 60 Milchhändler, 63 Träger