Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 5 (1919)
- Issue
- 39 (24.10.1919)
- Date
- 1919-10-24
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 39 Jüdische Korrespondenz Seite 9 (Fortsetzung von Seite 4.) gegenwärtigen Verhältnissen keine genügende Anzahl von Bewerbern slowakischer Nation vorhanden sein wird, ersuche ich Sie, geeignete Personen hiefür namhaft zu machen und dieselben anzueifern, Gesuche um Lizenzerteilung einzureichen. Politische Befreiung einer Nation ist nichts und bedeutet nichts, falls die Nation nicht auch wirtschaftlich befreit ist und sich nicht von den feindlichen Einflüssen emanzipiert, besonders von den ungünstigen Einflüssen des Judentums. Dr. Jan Moural, Oberstuhlrichtsr. Die Iudenftage auf der Friedenskonferenz. Das französische Ministerium des Aeußern hat. gemeinsam mit dem Kriegsministerium sämtliche der Friedenskonferenz betreffs der Iudenftage vorgelegten Vorschläge veröffentlicht. Dieses offizielle Dokument der französischen Regierung gibt ein vollständiges Bild davon, wie die jüdische Frage und deren Lösung vom jüdischen Volk selbst aufgefaßt wird. Aus demselben ist ersichtlich, daß auch bei den Juden keine Einigkeit geherrscht hat, da in den von den einzelnen Komitees der Friedenskonferenz überreichten Vorschlägen verschiedene Standpunkte vertreten werden. Das Dokument zeigt ferner, daß diesmal, wie noch nie zuvor, die Judenfrage in ihrer Totalität vorgebracht wurde und daß die mit ihrer Lösung betrauten Staatsmänner diesmal Gelegenheit hatten, die verschiedensten Seiten des jüdischen Problems kennen zu lernen. Dieser wichtige politische Bericht veröffentlicht den Wortlaut aller eingereichten Memoranden, nebst gewissen Erläuterungen in folgender Einteilung: 1. Emanzipation (Gleichberechtigung), 2. Nationale Rechte, 3. Zionismus. Betreffs der Emanzipation werden mitgeteilt: das Memorandum des ,Joint Foreign Commitee“, die Resolution des amerikanischen jüdischen Kongresses, das sozialistische Programm und das deutsche Programm. Betreffs der nationalen Rechte: das Memorandum des Komitees der Jüdischen Delegationen in Paris, die Stellung der Zionisten zu den nationalen Rechten, die amerikanische Erklärung bezüglich der nationalen Rechte, die Meinung Claude Montefiores und die Ansicht des Hilfsvereines der Deutschen Juden. Ueber Zionismus: die Deklaration von Balfour, Empfang der zionistischen Führer durch die Friedenskonferenz, Stand der zionistischen Bewegung in England, wie auch die Stellung des „Joint Foreign Commitees“ zum Zionismus und endlich der Stand des Zionismus in Amerika, die Stellung des amerikanischen „Jewish Commitees8, des jüdischen Kongresses in Amerika, wie auch das antizionistische Memorandum, das gewisse Israeliten aus Amerika eingesandt haben. In der Einleitung werden auch die in den Verträgen mit Deutschland und Polen die Juden direkt oder indirekt betreffenden Punkte behandelt. Rundschau. (Antisemitische Anträge.) In der Freitagsitzuug der Deutschösterreichischen Nationalversammlung brachte Abgeordneter Dr. Gimpl folgende Anträge ein: Es wird beantragt, bei der am 31. Dezember 1919 vorzunehmenden Volkszählung, entgegen der früheren Gepflogenheit, die Staatsbürger nicht nach der Umgangssprache, sondern nach ihrem fteien Bekenntnis zur Nation zu zählen, wobei die Judenschaft als eine Nation angesehen wird. In einem zweiten Anträge wird mit Rücksicht darauf, daß die Judenschaft, besonders die zugewanderte, eine Gefahr für die Ruhe und Ordnung des Staates ist, da sie sich in außerwöhnlich großer Zahl an der Aufhetzung des Volkes zu Revolution und Putschversuchen beteiligte, verlangt, daß Angehörige der semitischen Rasse in die neue Wehrmacht nicht ausgenommen werden. (Unseren Nationalisten, die ob des ersten Antrages Freudentänze aufgeführt hätten, ist durch den zweiten Antrag das Konzept verdorben worden. Abg. Stricker- Hat nichtsdestoweniger den ersten Antrag ausgenommen und vertreten. Der Antrag ist aber abgelehnt worden. Näheres in nächster Nummer.) (Tschechische Assimilation.) Wie aus Prag berichtet wird, soll der Leiter des tschechisch-jüdischen Progagandabureaus, Dr. Alfted Fuchs, von der tschechischen Regierunb zum Mitglied der tschechischen Propagandakommission für Teschen ernannt worden sein, weil man sich von seiner Tätigkeit eine Beeinflussung der Juden im Abstimmungsgebiet zugunsten der Tschechen verspricht. (Und wo bleibt der große „Einfluß" des Prager Nationalrates.) (Antisemitismus in Mähren.) In Mähren hat sich eine Geheimgesellschaft unter dem Namen „Blauer Stern" gebildet, welche die Ausrottung der Juden durch Veranstaltung von Maffenpogromen zum Zwecke hat und ihre Tätigkeit über das Gebiet der Tschecho-Slowakei erstreckt. Plangemäß sollten die Judenmetzelein Ende September, also zur Zeit der hohen jüdischen Feiertage, in Szene gesetzt werden. Die tschecho-slowakische Regierung hat von der Tätigkeit der Gesellschaft „Blauer Stern" Kenntnis, was daraus hervorgeht, daß an alle Sicherheitsposten und Gendarmeriekommandanten Erlässe ergangen sind, die Arbeit der Pogromagitatoren zu verfolgen und Ausschreitungen rechtzeitig zu verhüten. (Der Antisemitismus in Deutschland.) Auf der Tagung der deutschnationalen Volkspartei, welche vornehmlich die völkische Frage zum Gegenstand der Erörterung hatte, wurden mehrere scharfe gegen die Juden gerichtete Entschließungen angenommen. Es wurde ausdrücklich betont, daß die deutschnationale Volkspartei jeden undeutschen Geist bekämpfe und sich besonders gegen die Vorherrschaft des Judentums wende, welche nach Meinung der Partei seit der Revolution in Regierung und Oeffentlichkeit immer verhängnisvoller hervortrete. Der Hauptvorstand der Partei drückt der Landesversammlung zu ihrem Vorgehen gegen die Ueberschwemmung mit ostjüdischen Elementen seine Zustimmung aus und ersucht sie, auch weiterhin nach Kräften auf ein Verbot der jüdischen Einwanderung hinzuwirken. (Die preußische Regierung gegen die Ausweisung der polnischen Juden.) In der Sitzung der preußischen Landesversammlung gab die Regierung auf eine Anfrage des Abgeordneten Aschkewitz, mit welchen Mitteln sie der starken Einwanderung galizischer und polnischer Juden begegnen wolle, eine Erklärung ab, in der es unter anderem heißt: Lästige Ausländer können nach den bestehenden Bestimmungen allerdings abgeschoben werden. Von dieser Möglichkeit Gebrauch zu machen, wenn es sich um Flüchtlinge handle, die der zwangweisen Einstellung in die polnische Armee entgehen wollten, empfehle sich nicht, so lange im Osten der Friedenszustand nicht tatsächlich hergestellt sei. Flüchtlinge nach Polen abzuschieben, wo Judenpogrome eine ständige Gefahr seien, verbiete sich aus Gründen der Menschlichkeit. (Juden in der russischen Regierung.) In dem unter Führung von Ljanosow gebildeten neuen provisorischen antibolschewistischen Ministerium für Nordwestrußland befinden sich drei Juden: Margolis, radikaler Demokrat, ist Minister für Handel, Industrie und Munition; Korn, gemäßigter Sozialdemokrat, und Jschinski, unparteiischer Sozialist, sind Minister ohne Portefeuille. Das Programm der provisorischen Regierung ist ein demokratisches. (Kongreß ukrainischer Juden in Amerika.) Aus Lemberg wird den „Polnischen Stimmen" telegraphiert: Wie die hiesigen Blätter berichten, wird demnächst in New-Iork ein Kongreß der in Amerika ledenben ukrainischen Juden stattfinden. Zweck des Kongresses ist die Organisierung einer ausgiebigen Hilfeleistung für die Juden in der Ukraine. Zu diesem Behufe wird ein Spezialkomitee eingesetzt werden. (Bevorstehende Mobilisation der jüdischen Gmigranten in Japan durch Koltschak.) Der russische Korrespondent der amerikanischen Zeitungen „Tag" und „Wahrheit" telegraphiert aus Jokohama: Pakownow, Generaldirektor des Sibirischen drahtlosen Telegraphenamts, befindet sich zurzeit in Japan, um eine Assentierung aller militärfähigen russischen Emigranten vorzunehmen, ja bald wird auch aus Wladiwostok eine Assentierungskommission ankommen mit Instruktion, die Mobilisation gleich anzufangen. Die japanische Regierung hat erlaubt, alle physisch gesunden russischen Bürger im Alter von 18—45 Jahren zu mobilisieren. In Japan befinden