Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 5 (1919)
- Issue
- 46-47 (19.12.1919)
- Date
- 1919-12-19
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 46/47 Jüdische Korrespondenz Seit® 11 Eduard und Paula Deutsch laden höflichst alle Freunde und Bekannte zur n 1ö * n 2. ihres Sohnes Walter, welche Samstag, den 3. Jänner 1920, um halb 10 Uhr früh, im Bethause, VI., Stumpergasse 42, stattfindet. Empfang Derascha-^i^L-"°>2 Nachmittag 3 Uhr, VII., Neubaugasse 10. Zur Beachtung. Von Seiner Ehrwürden Herrn Rabbiner Fürst erhielten wir nachstehenden Brief, der vorige Woche an ihn gelangt ist, zur Veröffentlichung; wir geben denselben in deutscher Uebersetzung wieder. Gleichzeitig teilt uns Seiner Ehrwürden mit, daß es ihm bisher nicht gelungen ist, den im Brief erwähnten Herrn Salomon Gans zu eruieren und bittet er um etwaige Nachrichten über denselben. Seiner Ehrwürden Herrn S. Fürst orthodoxer Rabbiner in Wien. Eine wichtige Angelegenheit ist es, die uns heute veranlaßt. Euer Ehrwürden zu bemühen. In unserer Gemeinde befindet sich ein Herr Jakob Reiner, der es verstanden hat, sich das Aussehen eines religiösen Juden zu geben und Tefillin und Mesusaus als rituell zuverlässig zu verkaufen. Obwohl oas hiesige Rabbinat demselben von jeher kein Vertrauen geschenkt und dies auch öffentlich kundgegeben hat, ist es ihm leider doch gelungen, in Deutschland und in der Slowakei Tefillin zu verkaufen. Es ist uns nunmehr gelungen, einwandfrei festzustellen, daß dieselben durchwegs nicht vorschriftsgemäß geschrieben, sondern litographiert sind. Wir haben den Mann zur Rechenschaft gezogen und in Erfahrung gebracht, daß derselbe unter anderem 28 Paar Tefillin pessulaus an einen Herrn Salomon Gans, Wien, Große Schiffgasse wohnhaft, in Preßburg verkauft hat. Es ergeht nun das Ersuchen an Euer Ehrwürden, der Sache nachzugehen und selbe zu veröffentlichen, um unsere Glaubensbrüder vor Michschaul zu behüten. Indem wir sie kollegial begrüßen usw. Gezeichnet Das Rabbinat der Gemeinde Munkacs. (Unterschriften.) N. S. Soeben erfahren wir, daß die lithographierten Ritualien bei Herrn Gerson Löwinger in Neutra erzeugt wurden. Mattathias. Von Flavins Josephus. Um diese Zeit wohnte in Modiim, einem Dorfe Judäas, ein Mann mit Namen Mattathias, ein Sohn des Joannes, des Sohnes Simeons, des Sohnes des Asamonaeus. Er war Priester nach der Ordnung des Joarib, stammte aus Jerusalem und hatte fünf Söhne, Joannes mit dem Beinamen Gaddes, Simon mit dem Beinamen Matthes, Judas mit dem Beinamen Makkabaeus, Eleazar mit dem Beinamen Auran und Jonathas mit dem Beinamen Apphus. Dieser Mattathias bejammerte vor seinen Söhnen das Elend des Volkes, die Plünderung der Stadt, die Beraubung des Tempels und die Aenderung der Verfassung und erklärte ihnen, es sei besser, für die Gesetze der Väter den Tod zu erleiden, als ein so schmähliches Leben zu führen. Als nun die Beamten, die vom König angestellt waren, um die Juden zur Befolgung seiner Befehle zu zwingen, auch nach Modiim kamen, um die Bewohner des Dorfes zur Darbringung der vom König angeordneten Opfer anhalten zu wollen, verlangten sie von Mattathias, der seiner Gelehrsamkeit wegen in hohem Ansehen stand, er solle mit den Opfern beginnen; seine Mitbürger würden sich dann nach ihm richten und er dem König besonders wohlgefällig werden. Mattathias aber weigerte sich dessen und erklärte, wenn auch andere Familien, sei es aus Furcht, sei es aus Kriecherei, den Befehlen des Antiochus folgten, so werde er doch mit seinen Söhnen nie dahin zu bringen sein, daß sie dem Gotte ihrer Väter untreu würden. Kaum hatte er dies gesprochen, da trat ein Jude hervor und brachte das Opfer nach des Königs Vorschrift dar. Als Mattathias das sah, griff er mit seinen Söhnen zum Schwerte, tötete den Juden am Altar, machte den königlichen Beamten Apelles, der ihn dazu gezwungen, nebst einigen Soldaten nieder, stürzte den Altar uni und rief aus: „Jeder, der noch für die Gebräuche unserer Väter und die Verehrung Gottes eifert, folge mir nach!" Darauf zog er mit seinen Söhnen unter Zurücklassung seiner ganzen Habe in die Wüste, wohin gleich ihm noch viele andere flohen und in Höhlen sich ansiedelten. Als dies die Heerführer des Königs vernahmen, riefen sie die ganze Besatzung der Burg zu Jerusalem unter die Waffen und setzten den Juden in die Wüste nach. Nachdem sie dieselben eingeholt hatten, versuchten sie zunächst ihnen zuzureden, sie sollten zur Einsicht kommen, auf ihren Vorteil bedacht sein und die Gegner nicht in die Notwendigkeit versetzen, nach Kriegsrecht mit ihnen zu verfahren. Die Juden aber achteten nicht auf ihre Vorstellungen, sondern beharrten bei ihrer Meinung. Hierüber erbittert, griffen die Soldaten sie an einem Sabbat an und verbrannten sie in ihren Höhlen, ohne daß sie Widerstand geleistet oder auch nur die Eingänge versperrt hätten. Sie enthielten sich nämlich wegen des Feiertages jeder körperlichen Tätigkeit und wollten den Sabbat selbst in ihrer gefahrvollen Lage nicht entheiligen, da uns an diesem Tage die strengste Ruhe geboten ist. So wurden sie also samt Weib und Kind in den Höhlen erstickt, im ganzen gegen tausend Menschen. Doch gelang es auch vielen, zu entkommen; diese schlossen sich an Mattathias an und erwählten ihn zu ihrem Anführer. Mattathias belehrte sie nun zunächst, daß sie auch am Sabbat kämpfen müßten. Denn wenn sie auch in diesem Punkte so streng am Gesetz festhalten wollten, würden sie sich selbst den größten Schaden zufügen, weil die Feinde sie nun stets an dem Tage angreifen würden, an dem sie sich nicht wehren könnten und dann müßten sie alle samt und sonders ohne Verteidigung ihr Leben lassen. Das leuchtete ihnen ein und so kommt es, daß noch bis heute bei uns die Sitte besteht, auch am Sabbat zu kämpfen, falls dies erforderlich ist. Mattathias sammelte nun allmählich eine große Schar um sich, zerstörte die Altäre und ließ die Abtrünnigen, deren er habhaft werden konnte, umbringen. Viele nämlich hatten sich aus Furcht zu den umwohnenden Völkerschaften geflüchtet. Alle noch nicht beschnittenen Knaben ließ er sodann beschneiden und die Beamten des Königs verjagen. Er hatte nur erst ein Jahr lang den Oberbefehl innegehabt, als er in eine Krankheit fiel. Da versammelte er seine Söhne um sich und sprach zu ihnen: Ich muß nun, liebe Kinder, den Weg gehen, den wir alle betreten müssen. Ich lasse euch deshalb meinen Geist zurück und beschwöre euch, demselben nicht untreu zu werden sondern den Willen eures Erzeugers und Ernährers im Andenken zu behalten, dem Gesetze eurer Väter treu zu bleiben und unsere bedrohte Verfassung zu retten. Laßt euch nicht von denen verleiten, die, sei es freiwillig, sei es gezwungen, dieselbe preisgegeben haben, sondern bleibt meiner wert und trotzt aller Gewalt und allem Zwange, indem ihr euch bereit zeigt, selbst den Tod zu erleiden, wenn dies nicht zu vermeiden ist. Bedenkt, daß Gott, wenn ihr in dieser Gesinnung verharrt, euch nicht verlassen, sondern euch eure verlorene Selbständigkeit und Freiheit wieder verleihen wird, damit ihr in Sicherheit nach euren eigenen Gebräuchen leben könnt. Sind auch eure Leiber sterblich und hinfällig, so wird doch das Andenken an eure Taten euch Unsterblichkeit verschaffen. Im Hinblick darauf begeistert euch zu ruhmvollen Unternehmungen, scheut selbst vor dem Schwierigsten nicht zurück und gebt, wenn es notwendig ist, gern euer Leben dahin. Ganz besonders aber ermahne ich euch zur Eintracht: übe ein jeder von euch seine Tugenden, ohne die Vorzüge des anderen zu verkennen! Euren Bruder Simon, der ein verständiger Mann