Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 5 (1919)
- Issue
- 46-47 (19.12.1919)
- Date
- 1919-12-19
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 46/47 Jüdische Korrespondenz Seite 9 JUGENDGRUPPE-BEIBLATT Bericht. Infolge der für Sonntag abends anberaumten Chanukkah-- Feier entfällt die für diese Woche geplant gewesene Mitgliederversammlung. Wir berichten daher kurz auf diesem Wege über unsere Tätigkeit in der letzten Zeit. Lokal. Das neue Heim ist bereits vollkommen renoviert und eingerichtet. Es sei hier nochmals Herrn Akiba Schreiber für seine Bemühungen gedankt. Nicht unerwähnt darf bleiben, was unser Ausschußmitglied, Herr Samuel Stern, geleistet hat. Seinem unermüdlichen Arbeitseifer ist es zu danken, daß wir heute der orthodoxen Jugend einen so schönen Zusammenkunftsort bieten können. Das alte Lokal, welches uns Herr Fischer in liebenswürdiger Weise auch weiterhin zur Verfügung stellt, wurde provisorisch der „orthodoxen Mädchengruppe" überlassen. Schiurirn finden programmgemäß statt und erfreuen sich zunehmenden Interesses. Ueber die Parallelschiurim für die C-Gruppe wird beraten, doch ist ein diesbezüglicher Beschluß noch nicht gefaßt worden. Anfragen und Anregungen sind an die Herren Baumgarten, Simon und Moritz Schreiber zu richten. Palästinasektion. Die großzügige Sammlung mußte vorläufig zurückgestellt werden, weil für die Heimbeförderung der Palästinenser selbst (Spesen) große Beträge in unseren Kreisen aufgebracht wurden. Bei dem letzten Transport wurde den Abreisenden seitens des Leiters der Palästinasektion Herrn Mano Felsenburg und einigen Mitgliedern derselben Brot und Konftrven'mitgegeben, welche von der Adaß Jisrol (Schiffschul) beigestellt waren. Krankenfürforge. Obwohl die Leistungen dieser Abteilung erfreulicherweise immer größer werden, ist doch auf diesem Gebiete so viel Arbeit nötig und sind die Verhältnisse in den Versorgungs- und Krankenhäusern derartig, daß man sich mit den Leistungen, mögen sie noch so groß sein, nicht zufriedengeben kann. Die Aktion „Lainzer Versorgungshaus" wurde von der „orthodoxen Mädchengruppe" übernommen. Anfragen an die Herren Adler und Löwy. Organisation. Unser Hauptverein wird in kürze seinen Anschluß an die Agudas Jisrol auch formell erklären; wir werden dann als Ägudah-Jugendgruppe mit der offiziellen Werbetätigkeit beginnen. Der Propagandaausschuß hat sich unter der Leitung der Herren Schiff, Stern und Friedmann konstituiert. _ Jugendorganisation der Agudas Iisroel. Die unverwüstliche Kraft, die in unserer heiligen Thauro lebt, läßt immer neue Blüten erstehen in der Gemeinschaft, der sie als segensreicher Nährboden dient. Die Stürme, welche die ganze Welt aufgewühlt und so manches für die Ewigkeit Bestimmtes zertrümmerten, haben auch unsere Gebiete nicht verschont. Allein dem lebensstarken Baume der Thauro konnten sie nichts anhaben. Sie haben ihn nicht entlaubt. Sie haben ihre jungen Sprößlinge und zarten Pflanzungen nicht zerstört. Auch in unserem Kreise entstand ein gewaltigen Rauschen. Das Rauschen neuen Lebens. Die Jugend, empfänglich für alles Neue, regte sich gewaltig unter dem Eindruck der revolutionären Umgestaltungen, die der Welt ein neues Gesicht aufprägen wollten. Unsere Jugend erwachte. , Und was die Alten, sorgsam und bedächtig wie sie schon sind, nicht so rasch tun konnten oder wollten, haben die Jungen getan. Sie haben auf die Alten nicht gewartet, sie haben sich kräftig und entschlossen zur Tat aufgerasft. Die Parole war schon seit Jahren gegeben. Die Idee, eine Organisation zu schaffen, deren Seele und Motor einzig und allein die Thauro sei, harrte schon seit Jahren der Gestaltung. Doch es ging nicht, es geschah nichts, bis die Jugend durch Selbsthilfe die ersten entscheidenden Schritte zur Verwirklichung der Idee tat. Unsere jungen Bachurim haben sich zusammengetan und kaum haben sie sich vor die Oeffentlichkeit gewagt, da haben sie keine Zeit mehr gehabt, kleinmütig und ängstlich in die Zukunft zu blicken. Jeder Tag stellte sie vor neue Aufgaben. Und sie haben sie gehört. Sie haben sich neue Ziele gesteckt und sie wuchsen mit ihnen. Nach einigen Monaten raschen Aufstieges haben sie sich ein eigenes Heim gegründet und heute können sie sich rühmen, ein Vorbild für andere thoratreue Vereinigungen zu sein. Unter dem Eindruck ihrer Leistungen hat sich nämlich auch die weibliche Jugend entschlossen, eine Organisation zu schaffen, die ihr ermöglichen soll, sich im Geiste der Thauro zu vertiefen und in diesem Geiste Werke der Milde und Liebe zu schaffen. Dieser Entschluß, der rasch iu die Tat umgesetzt wurde, ist nicht zu unterschätzen. Die Organisation der thoratreuen weiblichen Jugend wird vor allem einem Uebel den Riegel vorschieben müssen/ das schon lange die Recken unserer Gemeinde mit Besorgnis erfüllt hat. Es gehörte nämlich einst zum jüdischen Erziehungsideal, die weibliche Jugend nur im Hause und nur für das Haus zu erziehen. Es waren nun die alten guten Zeiten, wo dieses Ideal ehrlich angestrebt und daher auch erreicht wurde. Es genügte da gleichsam im jüdischen Haufe geboren zu sein, um das jüdische Leben als Mitgabe des Elternhauses in Besitz zu nehmen. Mit der Zeit ist es aber anders geworden. Die neue Zeit mit ihren Anforderungen und Anschauungen drang auch in das jüdische Haus ein. Die Ideale, denen die junge weibliche Generation nachschwärmt, sind auch anders geworden. Ein gefährlicher Zwiespalt trübt und trennt die Einheit und Klarheit ihrer Weltanschauung und praktischen Lebensweise. Sie . lebten und leben nach dem jüdischen Gesetz, aber ihr Geist und Bildungsstreben, die einmal geweckt sind, wurden und werden mit Früchten befriedigt, die auf fremden Boden gewachsen sind. Zu dieser geistigen Not kommt noch die wirtschaftliche. Unsere weibliche Jugend, die früher so sorgsam im Hause erzogen wurde und sich innerhalb des Familienkreises völlig ausleben konnte, mußte unter dem Druck der Verhältnisse in das Erwerbsleben eintreten. Muß dieser Umstand aus allgemeinen rein menschlichen Rücksichten tief bedauert werden, so hat die thoratreue Judenheit, die ihre beste Stütze im jüdischen Weibe hatte, dieser Umschichtung innerhalb des jüdischen Familienlebens noch eine erhöhte, wachsame Aufmerksamkeit zu schenken. Unsere Mädchen atmen statt der mit Glauben und Frömmigkeit durchdrängten Atmosphäre des jüdischen Hauses, jene von Geschäften und Bureauräumen ein. Wir müssen dieser betrübenden Tatsache kalt ins Auge schauen und in Erkentnis der Gefahr, welche unserer weiblichen Jugend auf dem Wege vom Familienhause ins Bureau droht, unsere Aufgabe stellen. Die neugegründete Organisation der thoratreuen weiblichen Jugend, die Mädchengruppe der Agudas Iisroel, will eben den veränderten Umständen Rechnung tragen und der weiblichen Jugend die Möglichkeit schaffen, trotz allem Wandel und Wechsel im Geiste der Thauro nach den schönsten Ueberlieferungen des jüdischen Hauses — nach einem Ausspruch unserer Weisen — des jüdischen Weibes — zu leben. Möge ihr Streben von vollem Erfolg gekrönt werden. Gedenket der Sektion fürKranKenfürforge der orth. Jugendgruppe V* U SL Ä r» 33? v> ts 1439