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Jüdische Korrespondenz · 1919-12-19 · 46-47 (19.12.1919) · page 7

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
5 (1919)
Issue
46-47 (19.12.1919)
Date
1919-12-19
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 46/47 Jüdische Korrespondenz Seite 7 Mitarbeit, wie an die Loge für die Ueberlassung des Saales zur Generalversammlung. Hierauf hielt Herr Oberrabbiner Dr.H. P. Chaies einen höchst interessanten und belehrenden Vortrag: „Die jüdischen Katakomben in Rom als Geschichtsquelle." Ausgehend von dem Nachweise der Kontinuität einer Judensiedlung seit 63 vor Christus in Rom als hervorragender Diasporagemeinde verbreitete sich der Redner nach einer Beurteilung über den hohen Wert der Katakomben als Geschichtsquelle und nach einem kurzen Rückblick auf die schon im siebzehnten Jahrhundert beginnende Geschichte der jüdischen Katakombenforschung über die aus den Inschriften erhellende Organisation der einzelnen römischen Gemeinden jener Tage, die in gewisser Hinsicht mit der gegenwärtig in Amerika (New Aork) geltenden Ordnung zu vergleichen ist. Die Inschriften der bisher entdeckten fünf Katakomben mit ihren identifizierten elf, respektive zwölf Gemeinden erweisen neben teilweisem Aufschluß über die damaligen Berufs- und Erwerbs- Verhältnisse den jüdischen Einfluß auf die heimische Welt, was dadurch ekennzeichnet ist, daß in den Katakomben eine größere Anzahl von iichtjuden, darunter aus hohen Ständen, den Vollproselyten, sogenannten „Gottesfürchtigen", beerdigt erscheinen. Zum Schluffe verwies dann der Redner auf den geistigen Konnex zwischen dem antiken jüdischen Rom und der dortigen gegenwärtigen Judenheit, deren ideeller Aufschwung in der letzten Zeit so stark bemerkbar wird. Die durchaus anziehenden Ausführungen fanden reichen Beifall. Lin jüdisches Dokumentenbuch. „Die Judenfrage der Gegenwart", Dokumensammlung, heraus- Ä unter der Redaktion von Leon Chasanowitsch und Leo , 166 Seiten im Großformat, Verlag Judea, Stockholm. Obige Schrift ist eine wertvolle Bereicherung der jüdischen politischen Literatur. Ueber ihren Zweck erklärt die Einleitung: „Die vorliegende Schrift verfolgt einen bescheidenen und zugleich wichtigen Zweck. Ihre terausgeber 'wollen eine Lücke in der zeitgenössischen politischen iteratur aus füllen: sie wollen den an der Judenfrage interessierten Politikern — und kein Politiker kann heute umhin, zur Judenfrage, Stellung zu nehmen — ein Dokumentenbuch in die Hand geben, das der Orientierung über diese Frage dient. Die Herausgeber glauben, daß nicht wenige, die sich die Mühe nehmen werden, die hier zusammengetragenen Dokumente zu prüfen, aus dieser Sammlung mehr lernen werden, als aus umfangreichen, tiefsinnigen Abhandlungen über den gleichen Gegenstand, ja, daß manche in dieser Schrift die Judenfrage zum ersten Male in einem für sie ganz neuen Lichte sehen werden." Die Einleitung, welche die Lehren der zusammengetragenen Dokumente kurz 7 zusammenfaßt, enthält auch emen gedrängten Ueberblick über die Behandlung der Judenfrage auf den verschiedenen internationalen Friedenskonferenzen seit dem Wiener Kongreß von 1614 und kommt zum Schluffe: „Wir haben hier also eine fast ununterbrochene Reihe von Präzedenzen für die Behandlung jüdischer Fragen auf großen Friedenskonferenzen seit dem Wiener Kongreß." Das Werk zerfällt in drei Teile. Der erste Teil behandelt die jüdische Volksbewegung. Die große Fülle der in diesem Teil zusammengetraaenen Dokumente, die mit einer einzigen Ausnahme (Baseler Zionistisches Programm) sämtlich aus der Kriegszeit stammen, bringt dem Leser die ungeheure Ausdehnung der jüdischen nationalen Bewegung ihre Wesenseinheit zum Bewußtsein. Die Dokumente aus der jüdisch-amerikanischen Bewegung und der gleichgearteten Bewegungen in Rußland, der Ukraine, Litauen, Ostgalizren, Deutschösterreich, Tschechoslowakien, der Bukowina, Mähren und Schlesien, Ungarn sowie verschiedener Parteirichtungen muten geradezu wie eine Offenbarung der jüdischen Volksseele an, so daß der Leser sich eines tiefen Eindruckes nicht erwehren kann. Der erste Teil wird mit den Denkschriften des Komitees der jüdischen Delegation in Paris an die Friedenskonferenz abgeschlossen. Eine bedeutsame Zusammenstellung bietet der zweite Teil, der die Stellung der internationalen Demokratie behandelt. Sehr reichhaltig ist der dritte Teil, der Regierungserklärungen. Gesetze und internationale Verträge enthält. Hier werden zunächst alle Regierungserklärungen, Palästina betreffend, wiedergegeben. Es folgen sodann Regierungserklärungen betreffs der Juoensrage in Osteuropa. Sehr lehrreich ist der Abschnitt: »Die Juden im' alten Polen." In der Einleitung wird ein Ueberblick über die jüdische Autonomie im alten Polen gegeben. Dann folgen die Generalprivilegien der polnischen Judenheit. Mit diesen Dokumenten beabsichtigen die Herausgeber, wie sie in ihrer Einleitung sagen, nachzuweisen, daß die gegenwärtige Judenpolitik in Polen „im Widerspruch zu ihrer geschichtlichen Ueberlieferung steht". Es folgt der Abschnitt „Die jüdische Autonomie in der Ukraine", der die Dokumente aus der in national-politischer Hinsicht bahnbrechenden Gesetzgebung der ukrainischen Volksrepublik, die nationalen Minderheiten betreffend, enthält. Der Abschnitt „Die Juden in Rumänien" gibt die einschlägigen Dokumente seit der Pariser Konvention von 1856 wieder. Es folgt das Gesetz über die „Emanzipation" der Juden Finnlands. Der dritte Teil schließt mit Dokumenten aus den Pariser Frredensverträgen. Wo es nötig erschien, wurden die Dokumente mit gedrängten einleitenden Bemerkungen versehen, die Aufschluß über die geschichtlichen Umstände, unter welchen sie entstanden sind, geben. Diese Bemerkungen stellen ein wertvolles geschichkliches Material vor und erleichtern ungemein die Orientierung. Die Sammlung enthält zahlreiche Dokumente, die nur mit großer Mühe beschafft werden konnten und ist in ihrer Vollständigkeit und in ihrer systematischen Anlage ein unentbehrliches jüdisches politisches Handbuch. Auch die Ausstattung der Schrift befriedigt alle Ansprüche. Das Werk erscheint auch in französischer und englischer Sprache. Bereirr zur Wahrung der Interessen des orthodoxen Judentums in Wien und Niederösterreich. Am Sonntag, fünfter Chanukkahtag, den 21. Dezember, halb 3 Uhr nachmittags, findet eine außerordentliche Generalversammlung im Turnsaale der Talmud Thora, II., Malzgasse 12, statt. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Statutenänderung. 3. Anschluß an die Agndas Jisroel. 4. Anträge und Eventuelles. — Gäste willkommen. Rundschau. (Der Baunspruch gegen die Lebensmittelhändler in Wien.) In Wien' wird zurzeit das Eintreffen einer neuen Sendung von Lebensmitteln aus Amerika erwartet. Das veranlaßt die galizischen Rabbiner zur Verlautbarung eines Bannspruches,einer feierlichen Maßnahme, die sonst nur in großen Momentender jüdischen Geschichte getroffen wurde, die aber hier mit Rücksicht aus die antisemitischen Stimmungen und die Hungersnot in Wien wohl angebracht erscheint. Der Bannspruch lautet: „Im Sinne unserer Brüder, der mitleidigen Volksgenossen aus Amerika, welche sich unserer armen europäischen Brüder annehmen und uns Lebensmittel geschickt haben, finden wir uns verpflichtet, ein Verbot nnd ein vollständiges Anathema („Cherem") gegen die Lebensmittelempsünger auszusprechen, welche sich unterstehen sollten, diese Lebensmittel, sei es teilweise, sei es im ganzen zu verkaufen. Sie dürfen sie nur für sich und ihre Hausgenossen verwenden. Alle dieses Verbot Uebertretenden werden unweigerlich unserem Bann unterfallen." (Die große Protest- und Trauerdemonftration in New Uork.) Ein New Jorker Kabel des Londoner jüdischen Korrespondenzbureaus meldet: Am 24. November fand in New Jork eine jüdische Riesendemonstration gegen die furchtbaren Pogrome in der Ukraine statt, wie sie New Jork niemals vorher in dieser Größe gesehen hat. Einige Hunderttausende von Juden marschierten zum Protest durch die City. Mehr als 10.000 jüdische Soldaten bildeten die Spitze des Zuges, der alle Straßen des jüdischen Viertels mit seinen Massen bedeckte. Jüdische und amerikanische Fahnen mit Protest- und Trauerinschriften wurden dem Zuge vorangetragen. Alle jüdischen Geschäfte, Handwerksstätten und Fabriken waren geschlossen. In den Synagogen wurden feierliche Trauergottesdienste abgehalten. Beinahe die gesamte jüdische Bevölkerung trug an diesem Tag schwarz und Trauerbänder. Die jüdischen Geschäfte und Häuf er waren mit Trauerfahnen versehen. Die jüdischen Blätter erschienen mit Trauerrändern. Die Trauerdemonstration begann um 12 Uhr mittags. Besonders eindrucksvoll war der Zug von mehr als 10.000 jüdischen Soldaten, die in der amerikanischen Armee gedient hatten. Eine besondere Gruppe bildeten die jüdischen Palästinalegionäre. Neben den Versammlungen, die in verschiedenen Teilen der Stadlabgehalten wurden, fand eineRiesenversammlung in der Carnegiehalle unter Vorsitz von Oberst Cuttler statt. Als Redner traten Minister Daniels, Kardinal Lawes, Gouverneur Walker Hylan, der Mayor von New Jork, Rabbiner Wise, der Vizepräsident der zionistischen Organisation, Marhall, Richter Hack und der bekannte jüdische Philanthrop Jacob Schiff auf. Die Redner rührten mit ihren Schilderungen die Versammlung zu Tränen. Die Versammlung nahm eine Resolution an, in der sie die Großmächte zur Intervention aufforderte, da nur diese Maßregel den Pogromen ein Ende bereiten können. Die Versammlung faßte ^auch den Beschluß, eine Deputation zu Präsident Wilson zu entsenden. Die Versammlung machte großen Eindruck auf die jüdische und nichtjüdische Oeffentlich». keit von Amerika. Aehnliche Demonstrationen wie inNewIort

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