Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 5 (1919)
- Issue
- 37 (7.10.1919)
- Date
- 1919-10-07
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 14 Jüdische Korrespondenz Nr. 37/38 Mose fort, was aber werden die Leute (Geschöpfe) sagen? Die Füße, die den Himmel traten, die Hände, die die Thora empfingen, der Mund, der mit dem. Ewigen redete, soll sterben? Und gleichwohl fand er keine Antwort vor Gott, dem Hochpreislichen. Das ist Mose. WaS werden die übrigen Leute tun und was werden fie sagen? Grrnchas Tauroh. tn jedem Herren freudiger Jubel schallt, in zu dem Thorafest jeder gern wallt. Alle im Gotteshaus preisen voll Lust Dich nur, Allgütiger, aus tiefster Brust. Ono Haschem fingen die Beter laut, Und dieser Ruf erklingt allen vertraut- Festlich geschmückt erscheint heut' jung und alt, Ono Haschem bittend erschallt. Hilf und errette, schütze doch, immerdar, Hüte dein Israel stets in Gefahr! Da wir dir bittend nah'n, ewiger Gott, Vater im Himmel du, bann' unsere Not! _ Max Gottheiner. Salomo imd Asmodai. (Eine talmudische Agada.) Eitelkeit der Eitelkeiten, alles ist eitel! Ich, Kohelet, war König über Israel in Jerusalem. (Kohelel I, 2, 12.) Einst träumte König Salomo, daß Gott zu ihm gekommen und also gesprochen: „Siehe, Dich machte ich zum Gebieter über mein Volk und die Könige der Erde. Die Heerscharen des Himmels, die Geister und Schatten der Unterwelt beugen sich vor Dir. Und das Getier des Feloes, der Erde Gewürm und die Fische des Meeres sind in Deine Hände gegeben. Wohlan denn! Dir ist die Aufgabe zuteil geworden, mir einen Tempel zu errichten. Doch wisse, so Du eines Tages die Balken und Quadern meines Hauses mit dem Eisen verletzest und mein Heiligtum schändest, wird mein Zorn über Dich kommen, und die Gnade von dir weichen." Und als am Morgen der König erwachte, ließ er die Weisen kommen und erzählte ihnen, was er geschaut. „Nicht kann ich es fasten," sagte er, „wie man ohne Axt und Hammer ein Haus baut. Darum ratet mir und sprechet! Denn ihr seid weise und kundig der Geheimnisse." — Also lautete der Weisen Antwort: „Im fernen Osten hat Gott einen Stern bewahrt, der hart wie Eisen und Erz ist und den man Schamir nennt. Niemand kennt den Ort, wo der Stein liegt. Aber der Geister Blicke durchdringen die Erde, und sie werden dem Herrn König die Stelle deS Steines künden. Darum soll sich Dein ganzes Reich versammeln und alle die Dämonen mögen hier erscheinen" Der König tat nach dem Spruche der Weisen. Weithin erschallte sein Ruf: „Von allen Himmeln wehe der Wind, die Bewohner der Festen und Eilande zu mir! Alle sollen kommen und keiner fehle!" Und seine Worte begleitete ein heftiges Wehen, das aus den Eingeweiden der Erde sich emporrang und zum Sturme schwoll. Unübersehbare Scharen von Vieh und Gewürm erfüllten das Land, alle die Baum- und Grasgeister flogen herbei, und keiner fehtte. Selbst die Seelen der Schätze und Edelsteine waren gekommen. In einem Engpaste hatten sie sich auf des Königs Geheiß versammelt. Dann Hub Salomo an: „Ich beschwöre euch, Söhne der Finsternis, daß ihr mirden Ort nennt, wo der Schamir liegt. So ihr euch besten weigert, will ich Rache nehmen und euch allesamt ewig verderben." Da knatterte und krächzte es aus aller Munde zugleich mit gräßlichem Gekreische: „Heil Dir, Herr König, keiner von uns kennt den Ort des Schamir. Doch möge es dem Könige gefallen, zu Asmodai, unserem einstigen Herrn, zu ziehen. Denn er ,st allwistend, und wird Euch sagen, wo der Schamir liegt." „Und wo wohnt Asmodai?" fragte der König. „In den Gründen der finsteren Berge," lautete die Antwort, „liegt ferne Höhle. Ein Stein führt zu ihr und darauf hat Asmodai mit dem Ringe sein Siegel gedrückt. Täglich steigt der Fürst zum Himmel empor, um dort unter den Scharen des Herrn zu wandeln. Und wenn er von seinen Irrfahrten zurückkehrt, betrachtet er den Siegel, ob nicht etwa Menschenhand daran rüttelte. Dann wälzt er den Stein von der Oeffnung des Brunnens, trinkt daraus und deckt wieder den Stein darüber. Endlich drückt er sein Siegel von neuem auf. Und so wiederholt er es an jedem Tage." Und König Salomo nahm eine eiserne Kette, und darauf stand der Name Gottes. Dann fügte er einen goldenen Ring bei, der ebenfalls den göttlichen Namen trug. Und oieS alles übergab er Ben- Jehujadja, seinem Heerführer. Ferner rüstete er ihn mit, Wolldecken und Weinschläuchen aus und sprach: „Nimm all dies, ziehe in die Berge der Finsternis und bringe den König der Dämonen gefesselt zu mir." Ben-Jehujadja zog aus und marschierte sieben Tage und ebensoviele Nächte, bis er zu dem Brunnen gelangte. Auf dem Wege hatte er eine Vertiefung in den Erdboden gegraben, und von da einen Stollen geführt, bis das Master des Brunnens in die neue Höhlung strömte. Dann breitete er Felle darüber. Und noch eine Grube öffnete er oben in dem Gebirge, füllte sie mit Wein und breitete Felle darüber. Da nun seine Arbeit zu Ende war, stieg er auf einen Baum und versteckte sich in dessen Zweigen. Inzwischen kam Asmodai von seiner Wanderfahrt zurück und fand das Siegel unversehrt., Als er aber den Stein fortwälzte, um aus dem Brunnen, wie gewöhnlich zu trinken, da merkte er, daß das Waffer sich in Wein verwandelt hatte. Darob erfaßte ihn grimmige Wut und er schrie: „Die Menschenkönige sollen den Wein trinkend Diese Schlangen trachten mir nach dem Reiche! O, ich bin ein König und gebe niemand meine Würde. Der hinterlistige Wein sollte mich betören. Aber der Trunkene gleicht dem Tor, sagte ein großer Mann. Und Lehren soll man auch von seinem Feinde annehmen." So sprach er weiter mitsich, bis er müde wurde und der Versuchung erlag. Er trank von dem Wein, ward. schläfrig und schlummerte ein. Ringsum vernahm man sein gräßliches Schnarchen. Sachte stieg Ben-Jehmadja vom Baume, legte die Ketten um des Dämons Hände und Füße und setzte sich ihm gegenüber. Als Asmodai erwachte und sich zu rühren begann, merkte er, daß er gefangen war. Da wollte er die Ketten mit seinen Armen sprengen, aber Ben-Jehujadja sagte: „Hüte Dich, diese Fesseln zu lösen, der Name des Gottes des Himmels und der Erde steht daraus. Folge mir nach dem Orte, den ich dir «eisen werde!" Und Asmodai gehorchte. Sieben Tage und sieben Nächte dauerte die Reise. Und, als die Kreise der sieben Tage vollendet waren, da betrat Asmodais Fuß die Stadt Jerusalem, wo er drei Tage weilte. Am dritten Tage durfte Asmodai dem Könige nahen, und er stand, auf seinen Stab gestützt, vier Ellen weit von dem Throne. Zuerst begann Asmodai, indem er fragte: „Das ist doch hier Dein Reich. Wozu suchst Du fremde Länder, die Dir nicht gehören, auf und läßt mich vom Ende der Erde kommen?" Und der König antwortete: „Fern sei es mir, Dir Böses zu tun. Ich will nur eine Frage an Dich stellen. Ich will dem Gotte des Himmels ein großes Haus erbauen, und dazu benötige ich den Schamir, ohne den ich nichts beginnen kann. So Du mich in den Besitz dieses Steines gesetzt haben wirst, sollst Du friedlich in Dein Heim zurückkehren." „Ich habe keine Macht über diesen Stein," sagte Asmodai. „Er gehört meinem Freunde Rahaw, dem Herrn des Meeres, der ihn dem Wiedehopf anvertraute,'auf daß er ihn hüte. Und der Wiedehopf versteckte den Schamir an eines Felsen Fuße, wo er stille an einem unberührten Orte ruht. Wenn man mit ihm den Felsen berührt, dann spaltet er sich von selbst. So tat es auch der Wiedehopf, bevor er den Schamir hier versenkte. Dann stteute er Samen über den Felsen, der sofort dem Anblicke der Lebewesen entschwand." Als König Salomo solches vernommen, nahm er zwei Glastafeln und übergab sie Ben Jehujada. „Nimm diese," sprach er, „und bringe mir den Schamir." Und Ben Jehujada zog von einem Ende der Erde zum anderen, um das Nest des Wiedehopfs zu finden. Als er eS endlich entdeckte, sah er, daß die Jungen darin waren, die Mutter aber war fortgeflogen. Rasch legte Jehuiada die Glastafeln über daS Nest, setzte sich auf einen Baum, überdeckt von besten Zweigen. Als der Wiedehopf zurückkam, merkte er die Freveltat. Wütend pickte er an die Glastafel, aber diese blieb fest. Da fürchtete er den sicheren Tod seiner Sprößlinge, breitete die Flügel aus und flog davon. Kurz darauf kehrte er mrt einem funkelnden Stein im Schnabel zurück, legte ihn an die Glastafel, die sofort zersprang. Ben Jehujada, der erkannt hatte, daß dieS der Schamir sei, schrie vor Freude laut auf. Der Wiedehopf fuhr zusammen, ließ den Schamir seinem Schnabel entgleiten, worauf Ben Jehujada ihn aufhob und mit ihm nach der Stadt Salem zurückkehrte. Der Wiedehopf sah nun ein, daß seine Lebensarbeit getan war, und erwürgte sich. König Salomo begann nun mit dem Baue des Heiligtum, als Asmodai vor ihn trat und sprach: „Mein Herr und König, schicke mich fort, ich möchte in meine Heimat zurückkehren." Da sagte der König: „Nicht früher sollst du zurückkehren, bevor nicht das Haus des Ewigen vollendet ist." Und Asmodais Seele ward ungeduldig und . neiaete König Salomo, seine Macht. Sieben Jahre waren versttichen, seitdem Asmodai bei dem Könige weilte, und endlich ward das Haus Gottes zur Einweihung fertig. Und eines Nachts, als der König allein in seinem Kabinette saß, uno niemand außer Asmodai bei ihm war, da begann der König ihn zu hänseln, indem er fragte^ wie groß seine Kraft wäre. Und Asmodai entgegnete: „Wenn Du mtt Deinen Ring gibst und meine Fefleln lösest, dann will ich Dir den Beweis meiner Kraft liefern." Darauf lächelte der König, erhob sich von seinem Throne und öffnete Asmodais Fesseln. Dann gab er ihm seinen Ring, und Asmodai zerbrach denselben. Dann wuchsen seine Flügel ins Unendliche, und der eine reichte bis zu dem Himmel, während der andere den König erfaßte und an das Ende der Erde entführte. Und Asmodai verbarg seine Flügel, zog das königliche Prunkgewand an, setzte sich die Krone aufs Haupt und bestieg den Thron. Und nun berief er alle die Sklaven, die des Königs Thron behüteten und sprach zu ihnen: „Asmodai, den Fürst der Dämonen, habe ich verbannt und in ein dürres ödes Land gebracht. Denn meine Seele ist ihm abhold und auch Ben Jehuiada traf mein Zorn, weil er ihn mir ins Haus brachte. Deshalb habe ich ihn seines Amtes als Heerführer enthoben und ihm verboten, sich vor mir zu zeigen. Ihr aber sollt ihm keinen Einlaß gewähren." Die Sklaven versprachen nach des Königs Willen zu handeln, verbeugten sich und gingen hinaus. Jndeflen wandelte König Salomo in dem öden Lande herum, das keines Menschen Fuß bettat und ihm ward gar traurig zumute. Da überkam ihn der Durst, und da sah er eine Quelle, die dem Berge entsprang. Und als er von dem Naß kostete, siehe, da spürte er den Geschmack von Wein in seinem Munde, von ebensolchem Weine, den er täglich bei Tische ttank. Und als er um sich blickte, da gewahrte er über dem Brunnen das Dach einer Höhle, die mit Fellen überdeckt S fl