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Jüdische Korrespondenz · 1919-10-07 · 37 (7.10.1919) · page 11

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
5 (1919)
Issue
37 (7.10.1919)
Date
1919-10-07
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 37/38 Jüdische Korrespondenz Seite 11 Ministerpräsident, daß die serbische Regierung mit ihrem! dem Gesetze entgegen, den Juden gegenüber in Algerien praktiziert Proteste gegenüber der Klausel über dm Schutz der nationalen werden, auszudehnen und richtet zu diesem Zweck emen Auftus Minderheiten keineswegs die Juden im Auge habe. Serbien | an das französische Volk. habe die Juden stets als treue Bürger anerkannt, ihnen alle Rechte gegeben und auch Zutritt zu den Regierungsstellen gewährt. Die Regierung wird nichts dagegen haben, daß die Juden in ihren Schulen ihre Sprache lernen. Sie hat der Religion gegenüber stets vollste Toleranz und gehörige Beachtung bewiesen. Die Regierung könne jedochM Minoritätsklausel nicht ännehmen, weil in Neu-Serbien viele Bulgaren wohnen, die diese Klausel zum Zwecke einer großbulgarischen Agitatton ausnützen könnten, was für Serbien eine große Gefahr bedeuten würde. (Die Forderungen der rumänischen Inden.) Im Namen des „Komitees zur Verteidigung der Interessen der Juden Rumäniens" wurde dem Friedenskongreß in Paris vor kurzem ein eingehendes Memorandum überreicht. Es wird die Anerkennung aller jüdischen Einwohner Rumäniens als Staatsbürger des rumänischen Staates verlangt. Auf Grund der bisherigen Erfahrungen wird im Memorandum die ausdrückliche Erwähnung aller Kategorien der rumänischen Juden im zu veröffentlichenden Gesetze verlangt. Die Jüdische Gemeinde muß als juridische Person anerkannt werden, die das Recht hat, alle konfessionellen, kulturellen und philanthropischen Angelegenheiten des jüdischen Volkes auf Kosten des Staates zu regeln. Die jidische Sprache soll staatsrechtlich anerkannt werden. Die jüdischen Schulen sollen dieselben Rechte, wie die nichtjüdischen erhalten. Juden, welche am Samstag ihre Geschäfte geschlossen haben, dürfen nicht gezwungen werden, am Sonntage ihre Geschäfte zu schließen. All die Gesetze müssen auf internationalem Wege garantiert werden und sofort nach ihrer Veröffentlichung in Kraft treten. In einem eingehenden Anhang wird die gegenwärttge Lage der Juden Rumäniens und die bisherige Polittk der rumänischen Regierungen ausführlich dargelegt. Die Erfahrungen, die nach dem Berliner Frieden gemacht worden sind und das Verhalten der Regierung, das im krassen Gegensatz zu dem Versprechen des Berliner Traktates gestanden ist, zwingt das Komitee, den Völkerbund zu ersuchen, die Regelung der Judenftage in Rumänien zur Sache der internattonalen Polittk zu erheben und für die Herausgabe ^dieses Emanzipattonsgesetzes, das aus den Grund lagen der nattonalen Autonomie beruht, und für seine tatsächliche Verwirklichung Sorge zu tragen. (Die jemenitischen Juden.) Die Vertreter der jemenitischen Juden in Jaffa und Jerusalem richteten am 23. Juli an Brandeis eine Petition, in der es heißt: „Nach den Briefen und Jnformattonen aus dem Jemen haben die Verfolgungen der Juden durch die dortigen lokalen Behörden wieder begonnen. Bis die türttschen Behörden, die unsere Brüder beschützten, Sanaa, die Hauptstadt des Jemen, verließen, durfte der Imam und seine Freunde unfern Brüdern kein Uebel zufügen. Wir sind besonders bekümmert darüber, daß sie jetzt die Witwen und Waisen zwingen, zur mohammedanischen Religion überzutreten, wie angeblich ein altes Gesetz verschreibt. Außerdem zerstören sie alle Gebäude, die mehr als ein Stockwerk haben. Sie verlangen auch, daß die Häuser der Juden niedriger gebaut werden, als die der Nichtjuden. Die neueste Bestimmung ist, daß die jüdische Gemeinde von Sanaa den Bettag von 10.000 Pfund Sterling zu zahlen hat. Bis diese Summe bezahlt ist, werden die führenden jüdischen Bürger und Rabbiner im Gefängnis behalten. Wir bitten Sie deshalb sehr, diese Sache sorgfältig zu erwägen und diejenigen Schritte zu unternehmen, die notwendig sind, um unsere Brüder von jeder Bedrückung zu befteien. (Aus Algier.) Das energische Eingreifen des jüdischen Studienkomitees in Algerien bei den führenden Männern und bei der Zenttalregierung in Paris in der Affäre der Studentenvereinigung von Algier, welche 30 jüdischen Studenten den Bettritt in ihren Verein verweigert hatte, obwohl die meisten dieser jüdischen Studenten das Kriegstteuz an der Front erworben hatten, war von Erfolg begleitet. Nunmehr beschloß das Komitee seine Tätigkeit auf alle Rechtsverweigerungen, die Freie Tribüne. Offener Brief an die „Wiener Margenzeitung". In Nummer 239 Ihres geschätzten Blattes vom 17. September erschien im Tagesbericht unter dem Titel „Bor den Feiertagen" ein kurzer, aber ausgezeichneter Artikel aus der Feder Ihres ausgezeichneten Redakteurs Dr. A b e l e s, welcher übrigenschon zu wiederholten' malen gegen die Putzsucht gewisser Modejüdinnen die richtigen Worte gefunden hat. Wollen wir nun auch hoffen, daß dieselben nicht auf unfruchtbaren Boden gefallen sind. — Der besagte Artikel ist aber in seiner Gänze so wahr, daß jeder darin vorkommende Satz und selbst jedes Wort auch noch in anderer Hinsicht wörtlich genommen werden sollte, und um ein aufrichtiges, aber durchaus wohlmeinendes Wort zu gebrauchen, möchte ich hervorheben, daß es in erster Reihe Ihrem sonst ausgezeichneten Blatte geziemen würde, diesbezüglich mit dem guten, vorbildlichen Beispiele voranzugehen. Sie schreiben: Die Aufdeckung lächerlicher, kulturwidriger und unjüdischer Gepflogenheiten unserer Volksgenossen ist gewiß kein Kunststück. Deshalb bleibt sie doch die vornehmste Pflicht eines jeden, der seinem Volke dienen will; und er darf sich insbesondere dann durch Stillschweigen nicht mitschuldig machen, wenn man durch rechtzeitige Ermahnungen das llebel wenigstens bessern kann. Unsere hohen Feiertage sind in der Großstadt ein Anlaß zu einer Art Toilettenschau geworden und damit zu einem wahren tohn auf jüdi sch «Religiosität, zu einer Blasphemie, die resgleichen sucht. Alle Hochachtung! Sie verdammen u n j ü d i s ch e Gepflogenheiten und weisen mit vollem Rechte den Hohn auf jüdische Religiosität energisch zurück. Seien sie mir daher nicht gram, wenn ich nun glaube, auch Ihrem geschätzten Blatte einen diesbezüglichen Borwurf machen zu müssen. Schauen Sie, da machte ich mir kürzlich unter irgend einem gleichgültigen Vorwand an einem Sabbat das Vergnügen, in Ihr Admmistrationslokal zu kommen und Sie können sich meine Ueberraschung kaum vorstellen, als ich dortselbst einen Annoncen übernehmenden jüdischen Beamten mit der Zigarre im Munde unb eine ganze Anzahl jüdischer Beamtinnen mit der Feder in der Hand anttaf! Sie müssen mich daher schon gütigsi entschuldigen, wenn ich mir erlaube, die höfliche Frage an Sie zu richten, ob Sie eine derartige, an einem Sabbat betätigte Handlungsweise nicht ebenfalls als „unjüdische Gepflogenheit" ansehen und ob Ihnen dies nicht ebenfalls, aber in noch viel ttasserer Form als ein Hohn auf jüdische Religiosität erscheint? Sie bekämpfen doch — und zwar mit vollem Rechte — die Assimilation. Die Hand aufs Herz! Sagen Sie bitte, halten Sie eine derartige Handlungsweise nicht für schlimmste assimilatorische Betäügung? Gewiß, Sie werden einwenden, wir haben doch ein modernes Zeitungsunternehmen und unser Blatt muß auch am Samstage erscheinen. Das hört sich beinahe entschuldigend an, ist es aber in Wirklichkeit nicht, denn es ist nicht recht einzusehen, warum es Ihrem Blatte schließlich gar so unmöglich sein sollte, das Erscheinen am Samstag auszusetzen und dafür als Montag-Frühblatt herauSgebracht zu werden. Natürlich müßte diesfalls von einem Erscheinen an den lüdischen Feiertagen ebenfalls abgesehen werden. Bedenken Sie aber, was das für einen moralischen Erfolg, und zwar einen echt jüdischen Erfolg bedeuten würde! Bitte also mit sich zu Rate zu gehen, denn unjüdische Gepflogenheiten kann man doch nicht gut geißeln, wenn man solche selbst begeht. Der Herr Abgeordnete Stricker hat in einer der letzten Parlamentssitzungen ein paar ausgezeichnete Worte gesprochen. Sie lauten: „Wenn schon, denn schon." > Denken sie mal nach, ob Ihnen dieselben nicht auch in eigener Sache berücksichttgenswert erscheinen sollten. Hochachtungsvoll Hermann Grünbaum. (Anmerkung derRedaktion: Das Erscheinen der „Wiener Morgenzeitung" am Samstag erregt tatsächlich die Enwörung aller glaubenstreuen Juden. Seinerzeit hat der Orthodoxe Rabbinerverband dagegen in einem Briefe an die Redaktion protestiert, hat auch die Intervention deS Wiener Rabbinats angerufen — doch vergeblich. Das Erscheinen des BlatteS am Rosch Haschana wurde als eine niederträchtige Provokation gebrandmarkt. Am Jom-Kipur hat die zionistische Redattwn endlich das „Opfer" gebracht und die Nummer ausfallen lassen. Aber ohne den eigentlichen Grund anzugeben. An der Spitze des Freitag-Blattes hieß es bloß: Die nächste Nummer erscheint am Sonntag. Die Herren von der Taborstraße 1—3 haben es von der Assimilation Selernt, „sich nix derkennen zu geben". Wenn Dr. Schwadron in der Jom«!ipur folgenden Nummer diejenigen geißelt, die beim Tempelbesuch TaliS und Gebetbuch verstecken, so hätte er wirklich mehr Grund, seinen Redakttonskollegen ob diefÄ verächtlichen Versteckenspielens die Leviten zu lesen. Wie heißt es in den Psalmen: »IVsloreseh omar, ma loch Iesaper chukkai.)

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