Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 5 (1919)
- Issue
- 45 (5.12.1919)
- Date
- 1919-12-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 45 Jüdische Korrespondenz Seite 5 } & JUGENDGRUPPE-BEIBLATT 4----—- -—-m P. Wajeze wurde das neue Lokal der Jugendgruppe von Seiner Ehrwürden Herrn Rabbiner Fürst der Schiffschul durch eine Festrede eingeweiht. Von nun an finden sämtliche Vorträge und Besprechungen im neuen Lokal, Ii., Obere Donaustraße 69 (Eingang Floßgasse, von der Straße), statt. Das neue Leim der Iugendgruppe. Die Jugendgruppe hat ein neues geräumiges Heim bezogen. Die Anziehungskraft der zahlreichen Vorträge wird nicht mehr durch die beschränkten Räumlichkeiten eingedümmt und die thoratreue Jugend kann sich versammeln, um ihre so schön begonnene Tätigkeit für G'ttesgelahrtheit, Religiosität und soziale Fürsorge zu besprechen und ins Werk zu setzen. Herr Rabbiner Fürst hielt zur Eröffnung der neuen Lokalitäten einen Vortrag, der tiefen Eindruck machte. In warmen Worten zollte er der Jugend Anerkennung für das in so kurzer Zeit Geleistete (die Jugendgruppe besteht ein halbes Jahr) und gab ihr weise Ratschläge für ihr Tun und Lassen in der Zukunft. Möge es der Jugendgruppe vergönnt sein, immer weitere Kreise heranzuziehen zu ernster ruhiger Arbeit und vorbildlich zu werden für unsere ganze junge Generation. Der echt jüdische Geist, der hier herrscht, kann nicht verfehlen, auch die nicht orthodoxe Jugend zur Erkenntnis zu bringen, daß das Judentum andere, höhere Ideale kennt als Politik und Agitation und daß der wirklich religiöse Jude durch Bescheidenheit gepaart mit Energie, durch Kenntnis unseres heiligen Schrifttums, durch intensive Betätigung der Menschenliebe allein das Judentum erhält für und für. Wolf Pappenheim. WM-' Spendet für die Palästina-Aktion der orthodoxen Iugendgruppe! 8m Aktion Lunningham. Oberstleutnant Sir Th. Cunningham hat eine Hilfsaktion für Wien eingeleitet. Gleichzeitig wendet er sich an die wohlhabenden Deutschösterreicher, auch ihrerseits das Möglichste zur Linderung der Not beizutragen. So begrüßt diese Aufforderung werden muß, so traurig ist der berechtigte Vorwurf, der in den Worten des englischen Würdenträgers steckt. Man kann dieses Kapitel nicht behandeln, ohne der reichen Juden zu gedenken. Der vielgerühmte Wohltätigkeitssinn der Juden ist manchmal leider nur relativ : mit demjenigen vieler Nichtjuden gemessen mag er groß sein, den Tatsachen entsprechend ist er — so traurig dieses Bekenntnis auch klingen mag — stark abgeblaßt. Im Frieden waren die Wiener reichen Juden für Geldopfer zu haben. Während die arischen Grafen und Fürsten für Wohltätigkeitsaktionen höchstens ihren Namen, ihr Protektorat, übrig hatten, fand man es selbstverständlich, daß die Rothschild, Guttmann und die anderen Finanzgrößen, in deren Adern jüdisches Blut fließt, herhielten. Es sei eingestanden, daß viele der letzteren die finanziellen Opfer nur brachten, um dadurch den Adel, einen Orden oder auch nur ein gnädiges Kopfnicken hoher Herrschaften zu erreichen, was die feudalen Nichtjuden nicht nötig hatten. Immerhin verdankten faktisch die meisten Wohltätigkeitsanstalten — soweit sie nicht staatlich oder städtisch waren — ihre Existenz jüdischem Kapital. Damen, wie die Fürstin Pauline Metternich-Sandor, Männer, wie der berühmte Augenarzt Fürst Batthiany in Preßburg, waren selten. Im Kriege, als die offiziellen Sammlungen stattfanden, war es modern, Mitleid zu haben und notwendig, das leidende Volk zu beruhigen und man sah in den Spendenlisten der Zeitungen auch Namen, die man früher nur in den kostenlosen Reihen der Protektoren, Ehrenpräsidenten und Ehrendamen gefunden hatte. Nach dem Kriege kam die Reaktion. Das Elend ist größer, Krankheiten nehmen in erschreckendem Maaße zu, die furchtbare Arbeitslosigkeit richtet die Menschen materiell, physisch und geistig zugrunde; von den Kriegswohltätern keine Spur. Man gibt die verschiedensten Gründe für diese Zurückhaltung an, die wohl alle vielleicht eine notdürftige Erklärung für dieses menschenunwürdige Verhallen, gewiß aber keine Entschuldigung sind. Manche behaupten, daß die Wohltätigkeit von selbst aufhört, seitdem sie nicht mehr der Schlüssel zur Gnade der Durchlauchtigsten ist. Andere führen die Gefühllosigkeit darauf zurück, daß sich die Reichen jetzt als die Zurückgesetzten betrachten und infolge der Unzufriedenheit mit den jetzigen sozialen Verhältnissen nicht das Verbrechen erkennen, dessen sich alle schuldig machen, die ruhig mitansehen können, wie Säuglinge erfrieren, Spitäler gesperrt werden, wie Greise und Schulkinder stundenlang Straßenarbeit verrichten müssen, um die rayonierten Lebensmittel erstehen zu können, und nicht zuletzt die finanzielle Not der Rettungsgesellschaft. Auch die Not der jüdischen Institutionen ist ins Ungeheure gestiegen. Bei der Zedokohenthaltung der Angehörigen unserer Rasse, dürfte auch der Umstand mitspielen, daß sie glauben, die nationalistische Agitation der Jüdischnationalen durch gänzliche Verleugnung ihres Judentums wettmachen zu können und in ihrer feigen Assimilation es nicht einmal wagen, durch eine größere Spende ihr Interesse für jüdische Einrichtung zu bekunden. Der verkleinerte Betrieb des Rothschildspitales, die Ernährungsverhältnisse im Versorgungshause, die Unterbringung jüdischer Waisenkinder in nichtjüdischen Häusern, wo sie statt des Schema Jisrol und des Kadischgebetes das Vaterunser lernen, ist eine Schande für die Wiener wohlhabenden Juden. Diejenigen, die noch Sinn für Judentum haben, glauben ihrer Pflicht zu genügen, wenn sie große Summen für jüdischpolitische Zwecke verausgaben. Dies geht so weit, daß bei Wohltätigkeitsaktionen unter dem Vorwand, das ungesunde Schnorrertum auszumerzen, alles, was, nicht den politischen Zielen direkt dienlich ist, unterlassen wird. Bon den Einrichtungen der Orthodoxen und der Frau Anitta Müller abgesehen, gibt es nur wenige Ausnahmen. Als vor einigen Jahren hier eine Zentralstelle fstr Wanderbettel errichtet werden sollte, sagte ein orthodoxer Vertreter, daß diese Gründung ein Unglück wäre, weil dadurch die Jugend nicht so viel Gelegenheit hätte, direkt Gutes zu tun und mit der Zeit die Notwendigkeit des Helsens vergessen würde. Der Grund, warum heute so wenig Rachmonus vorhanden ist, ist der, daß die Wohltätigkeit Organisationen, Vereinen überlassen wurde, was zur Folge hatte, daß das Kind nie Armut, nie Hilfsbereitschaft kennen lernte. Beweis hiefür ist der Umstand, daß in orthodoxen Kreisen, wo Hachnoßas Aurchim und Zedokoh besser geübt wird, auch die Kinder noch Verständnis hiefür besitzen. Unsere Führer mögm sich daher von den letztens auftretenden Reformatoren gedenket der Sektion für Krankenfiirforge der ortb. Iugendgruppe! Werbet Mitglieder für die Agudas Iilroel, den Weltverband der kraditionell-geletrertreuenr