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Jüdische Korrespondenz · 1919-12-05 · 45 (5.12.1919) · page 3

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
5 (1919)
Issue
45 (5.12.1919)
Date
1919-12-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 45 Jüdische Korrespondenz Seite 3 Mosso haben den Abtransport in dankenswertester Weise gefördert. Die „Morgenpost" bringt eine Notiz über die Heimfahrer. Oberrabbiner Dr. Chajes, Dr. Zweig, Joint, Opfertag Transportgesellschaft, Direktor Brings werden erwähnt. Also alles, was den Zionisten teuer ist. Daß die drei Kollegien und Mitglieder der Adas Jisroel sehr bedeutende Summen beitragen, daß die Adas Jisroel Lebensmittel beigestellt hat, zu erwähnen, schickt sich für ein nationales Blatt nicht. — Daß die Allianz angeführt wird, hat feinen Grund wohl in der Angst, diese Kreise könnten durch Mißachtung abgestoßen werden, was bei orthodoxen Juden, wo es sich um ein gutes Werk handelt, nicht zu befürchten ist. Der Vorgang scheint Prinzip zu sein. Als vor einiger Zeit eine führende Persönlichkeit der Wiener Orthodoxie in Lemberg weilte, um für Frankfurter Rechnung Hunderttausende an Pogromopfer zu verteilen, brachte das Lemberger Tagblatt die Nachricht, diese Summen seien für orthodoxe Juden bestimmt, obwohl sehr namhafte Beträge an Neologen, Zionisten und Misrachi (letztere sind zumeist streng religiös, wollen aber nicht als orthodox bezeichnet sein) verteilt wurden. Vortrag Dr. Uosstg. Montag, den 1. Dezember, sprach der bekannte Orient- Politiker und Palästinaforscher Dr. Alfred Nossig aus Berlin auf Einladung der Vereinigung jüdischer Exportakademiker über den Wiederaufbau Palästinas. Rückblickend auf die Palüstinapolitik der Propheten ist Redner bemüht, einen Ausgleich zwischen Orthodoxie und Zionismus zu finden. Nossig teilt den Jischuw in zwei Gruppen; in den vormessianischen und in die Zeit des Messias. Letzterer bringt die geistige Erlösung; die wirtschaftliche Erlösung müssen wir vorbereitend Wenn nian auch nicht in allem einer Meinung mit Dr. Nossig ist, so muß man es doch wärmstens begrüßen, wenn ein Gelehrter von dem Range Nossigs den orthodoxen Prinzipien so viel Verständnis entgegenbringt. Redner bezeichnet es als großen Fehler, daß in den letzten Jahrzehnten die Hauptarbeit für politische Organisation, auf dem Gebiete des wirklichen Jischuw aber fast nichts geleistet würde. Hieran hätten aber die heutigen zionistischen Führer keine Schuld; diesen zollt Dr. Nossig volle Anerkennung. Nachdem Redner in kurzer, klarer, zusamnrenfassender Weise alle politischen und wirtschaftlichen Fragen der Palästinakolonisation behandelt hat, sieht er die beste Lösung des schwierigen Problems in der Neutralisierung Palästinas. Stürmischer, nicht endenwollender Beifall folgte dem interessanten Vortrag. _ G. Die GesamlorganiMon der Inden in Deutschland. , Im Deutschen Reiche hat sich ein Wettrennen zwischen Gemeindebund und Verband der deutschen Juden herausgebildet. Jede der beiden Körperschaften will eine Zwangsorganisation der Judenschäft schaffen und leiten. Die Orthodoxie hat dabei die Rolle des Tertius gaudet. Die existierenden Zwangsorganisationen (Baden, Württemberg, vormals Frankreich) haben wenig Gutes gestiftet, das religiöse Leben zum Erlöschen gebracht und die Kluft zwischen Juden und Juden bedeutend erweitert, Dank der Jndoleranz der leitenden Neologen. Geistig und wirtschaftlich blutende Judengemeinden gab und gibt es nur dort, wo sich selbe frei entwickeln können. Die absolute Unabhängigkeit der Gemeinden war nie ein Hindernis des freiwilligen, segensreichen Zusammenarbeitens zur Abwehr gegen Angriffe und zu werktätiger Schaffung von Lehrstätten und Wohlfahrtseinrichtung. Jabotinsky gegen den alten Yishuv. Bekanntlich hat der „alte Iishuv" in Palästina die Teilnahme an den Wahlen zur Nationalversammlung aus Opposition zum Frauenwahlrccht verweigert. V. Jabotinsky richtet im Jerusalemer Tagblatt „Hadaschoth Haaroz" einen scharfen Artikel gegen diese Haltung der palästinensischen Orthodoxie, in welchem er unter anderem Folgendes sagt: „Man bezeichnet dieses Element bei uns mit dem Namen der „alte Mshuv". Dieser Name geziemt sich absolut nicht für ihn, denn auch im „alten Iishuv" gibt es Männer, die bis zur Aufopferung arbeiten und kämpfen. Er zählt Männer, die mit uns in denselben Reihen stehen uub Elemente, die außerhalb unseres Lagers sind und die Teilnahme an den Wahlen verweigern. Warum sollte man deswegen soviel Lärm schlagen? Welchen Nutzen kann uns eine Verbindung mit Menschen bringen, die sich nicht mit uns durch ein Ideal und eine Sprache vereinigt fühlen? Warum sollte man unser kleines Schiff mit einem so schweren Ballast beladen? Wer weiß, vielleicht nützt es selbst unserer Sache, dieses unfruchtbare Element schon des Frauenwahlrechtes halber von der Einmengung in unsere nationalen Interessen und den Aufbau unseres nationalen Hauses fernzuhalten. So würde man in jedem europäischen Staate handeln, wenn sich dort ein Element fände, das alle Gemeinschaftsprinzipien verleugnet. Und wenn sie sich gar selbst von uns trennen wollen, warum sollten wir sie hindern? Die ganze Luft ist voll Drohungen. Alle diese Drohungen haben gar keine Bedeutung Es kommt auch in Europa vor, daß manche Bürger nicht zur Wahlurne gehen wollen — aber niemand kümmert sich darum. Sicherlich werden unsere Gegner aus diesem Zwischenfall Münze schlagen wollen. Aber schließlich werden selbst unsere Feinde, wenn von der einen Seite Kultur, Kapital und Arbeit geliefert werden wird und von der anderen Seite nur Chalukazettel präsentiert werden, keinen Augenblick zweifeln, wen sie ernst zu nehmen haben." (Jabotinsky möge bedenken, daß die Orthodoxie sich nicht einschüchtern läßt. D. R.) Die jüdische Situation in Rußland. M. Dizengoff. der Bürgermeister von Tel-Aviv, der kürzlich von einer Reise nach Südrüßland in London eingetroffen ist, machte dem Londoner jüdischen Korrespondenzbureau die folgenden Mitteilungen über die jüdische Situation in Südrußland: Die Juden, der Bolschewismus und Denikin. Wie sehr die Ueberzeugung von der bolschewistischen Orientierung der Juden auch Denikin und seinen Kreis beherrscht, mag der folgende, recht charakteristische Vorfall illustrieren. Als eme jüdische Deputation sofort nach dem Pogrom in Fastoiv bei ihm in Odessa vorsprach, erklärte er unter allen: „Man behauptet, daß ich erst jetzt Maßregeln gegen die Pogrome zu ergreifen beginne. Das ist nicht wahr. Ich war immer aus staatlichen und christlich-moralischen Gründen gegen die Pogrome. Aber dieser Augenblick ist nicht geeignet, die Ursachen der Pogrome zu erörtern. Sagen Sie Ihrer Jugend, sie möge ihre Orientierung ändern. Sie werden uns dadurch die Bekämpfung der Pogrome erleichtern." Oder ein anderer Vorfall, der gleichfalls beweist, daß Denikin die Pogrome mit dem Bolschewismus der Juden zu entschuldigen versucht: Eine jüdische Deputation übergab Denikin in Rostow ein Memorandum, in welchem sie unter anderem ausführte, daß man das jüdische Volk wegen Trotzki ebensowenig zur Verantwortung ziehen dürfe wie das russische Volk wegen Lenin. Trotz dieser treffe,iden Bemerkung hielt es Denikin für nötig, der Delegation die übrigens unwahre Mitteilung zu machen, daß „Zionistische Bataillone" gegen die Russen kämpften. Die Legende des jüdischen Bolschewismus. Die Legende von der bolschewistischen Tätigkeit der Juden wird mit einem solchen Eifer verbreitet, daß ich in Odepa selbst Juden traf, die überzeugt waren, daß der Bolschewismus von den Juden geschaffen worven sei. Ich will die vielen und überzeugenden Argumente, welche gegen diese sinnlose Behauptung ins Feld gerührt wurden, nicht wiederholen und nur darauf Hinweisen, daß in dem Gebiete, das heute von den Bolschewiki beherrscht wird, hundert Millionen Russen leben, wovon nur ein halbes Prozent Juden sind. Die Pogrome in Südrüßland. Die Pogrome haben nicht bloß in ihrer Anzahl, sondern auch in der Brutalität ihrer Durchführung eine Steigerung erfahren, wie sie die menschliche Phantasie niemals für möglich gehalten hätte. Die Pogrome haben neue, bisher ungenannte Formen angenommen. Ausbreitungen, in welchen jüdische Häuser geplündert und einige Dutzend Juden blutig geschlagen werden, finden keine Beachtung und werden selbst von den jüdischen Blättern nicht erwähnt. Wenn nichtHunderte von Toten den Hooligans zum Opfer fallen, wagt man nicht einmal einen Protest zu äußern. In vielen Städten folgt ein Pogrom in schneller Reihenfolge dem anderen. In Balta fanden 16 Pogrome, in Elizabethgrad 6 Pogrome

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