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Jüdische Korrespondenz · 1919-12-05 · 45 (5.12.1919) · page 2

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
5 (1919)
Issue
45 (5.12.1919)
Date
1919-12-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seife 2 Jüdische Korrespondenz Nr. 48 licher Gemeinheit, die ihre trüben Schlammfluten gegen uns heranwälzt. Das ist die große Forderung, die diese Zeit erneut an uns stellt. Der Kampf gegen unsere Feinde, bloß menschlich, nur politisch gefaßt, ist Lärm und Gezänk. Ich kenne das „Ja, aber —", das mau mir entgegenhalten mag. Aber ich sehe eine Gefahr, tiefer als der Judenhaß mit seinen Pogromdrohungen. Und ich will — als Jude — nicht, daß die Angst uns erniedrige, und daß der Kampf „ums Glück" oder um die „vitalen Interessen" uns zu blinden Bettlern mache. Hüten wir uns davor, daß wir nicht in uns selber unsere schlimmsten Feinde werden! Ueber den Leichen der Erschlagenen würde der ewige Gedanke schweben, wenn ihre Seelen rein geblieben —, aber die Lebenden wird er verlassen, die das Haßgist selber ergriffen hat! Eine jüdische Legende erzählt uns, daß aus dem Tempel, den die Chaldäer umlagerten, eine Stimme ertönte: „Dringet hinein, ihr Feinde, und kommt herzu, ihr Hasser! Denn der, der das Haus bewacht, hat es verlassen!" Hüten wir uns, daß dies Wort nicht an unserer Seele zur Wahrheit werde! („Im deutschen Reich".) Anti semitisches aus der slowakischen presse. Das Tyrnauer Wochenblatt „Slovensko" beschäftigt sich, wie die „Jüdische Volkszcitung" berichtet, in seiner Festnummer vom 28. Oktober mit der Judenfrage. Unter dem Titel »Po roku so Zidmi“ („Unser Verhältnis zu den Juden nach einem Jahre") wirft das Blatt einen Rückblick auf die Tage der vorjährigen Herbstrevolution und der Novemberplünderungen, bei welcher Gelegenheit „der lange unterdrückte Haß mit elementarer Wucht ausbrach und mit einem Schlage die Feinde des slowakischen Volkes wegfegte". Meist waren es Juden, fügt das Blatt hinzu. „Innerhalb einer kurzen Zeit sah es bei uns aus, als wäre der Boden mit einem guten, festen Besen reingefegt worden." Bald hätten aber die Juden mit ihrem scharfen Blick erkannt, daß unter den neuen Staaten, die auf dem Gebiete der früheren Monarchie entstanden waren, die tschechoslowakische Republik das am besten eingerichtete Staatswesen sein würde. Darum hätten sich die Juden langsam, ohne unliebsames Auffehen zu erregen, wieder in die Slowakei eingeschlichen und diese alsbald ganz überflutet. „Vergeblich wirfft du .den Juden zur Türe hinaus, durchs Fenster kommt er wieder, eventuell auch durch den Schornstein." Das Blatt vergießt bittere Tränen darüber, daß fast alle durch den Novemberpogrom fortgescheuchten Juden nach Tyrnau zurückgekehrt seien, und weist auf das „mustergültige" und nachahmenswerte Beispiel der slowakischen Bevölkerung in Modern hin, wo den zurückkehrenden Juden die Möglichkeit der Wiedereröffnung ihrer Geschäfte genommen wurde. Oeffnete der Jude trotzdem einen Laden, so wurde er boykottiert, bis er sein Ränzlein schnürte und das Weite suchte.... * ' In Heft 8/9 der in Lip. Sv. Mikulas erscheinenden kirchlichen Monatsschrift^ „Cirkevne Listy" erschien ein Aufsatz „Rovnoprävnost a 2idia“ („Die Gleichberechtigung und die Juden") von einem Anonymus, der die längst als böswillige Verdrehungen und Fälschungen nachgewiesenen Eisenmengerschen und Rohlingschen christenfeindlichen „Zitate" aus dem Talmud, aus Maimonides usw. dem unwissenden slowakischen Lesepublikum breit auftischt, dem für solche „Belehrungen" gar so empfänglichen slowakischen Volke weiszumachen sucht, die jüdische Religion erlaube ihren Bekennen: jede Schandtat gegen Nichtjuden, und daraus die entsprechenden „praktischen" Folgerungen ableitet. Diese Folgerungen bestehen für das fromme Blatt darin, daß der tschechoslowakische Staat ein Unrecht begehe, den Juden, deren Religionsgesetz derartige Moralgrundsätze enthält, bürgerliche Gleichberechtigung zu gewähren. Gleichberechtigung könne nämlich nur zwischen moralisch gleichwertigen Gruppen bestehen, die Juden aber stünden in moralischer Beziehung viel tiefer als das christliche slowakische Volk. In concreto verlangt die kirchliche Musterzeitschrift darum, daß die Juden in der tschechoslowakischen Republik von allen öffentlichen Aemtern ausgeschlossen werden. Eine andere Praxis würde für den Staat eine stete Gefahr bedeuten. Im übrigen meint das Blatt, daß es damit keine Entrechtung wolle, sondern nur die „ganz selbstverständliche" Forderung aufftelle, daß der Genuß gleicher Rechte auf diejenigen beschränkt bleibe, die gleiche Pflichten — auch auf moralischem Gebiete — haben. So schreibt man im Jahre 1919 in der tschechoslowakischen Republik.... __ Aus Ungarn. Nach Zeitungsberichten soll sich Kultusminister Haller zur Judenfrage geäußert haben, der zu große Einfluß der Juden auf wirtschaftlichem Gebiete müsse eingedümmt werden und für die Hochschulen und freien Berufe der numerus clausus eingeführt werden. Die Ungarn sind ein Volk von Adeligen, denen Arbeit und Studium nicht paßt. Nur die Arbeit der Juden hat den ungeahnten Auffchwung Ungarns geschaffen. Die hervorragendsten Dichter der Gegenwart sind Juden. Der Einfluß der modernen Juden ist ja dem klerikalen Interesse nicht förderlich. Ob aber die Angst vor 4% Prozent der Bevölkerung Berechtigung hat, nicht vielmehr eine Schmach für die restlichen 9572 Prozent derselben ist, die nur zu arbeiten und studieren brauchte, um diesen Einfluß auf das richtige Maß zurückzuführen, bleibt zu bedenken. Agudas Jisroel. Für den 2. und 3. Dezember ist nach Preßburg eine Versammlung der orthodoxen Landesrepräsentanz einberufen, zum Zwecke der Gründung des Agudas Jisroel-Verbandes für die Tschechoslowakei. Solange das ungarische orthodoxe Judentum in der Landeskanzlei seine staatlich dekretierte Zentralen hatte, war die Gründung eines neuen Verbandes nicht absolut geboten. Nun der Krieg dieses Band zerrissen hat, muß eine Organisation geschaffen werden, die die a- und antireligiösen nicht zu allein Herrschenden werden läßt. — In der guten alten Zeit genügte sich jede Gemeinde in ihren Leistungen für Thauroh, Awaudoh und Gmilus Chesed. Nur die Jeschiwaus wurden von allen Gemeinden gefördert, weil das Thaurohstudium allgemein anerkannt war (und ist) als das erhaltende Element des Judentums. In Notfällen oder für besondere Verhältnisse fanden sich die Gemeinden allezeit zusammen. — Auch die materiellen Verhältnisse der Gemeinden erfordern einen Zusammenschluß, da durch Krieg, Pogrome und andere Katastrophen Gemeinden finanziell und dadurch auch geistig geschwächt worden sind, und wieder aufgebaut werden müssen. Es ist zu hoffen, daß die Agudas Jisroel durch zielbewußte, selbstlose Arbeit in der Tschechoslowakei segensreich wirken wird und daß die Einfügung in den Weltbau der Agudah zur Erstarkung der Orthodoxie im allgemeinen führen wird. P. Die Palästinenser Flüchtlinge. Die Heimbeförderung dieser unserer notleidenden Brüder vollzieht sich, Dank dem Zusammenwirken aller großen Organisationen, in schönster Ordnung. — Ende November reisten 70 Personen von Triest ab. Am 14. Dezember geht ein zweiter Transport. Der Joint, die Adas Jisroel und die „Jugendgruppe" gaben ihnen Lebensmittel mit. Die Freude der Heimkehrer ist unbeschreiblich. Unsere besten Wünsche für ihr ferneres Wohlergehen im Lande unserer Väter und unserer Zukunft begleiten sie. Die Herren Oberrevident Csermak und Revident Saulich von der Südbahn haben sich um die Reisenden alle Mühe gegeben und sich Anspruch auf unseren besten Dank erworben. Die ausländischen Missionen, ganz speziell die italienische, durch Beistellung von Begleitmannschaft, und Herr Togetto

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