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Jüdische Korrespondenz · 1919-09-23 · 35 (23.9.1919) · page 13

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
5 (1919)
Issue
35 (23.9.1919)
Date
1919-09-23
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 35/36 jüdische Korrespondenz Seite 13 hat auch die Deputation der B'ue Brüh Loge und der zionistischen Föderation für die Türkei empfangen, die die gleichen Ansichten vertraten wie der Chiefrabbi. Korrespondenzen. Karlsbad. Dem hier zur Kur weilenden bekannten Führer der Schweizerischen. Agudas Israel Organisation H. E. Botschko aus Basel haben wir zu verdanken, daß auch hier ein Agudas Israel-Verein ins Leben gerufen wurde. Trotzdem vor und während des Krieges eine beträchtliche Anzahl frommer Familien aus Galizien sich hier niedergelassen hatte, gelang es doch bis jetzt nicht, sie zu sammeln und unter einer Fahne zu organisieren. Dagegen gibt es hier organisierte zionistische Vereine und ein Blauweiß, deren Strom leider auch manche von unserer frommen Jugend mitreißt. Dank der regen Agitation des Herrn Botschko gelang es uns, die hier niedergelassenen frommen Jehudim zu versammeln. Der hier wohnende Rabbi Moses Lifschitz erösfnete die Versammlung mit einer warmen Ansprache und begrüßte auch die zur Versammlung erschienenen vielen Rabbiner und Kurgäste. Alsdann hielt Herr Botschko ein inhaltsreiches, formvollendetes Referat über das Thema „Was bedeutet und bezweckt Agudas Israel". Er gab uns einen interessanten Bericht über die Konferenz in Zürich iind über den neuen Umschwung, der in der Konferenz zutage tritt, streifte die Gegensätze der Zionisten und Aguda, informierte uns über die neuesten Zustände in Palästina und an Hand von vielen Zitaten von Talmud und Medroschin appellierte Herr Botschko an alle thoratreu gesinnten Juden sich der Aguda anzuschließen. Dem hochinteressanten Vortrage folgte eine lebhafte Debatte, die vielen gerichteten Fragen beantwortete der Referent meisterhaft. Die vom Vorsitzenden Rabbi Moses Lifschitz vorgeschlagene Resolution, in Karlsbad einen Aguda- Jsrael-Verein zu gründen, wurde von den zahlreich Versammelten einstimmig mit Begeisterung angenommen. Es wurde ein Vorstand von folgenden Herren gewählt: M. Passenbaum, Präsident, H. Wilkenfeld. Vizepräsident, M. Fakler, Kassier, P. Nab, Aktuar, M. Berdfeld, Protokollführer. Rabbi Moses Lifschitz beantragte alsdann, eine Talmud Thora nach dem Muster der Schlome Emune Israel in Polen zu gründen. Nach einer lebhaften kurzen Diskussion wurde die sofortige Gründung der Talmud Thora beschlossen und eine ansehnliche Summe wurde an Ort und Stelle hiefür gezeichnet. Die Herren H. Witelson, E. Heller und Ch. Fakler wurden in die Talmud Thorakommission gewählt. Die Talmud Thora ist nun bereits ins Leben gerufen, die von zwei guten Lehrern geleitet wird und in der zahlreiche Kinder von Alef-Bet bis Gemore Unterricht bekommen. Das ist der schönste Erfolg, den unsere Aguda in ihrer Anfangstätigkeit zu verzeichnen hat! P. R ab. Baden- (Doppelbarmizmah.) Samstag, den 13. September, fand im Hause des hier zur Kur weilenden Josef Goldmann aus Wien, eine solene Barmizwahfeier seiner beiden Söhne David und Elchanem statt. Herr Josef Goldberg gehört in Wien dem Kreise der Schlome Emune Jisrael an und ist als wahrhafter Ben-Thora und edler wohltätiger Jehudi bekannt. Er ist stets bemüht, seine Söhne im wahren Geiste des Judentums zu erziehen. In der hiesigen Synagoge, in der die beiden begabten Söhne zur Tora aufgerufen worden sind, leitete der neu engagierte Oberkantor Herr Salomon Kreuzstein den Gottesdienst. Herr Kreuzstein, der in sich die Kenntnisse des ostjüdischen Chazonaus mit westlich lvokaler Musik vereinigt, trug das Mi-Schebenoch herrlich vor. Herr Kreuzstein, der aus Mähr.-Kromau, wo er im dortigen Tempel eine segensreiche Tätigkeit entfaltete, hieher engagiert wurde, entzückt alle andächtigen Herzen durch seinen wahrhaft Misch verinnerlichten Gottesdienst. W- SarnMennachmchten. Mitteilungen und Familiennachrichten an die Redaktion erbeten.) Herr David Breuer, Aüsschußmitglied der orthodoxen Jugendgruppe, Sohn des Herrn Albert Breuer, hat sich mit Fräulein Margit Steiner (Györ) verlobt. Vorigen Dienstag fand hier die Hochzeit des Herrn Siegmund Steinmetz (Budapest) mit Fräulein Hanna, Tochter des Herrn Adolf F e l s e n b u r g, statt. Rosch Daschana. Der Schofar tönt zur Feierstunde. Ein neues Jahr heut' Einzug hält, Zu feierlicher Andachtsrunde Hat Israel sich eingestellt. — Das alte Jahr bracht' bange Stunden Dem Herzen und der Seele oft; Und schwer nur haben überwunden Wir das, was wir ersehnt, erhofft. — Allgüt'ger Gott, lenk' unsre Schritte. Dir können wir uns anvertrau'n, Voll Zuversicht mit festem Tritte Der Zukunft in das Auge schau'n. O bringe Gutes uns und >Lregen, Und Wonne. Freude, Sonnenschein, Spend' Heil und Trost uns allerwegen, Lass' es ein „schonoh tauwoh" sein! _ Mar Gottheiner. Am lleujahrsabend. (Eine Agada.) In einem persischen Dorfe lebte ein frommer und gerechter Manu, der Zeit seines Lebens allem Bösen fernblieb. Im Schweiße seines Angesichtes säete und erntete er sein Brot, aber der Segen ruhte nicht über seiner Arbeit. Es war am Vorabend des Neujahrsfestes, als die Sonne sich zum Untergehen neigte, da ging der Mann hin und schenkte einem Bettler ein Geidstück. Dann eilte er in das Bethaus, um sein Herz vor Gott auszuschütten. Nach dem Abendgebete ging die ganze Gemeinde nach Hause, und die Weiber mit ihren Kindern kamen ihnen entgegen, um sie zum neuen Jahre zu beglückwünschen. Aber das Weib jenes Frommen überhäufte ihn statt mit Segenswünschen mit Vorwürfen, weil er dem Bettler die Münze gegeben hatte. Der Mann suchte sie zu begütigen und sprach ihrem Herzen Trostworte zu, sie möchte doch ihren Groll ablegen. Aber gleich einem aufgeregten Meere konnte sie ihren Sturm nicht besänftigen. Da ward des braven Mannes Seele unwillig und er grollte seinem Weibe ob der Entweihung des heiligen Festtages. Er verließ sein Haus und zog hinaus auf den Friedhof, um sich dort niederzulegen. Und um Mitternacht erklang plötzlich eine Stimme an sein Ohr. Er lauschte und vernahm folgende Worte: „Fliege, o Schwester, mit unserent Troß Lausche, was birgt das Jahr in dem Schaß." Und ein Mädchen antwortete: «In einer Strohmatte begraben liege ich hier. Doch eilst Du und horchest, dann kündet mans Dir!" Die Worte verstummten und Stille erfüllte die Luft. Und der Mann hielt den Atem an und schloß die Augen aus blasser Furcht, bis der Schlaf ihn umsing. Und bevor noch die Morgenröte heraufzog, da sangen die Lüfte: „Eh' noch des ersten Vierteils Runde Die Ernte voller ließ ersteh'st. Stürzt seine Flut des Hagels Tücke Herab, und alles wird vergeh'n." .Die Sonne stieg über die Erde auf und spiegelte ihr Antlitz in dem Flusse. Da erhob sich der Mann und ging nach dein Bethause. Und es geschah, da die Tage der Saat herankamen und alles Volk den Keim in den Erdboden senkte, daß ein gewaltiger Hagel niederging und alles Gewächs hinwegfegte. Und der Mann, der erst daraus gesäet hatte, erntete reiche Frucht im Lande. — Wieder war ein Jahr um. und der Mann lag wiederum aus dem Orte, da er am verflossenen Neujahrsabend geruht hatte. Und um Mitternacht vernahm er wiederum die gleiche Stimme, die ihm vor Jahresfrist an das Ohr geklungen: „Fliege, o Schwester, mit unserem Troß Lausche, was birgt das Jahr in dem Schoß." Und wiederum antwortete das Mädchen: „Gefesselt in meiner Strohmatte lieg ich hier, Doch eilst Du und horchest, dann kündet mans Dir!" Die Stimmen verhallten und alles schwieg ringsum. Der Mann schloß die Augen und schlief ein. Und noch bevor die Morgenröte heraufzog, tönte es also in den Lüften: „Was in des zweiten Vierteils Kreis Des Landmanns fleißige Hand gesäet, Wird nimmer euer Herz erfreuen, Weil Sturmesmacht es rasch verweht." Die Sonne stieg über die Erde aus, und der Mann erhob sich und wusch sein Gesicht in den Fluten des Wassers. Dann begab er sich in das Bethaus. Und es geschah, da die Zeit der Saat heränkam, daß sich der Mann gar sehr mit seiner Arbeit tummelte. Das Volk aber meinte, man solle sich nicht so beeilen, denn der Hagel könnte kommen, und wie ini verflossenen Jahre alles zerstören. Und als der zweite Regen eintrat, dann erst begannen sie zu säen. Aber Gott brachte einen heftigen Sturm über das Land und alle Frucht und Saat fiel ihm zum Opfer. Aber der Saat des Mannes tat er keinen Schaden. So ward des Mannes Arbeit gesegnet und er wurde reich. Da sah das Volk, daß Gott nicht nur im vergangenen, sondern auch in diesem Jahr mit ihm war und drängte ihn, ihnen die Ursache seines Glückes zu künden. Er aber hütete sein Geheimnis gar wohl. Da kam zu ihm sein Weib und bat ihn, ihr sein Geheimnis zu enthüllen, er aber weigerte sich dessen. Als sie jedoch ihn unaufhörlich plagte, da schüttete er ihr sein Herz aus. Einmal brach ein Streit aus zwischen dem Weibe des Mannes und der Mutter des Mädchens, das auf dem Orte begraben war, wo der Mann gelegen hatte. Da sagte das Weib des Mannes: „Komm und ich will Dir Deine Tochter in einer Strohmatte zeigen." Da weinte die andere und fiel aus das Grab ihrer Tochter und schüttete ihr Herz aus. Aber der Mann wußte von all dem nichts. Und als er im dritten Jahre am Vorabend des Neujahrsfestes auf dem gleichen Orte lag, da vernahm er um Mitternacht wiederum dieselbe Stimme:

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