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Jüdische Korrespondenz · 1919-09-23 · 35 (23.9.1919) · page 9

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
5 (1919)
Issue
35 (23.9.1919)
Date
1919-09-23
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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Nr. 35/36 Jüdische Korrespondenz Seite 9 ft " ■ ■ ■ ' - -- - ■ —■ ' ' rm- S! JUGENDGRUPPE-ABTEILUNG I ü :i Ü if was ist die Iugendgruppe! Die Jugendgruppe des Vereines zur Wahrung der Interessen des orthodoxen Judentums in Wien und Deutschösterreich, der in engem Kontakt mit allen auswärtigen orthodoxen Organisationen steht (Ungarische orthodoxe Zentralkanzlei, Slowakischer orthodoxer Delegiertentag, Agudas Jisroel in Zürich usw.), wurde vor fünf Monaten gegründet. Heute besitzt sie schon eine anerkannte Stellung und eine Popularität, wie andere Vereine erst nach Jahren reger Tätigkeit; ein Beweis, wie dringend es war, die Jugendgruppe zu schaffen. Unsere Bestrebungen werden von den Führern der Wiener gesetzestreuen Judenschaft gebilligt und gefördert. Zur Verwirklichung unserer Prinzipien benötigen wir dringend der Mithilfe aller, die für die heilige Sache Interesse haben. Tretet der orthodoxen Jugendgruppe bei, werbet und sammelt für sie. _ Mitarbeiten! Durch das besondere Entgegenkonnnen der Leitung der „Jüdischen Korrespondenz", die uns auch bisher die weitestgehende Unterstützung angedeihen ließ, ist es uns heute möglich, mit der ersten Nummer unserer „Jugendgruppen-Abteilung" in die Oeffentlichkeit zu treten. Was wir damit wollen, ist nicht mehr als wir sollen. Gleich der „Jugendgruppe" soll unser Beiblatt der Erstarkung der orthodoxen Jugend im Geiste unserer Tauroh hakdauschoh dienen. Ein jedes in diesem Geiste gesprochene Wort soll Raum finden. Es soll Gelegenheit geboten werden, die Gedanken der orthodoxen Jugend über sich selbst und anderer in unser religiöses Leben eingreifenden Fragen der Oeffentlichkeit zu übermitteln. Jiras hasehem Keschis daas. Voraussetzung für alles ist Gottesfurcht. Unsere Aufgabe im Goluth ist es, die Menschheit durch einen entsprechenden Lebenswandel in geistiger und materieller Beziehung dem sittlichen Hochziel der Gotteserkenntnis näherzubringen. Eine im Geiste unserer heiligen Tauroh und Emunah gereifte Jugend, ist die unbedingte Voraussetzung für die Erfüllung dieser unserer heiligsten Lebensaufgabe. Haben wir dieses Ziel erreicht und der Menschheit den Born ethischer Erkenntnis erschlossen und den Weg zu jenem moralischen- Niveau gebahnt, auf dem sich Wolf und Schaf zu gemeinsamer Weide finden können, wo sich wie Schomajim Esch Feuer und Majim Wasser, also alle Extreme zu einem Himmel vereinigen können, so ist dies wohl die sicherste Gewähr für unsere religiösvölkische Entwicklung. Unser Teil ist es, uns nun durch von dieser Erkenntnis erfüllten Führer, durch Zielbewußtsein, zum Teil auch Selbsterziehung, zu nützlichen Mitgliedern jenes Kreises zu machen. Wir haben keinen Kampf zu führen! Im Gegenteil: Ehauw es Habriaus, Liebe wollen wir allen entgegenbringen, die zu uns kommen wollen, wenn nur eine Möglichkeit zur verlangten Konsequenz umkorwom Latauroh, ein Näherbringen zur Tauroh, gegeben ist. Kraftvoll, aber geeinigt durch das Bewußtsein für unser Heiligstes dazustehen, wollen und werden wir allen jenen entgegentreten, bei denen wir unsere Aufgabe nicht erfüllen oder gar für unsere Bestrebungen Hohn ernten sollten. Wer eines Sinnes ist mit uns, der arbeitet mit! Ein Stein zum großen Aufbau soll die Jugendgruppe, ein Hobel unser Beiblatt sein. Die besten Männer der Orthodoxie stehen an unserer Spitze. Männer der Feder aus aller Herren Länder haben ihre Mitarbeit zugesagt. Wir stehen vor einem-schweren Stück Arbeit. Lol dowor schehie leschem schomajim szaufau lehiskajom. Jede ehrliche Sache hat Bestand! Auf zur Arbeit! __ Die Jugendgruppe. (Rückblick). Mit der Jahreswende tritt die Jugendgruppe in das zweite Kalenderjahr ihres Bestandes. Wir wollen nun über die kurze Zeit unseres bisherigen Wirkens Rückschau halten und frischen Mut fiir die Zukunft, die uns aller Voraussicht nach vermehrte Pflichten aufbürden wird, schöpfen. Unseren Prinzipien, Verbreitung der Thorakenntnis und Betätigung der Mizwaus entsprechend, richteten wir sofort, nachdem die anfangs schwierigste Frage des Lokales unverhofft durch das besondere Entgegenkommen des Herrn Gabriel Fischer rasch gelöst war, als erstes täglich stattfindeude Schiurim ein. Der zahlreiche Besuch der vom ersten Tage angefangen und bis heute nicht nachgelassen hat, ließ die Notwendigkeit der Jugendgruppe im richtigen Lichte erscheinen. Die hervorragenden Leiter unserer Vorträge vermochten auch alsbald die Menge der bis dahin Teilnahmslosen heranzuziehen, so daß es bald soweit kam, daß bei einzelnen Vorträgen die Türen zu unserem Lokale, das sich schon vom Anfang an als zu klein erwies, geschlossen werden mußten, so daß wir wieder vor die Aufgabe, ein neues den Erfordernissen entsprechendes Heim zu schaffen, gestellt waren. Doch darüber später. Das so recht im jüdischen Zentrum gelegene Heim war denn auch bald, so wie wir es uns ursprünglich dachten, der Treffpunkt der orthodoxen Jugend. Kaum wurde das Lokal geöffnet, hatte sich auch schon eine Anzahl junger Leute eingefnnden, die sich mit Lektüre ans unserer reichhaltigen Bibliothek die Zeit vertrieb, um dann mit doppelter Aufmerksamkeit den geistreichen von Jiras Schomaijm erfüllten Worten des Vortragenden zu lauschen. Wohl mancher mochte nach einem solchen Schiur so erst recht empfunden haben, was ihm eigentlich schon längst innewohnte und nur des Anfanges bedurfte. Doch bald sollten auch die sozialen Bedürfnisse unserer harten Zeit ihre Anforderung an uns stellen. Den Jugoslaven gefiel es, von dem Sturme der Zeit dorthin verschlagene galizische Flüchtlinge aus ihrem Lande zu weisen und die Zukunft dieser Vertriebenen der Ungewißheit des von Pogromen durchzogenen Polen zu überantworten. Volle drei Wochen lagen sie, 90 Personen, mit ihrer umfangreichen Habe in 15 Waggons am Frachtenbahnhof der hiesigen Nordbahn. Volle drei Wochen versorgten wir diese Leute mit allem Nötigen. Allen bei diesen Menschen ziemlich zahlreichen Bitten, deren Erfüllung im Bereiche unserer Kräfte lag, wurde stattgegeben. Pflichteifrige Mitglieder begannen auch alsbald den in Wien so ziemlich im Argen liegenden Krankenbesuch; so lange A^aterial zu beschaffen war, also noch bis vor kurzer Zeit betätigte sich der Frauen- und Mädchenverein Krankenbesuch „Burkui Chaulim" sehr rege auf diesem Gebiet. Es ist wohl keine kleine Leistung, wenn es diese Wackeren so weit brachten, daß das Versorgungshaus in Lainz, welches seiner Entlegenheit halber bisher so stiefmütterlich behandelt wurde, allwöchentlich besucht wird. Hochherzige Spender haben es ermöglicht, daß unsere Besucher nicht mit leeren Händen kommen, vielmehr einem jeden irgendeine Aufmerksamkeit in Form von Erfrischungen und Gebäck zu erweisen. Reiches Feld zur Betätigung wurde uns durch die unter Aufsicht von Morenu eröffneten, von Frau Anitta Müller geleiteteu amerikanischen Kinderküchen gegeben. In klagloser Weise wurde ein von unserem dazu eingesetzten Küchenkomitee organisierter Aufsichtsdienst, so lange derselbe notwendia war, versehen. Einwandfreie Maschgichim sorgen für das Kaschruth in den Küchen. Bei der Aktion „jüdische Kinder aufs Land" war Zn keinem orthodoxen haute fehle die „Mitehe horretponsenr".

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